Morocco Surf

Das Beste zum Schluss. In Australien und Nicaragua hatte ich bereits das Brett unter den Füßen und konnte es in Summe auf 2 Sekunden Standzeit bringen, doch Taghazout übertraf dieses wellengenormte Highlight um ein Vielfaches. Für läppische 30€ pro Person erhielten wir ein Wetsuit, ein Board und einen Privatcoach, der uns zunächst die Trockenübung und anschließend den Livemodus näher brachte. Jeder investierte Cent zahlte sich hier aus, denn das wichtigste beim Lernen sind wie immer die guten alten Erfolgserlebnisse. Im Kampf gegen die Wellengewalt stürzten wir zu Beginn mehrfach in die Fluten, doch wurde „Paddle, Stand-Up and Surf!“ nach jedem Versuch sehenswerter. Am Ende gelangen uns einige vielversprechende Moves, mit denen wir das Board fast bis zum Strand lenken konnten. Wahnsinn! Atemraubend! Salzwasserlastig! Wie bei anderen Sportarten muss man an Willen und Kraft viel investieren, doch für einmal sicher auf dem Board stehen ist jeder Aufwand und jeder Sturz die Sache wert. Und im Gegensatz zum Mountainbiken fällt man wenigstens weich ;-)) Nach 2 Stunden Wellenbrechen dröhnte der Kopf und die Kraft ließ nach. Erschöpft, aber glücklich und zufrieden marschierten wir mit dem Board zurück ins Fischerdorf und gönnten uns einen frisch gegrillten und marrokanisch gewürzten Burger. Fabelhaft!

Noch einmal steuerten wir unser Gefährt bis nach Agadir wo sich unsere Reise dem Ende zuneigt. 7 Tage Marokko - ein Trip voller Gegensätze! Ich muss am Ende feststellen, dass mir das Format Roadtrip und Individualreisen sehr zusagt. Man nimmt das Land noch viel intensiver auf und lernt die Menschen und wie sie ticken besser einzuschätzen. Auch ist man wesentlich flexibler und kann die ein oder andere Verschnaufpause einlegen, was bei einer Gruppenreise kaum denkbar ist. Auch ist nicht jeder Morgen ein Montag und jeder Abend ein Freitag, man hat es selbst in der Hand. Und so lange man sich mit der Fahrweise und den Gangstern der Welt arrangieren kann, ist das Weiterkommen eine gut zu bewältigende Aufgabe. Zum Schluss können wir festhalten, dass Atlasgebirge und Küste die absoluten Highlights des Trips waren und definitiv nochmal intensiver unter die Lupe genommen werden müssen. Marokko ist zu meiner großen Verwunderung doch noch sehr mittelalterlich unterwegs. Damit hätte ich tatsächlich nicht gerechnet. Tut aber in Summe keinerlei Abriss, denn das ist ja genau das was man sehen will. Authentische Länder.

Wir ziehen Bilanz und führen auf unserer Highscore Getränkeliste:
  • Minztee 
  • Orange-Karottensaft 
  • Café Noir
Häufigste Delikatessen:
  • Oliven 
  • Olivenpaste 
  • Oliv.. nein, gekochtes aus dem Tajin
Der März und April haben sich als äußerst angenehme Reisezeit erwiesen. Es war immer gerade warm genug und eine dankenswerte Brise Wind lag zu jeder Zeit in der Luft. Ein- bis zwei Monate später und wir wären vermutlich am Strand und vor allem im Auto gekocht gewesen. Marokko, wer hätte gedacht dass so ein vielfältiges Land doch so nahe liegt.

Ich denke es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir diese aufregende Gegend gesehen haben. Das Atlasgebirge ruft und der Surfmodus ist gerade erst richtig aktiviert worden.

Yaallah, yallah - Adventure awaits!

 Endstand Marokko - Solarium .. sprechen wir lieber nicht drüber🙈















Die Karawane zieht weiter...

