One way Ticket to Vegas - Der Film zur Tragödie!

Freunde des Flugfernverkehrs,

wir sind wieder sicher gelandet!

Die abenteuerliche Geschichte von unserem Vegas-Trip werdet ihr in Kürze hier nach lesen können. Bis dahin präsentiere ich euch heute den dazugehörigen Kurzfilm "Ich bin für's Rollen..."! Wem's gefällt darf gerne liken und sharen. Enjoy! :)



Life is a Lemon and I want my money back!

Der sicherste Weg nicht von der NSA geortet und ausspioniert zu werden ist, sein Mobilfunkgerät im nächst besten Ozean zu versenken. Genau dies tat ich. Um 14:30 Uhr. US-Ostamerikanischer Zeit. 

Was zuvor geschah...

Um 4:30 Uhr brachen Sissy und ich unseren 24h-Trip nach Vegas an. Die vernebelten Autobahnen der deutschen Bundesrepublik ließen uns trotz Ferienanbruch gut durchkommen und ermöglichten uns eine punktgenaue Ankunft in Düsseldorf. Noch immer ohne gültigen Flugausweis stiefelten wir zum Check-In um alle Formalitäten zu klären. Dies gelang uns auch, doch wurden wir zugleich von der hoch unmotivierten Air-Berlin-Dame, mit ernstem Blick und garstigem Unterton biestig belehrt, dass wir keineswegs den Flughafen in Miami verlassen dürften. "Das geht nicht! Sie befinden sich im Transit!" Schnippig reichte sie uns die Pässe zurück und rief das nächste Opfer ihrer Guten-Morgen-Laune auf. "Das werden wir ja noch sehn, ob wir in Miami 8 Stunden am Airport festsitzen werden!" prosteten uns Sissy und ich zu, als wir um 7 Uhr morgens die erste Flasche Sekt öffneten. Zuvor hatten wir uns eine 2. Meinung einer Info-Service-Dame eingeholt, die für ein 1:1 Airport - Beach sorgte. Nachdem wir auch die zweite Flasche gelehrt hatten, stand uns nichts mehr im Weg zunächst den Security Check und anschließend den Flug zu überstehen. Vielleicht bin ich schon auffällig geworden als ich an der Passkontrolle fragte, ob sie denn meinen Pass sehen wollten. Der Zusatzcheck erfolgte aber tatsächlich erst, als wir schon den Gangway durchliefen und kurz vor der Maschine standen. Sonderkontrolle: Drogen. Herzlichen Glückwunsch! Im leicht angetrunkenem Zustand öffnete ich meine unzähligen Rucksackfächer, ließ meine Schuhe kontrollieren und entschuldigte mich nochmals bei der Dame, dass mein Rucksack so verschachtelt sei. Während Sissy schon ihren Sitz eingenommen und das Flugprogramm studiert hatte, nahm ich dann auch endlich Platz und verfiel, genau wie Sissy, noch bevor das Flugzeug abheben konnte, in einen Tiefschlaf. Der Sekt tat seine Wirkung.Die 9 Stunden vergingen wie nichts und außer den Mahlzeiten (hervorragende Küche: Krautsalat + Frikadelle und Omas hausgemachten Bienenstich als Dessert), bekamen wir auch rein gar nichts mit. Bis auf die Landung. Wellengang ist dagegen ein Witz. Es war das erste mal, dass ich im Flugzeug jemanden die Tüte in Gebrauch nehmen sah. Das arme Kind. Einmal auf dem AirBerlin Flugzeugteppich übergeben. Unbezahlbar.Die Landung überstanden wir dann doch irgendwie ganz unversehrt und begaben uns durch den Zoll. Dieser bestätigte uns noch einmal, dass wir "aber natürlich" den Flughafen verlassen dürften. Lediglich ich wurde für ein paar Zusatzfragen (merke: Sicherheitscheck Nr.2) herausgezogen. "Wie lange bleiben Sie hier? Wo wollen Sie hin? Wieviel Geld tragen Sie bei sich?" So langsam wurde es mir zu bunt. Habe ich in solchen Angelegenheiten eigentlich Recht auf einen Anwalt und das Privileg zu schweigen?!Mit dem Zug fuhren wir bis zur nächsten Haltestelle und von dort aus folgten wir einem kanadischen Arzt, der ebenfalls nach Miami Beach wollte. Da die Fahrt bis da hin unwesentlich länger dauerte als auf Google Maps Maßstäben angenommen, hatten wir genug Zeit uns mit dem ca. 28-jährigen Chirurgen auszutauschen, der für eine Woche in Miami hospitieren darf. Er nahm noch meine Telefondaten auf, sollte mich aber schon 30 Minuten später nicht mehr erreichen können. Denn Sissy und mein Weg führte ohne größere Umwege direkt zum Strand. Geblendet von Palmen, Sand und vermutlich auch der einschlagenden Sonne, marschierten wir barfuß an und ins Meer. Die stechende Mittagssonne stach wutig auf uns ein, was vermutlich einer der Gründe war warum ich zu meiner Handykamera griff. Mein Instinkt sagte mir noch "Dieses Gerät wird gleich im Atlantik liegen", doch ausgenockt von der Hitze, ignorierte ich sämtliche Sicherheitshinweise meiner Gehirnstränge. Und so kam es, dass ich wenige Sekunden später  im Nordatlantik nach meinem iPhone fischte. Herzlichen Glückwunsch!Wir fanden uns nach diesem Desaster im Hard Rock Café ein. Das Handy glühend heiß und kurz vor Explosion. Ich hätte es am liebsten in die nächst beste Tonne geschmissen, doch wog ich Hoffnung an der noch immer brennenden Blitzlicht-LED, welche allerdings auf dem Rückweg an den Flughafen ebenfalls erlosch. Der Taxifahrer rief uns noch ein paar Fluche in Richtung Republikaner und dem drohenden final shut-down zu, bevor wir uns schon wieder am Check-in einfanden. Das mangelnde Personal zwang uns die Sicherheitskontrollen fast selbst durchzuführen, doch da hatte ich mich zu früh gefreut. Denn für eine Sonderkontrolle an mir ist noch keiner vorbei gekommen. Ich fragte mich schon was es diesmal sein könnte, da zog mir der Sicherheitsbeamte bereits einen seltsamen Streifen über die Finger. "Sprengstofftest. Wir testen, ob Sie Sprengstoff an den Händen hatten" - Na Bravo, dachte ich mir, wo ich doch das hoch explosive iPhone zuvor in den Fingern hielt. Doch auch hier kamen wir irgendwie durch und auch so schnell, dass wir immer noch 2 Stunden Aufenthalt hatten. Wir quälten uns durch die nicht enden wollende Zeit. Machten Rumproben, durchstreiften alle Duty-Shops, hielten einen Plausch mit den Akteuren der Fußballnationalmannschaft Jamaikas. Am Gate fragten wir uns unentwegt wann nun endlich das Boarding beginnen würde und ich wunderte mich noch was für Leute da mit uns nach Las Vegas fliegen sollten. Als es mir mit der Warterei zu bunt wurde, ging ich zum Schalter und fragte nach. "Let's say..we start boarding in like...5 minutes." Oh man, unendliche 5 Minuten. Es zog sich wie Gummi. Nach gefühlten 10 Minuten wurde endlich das Boarding nach York aufgerufen. ...Nach was??? York??! Sissy eilte zur Info. Dann zu mir. Und anschließend wir beide Richtung Gate E. Verdammt! Das Gate hatte sich geändert. Was musste denn noch alles passieren?? Völlig außer Puste erreichten wir unsere Maschine und die darin wartenden Fluggäste. Ich fiel auf meinen Sitz und schlief sofort ein. Irgendwann gegen Mitternacht erreichten wir Vegas. Das Taxi zockte uns nochmals 20 Bucks ab und die unfreundliche Hotelfrau erhob eine nicht abgesprochene Hotelfee von weiteren 100 Tacken. Zu allem Überdruss kamen wir in ein upgegradetes Raucherzimmer in das unsere Karte nicht passte. Doch uns war jetzt alles egal. Todmüde wie waren waren fielen wir nur noch ins Bett!Von meinem iPod gesendet

Vegas Baby, Vegas!


In Anbetracht der Tatsache, dass wir demnächst vor der nächsten Weltwirtschaftskrise stehen und dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten der Bankrott droht, fassten wir kurzum den Entschluss, die Vereinigten Staaten noch einmal vor der völligen Verwesung zu bereisen. Auch im Hinblick darauf, dass wir am alles entscheidenden 17.10.2013 womöglich direkt in amerikanisches Eigentum übergehen und als zukunftssichere Handelsware dienen würden, klickten wir waghalsig wie nie, den Buchungsbutton für 1x Düsseldorf – Miami – Vegas - und zurück an. Der Point-of-no-return war somit erreicht. Auf ins nächste Roadtrip-Abenteuer! Doch ob wir uns wirklich auf den Highways und Routes wiederfinden werden oder die Mission zwecks geschlossener Nationalparks und fehlendem öffentlichen Dienst vorzeitig auf Eis gelegt werden muss, wird sich vor Ort zeigen. Die triste Alternative für 5 Tage ist eine Wüstenstadt inmitten militärischem Sperrgebiet. Oh wie schön! 

Doch der Weg in die Höllenstadt wird steinig, hart und unberechenbar. Nicht nur, dass der frühe Vogel einen Weckruf von 3:30 Uhr herbeikreischt, - Nein, deutsche Autobahnen müssen bis ins gute alte Düsseldorf überquert werden. Einen Langzeitparkplatz heißt es bei Ankunft zu finden und von irgendwo im Nirgendwo per Shuttle zum Flughafen gebracht werden. Wenn das nicht genug wäre, besitzen wir bis jetzt noch kein gültiges Flugscheinticket und der Check-in hat wohl auch irgendwie gar nicht funktioniert. Sollten wir aber auch dieses Hindernis überwunden haben, droht der absolute Horror: Der Flug. Denn Sissy und ich (auch allen bekannt als Globetrotter und Weltenbummler), können eines an diesem ganzen Reisen überhaupt nicht verstehen. Warum muss man sich in so ein Höllending wie Flieger setzen und Stunden und Minuten in surrealen Höhen verbringen, wo nur ein leichter Luftzug dazu führt, das man sein Leben in kurzen Sequenzen noch einmal abspielt und sich leise vom Hier und Jetzt verabschiedet. Es wird auch nicht besser. Jeder Flug ist eine neue Herausforderung. Und auf jedem Economysitz (upgegradet wurden wir nämlich noch nie) findet ein weiterer Adrenalintrip durch wolkenlose Weiten statt. Dabei ist doch gar nichts dabei. Knapp 200.000 km habe ich jetzt mit dem Flugzeug zurück gelegt. Und doch kann ich jedes Mal mein Glück kaum fassen, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Und sollten uns auch nur ein Hauch dieses Glückes in Vegas wiederfahren, Leute, dann dürft ihr jetzt schon mal die Champagnerkorken knallen lassen! It's Vegas baby, we're all in!