„Hier fährt auch einfach jeder wie er will!“ Es herrscht geradezu Anarchie auf Marokkos Straßen, zumindest was die Städte betrifft. Aus Marrakesch wieder zu entkommen gestaltete sich weitaus schwieriger, abenteuerlicher und gefährlicher als der gesamte Gebirgspass. Zunächst verliefen wir uns noch einmal gnadenlos auf der Suche nach unserem Parkplatz und irrten mit Sack und Pack durch die Lehmboden behafteten Ghettos Medinas. Die nächste böse Überraschung erlebten wir beim Erblicken des Autos. Der vor zwei Tagen inhaftierte, dubiose Parkwächter war wieder auf freiem Fuß. Er ließ uns zwar zunächst noch einsteigen, versperrte uns dann jedoch den Weg und verlangte 200 Dirhams. Was für ein Spinner! Michi verhandelte und ich warf ihm im strengsten Ton, den ich aufbringen konnte, „Police, we call the Police!“ entgegen, ohne zu wissen wie deren Telefonnummer lautete. Die Situation wurde angespannter, der Ton rauer und der Gangster immer wütender. Gedanklich sah ich ihn schon eine Muskete oder ein Säbel zücken. „50 Dirham and not more!“ verhandelte Michi. „J‘appelle la police!“ warnte ich noch mal auf ganz schlecht ausgesprochenem Französisch. Mit zornigem Blick gab der Gauner endlich nach und räumte widerwillig den Platz frei. „Nix wie raus hier!“ stimmten wir beide ein, während Michi das Gefährt slalomartig an Eseln, Pferden, Mopeds, Menschen und Kamikaze gefährdeten Katzen vorbei manövrierte. „Spuren, Zebrastrafen, Ampeln, - für was haben die das eigentlich?!?!“

Eine völlig unattraktive Strecke, entlang purer Einöde führte uns Richtung Essaouira, einem Ort an der Küste. Nicht viel mehr als ein paar augetrocknete Flussbetten, verfallene Lehmruinen und dürre Sträucher zierten die Weiterfahrt. Erst kurz vor dem Meer wurde es grüner, eine Allee aus Arganbäumen und die Attraktion des Tages: Mehrere Ziegen auf einem dieser Mandelbäume. Welch ein kurioser Anblick! Man mochte meinen jemand hätte mit Photoshop getrickst, hätte man die Tiere nicht leibhaftig an dem Baum hochklettern sehen. In Essaouira spielten sich gerade die Windsurfer Weltmeisterschaften ab. Ein wahrhaftig windiger Strand mit fantastischem Wellengut. Leider etwas zu frisch um darin zu baden, doch tückisch genug um den unbedarften Mitteleuropäer rot zu rösten. Ich denke das wird nichts mehr mit dem Braun ;-) Die Altstadt Essaouiras ist definitiv ein Eycatcher und bietet so manche, verwinkelte und liebevoll eingerichtete Cafés und Restaurants. Wir aßen an diesem Tag je zwei Fisch. Ein Glück, es war ja auch Karfreitag!

„Also der Beruf Schafhirte ist hier doch noch sehr weit verbreitet.“ Nach einem erholsamen Tag in Essaouira starteten wir die letzte große Etappe unseres Trips. Zurück nach Agadir mit Zwischenstopp in Tagazhout. Die malerische Strecke führte zunächst durchs Landesinnere. Grüne Bäume und Sträucher, bergige Landschaft und jede Menge Dromedare, Schafe und Ziegen. An jeder Ecke war ein Ziegen- oder Schafhirte zu finden. Im absoluten Nichts, weit entfernt von jeglicher Zivilisation. Auch Arganöl wollte so mancher Ein-Mann-Betrieb am Straßenrand, mit lediglich einem Tisch und einem Stuhl als Verkaufsfläche, an die Kundschaft bringen. Die Umsatzstatistik vermute ich eher als deprimierend.

Der zweite Teil der Strecke führte entlang der Küste und meterhohen Wellen. Immer wieder mussten Fotostopps eingelegt werden, weil die Gewalt von auf Gestein treffendes Wasser, einen immer wieder in den Bann zieht. Die marokkanische Great Ocean Road endete in einem sehr gechillten Fischerort namens Taghazout. Ein Surf-Mekka wie aus dem Buche. Surferboys, Reggaemusik, legere Kleidung, keine Moschee und auch kein Allah Akbar. Dafür sehr viel internationales Publikum und jede Menge Surfbretter und meterlanger Strand. Michi und ich aßen zu Mittag (Burger, Pommes, Curry-Kokosnuss) und machten dann Nägel mit Köpfen. „1x Surfschule für morgen Vormittag 10 Uhr, bitte!“ 300 Dirham per Person - was kostet die Welt?! Kurz vor Ende unserer Reise hauen wir einfach noch mal alles raus.