PS: Grüße an den Besten in dem anderm Militär bewachten Gebiet :)


Mind the gap!

Act One - Keep left

Trotz heftiger Debatten um ein mögliches Eingreifen im Syrien-Krieg, hinderte uns dies nicht, am Donnerstagmorgen in aller Hergottsfrüh und Überhören des lautstarken Weckers, die verlängerte Wochenend-Reise nach London anzutreten. Gestärkt durch liebevoll belegte Brötchen des Catering Service Schmitt, erreichten wir den übersichtlichen, jedoch stressfrei- und sauberen Flughafen Köln/Bonn, von dem wir mit der Billig-Airline 'easyjet' nach London transferiert wurden. Nur eine Stunde dauerte dieses Unterfangen an, was uns zunächst ein zeitliches Plus verschaffte. Die folgenden transferlichen Aktionen machten dies allerdings umgehend wieder wett und rissen zudem ein höchst unschönes Loch in unsere Portokasse. Mit dem Gatwick-Express rollten wir vom Flughafen bis nach Victoria und von dort aus ging es, nach mehrfachen Gezeter am Ticketschalter, mit der Tube (zu Deutsch: U-Bahn) zur Endstation Holborn.


Das unhandliche Gepäckstück namens Koffer, welches schon am Flughafen nur mit viel Augenzudrücken und 0,6 kg Übergewicht (merke: wir teilen uns einen suitcase) durch den wachsamen Zoll gelassen wurde, sorgte auch in dem beengten U-Bahn Labyrinth für wenig Freude bei den beteiligten Trägern. Ein weiterer Fußmarsch von der Station bis zum Hostel, der mit unwesentlichen Verirrungen versehen war, führte uns schlussendlich zur BGI-Herberge 'Pickwick-Hall', die inmitten einer fein säuberlichen Allee und Altbauflair lokalisiert werden konnte. Der erste Eindruck im neuen zu Hause versprach ein ruhiges, freundliches Ambiente: nettes Personal, kostenfreies Internet, Frühstück inklusive, Blick ins Grüne, Mikrowelle und Kühlschrank auf dem Zimmer. Eine englischlernende Brasilianerin und eine taiwanesischen Kanadierin sollten unsere Zimmergenossen für die kommenden Tage werden, wobei Miss Brazil gegen eine ältere australische Dame am Folgetag ausgetauscht wurde.


Nach den ersten örtlichen Erkundungen der näheren Umgebung, machten wir uns auf Richtung 'Leicester' um dort die bereits online georderten Tickets für 'Les Miserablés' abzuholen. Der Fußmarsch, welcher laut Karte nur wenige Minuten bis zur gewünschten Straße andauern sollte, entpuppte sich als 5km-Walk, denn es konnte ja kein Mensch erahnen, dass das Theater am letzten Ende der Shaftesbury Avenue lag. Diese kleine Wanderung (Leute, wir sind ja nicht zum Spaß hier!) verschaffte uns jedoch einen guten Überblick, über die sich später heraus stellende Nightlife-Szene, in welcher auch noch ein Chinatown integriert war. In Folge der Ticketabholung, erblickten wir Piccadilly Circus, eine flimmernde Werbefront und DAS Pendant zum New Yorker Time Square. Auch unsere erste obligatorische Ration "Fish & Chips" ließen wir uns hier schmecken, bevor wir weiter zum Trafalgar Square zogen und für einige Fotosessions inne hielten. Kleine Randnotiz: Der Trip sollte sich zum Fotomarathon der Teresa Schmitt entwickeln, wobei gar ein neuer Rekord in der  Weitblickwinkel-Fotografie aufgestellt wurde.

Fish & Chips

Entlang der Whitehall erblickten wir weitere politisch bedeutende Gebäude, die immer wieder von "Love Syria" und "Welfare, not Warfare" - Plakaten geschmückt waren.  Auf der gegenüberstehenden Seite Kioske mit den aktuellsten Meldungen und Debatten rund um die Positionierung Englands im anstehenden Nah-Ost Krieg. Hoch über all dieser Informationsflut ragte "The Voice of Britain" - der Big Ben und nebenstehend 'Palace of Westminster' - stetig wie eh und je. Welcher dieser zwei geschichtlichen Bauwerke Londons die längere menschliche Wartschlange aufweisen konnte, oder ob am Ende doch der Neuzugang aus dem heutigen Jahrhundert, das "London Eye", dieses Wettstehen verzweifelter Touristen aus aller Herrenländer gewinnen konnte, erfuhren wir an diesem Spätnachmittag nicht mehr. Denn es galt sich zügig auf den Heimweg Richtung Hostel zu begeben. Hierbei erlebten wir den ersten finanziellen Rückschlag der da noch kommenden Tage. Resi hatte ihr für teures Geld erworbene Tages-U-Bahn-Ticket im Hostelzimmer liegen gelassen, was nun erneut am Ticketsystem erworben werden musste. Nach diesem Ärgernis änderten wir unsere Route und schlugen in Russel Square auf, um von dort mit einem wesentlich kürzeren Fußmarsch am Bedford Place anzukommen. Die Abendgarderobe wurde schnell übergeworfen, denn man wollte pünktlich um 18 Uhr Resis Londoner Reisegefährten in Leicester antreffen. Unterwegs begangen wir den zweiten großen finanziellen Fehlschuss und bogen kurz vor U-Bahn Station in einen Lebensmittelladen ein, damit sich Miss Schmitt eine Zahnbürste zulegen konnte. Viele Menschen dachten sich an diesem folgenschweren Abend ähnliches, sodass auch ich mein Tagesticket in dem menschlichen Wirrwarr verlor. Folglich musste ein neues Transportpapier angeschafft werden, was nicht zwingend zur Begeisterung der Reiseteilnehmer führte.


Trotz all dieser Fehlschläge erreichten wir mit nur 10 Minuten Verspätung (neuer Rekord!) das indische Restaurant Dishoom, welcher Treffpunkt der internationalen Runde werden sollte. Zu fünft bestaunten wir die umfangreiche, indische Spezialitätenkarten und waren sichtbar überfordert mit der Auswahl der Gerichte. Da dies auch den Bediensteten auf zufielen schien, wurde uns zur Entscheidungserleichterung erst einmal eine Flasche Champagner gereicht, die wir dankend annahmen. Selbstverständlich in der Annahme, dass diese später nicht auf der Rechnung erscheinen würde. Nur wenige Schlucke genügten, bis wir uns allesamt für das "Chicken Ruby" mit Curry, Reis und indischem Brotfladen entschieden. Eine kluge Entscheidung, die uns mundete und satt werden ließ. Originalzitat Resi: "Indisch ist gut. Einmal im Jahr reicht!". Mit Bezahlen der Kostbarkeiten UND der Champagner Flasche verließen wir die Gastronomie und begaben uns gegen 20 Uhr in Londons Barszene. Das Jewels, nähe Covent Garden, schlug mit läppischen 5 Pounds für eine importierte 0,33 Liter Flasche Becks gleich knallhart zu Buche, worauf Resi und ich beschlossen uns alle Folgegetränke ausgeben zu lassen. Das Porterhouse schräg gegenüber lud uns hierfür lautstark ein und Resis spendabler Reisefreund ‚Nikesh‘ organisierte die nächste, sowie auch letzte Bierrunde. Merke: Zu diesem Augenblick glaubten wir noch es läge an dem Donnerstagabend, dass Bars bereits zu früher Stunde schlossen.


Mit der U-Bahn ging es durch gefühlte 8 Mio. Menschen nach Hause ins friedvolle Hostel, wo uns die taiwanesische Kanadierin von ihrem Vorhaben den St. James Way in Kürze bestreiten zu wollen, in Kenntnis setzte. Nach viel geographischem Hin- und Hergerätsel wo dieser wohl liegen möge, stellte sich heraus, dass es sich um den Jakobsweg handelte. Erkenntnis des Tages: Man darf beim Übersetzen der englischen Sprache auch mal 5 gerade sein oder Jakob als James spaziergehen lassen. Hauptsache man kommt am Ende in Santiago de Compostela ohne größere Fuß- und Beinschmerzen an, wie es uns noch nicht einmal beim Durchqueren Londons Gassen gelungen ist. Das altbewährte Blasenpflaster lässt grüßen!


Act Two - Hear the people sing


Um 8:30 Uhr erschallte der Wecker und ließ uns wenige Minuten später am gedeckten Tisch der Hostelküche Platz nehmen. Müsli, Cornflakes, Toast und Marmelade - ein übersichtliches Menü, was jedoch ohne weitere Kosten versehen war und somit bestens in unseren BGI-Plan passte. Da unsere Zimmergenossen noch in den tiefsten Träumen schlummerten und das Bad, welches ansonsten nicht anzumängeln war, keine Steckdose aufwies, musste der Handlungsakt 'Föhnen' ins Wohnzimmer verlegt werden. Auch nett.


Wir hatten uns viel vorgenommen für die kommenden Stunden und so starteten wir im 'Green Park' durch, um von dort aus zum Buckingham Palace zu gelangen. Während diverser Fotoaufnahmen aus sämtlichen Perspektiven, füllten sich, zunächst von uns unbemerkt, die umliegenden Plätze mit Menschenmassen, bis wir plötzlich inmitten eines gefühlten Millionenpublikums standen. "Die Queen muss im Anmarsch sein", freuten wir uns, denn anders ließ sich diese Ansammlung von begeisterten und erwartungsvollen Leuten, nicht erklären. Schnell ergatterten wir uns die absoluten Spitzenplätze hinter einer Absperrung am Rande einer völlig unwichtigen Durchfahrtsstraße. Gut und gerne hätten wir hier auch ohne Bemerken des unzähligen Polizistenaufgebotes verweilen können, wenn nicht die dusseligen Touris unseren Plan durchschauten und sich in Strömen zu uns gesellten. Nur wenige Augenblicke später verwies uns die strenge Politesse, gesattelt auf einem garstigen Pferd, der Plätze und verdeutlichtete ihre Position in dem sie zielstrebig ihr Ross in unsere Richtung lenkte. Im leicht eingeschnappten Zustand suchten wir uns also erneut neue Plätze in der letzten Reihe, um dann irgendwann festzustellen für welch unspektakuläres Ereignis wir uns überhaupt solchen Strapazen unterzogen hatten. Die königliche Garde wechselte wie an jedem verdammten Tag ihre Schicht und anstatt dieses einfach mit ordnungsgemäßer Schichtübergabe zu tun, wurde noch 3-4-mal in der Posaune gepustet. Lachhaft! Ein Ereignis das zwar als kostenloses Highlight im Lonely Planet deklariert wurde, jedoch unseres Erachtens völlig überbewertet wird.

Buckingham Palace

Frühzeitig machten wir uns aus dem Staub, denn mittlerweile schrie die nächste Portion Fish & Chips nach uns und der Tower of London wollte ebenfalls in seine Gemächer locken. Mit preiswerten 21,45 Pfund ersteigerten wir die Tickets, welche eine free-guided Tour beinhalten sollte. Auch dieser Bonus erwies sich erneut als unnütz, denn wer hat wirklich Lust 2 Stunden lang einer englischen Ansprache zu historischen Geschehnissen mit 60 weiteren Teilnehmern zu lauschen?! Wir nicht und so verloren wir leider die Gruppe schon nach 15 Minuten, um den Tower of London auf eigene Faust zu erkunden. Wir durchquerten Waffenkammern, königliche Schlafgemächer, lernten die 3 Lions und den ganzen Zoo von König Heinrich-den-wievielten-auch-immer kennen, bestaunten die Kronjuwelen und stellten fest, dass Wilhelm-der-Eroberer ein kleiner Sparfuchs war. Des Weiteren gaben uns die Befestigungsanlagen des Towers hervorragende Blicke auf die Tower Bridge aus verschiedenen Perspektiven frei.

Tower Bridge London

Zum Spätnachmittag machten wir uns mit der U-Bahn auf die Heimreise, um rechtzeitig Richtung Musical Theater in Leicester zu schreiten. Die Besetzungsliste klang vielversprechend, wir kannten nicht einen einzigen Künstler bis auf den schwedischen Younstar "Anton Zettoholm", was aber insbesondere der Reiseteilnehmerin Schmitt voll und ganz genügte. Die hervorragende Platzauswahl in dem kleinen aber äußerst sehenswerten und gut belichtetem Musical Theater, ließen die kommenden 3 Stunden zu einem unvergesslichen Erlebnis werden, in dem man sich schon nach wenigen Minuten zurück ins 18. Jhd. und inmitten einer französischen Revolution versetzt fühlte. Besonders herausragend möchte ich an dieser Stelle den 7-jährigen Jungen erwähnen, der mit seinem schauspielerischen Witz & Charme sofortwirkend alle Sympathien des Publikums auf sich ziehen konnte. Mit einem grandiosen Finalsong endete das künstlerische Highlight dieses Abends und ließ uns an der sogenannten 'Stage Door' noch einmal sämtliche Darsteller persönlich verabschieden. Allen voran selbstverständlich der deutschsprechende Schwede ;)

Les Miserablés - eine grandiose Vorstellung!
Les Miserablés - eine grandiose Vorstellung!
Beflügelt und in bester Stimmung beschlossen wir nach dieser wundervollen Darbietung in die Barszene zu gondeln, um mit ein paar netten Getränken den Abend zu beschließen. Um 23:30 Uhr erreichten wir die Nightlife Street von Covent Garden und schwenkten zugleich in den place-to-be des Vorabends ein. Noch bevor wir nur einen Fuß in den Beergarden setzen konnten, wurden wir jedoch der Lokalität verwiesen. "Sorry guys, we're closing!". "What?!", starrten wir uns ungläubig an, dies musste eine Fehlauskunft sein und zugleich schritten wir in das nächste Etablissement um auf der Türschwelle direkt kehrt zu machen. Auch hier sollten die Türen in wenigen Minuten geschlossen werden. Einen letzten Versuch starteten wir in 'Henry's Bar', welche uns freundlicherweise für ein Bier aufnahm um uns dann um Punkt 00:00 Uhr heraus zu werfen. Jedoch mit der Option gleich ein Taxi in Anspruch nehmen zu können. Erbost verneinten wir dieses Angebot uns zogen sogar in Erwägung aus reinem Trotz zu Fuß zurück zum Hotel zu marschieren, denn auch die U-Bahn-Station hatte bereits geschlossen. Beim Passieren ein paar vietnamesischer Kutschen (Wagen mit Fahrrad voran gespannt), überdachten wir jedoch unser trotziges Vorhaben und hauten postwendend den jungen Kolumbianer an, der uns für läppische 15 Pfund direkt vor die Haustür kutschieren wollte. Resi drückte den Preis noch mal auf 12 Pfund runter und kurzerhand fanden wir uns auf der Rückbank eines mit Decken ausgelegten, frei luftigen Kutschier Wagens wieder. Die 10-minütige Fahrt mit dem südamerikanischen Studenten erwies sich als absolut lohnenswerte Investition und sollte zu jederzeit einer stickigen Taxifahrt vorgezogen werden!

Chinatown London

Erkenntnis des Tages: 8 Millionen Menschen sind ne Menge Holz und berechnet man die ganzen Touris noch hinzu, kann es einem schon mal ganz schnell warm ums Herz und in U-Bahnstationen werden. London ist exklusiv, jedoch auf Dauer zu überfüllt und anstrengend. Und Nachteulen kommen hier eher selten auf ihre Kosten!

 

Act Three - Castle on a sunny side


Wer lesen kann ist klar im Vorteil! Dies war schon Erkenntnis in vielen anderen Blogbeiträgen, kann aber zu jeder Zeit wieder hervor geholt werden. So bedauerten wir am nächsten Morgen noch einmal unsere schmerzenden Kniegelenke und Fußsohlen, die am Tage zuvor durch einen unbedachten Fauxpas und sportlichen Hirnriss, unnötig erzwungen wurden. Deutlich und eigentlich unverkennbar, strahlten uns die Worte auf den drei prominent platzierten Schildern entgegen, die wir am Vortag völlig blindlings stehen gelassen hatten. Selber schuld! "No exit", und "Only use in emergency", hätten Warnung genug sein müssen, die Treppe neben dem Lift nicht zu nutzen. Spätestens aber der dezente Hinweis "These are 175 freaking steps", hätte alle Alarmglocken läuten lassen müssen, um den bevorstehenden Treppenmarathon zu überdenken. So zahlten wir unser Lehrgeld und keuchten die 175 Treppenstufen aus 20.000 Meilen unter der Erde nach oben.

Piccadilly Line

"Die Meter nimmt uns keiner mehr!", bedachten wir noch einmal kopfschüttelnd, als wir am nächsten Tag erneut vor dem Treppenhaus standen, diesmal aber vernünftigerweise den Lift nahmen. Ein kluger Entschluss, denn Treppen sollten wir an diesem Tag noch genug laufen. Die Entscheidung welche Sehenswürdigkeit am Samstag, dem vorletzten Tag unserer Reise, in Augenschein genommen werden sollte, fiel nach mehrfachen Lonely Planet und Internetrecherchen auf die St. Pauls Cathedral. Das architektonische Meistwerk schlug mit 14 Pfund (merke: im Sommer sind wir immer Studenten ;)) zu Buche, wobei sich jeder Penny gelohnt hatte. Mit je einem iPod und deutschsprachigem Audiotourguide ausgestattet, bewies die anglikanische Kathedrale Gespür für Moderne und konnte somit junges wie altes Publikum gleichermaßen bedienen. Der flexible Audioguide, mit dem man sich individuell durch das Kirchenschiff und die Krypta bewegen und zu jederzeit den entsprechenden Hörspieltext einspielen konnte, begeisterte uns sichtlich. Trotz allem ließen wir es uns nicht nehmen, neben den digitalen Einflüssen auch eine echte Kerze anzuzünden und die 365 Fuß hohe Kathedrale hinaufzusteigen. 528 Treppenstufen verbesserten unsere Gesamtstatistik und ließen uns in 111 schwindelerregenden Höhenmetern die Aussicht über ein strahlendes London ohne jegliches Wölkchen genießen. Ein fantastischer 360° Panoramablick, bei dem selbst das London Eye winzig erschien.
Aussicht von St. Pauls Cathedral

Pünktlich zur Mittagszeit beendeten wir unsere kulturelle Reise durch die Kirchengeschichte und ließen uns im gegenüberliegenden Pizza Express nieder. Der stets zuvorkommende und serviceorientierte Kellner offerierte uns eine leichte Pizza im mediterranen Style und vermerkte zudem einen persönlichen Gruß auf der verhältnismäßig preiswerten Abschlussrechnung. Hier darf man gut und gerne noch mal einkehren ;) Doch wenige Minuten später befanden wir uns auch schon wieder in der U-Bahn und Richtung Wembley Park. Als kleines nice-to-have betraten wir das 90.000 Zuschauer fassende Wembley Stadion, in welchem eine ungewohnte Totenstille herrschte. Es war so ruhig, dass es gar langweilig erschien und bei uns schon nach wenigen Minuten Desinteresse weckte. Wir verließen mit ein paar Souvenirs das zweitgrößte Stadion Europas und begaben uns Richtung LIDL-Lebensmittelmarkt, der in der angrenzenden Einkaufslandschaft anzufinden war. Hier besorgten wir auf den letzten Drücker zwei Geburtstagsgeschenke in Form von deutschen Süßigkeiten, die wir für unseren nächsten Programmpunkt "Bollywood-Birthday-Party" benötigten. Eine spontane Einladung meiner Reisegefährtin 'Sonam", die ich in Mittelamerika kennen gelernt hatte, ermöglichte uns dieses Event, welches in den Vororten Londons stattfinden sollte. Hierfür holte uns die Mutter Sonams, eine herzenzgute Frau im Original-India-Dress, nähe LIDL ab und kutschierte uns in die sehr sehenswerte Nachbarschaft. Der genüssliche Duft eines Barbecue-Grills strömte uns bereits vor der Haustür entgegen, bevor wir uns wenige Sekunden später im Garten mit Tortilla Chips und dem neuen Sommer-Modegetränk "PIMMs" einfanden. Die rein indische Geburtstagsgesellschaft begrüßte uns freudig und lud uns zu Maiskolbensnacks, gewürzten Grillkartoffeln und Salatvariationen ein. Ein buntes Treiben, bei dem Freunde, Familie und Kinder gleichermaßen vertreten waren und für einen interessanten Einblick in englische oder aber auch halb-indische Geburtstagsfeiern sorgte.

Wembley Stadium London

Gegen Spätnachmittag verließen wir Klein-Delhi - nicht ohne der Bitte das nächste Mal doch wieder einzukehren und für Indiatown ein bisschen mehr Zeit mitzubringen - und pendelten zurück in den Kern der City, wo bereits um 17 Uhr die Happy Hour eingeläutet wurde. Doch bevor wir uns dem gemütlichen Teil des Abends zuwandten (viel Zeit bis zum Schließen der Bars blieb uns ja nicht mehr), versuchten wir unser Glück noch einmal bei dem Ersteigern einer weiteren Musical-Karte für den Abend. Doch außer ein paar schäbigen Plätzen im letzten Eck, konnte uns an einem Samstagabend nicht viel entgegen gekommen werden, wodurch wir uns für die Ausgeh-Variante in Leicester entschieden. Hierfür wechselten wir im Hostel noch einmal in die sportliche Abendgarderobe und pfiffen im Anschluss unsere höchst persönliche Pub-Crawl-Tour-London an. Im Verve, einer Glamour Bar auf der Mainstreet, starteten wir mit einem vorzüglichen Mojito durch und ließen uns von Chartmusik berieseln. Anschließend legten wir einen Bierstopp im gut bürgerlichen Pub "The Sussex" ein, welches mit Spitzenpreisen ganz oben auf der BGI-Liste aufgeführt werden darf. Letzter Stopp (denn merke: wir haben mittlerweile 22 Uhr und somit bald Sperrstunde) wurde das spanisch angehauchte "La Tasca", welches uns als Welcome-Drink sogleich einen weiteren Mojito offerierte. Wir beschlossen den Abend mit einem Tequila Rosé, um uns dann zeitig Richtung U-Bahn-Station zu begeben. Doch ein Hindernis hatten wir nicht auf der Rechnung: Bisher völlig außer Acht gelassen, befanden wir uns plötzlich auf der Shopping Avenue, die zwar modetechnisch geschlossen hatte, jedoch einen nicht unbekannten Süßigwarenladen für den 24-Stunden Besuch hervorbrachte. Das 3-stöckige M&M Bauwerk lockte uns in seine bunten Hallen und strahlte uns mit farbenfrohen M&M Accessoires und Leckereien von allen Seiten an. Wie im Schlaraffenland bewegten wir uns durch die lächelnden Regale und konnten von Glück sprechen, unsere Kreditkarten an diesem Abend daheim gelassen zu haben. So verblieben wir mit einer 300g-Tüte Schokokugeln und ein paar Erinnerungsfotos, bis wir -gerade noch rechtzeitig- die letzte Tube für diesen Abend erwischten.

M&Ms Store London

Erkenntnis des Tages: alkoholische Getränkepreislisten und Ausgehzeiten in London stehen zwar ganz weit oben auf der Negativliste, doch können die Briten mit Süßwaren und einem Spagat zwischen Historik und Moderne einiges wieder gut machen. Die Mischung macht’s - auch multikulturell gesehen!

M&Ms Store London


Act Four - Bring 'em home


Der letzte Morgen im sonnenstrahlenden London endete mit einer Müslimischung im Hostel und der letzten großen Fußwanderung bis zur U-Bahnstation, von wo es zurück nach Victoria und im Gatwick Express Richtung Flughafen ging. Beim Einchecken stolperten wir zu unserer Überraschung über die italienische Mountainbikenationalmannschaft und ließen unsere letzten 12,50 Pfund, für ein zweites Frühstück im Wartebereich der Flughalle, in den britischen Kassen klingeln. Denn merke: Wer braucht schon diese Randwährung, wir haben doch einen Euro!?!#$ "Goodbye lovely London", postete ich vergeblich ins worldwideweb. Ein Wiedersehen ist nicht ausgeschlossen - die britische Hauptstadt ist immer eine Reise wert und konnte zumindest mich, rein wettertechnisch, noch nie enttäuschen. Bis zum nächsten Besuch hat die Weltmetropole aber noch einige Punkte auf ihrem Maßnahmenplan zu erledigen:
  • klimatisierte und optimierte U-Bahnen
  • Verlängerung der Baröffnungszeiten um mind. 30%
  • Einführung des Euros … oder Dollars
  • und ein persönlicher Handschlag der Queen dürfte, bei dem ganzen Gezeter um die Royal-Family, mittlerweile auch drin sein.
Wie sagen Bye Bye and see you next time - in old freshness ;)

Mittelamerika 2013 - Volcanoe Trail Tour





Mittelamerika 2013 auf einer größeren Karte anzeigen

Final Call

"Please be a traveller, not a tourist.
Try new things, meet new people
and look beyond
what's right in front of you.
These are the keys to understanding
this amazing world we live in."
-Unknown

San José schlug uns noch einmal ins Gesicht. Und zwar am Abreisetag. Mit $29 Flughafengebühren für Administration, Sicherheit und Instandhaltung. Ja was bitteschön soll das denn?! Gibt's für so was in Costa Rica keine Steuerzahler? Und werden wir ausländischen Reisenden vielleicht demnächst auch noch für die Benutzung der Straßenübergänge zur Kasse gebeten? Irgendetwas läuft in Costa Rica falsch. Oder in Deutschland. Die Rechnung geht keines falls auf! San José landet mit sofortiger Wirkung im schwarzen Buch der nicht-mehr-zu-bereisenden Städte weltweit und da hat es bis dato tatsächlich noch kein anderer Ort hineingeschafft. Eine zweifelhafte Auszeichnung, doch nach den vielen Seitenhieben und Untröstlickeiten, bleibt mir keine andere Wahl. San José ist für mich raus!

Auch für Houstons Flughafen hagelte es noch einmal Minuspunkte. Mit umwerfenden $5 ( dafür konnte Houston ja nichts), kämpften wir uns 7 Stunden lang durch den ereignislosen Tag im Transit. Ohne Free WiFi. Wieder mit stundenlangen Sicherheitskontrollen. Überteuertes Duty-Free. Und einem letzten bezahlbaren Sandwich. Euros hatten wir zwar noch in petto, jedoch schlug das Exchange Büro eine unverschämte Gebühr von $8 bei Umtausch drauf. - Ohne uns Leute, da verzichte ich doch lieber auf ein Getränk und eine Zeitschrift und wende mich den kostenfreien Dingen im Leben zu. Schlafen. Schreiben. Leute beobachten. Musik. Inkl. Aussicht auf die Wartungsarbeiter am United Flieger. Zu jeder Zeit erwartete ich auch hierfür eine Zuschaugebühr. Diese bleibt bisher aus.

Nun sind es noch weitere 3 1/2 Stunden bis zum Anschlussflug. Zeit genug um noch einmal die Reise revue passieren zu lassen und ein Schlussfazit zu ziehen.

Mittelamerika ist unter allen gegebenen Umstände mehr als eine Reise wert. Das kleine Verbindungsstück zwischen seinen großen Brüdern Nord- und Südamerika muss sein Licht nicht unter einen Scheffel stellen, sondern kann selbstbewusst mit Geschichte, Kultur, Flora und Fauna vortreten und mit Abenteuerlichkeit, Relax-Oasen, buntem Stadttreiben, herzhaften Köstlichkeiten und fröhlichen Menschen ohne Bedenken prahlen. Sicherheit wird zu großen Teilen vermittelt, jedoch sollte man wie überall nicht leichtsinnig und völlig unbedarft handeln. Sprich: Abends nicht mehr alleine vor die Tür, bzw. das bezahlbare Taxi bei Bedarf zum Transport nutzen. Und sei es nur 2 Blocks weiter. Desweiteren an Grenzübergängen Anweisungen befolgen und sich nicht von Kleintaschendieben über den Tisch ziehen lassen. Und: ein wenig mehr Vertrauen in die Hotelsicherheit haben, dafür weniger Bares und Wertgegenstände mit sich tragen. Was immer gilt: Stets die Tasche im Blick halten und zu keiner Zeit mit Kronjuwelen oder Applegeräten auf offenen Plätzen um sich wedeln. Unauffälligkeit ist eine Gabe während des sicheren Reisens. Und wem diese gegeben ist, der hat schon nur noch die Hälfte zu befürchten. Zu viele Gedanken sollte man sich sowieso nicht machen, nach meinen Empfinden gibt es mehr hilfsbereite Menschen, als Leute, die einem wirklich etwas Böses wollen. Und wenn dann geht es zu großer Wahrscheinlichkeit nur um ihr eigenes Überleben.

Bevor ich völlig abschweife, zurück zum Trip. Für euch zusammen gestellt noch einmal die Top 3 aus sämtlichen Rubriken:

Stadt/Ort
1. Antigua (Guatemala)
2. Grenada (Nicaragua)
3. Monteverde (Costa Rica)

Activity
1. White Water Rafting (La Fortuna, Costa Rica)
2. Vulkanwanderung (Ometepe, Nicaragua)
3. Schnorcheln (Roatan, Honduras)

Getränk
1. Ingwer-Martini (Costa Rica)
2. Emperial Bier (Costa Rica)
3. Rum (aus Guatemala)

Essen
1. Bunte Spezialitäten Platte (Copan, Honduras)
2. Sushi-Schiff (Monteverde, Costa Rica)
3. Quesidilla (von Guatemala bis Costa Rica)

Wenn ich die Tour noch einmal zu tun hätte, so würde ich diese anders herum fahren um als Endstation in das wunderschöne Antigua zu gelangen und dort mit 2-3 Tagen Aufenthalt den Trip ausklingen lassen. Vermutlich würde ich San José auch überhaupt nicht mehr anfliegen, sondern anstatt dessen in Panama City starten und dafür die ausgelassenen Nachbarn El Salvador und Belize mit einbeziehen. Für das Gesamtpaket sollte man sich mind. einen guten Monat Zeit nehmen. Wenn möglich natürlich mehr. Finanztechnisch - was geht - mit Karte bezahlen und ansonsten die lokale Währung abheben.
Die Fakten und Erkenntnisse des Trips zusammen gefasst sind:

1. Die ganze Währungsumtauscherei und das Hin- und Hergewechsel, hat uns so wuschig gemacht, dass wir schon nach wenigen Tagen keinen Überblick mehr über unsere Finanzsituation hatten.

2. Nordeuropäische Haut braucht seine Zeit um sich in mittelamerikanischen Gefilden zu akklimatisieren. Braun wird man als geborenes Bleichgesicht sowieso nicht!

3. Klospülungen funktionieren in Mittelamerika eher gar nicht. Vielleicht sollte man auch vor Einreise einen Lehrgang zur korrekten Benutzung besuchen. Ich jedenfalls bin froh nun kein Klopapier mehr in den nebenstehenden Mülleimer werfen zu müssen.

4. Die Investition der locker leichten und für subtropische Gefilde ausgerichtete North Face Hose hat sich in jeder Hinsicht bezahlt gemacht. Auch für sportliche Aktivitäten und Wassereinsätze lässt sich die Hose durch die praktische 'Zip'-Funktion multifunktional einsetzen.

5. Spanischkenntnisse sind grundsätzlich nie verkehrt und sollten stets bei Möglichkeit zur Erlernung in Erwägung gezogen werden. Schaden tut eine weitere Fremdsprache nie, vor allem, wenn es sich um eine handelt, die ein halber Kontinent spricht.

6. Es gibt Tage, da könntest du ewig weiterreisen und dir die ganze Welt anschauen. Und es gibt Zeiten, in denen du einfach nur nach Hause möchtest.

In diesem Sinne 'Adíos' und 'Hasta luego' - der Lateinamerikanische Kontinent sagt mir immer mehr zu und wird hoffentlich nicht das letzte Mal von mir bereist worden sein. Es gibt noch viel zu sehen und noch viel mehr zu lernen und zu verstehen. Die Welt wächst weiter zusammen und das Bewusstsein für Umwelt und Eco-Freundschaft gewinnt mehr an Bedeutung. Lassen wir uns überraschen wie es weiter geht! Im Augenwinkel lese ich ein Patagonien und zugleich sollte ich unter den oben genannten Punkten vielleicht doch mein Augenmerk auf Europa legen. Eco-friendly zu reisen, beginnt nämlich eigentlich damit, kein Flugzeug mehr zu benutzen! Vamos and never stop exploring! I'm all in ;)

"No matter where life takes you,
wear a smile while you're there." - Unknown


Safety first!

Ich kaufe ein Y und löse Raubüberfall! Freunde der Sicherheit, wer hätte das gedacht. Da reisen wir tagelang durch korrupte Länder, die mit ihrer wöchentlichen Mord- und Überfallrate nur so hausieren gehen, erreichen dann ganz unversehrt den einzigen im Lonely Planet als sicher zu bezeichneten Ort 'San José' (von dem auch unser STA Travel Agent super angetan war) und werden schon in der ersten Nacht passive Zeugen eines Überfalls auf unsere Gruppe!

Doch ganz von vorn. Am Montag erreichten wir die Hauptstadt Costa Ricas 'San José' und wurden zugleich geblendet von Großstadtfeeling, Markenläden, Fast Food Ketten und hupenden Autos. Vermisst hatte ich sie nicht, die Big City, doch allem Anschein nach strahlte sie ein belebtes, zivilisiertes Gefühl von Sicherheit aus. (Wobei ich da grundsätzlich bei Großstädten so meine Vorbehalte habe...) Es sollte die letzte 'Big Night Out' unserer Gruppe werden, da sich anschließend sämtliche Teilnehmer in alle Himmelrichtungen verteilen würden. Neu eingekleidet und mit Kamera, Portmonee und Reisepass ausgerüstet, fuhren wir zunächst in einen edlen Restaurant-Schuppen, der uns mit italienischen Köstlichkeiten und nett angerichteten Cocktails den Abend verfeinerten. Aufgeputscht mit einem heißen Kaffee und wiederum gut gemeinten Tequila, machten wir uns zu Fuß weiter zur Bar/Dance Hall, deren Namen ich leider nicht mehr aus der Erinnerung holen kann. Das uns lieb gewonnene 'Emperial' begleitete uns durch die Nacht und ließ uns zunächst mit Chartmusik vom Band (die kennen hier sogar Gentleman) und anschließend mit einer grandiosen Live-Band, mittelamerikanischer Herkunft und Klangeinflüssen, den letzten gemeinsamen Abend zu einem schönen Abschluss werden lassen. Einzig, die sich in völliger Überzahl befindlichen Ami-Studis, zerstörten das perfekte Abschlussbild mit ihrem übertriebenen cliché-haftigen Getue, wie man es aus all den Teenie-Abschlussball-Hollywoodkrachern kennt. Freunde, die Realität sieht noch schlimmer aus. Fremdschämen ist auch ein Wort. Peinlich würde mir als Adjektiv einfallen.

Wie dem auch sei, wir ignorierten die US-Freaks gekonnt und tanzten zu Santana, Samba-Klängen und "Nossa" the night away. Pö á pö verließen Teile unserer Gruppe das Etablissement, da so mancher einen Flug am nächsten frühen Morgen zu catchen hatte. Um 01:30 Uhr entschied ich mich durch eine innere Eingebung oder einfach aus Sorge um die Kanadierin, die alleine zurück ins Hotel wollte, ebenfalls die Zelte abzureisen und die Tanzveranstaltung zu verlassen. Weise Entscheidung. Wie sich am nächsten Morgen zeigen sollte. Hätte ich auch nur den Hauch einer Vorahnung zu den kommenden Vorfällen gehabt, so hätte ich keine halbe Stunde mit den stressigen Taxifahrern über den eigentlich witzlosen Fahrtpreis lamentiert. Aber irgendwie fand ich Gefallen daran die Mittelamerikaner mit ihren eigenen Waffen zu konfrontieren. Schlussendlich bezahlten die Kanadierin und ich doch unsere $4 und erreichten safe & sound unser Hotel, welches ich glücklicherweise Stunden zuvor als Gedankenstütze abfotografiert hatte.

Eine Stunde später. Gleicher Ort. Anderes Geschehen. Unser Tourguide Alonzo, die andere Kanadierin, Australierin und die beiden Engländerinnen hocken noch gemeinsam vorm Hotel. Gelächter. Bilder. Spaß. Aus dem Nichts: zwei bewaffnete Typen. Schubsen die Engländerin. Entreißen die Tasche. Geld. Karten. Kamera. Alle Bilder. Die Mädels flüchten ins Hotel. Alonzo hinter den Räubern hinterher. Schlägerei. Fäuste. Flucht. Die Mistkerle entkommen. Alonzo bleibt liegen. Mit blauer Lippe. Schwein gehabt.

Die Ereignisse der Montagnacht beschäftigten uns noch die restlich zu verbleibenden Tage in San José und so wirklich verlassen wollte das später bezogene Hostel niemand. San José enttäuschte einfach auf ganzer Linie. Regen. Abgase. Lärm. Kein schönes Stadtbild. Traditionelle Märkte - nicht auffindbar. Bezahlbare Museen - Fehlanzeige. Finanziell überhaupt - völlig überteuert. Die täglich weniger werdenden Reisekompagnons, welche Stück für Stück das Hostel verließen, machten die Sache auch nicht besser. Für San José hagelte es weiter Minuspunkte, als wir von einem plötzlichen Regensturm mitten in der Stadt überrascht wurden. Ich war fertig mit dieser Metropole! Nein, hier muss ich unter keinen Umständen noch einmal hin.

Trotz alledem kann ich drei positive Dinge dieser Möchtegern-City abgewinnen:

1. El Patio del Balmoral - Ein herrliches Restaurant inmitten der Stadt. Freundliche Bedienung. Nette Atmosphäre. Grandiose Küche. Funktionierende Klospülung.

2. Manu - Ein Handmade-Laden abseits der Mainstreet. Brauchbare Souvenire. Handgemacht aus Costa Rica. Bezahlbar. Fairtrade. Wissenvermittelndes Personal.

3. Der International Airport - der Flughafen, welcher uns aus diesem Loch über Houston nach Hause manövrieren wird. Dank an dieser Stelle schon mal!

Meine abschließendes Fazit für San José lautet: Als Durchreise-Ort oder Anflugspunkt kann diese Stadt gerne für eine Nacht ohne abendlichen Ausgang genutzt werden, ansonsten empfehle ich diese mittelamerikanische Metropole weitläufig zu umfahren. Wirklich fündig wird man hier tatsächlich nicht und Großstadtfeeling mit angemessener Sicherheit können andere besser. Costa Rica hat so viel mehr zu bieten als seine Hauptstadt vermittelt.

Liebe Costa Ricaner, bleibt bei Natur pur und eurem Öko-Weltverbesserungstrip. Da bin ich voll bei euch!

Pura Vida!

Auf der ellenlangen Fahrt zur Kaffeeplantage, sitze ich neben Elisabeth aus Puerto Rico. Ich versuche ihr in allen Angelegenheiten mit einem freundlich, lächelndem 'Si' zuzustimmen, während ich mich innerlich mit meinen unausstehlichen Kopfschmerzen und Übelkeit auseinander setzte. Irgendwas stimmt mit diesen mittelamerikanischen Bussen nicht. Entweder ist es die Fahrweise oder die holprige, schlängelnde Berg und Tal Fahrt. Möglicherweise sollte ich aber auch einfach aufhören beim Fahren zu schreiben.

Unseren letzen Tourtag begannen wir mit einem Spaziergang in La Fortuna durch 6m hohe Gräser und Dschungelwald. An uns vorbei huschende Leguane und Geckos, sowie ein Wespennest zierten die Wanderstrecke zum vorerst letzten aktiven Vulkan Costa Ricas. Insgesamt 5 aktive und 300 inaktive befinden sich in diesem winzigen 52.000 km² Land, wobei genau genommen 200 dieser Zeitbomben im Meer lokalisiert werden. Am Fuße des Arenal Volcanos überblickten wir noch einmal La Fortuna und begaben uns im Anschluss auf die letzte Fahrt nach San José, unserem Ziel für diese Reise.

San José darf gerne weiträumig umfahren werden. Gründe wieso und überhaupt weshalb, werde ich euch morgen liefern. Heute beschäftigen wir uns mit der Kaffeeplantage, die Jenny und ich bereisten um heraus zu finden wo eigentlich dieses Koffeingut wächst. 'Doka Estate' ist einer der qualitativ hochwertigsten Kaffeegüter, die Costa Rica zu bieten hat. An fruchtbaren Hängen platziert, wird hier seit 3 Generationen Kaffee produziert. - Vom Samen bis zur Tasse- der Gesamtprozess wurde uns mit medialer Unterstützung und Live-Beispielen aufgezeigt. Am Ende folgte noch eine Kaffeeprobe, bei der ich kurzfristig zum Koffeinjunkie mutierte und alle sechs Röstverfahren ausführlich auf Geschmack, Geruch und Äußerlichkeiten testete. Mein Abschlussfazit lautet: Kaffee aus Costa Rica schmeckt intensiv, eine leicht bittere, aber auch erfrischende Note. Herzhaft im Abgang. Vollendung im Nachgeschmack. Und am besten haben mir immer noch die schokoglasierten Kaffeebohnen geschmeckt. - Nein, als eingefleischte Teetrinkerin und Verfechterin des guten alten Teebeutels, vermag ich mir kein Urteil über mittelamerikanischen Kaffee zu erlauben. Jedoch darf ich mitteilen, dass sich meine Geschmacksnerven gegenüber dem koffeinhaltigen Gut weiter geöffnet haben und mir insbesondere der "Shot" unter den Kaffeevariationen, der sog. 'Espresso', am meisten zusagt.

Wir verblieben mit ein paar Einkäufen im Direkthandel der Kaffeeplantage und setzten unsere Reise nach San José zurück durch Blitzgewitter und starker Regenfälle fort. Möglicherweise ist mir der Umtausch 'Europäischer Regen' gegen 'mittelamerikanische Sonne' tatsächlich gelungen und der kleine November darf endlich aus dem Mai abgeholt werden. Costa Rica würde dies sehr erfreuen, den Pflanzen, Tier und Umwelt betteln nahezu um etwas Nass. - Klimawandel findet statt, das ist mal Fakt. Die Gründe wieso, weshalb, warum sind genauso zahlreich und komplex wie sie gleichzeitig auch simpel sind. Klimawandel hat schon immer statt gefunden. Auch zur Mayazeit. Und wir wissen ja wie das geendet ist...

Unser gestern bezogenes Hostel 'Pangea' liegt zwar im Herzen San Josés und beeindruckt durch liebevoll bemalte Wände, den Pool und eine angenehme Bar/Lounge Atmosphäre, doch kann unser Zimmer nicht eine einzige Steckdose aufweisen. Liebes Eco-Costa Rica, irgendwo geht eurer ökologischer Grundgedanke doch eine Spur zu weit. Dann bringt doch lieber Energiesparlampen an und erhebt eine Gebühr auf Plastiktüten im Supermarkt. So ein bisschen Strom darf auch gerne der Hostel-Musikanlage ab 22:00 Uhr abgezogen werden. Muchas Gracias!

Go Big or Go Home

"Life isn't about the numbers of breaths you take. 
It's about the moments that take your breath away."- Unknown

Wenn ich mit dem heutigen Tag nicht zur Bündnis 90/Die Grünen - Stammwählerin bekehrt worden bin, dann weiß ich es auch nicht. Mit einer diktatorischen Bestimmtheit predigte uns der Tourguide wie wichtig Ökotourismus ist und wie wir mit simplen Methoden nachhaltig unsere Umwelt instand halten und für kommende Generationen verbessern können. Ich hatte ein Bild von Napoleon und Kermit dem Frosch im Kopf, als uns 'Danny' mit Themen wie Recycling, erneuerbaren Energien und ökologischer Landwirtschaft ohne Pestizide konfrontierte. Wahrhaftig Brennpunkte, die in Deutschland kaum zur Debatte stehen... Nein, im Ernst, ich finde es wunderbar lobenswert wie Costa Rica mit seiner Umwelt umgeht und dass für Bildung und kostenfreies Gesundheitswesen sogar die überteuerte Armee abgeschafft wurde. Trotz alledem klang es schon fast revolutionär und aufhetzerisch was Danny da von sich gab. Der Ton macht immer noch die Musik und von daher waren wir froh, als wir im Schlauchboot einen konstruktiveren Instrukteur zugewiesen bekamen.

White Water Rafting. Level 2 - 4. Leute, macht euch auf was gefasst! Jenny und ich wurden nach ausgiebiger Einweisung des Paddels, Boot und Adjustierung, von unserer Mädels-Gruppe getrennt und in das Sechser-Boot mit 4 texanischen Muskelpaketen outgesourct. Schade zunächst, denn wir hatten uns doch schon schön die atemberaubenden Bilder zusammen ausgemalt. Sinnvoll jedoch, denn Paddelkraft kommt nicht von ungefähr. In welligen Gefilden wies uns 'David' noch einmal mit genauen Instruktionen in die Techniken des Waterraftings ein, bevor wir unter hochwelligen Begebenheiten mit dem Paddel in die Fluten einstachen. Durch tropischen Regenwald, entlang rockiger Felsen und herabstürzender Wasserfälle, paddelten wir um unser Leben und folgten hoch konzentriert den Anweisungen von David. "Right forwards, left backwards, everyone in the middle!" hörte ich es unentwegt hinter mir rufen und traute mich auch nur keine Sekunde, das Paddel aus dem Auge zu lassen. Die Strömungen wurden stärker und Regen von oben setzte erschwerend ein. Stromschnellen. "Paddle harder!" Felsen zur linken. Felsen zur rechten. Riesen Felsbrock geradeaus. Schräglage. "Paddle harder!" Abgrund. Innerhalb von wenigen Sekunden überschlugen wir uns allesamt. Unter Wasser. Benommenheit. Das Boot verkehrt herum über uns. Panisch kämpfte ich mich wasserschluckend unter dem Boot hervor. Jenny und die Texaner immer noch unter dem Boot. Der Tourguide außer Sichtweite. Noch immer das Paddel fest umklammernd, erhaschte mich eine Stromschnelle und trieb mich davon. Ich versuchte mich an Felsen festzuklammern, doch rutschte an der slipprigen Oberfläche immer wieder ab. Hinter mir immer noch keine sichtbare Veränderung. Hoffnungsvoll nach vorne blickend: keine anderen Boote. Mehr Strömung. Plötzlich streift mich etwas in Schräglage. Ein Paddel. Als müsste ich ein Leben retten, griff ich nach dem zweiten Paddel und hielt an beiden fest als wäre dies mein Überlebensrettungsring und einzige Möglichkeit nicht weiter abzudriften. Tatsächlich behinderten ich mich mit diesen beiden Stangen umso mehr. Felsen. Steine. Viel Wasser. Den Blick nur noch nach vorne gerichtet um Hindernissen auszuweichen. Kein Boot weit und breit. Urplötzlich ein Griff aus dem Nichts. Ich spüre noch das Schlauchboot an meinem Rücken und befinde mich innerhalb kaum messbarer Zeit völlig erschöpft, die beiden Paddel immer noch festhaltend und furchtbar benebelt, im Boot. Alleine. Nur der Tourguide, kämpfend mit den Wassergewalten, zieht einen nach dem anderen aus dem Wasser. Jenny, unter Schock stehend, landet neben mir. Die texanischen Bodybuildertypen folgen nach und nach. Als wir uns alle wieder im Boot befinden ein Mix aus Erstarrtheit und Aufregung über das was uns da gerade widerfahren ist. Einatmen. Ausatmen. Weiterpaddeln.

Nach 2 Stunden Paddelteamwork auf der 14km langen Wildwasserstrecke erreichen wir ausgelaugt und dankbar das Ziel. Unterwegs sichten wir noch ein paar Leguane, Schlangen und Geier. Die anderen Boote sind ganz unversehrt. Die Engländerin hatte es einmal über Bord geworfen. Und zwei Paddel sind in den Tiefen abgedriftet. Nachdem wir uns unserer Schwimmwesten und Helme entledigt haben, bringen uns die Boot-Tourguides zu einer Farm wo wir mit ökologisch angebauten Speisen gestärkt werden. Im Anschluss folgte ein Rundgang über den landwirtschaftlichen Hof, auf dem uns aufgezeigt wurde, wie man mit wenig Land und Ressourcen und unter ökologischen Gesichtspunkten, seine eigene kleine Farm aufbauen und mit diesen gesunden Naturprodukten sein Überleben ohne Burger King und Co. sichern kann. Im Grunde habe ich mich gefühlt wie bei meiner Oma auf dem Bauernhof, mit dem Unterschied dass Ananas anstatt Zucchini angebaut wurden und sich nebenan noch eine Art Schnapsbrennerei befand. Noch einmal wurden hier die Muskelkraft der Kanadierinnen und mir gefordert, als wir zu dritt das Zuckerrohr durch die Herkules-Presse beförderten. Der zuckersüße Extrakt plus der 60%ige klare Schnaps schlugen bei uns voll ein und ließen uns fast Feuer speien. - Diese ökologischen Gringo-Ideologen dachten wohl sie könnten uns im schummrigen Zustand weitere Trinkgelder abknöpfen, doch schlauer waren wir, denn abgezockt wurden wir in diesen Tagen schon genug. Leicht angetrunken feilschte ich mit Kermit um die Foto-CD auf der unsere Paddel-Bilderserie zu finden war und konnte den aggressiven Frosch quäkenden Typen um $10 herunter verhandeln. - So langsam wissen wir wie der Hase läuft! Übers Ohr hauen lässt man sich nur 2-5 Mal!

Wir befinden uns - ganz nebenbei - mittlerweile in La Fortuna. Hergekommen sind wir vor zwei Tagen und das ging so:

Die gestrige Massage wurde schon am Folgetag wieder hinfällig, als wir eine endlos lange halbe Stunde mit Sack und Pack am sumpfigen Seeufer warteten, um dann schlussendlich über die improvisierte Strandgutbrücke aus Baumgeäst in den Kutter einzusteigen. La Fortuna heißt das vorletzte Ziel unseres Trips. Und ich wusste bis heute nicht einmal, dass dies zu Wasser angereist werden muss.

Endlich Regen! Lange genug lies der erhoffte Schauer auf sich warten, doch nach 14 Tagen Mittelamerika zur Regenzeit ist es nun so weit. In der feuchttropischen, ländlichen Stadt 'La Fortuna' setzte die angenehm milde Erfrischung beim Chillen am Pool ein. In Windes Eile rafften wir alle Habseligkeiten aka Travelnotizen, Bücher, Snacks und Elektrogeräte beisammen und verfolgten das uns mittlerweile fremd erscheinende Naturereignis 'Regen' von der Veranda mit Staunen und Begeisterung. Ja, so langsam wird es Zeit sich auf mitteleuropäische Wetterverhältnisse wieder einzustimmen. Sonst endet die Heimkehr gar noch mit Kulturschock!

Der heutige Nachmittag und Abend stand ganz unter dem Stern "Siesta" Nach all den Strapazen, Activities und Abzockereien war dies einzige sinnvolle Maßnahme und tat den Muskelkater befallenen Knochen einfach mal gut! Einzige, aber völlig ausreichende Tour für diesen Abend, führte zu den 'Hot Water Springs". Und dieses spektakuläre Ereignis möchte ich euch nun beschreiben: In schon fast vollständiger Dunkelheit, umwogen von nächtlichem Nebel, kletterten wir barfuß und nur mit dem nötigsten (Handtuch, Bikini, Bier), über felsiges Gestein, hinein in einen Nebelwald, wo der aufsteigende Dampf der heißen Quellen als Silhouette wahrzunehmen war. Wie in einem Märchenwald, umgeben von Farn, riesigen Bäumen und Lianen und nur dem lodernden Schein ein paar mit Wachs auf Fels befestigter Kerzen, begaben wir uns in die heißen Gewässer und ließen uns von der wohltuenden Wärme verwöhnen. Die ersten Minuten genossen wir in völliger Ruhe und mit Bestaunen jenes überwältigen Naturvorkommnisses. Um die Runde etwas zu beleben und nicht vollständig in den Delfinmodus zu verfallen, ordneten die Kanadierinnen ein paar Spiele an. In einem lustig, erheiterten Hin und Her spielten wir "Bomb" (simpel), irgendwas mit Zahlen (medium) und "Monkey" (für nicht englischsprachige Muttersprachler endet dies im Alkoholismus)! Verloren habe ich trotzdem nicht, sondern die Australierin, da ich durch geschicktes Einwerfen willkürlicher Buchstaben für totale Verwirrung bei den Mitspielern sorgte.

La Fortuna - was ein Ort! Leider die vorletzte Station bevor es nach San José geht. Heute Morgen wollen wir noch eine letzte Vulkanwanderung bestreiten. Da fällt mir ein - ich muss los - bin spät dran!


Costa Rica...Yeeeehaaaawww!

"I had the itch to fly,
and I flew."


Costa Rica wird nicht umsonst seit neuestem in Discounter-Blättchen der Häuser Aldi, Lidl & Co. angeboten. Das Land hat was. Nicht nur, dass es touristisch gut ausgebaut ist und durch seine Amerikanisierung auch alle Annehmlichkeiten und Essenstandards für Industriestaat verwöhnte Reisende bietet, Costa Rica verspricht auch noch mal den ganz besonderen Kick!

Zip-Lining hieß der erste Programmpunkt in Monteverde, den nahezu alle Gruppenmitglieder als Einstiegs-Adrenalin-Rush mitnahmen. In weiß-der-Himmel-welche-Höhen zippten wir uns durch Dschungelkletterwald und steuerten mit einem Affenzahn von Plattform zu Plattform. Bestens abgesichert und eingehakt an den Seilbahnen zunächst im Standard-Normalmodus. Nach der letzten Plattform dann Hiking in höhere Gefilde. Und oben angekommen, DAS Highlight: Im Supermanstyle wurden wir an der Seilbahn angebracht und zischten mit einer rasenden Geschwindigkeit entlang der längsten lateinamerikanischen Seilbahn und unter Vogelperspektive zum gegenüberliegenden Waldstück. Was eine Aussicht! Um nur ein klein wenig Eindruck davon zu gewinnen wie sich ein Vogel in den unendlichen Lüften fühlen muss, war dieser Rush schon all seine Überwindungen und Moneten wert. Absolute Freiheit und Blick auf eine beeindruckende Landschaft. Costa Rica lässt sich auch von oben sehr schön betrachten! Nach einem weiteren Superman-Flug, folgte der Tarzan-Swing. Noch völlig geflasht und Adrenalin gepumpt von den Freiflügen, spurtete ich unbedarft über die wacklige Hängebrücke bis zum Ende der Plattform und... machte postwendend kehrt. Nein, nein, man muss das Nervenkostüm nicht unnötig überstrapazieren. Der freie Fall in himmelweite Tiefen ohne erkennbaren Untergrund war dann doch eine Nummer zu extrem für mich. Man muss sein Glück auch nicht heraus fordern.

Während ein paar Waghalsige das Adrenalin-Theme-Paket inkl. Hanging Bridges und Bungeejump in Anspruch nahmen, entschieden sich die Schwedin und ich für die Wellness Option Pferdereiten und Petiküre. Im Ernst Leute, die Massageeinheit war längst überfällig und hatte mein Backpack geschädigter Rücken bitter nötig. So ließ ich mich mit Panflöten unterlegten Chill-Out-Klängen 30 Minuten verwöhnen, während die Schwedin ihre Füße bearbeiten ließ. Reicher wurden wir durch diese Treatments zwar auch nicht, doch gefühlt habe ich mich wie ein neuer Mensch. Auch die Australierin ließ sich ein Wellnesspaket aufschwatzen und wir machten uns unterdessen mit einer Quesedillas to-go auf zur Pferderanch. Die beiden Prachtpferde "Tequila" und "Emperial" standen schon sattelbereit in den Startlöchern, so dass wir uns innerhalb kürzester Zeit im Sattel einfanden. Nun denn, mein naiver Gedanke "ab da an weiß das Pferd schon gewiss, was zu tun ist", sollte sich ganz schnell in Luft auflösen. Nach dem ich die Lenkung und Steuerung dieses neuen Fortbewegungsmittels einigermaßen im Griff hatte, durchritten wir den Wilden Westen Costa Ricas und ließen uns von der fantastischen Natur beeindrucken. Auch wenn ich die Lenkung des braunen Hengstes nach wenigen Minuten ganz gut raus hatte, so wollte mir der Tempomat nicht immer gehorchen. Tequila bot mir den einen oder anderen Salsa-Tanz und galoppierte auch schon mal aus dem Nichts drauf los. Doch die perfekt trainierten Tiere erwiesen sich ansonsten als friedliche und gehorsame Weggefährten und durchschritten mit uns die Costa Ricanische Prärie wie Winnetou und Old Shatterhand es in Jugoslawien nicht besser bestreiten hätten können. Unterwegs, gefolgt von zwei netten Hunden, besuchten wir die zwei kleinen Ferkelchen 'Piggeldi & Frederick" und hielten noch auf einen kurzen Tratsch mit Wildfang 'Dr. Nielson" an, bis wir nach 2 Stunden durch Berg, Feld und Fluss wieder an der Ranch ankamen. Ein Ausritt wie aus dem Bilderbuch!

Noch einmal schwitzen hieß es in der Soccerhalle, die Tourguide Alonzo gemietet hatte. 5 gegen 5 unter überdachtem Kunstrasen bestritten wir das 1-stündige Match in dem Laura (England) im Tor, Sohny (England) in der Defensive, Alonzo (Costa Rica) und ich (Germany) im Mittelfeld hantierten und Gabbie (Kanada) im Sturm das Team 'Verde' vertraten. Die gegnerische Mannschaft setzte sich aus Michael (Australien), Stef (Kanada), Camilla (Norwegen), Darren (England) und einer dazu gestoßenen Costa Ricanerin zusammen. In einem ansehnlichen Match lieferten wir uns unter der Referee-Leitung Sonams (England) ein hart umkämpftes Spiel, welches mit einem gerechten Unentschieden endete. Was ein Tag!

Gekrönt wurde dieser vom letzten Abendmahl in Monteverde, welches uns mit Köstlichkeiten wie Thai-Curry-Kokos-Chicken-Wrap, Schrimps und einem grandiosen Ingwer-Martini den Abend versüßten und uns mit Salsa-Klängen austanzen ließ. Buonos Noches! 



Vamos!

Mittlerweile sollte ich meine Passnummer im Traum aufsagen können. Gefühlte 100 Formulare zur Ein- und Ausreise, Aufenthalt und Bankzugriff galt es an jeder Grenze auszufüllen. Haben die schon mal was von Copy & Paste gehört? Oder einfach Einscannen? Vermutlich nicht, denn im Hintergrund der Bordercontrolle huschte ein Windows DOS über den Bildschirm.

Nach unserem gestrigen Vulkanabenteuer, führte uns ein immens länger Fußmarsch durch Lavageröll, entlang von Plantagen und Farmen zurück Richtung Inselkern. Geschwächt von der mittlerweile stechenden Mittagssonne trabte und stolperte unsere Gruppe aus 4 Vulkanjägern nur so über steppenartige Felder. An einer "Kuhweide", inmitten eines Waldes, hielten wir inne und kramten unser zweites Chicken-Sandwich aus dem geröllgeschädigtem Rucksack um dieses wortlos und erschöpft einzunehmen. Eidechsen und neugierige Kälber beobachtenden unser Lunch, während wir blessiert und schwitzend daran dachten weitere 40 Minuten Wanderung in der prallen Sonne durchzustehen. Ich schaute rüber zu Luiz und brachte meinen besten Dackelblick zu Gesicht, der mir unter den gegeben Umständen möglich war. Luiz verschwand. Wenige Minuten später pfiff er uns zu "Get on the Jeep!" und ohne groß zu überlegen sprangen wir drei auf die hintere Truckbelade, wo wir uns neben diversen Tonnen Platz verschafften und die weitere Reise im Safaristyle fortsetzten. Mit einem "Muchos Gracias est Adíos" verabschiedeten wir uns dankbar bei unserer Mitfahrgelegenheit und fanden uns nach einer ausgiebigen Dusche mit dem Rest der Gruppe und einem 'Coco Loco' im Thermalbad ein.

Am Abend wurde noch einmal mit der Gastfamilie gespeist, deren Küche karg bestückt und mit kaum Wanddekoration auskam. Fließendes Wasser anstatt Spül- und Waschmaschine. Ein höchstens 15" schneeflimmernder Röhrenfernseher im Wohnzimmer. Schaukelstuhl. 2 Bilder an der Wand. Dahinter Schlafzimmer und Bad. Ein kleines Puppenhaus mit Wellblechdecke. Draußen Tisch, Waschbrett und Brunnen. Das Grundstück abgetrennt mit Maschendrahtzaun. Manni, der Hund, liegt zufrieden davor. Ein glückliches Ehepaar. Herzlich. Strahlend. Dankbar.

Die Schwedin hatte keine Gelegenheit mehr sich von den zwei Hausschweinen Bonita und Chiquita und dem Ferkelchen Rapida zu verabschieden, als wir zu einer unsäglichen Uhrzeit von 6:30 Uhr unsere neuen Familien und die Süßwasserinsel verließen. Diesmal auf keinem Frachter, sondern schon Flüchtlingsboot beschreibend. Keine Sitzplätze, sondern auf unseren Backpacks hockend und liegend ging es rüber aufs Festland. Ich war begeistert. So viel Authentizität hätte ich mir nicht träumen lassen können. Mit "Du hast nicht viel Gepäck, nur ein paar Träume" und einem bemerkenswerten Buchklassiker schipperten wir leinenlos zurück zum Festland um von dort aus weiter an die Grenze Nicaraguas zu holpern.

Costa Rica empfing uns mit leichtem Regenschauer und einer Wandereinheit entlang des Grenzübergangs. Die Amigos haben uns mal schön alles Gepäck von Nicaragua rüber schleppen lassen, zwischendurch Formblätter ausfüllen, Währung umtauschen und Borderhändlern ausweichen. Den Bettlern habe ich meine letzten cortopanischen Münzen zu geworfen um dann festzustellen, dass ich doch eigentlich eine zur Erinnerung behalten wollte. Mist. Aber egal. Irgendwie Erleichterung. Nicaragua ist trotz seiner Schönheit kein kaltes Pflaster.

Costa Rica erschien da doch gleich ein wenig weiter entwickelter. Die Malls haben die Amerikanisierung mit Bravour abgeschlossen und auch im Leistungsfach Tourismus konnte fast volle Punktzahl erzielt werden. Wir befinden uns jetzt in 1600 Meter Höhe in Monteverde und werden in einer Eco Lodge mit allen Annehmlichkeiten beherbergt. Mein erster Checklistenpunkt 'Laundry' ist bereits abgehakt, die Dusche war ein Traum und der nachfolgende Punkt 'Verköstigung' ein Gaumenschmaus. In super internationaler Runde (der Engländer, die Australierin, die Schwedin und ich) tauchten wir in in DAS Sushi Erlebnis. Selten habe ich so hervorragend gespeist. Sushi ist mein neues Top-Gericht!

PS: Aufgepasst beim unbedachten Eiscafé-Kauf. Meine Bestellung schlug als 2-Millionen-Kalorien-Getränk voll ein!!


Chicken Trip & Vulkanjäger

"Would you like an adventure now,
or shall we have our tea first?"
-Peter Pan


Wenn mein Rücken bis dato noch intakt gewesen war, so ist dies spätestens seit heute nicht mehr der Fall. 6 Blocks - so lautete die Anweisung von Alonzo, als wir unsere Backpacks aufschnallten und Richtung Busbahnhof stiefelten. Sage und schreibe 20 Minuten marschierten wir als billiger Abklatsch einer Armeetruppe querfeldein durch nicaraguanisches Markttreiben und brutzelnde Hinterhöfe. Gefühlt habe ich mich wie bei Hinter den Kulissen von Nicaragua. Herabhängendes Gemüse, offene Feuerstellen, lagernde Hühnchen, Bananenstauden, Schlammpfützen. Feilschende Händler und Unterhändler. Die Realität präsentiert sich in den Nebengassen und abseits der heraus geputzten Mainstreet.

Völlig durchgeschwitzt und mit massagebedürftigen Rücken- und Nackenmuskeln erreichten wir den staubigen Halteplatz des auf uns wartenden 'Chicken-Bus', der in seinem Inneren wie ein ausgebombter Schulbus aussah. Stickerbeklebte Frontscheibe. Abgerissene Sitzplätze. Notdürftig angebrachter Rückspiegel. Im Gang klebriges Allerlei und augenscheinlich verdorbene Speisen verkaufende Señoritas und Niños. Wir reisen neuerdings mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Authentisch. Gewöhnungsbedürftig.

Wir hielten wirklich an jeder sich anbahnenden Gruppenschar von mind. 2 Personen an, um diese noch irgendwo in diesem kriegsbeschädigten Fahrzeug unter zu bekommen. Gleichermaßen entließ der Busfahrer an jeder kreativ zusammen geschusterten Unterhaltstelle mitreisende Fahrtabschnittsgefährten und fand indes Zeit den ein oder anderen Tratsch mit bereits auf Neuigkeiten wartenden Rentnern zu halten. On-the-fly nennt sich übrigens die aktuelle Streetworkerscheinung, bei der man ohne Anhalten und Bezahlen des Busses aufspringen kann. Gern gesehen sind auch die On-and-off-Hopper, die sich ohne ökonomischen Hintergedanken zur Zentralisierung, alle in 10m Sichtweite aufstellen und den Busfahrer zu 3 Stopps innerhalb von 30 Sekunden zwingen.

Mein Blick richtete sich noch einmal auf die strukturiert beklebte Busfront, auf der sich die gesamte Actioncollection 'Dragon Z' nebst der Stickerreihe 'Heilige Maria - alle Portraits' und dem FC Barcelona Wappen diverser Größen erstreckte. Phänomenal. Doch scheinbar die Standardtapezierung mittelamerikanischer Vehikels. Denn auch im Mini-Chicken-Van, in dem wir nach 2 Stunden umstiegen und uns dicht aneinander gedrängt zusammenpferchen mussten, konnten wir die Bibelgeschichte verknüpft mit Super Mario Car World noch einmal in Stickerform nachvollziehen. Zu viert, im Schweiße unseres Angesichtes auf zwei Sitze gequetscht, bestritten wir die nachfolgende 15-minütige Fahrt um anschließend auf das Chicken-Boat umzusatteln, mit dem wir den letzten Routenabschnitt, inkl. Schiffsgeschaukel ganz großen Formates, bestritten.

Am Ufer der größten, im Süßwasser liegenden, Vulkaninsel der Welt 'Ometepe', wurden wir zugleich zum Strand aller Sonnenuntergangsträume chauffiert, wo die lokale Community bereits mit dem Kochen unseres Abendmahls begonnen hatte. Während es noch um die Ecke brutzelte und vor sich her kochte, erhielten wir eine 1-stündige Einweisung in die 'Optionals' auf dieser lächelnden Vulkaninsel. Neben Pferdereiten am Strand und diversen Wanderhikes, strahlte mich die Tageswanderung hoch zum herausforderndsten Vulkan Nicaraguas an. Völlig irrational entschied ich den 1600m hohen 'Conception' zu erklimmen. Ernüchterung erst, als sich heraus stellte, dass nur zwei weitere Personen mit mir diesen Weg bestreiten würden. Ein australischer Armee-Mann und der Deutsche. Huch, hatte ich da vielleicht doch ein paar Nebeninformationen und Hinweise verpasst? Die Mehrheit unserer Gruppe entschied sich für Pferd und Beach, während Team Kanada + Friends die Halbtagestour zum Vulkan ins Auge fassten. An dieser Stelle hätte ich vielleicht die 40$ Vulkangebühren zurück halten und meine Auswahl noch mal überdenken sollen. Tat ich aber nicht.

Mittlerweile entfaltete sich der Geruch der Ometepischen Spezialitäten, doch an ein baldiges Essen war noch nicht zu denken. Schnellkochtopf gibt's hier nicht. Unsere Gastfamilie stellte sich dafür schon mal vor und gab uns Einblick in die Räumlichkeiten. Walt-Disney-Prinzessinnen-Raum mit Feentouch unter Wellblechdach würde es genau beschreiben. Jenny, die Engländerin und ich waren begeistert! Schnell wurde um die drei rosa, pink und lila bezogenen Betten gefeilscht, zu denen wir zusätzlich zwei Standventilatoren erhielten. Bitter nötig. Das Bad (außerhalb gelegen) erwies sich als 'Basic' und beherbergte zudem ein paar neu kennen zu lernende Insektenspezies. Gerne hätten wir noch über das eine oder andere Thema mit unserer temporären Familie geplaudert, doch dies ließen unserer katastrophalen Spanischkenntnisse nicht zu.
Nach ausgiebigen Abendverzehr begaben wir uns zu Bett und lauschten der Stille. Stille? 3 Millionen Vögel stimmten sich im Kanon ein, ein Sturm blies die Palmenblätter scheppernd über unser Wellblechdach, die nicht-geölten Ventilatoren quietschten durch die Nacht und ein weiteres tippelndes Geräusch machte sich auf unserem Dach bemerkbar. Kleine Füßchen. Auf und ab. Ratten.

Zum Frühstück präsentierte sich vor mir eine Portion Rühreier, Reis, Bohnen und Tortillagebäck. Um 5 Uhr morgens. Na dann mal auf. Als ich den bis zum Rand gefüllten Teller zu 3/4 ausgelöffelt hatte, läutete der Bus zur Abfahrt. Einen Vulkan galt es zu erklimmen. Mir zitterten die Knie. Was hatte ich mir da schon wieder eingebrockt? Von allen Sinnen verlassen musste ich mir ja ausgerechnet den schwierigsten Vulkanaufstieg auswählen. Manchmal zweifele ich an mir selbst. Sinnigerweise hatte ich die Schwedin am Vorabend informiert die Bergwacht nach einem aggressiv roten T-Shirt Ausschau zu halten. Safety first!

Die ersten Meter erwiesen sich als guter Start. Der Weg, nur geradeaus führend, war geprägt von viel Gestein, riesigen Baumstämmen und einem Insektenorchester, das fast für Taubheit sorgte. Tropische Temperaturen, erste Schweißperlen, glücklicherweise keine Sonne weit und breit. Im Anschluss an den Einlaufpart, sollte der 'Medium Part' folgen. Schon nach wenigen Schritten stellte ich mir schweißüberlaufen die Frage: "Wenn das der Medium Part ist, wie soll denn erst der 'Hard Part', geschweige denn vom 'Killer Part', aussehen?" Es nützte alles nichts, das Wanderprogramm musste jetzt durchgezogen werden. Wir kraxelten das verdammt steile Vulkangebirge, umringt von Dschungelwald und kreischenden Affen, weiter nach oben und ignorierten die mittlerweile flussartigen Schweißströme. Ich möchte mir gar nicht ausmalen wie ein Hike unter sonnensichtbaren Umständen ausgesehen hätte. Undenkbar! Der Weg wurde steiler und Wasser + Wind meine zwei neuen besten Freunde. Auch den Wanderstick wollte ich nicht mehr missen. Das Tool ist wirklich Gold wert.

Nach 800 Höhenmetern erhielten wir so langsam ein Bild von dem was uns da oben erwarten sollte. Rauch. Wolke. Weiß. Es wurde windiger. Nach 900 Metern zog der Tourguide schon mal in Erwägung die Erklimmung abzubrechen. Zu starke Winde. Denn merke: ab der 1000 Meter Grenze geht es kraxelnd weiter. Handschuhe hatten wir bereits erhalten. Auf 950 Metern dann die nüchterne Erkenntnis: Das könnte windig werden. 1000 Meter: Um Haaresbreite hätte mich der Vulkan die mühselig erklommenen Meter wieder herunter gepustet. Windstärke 14 stürmte es hier oben und trotz meines reichhaltigen Frühstücks konnte ich mich kaum auf den Füßen halten. Die Wolken versperrten zudem die Aussicht auf die Insel. Missmut. Enttäuschung. Chicken-Sandwich. Während des Lunchs entschieden wir mit unserem Tourguide, das ein Weitergehen keinen Sinn machen würde und lebensbedrohlich enden könnte. Abbruch.

Doch als Alternativrückroute dachte sich der hier aufgewachsene Tourguide was ganz besonderes aus: Auf zu den Spuren des Lavacanyons, welcher sich in 1957 bei einem schweren Vulkausbruch formte und bildete. Ganz original Standard kann man es wohl nicht bezeichnen, als wir uns über den gut befestigten Maschendrahtzaun arbeiteten und in ein Adrenalinabenteuer abseits der Touristenwege starteten. Zunächst kämpften wir uns durch dicht bewachsenes Dickicht und Dschungelwald, blieben in Dornen hängen und traten in lose Stolperfallen. Dann erblickten wir den Canyon. Eine Felsformation vom allergeschliffensten! Was für Kräfte müssen hier gewirkt haben, als die Lava 1957 durch das Flussbett strömte! Ein Kraxelerlebnis ganz besonderer Art stand bevor, was all unsere Free-Climbingkünste erforderte. Von Ast zu Ast hangelnd, entlang gebröckeltem Gestein und Lianen. Ein falscher Schritt und das Rutscherlebnis nimmt seinen Lauf. Und so geschah es dann auch. Als ich schon festen Boden unter mir spürte, hörte ich hinter mir nur noch bröckelndes Gestein abwärts rutschen. Michael, der Australier hinterher. Rasend schnell huschte er und mit sich ziehende Pflanzen und Felsgestein den Berg hinunter, bevor er kurz vor Aufschlag in aller letzter Sekunde von Luiz, dem Tourguide, gegriffen wurde. Geschockt und geflasht von den vor mir ablaufenden Ereignissen, konnte ich dem Backsteingroßen Felsbrocken nur hinter her sehen, als dieser im freien Fall um Haaresbreite an Michaels Kopf vorbei streifte. Shit...that was close! Einatmen. Ausatmen. Volcanoe: 0 Michael: 2. Schon beim Vulkanboarden konnte der Australier einer größeren Katastrophe ausweichen. "You were the first tourists I took to this place by the way." erwähnte Luiz beim Verabschieden. - Ja, und beinahe die letzten.