It‘s Tea Time

„Allāhu akbar“ schallt es jeden Morgen um 5:19 Uhr durch die blechernen Lautsprecher über die Stadt hinweg und weckt jeden noch so guten Schläfer aus seinen tiefsten Träumen. Die fast einstündige, monotone Versansammlung hat recht wenig mit dem sanften Weckton eines Smartphones zu tun und auch die Schlummerfunktion wird sehnlichst vermisst. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit am Ende, des fast Nerv raubenden Gebetsrufes, glockenhellwach zu sein sehr viel höher und gerade zu von Erfolg gekrönt.

Aufstehen, Dachterrasse, Frühstück, Minz-Tee, Pfannkuchen und Marmelade. Raus aus dem fast totenstillen Riad und rein in das Gassengewirr Medinas, der pulsierende Altstadt Marokkos. Hupen, Enge, Staub, Gewürzgerüche, Feilschen, Handeln, bunte Farben, wenig Ruhe, immer auf der Hut, Stoffe, Kleider, Kannen, Allerlei. Ein Basar aus hunderttausend und abermillionen Sachen. Ganz viel Zeug. Wenig Brauchbares. Weiterstreifen durch die Souks. Frische Oliven, Makronenplätzchen, Blätterteig, Orangen, Minze, Koriander, Safran, Kümmelgewürz. Hühner in Käfigen, Gemüse, Obst und Fisch, völlig plastikfrei und uneingeschweißt auf Decken und Planen am staubigen Boden liegend. Mopeds, Fahrräder, Esel und Pferde streifen. Ist das jetzt echt Bio? Zu Mittag Dachterasse, Minz-Tee, Oliven, Brot und Käse. Aussicht auf Türme, Moscheen und Paläste. Touristen, Busse, Fotografen, Stimmengewirr. Hitze, stechende Sonne, erneute Gebetsrufe. Weiter auf einen Kaffee am Markplatz Jemma el Fna. Schlangenbeschwörer, Affen an Ketten gelegt, Kutschen, Touristenabzocke, frisch gepresster Orangensaft. Laufen, ausweichen, weitergehen. Vorbei an bettelnden Frauen und Kindern. Duft von Arganöl und Fäkalien. Eierhändler, Schuhmacher und Hinterhöfe. Siesta. Dachterasse, Minz-Tee, Wasser, Schach. Gebetsrufe im Hintergrund. Durchatmen. Noch einmal losziehen für Abendessen mit Ausblick. Weißwein, Käse in Blätterteig, Olivenpaste, Brot und frische, eingelegte Oliven. Hühnchen, Couscous, Zitronensauce, Aubergine, Fisch im Tajine zubereitet. Sanfte Gitarrenklänge, schwarz-blauer Himmel, seichter Feuerschein.

„La ilaha illa llah“ 19:56 Gebetsrufe. Ein Tag in Marrakesch neigt sich dem Ende zu.













Das verrückte Labyrinth

Links, rechts, rechts, links, rechts, links, rechts, links, links, rechts. Der Weg vom Hotel nach draußen glich einem Jump & Run Spiel aus den 90ern. In Level I galt es sich einen Weg durch die lehmhaltige, schlecht beleuchtete, menschenleere und verwinkelte Unterführung bis hin zum Ausgang zu bahnen. Vorbei an streunenden Katzen und zwielichtigen Abzweigungen, die in Sackgassen endeten. Erreichte man die Pforte zur markttreibenden Gasse, forderte Level II die Auffindung des gestern geparkten Autos, mussten wir den Parkplatz noch um zwei weitere Nächte verlängern. Entlang belebter, bunter und Händler besetzter Gassen, immer den Mopeds, Kutschen und Viehwagen ausweichend, irrten wir durch die schmalen Wege, in denen jede Abzweigung der anderen glich. Navigation zwecklos. Vorbei an Blechschildern, Stoff- und Lederwaren, Teekannen und Gewürzläden, fünfmal vorwärts und viermal wieder zurück, erreichten wir nach einer gefühlten Ewigkeit den zwielichtigen, schotterbehafteten Hinterhof, auf dem unser Auto stand. Michi hatte den 100 Dirham Schein bereits gezückt und der marokkanische Pächter eilte uns aus seinem Zweitgewerbe, einem Buntgemischwarenhandel, entgegen. Die Dollarzeichen leuchteten schon in seinen Augen und seine volle Aufmerksamkeit galt dem grünen Scheinchen, welches Michi in den Händen hielt. Im Moment der Bargeldübergabe schossen plötzlich aus dem Hinterhalt 3-4 schwarze Mopeds und packten den Parkwächter. Wie in einem schlechten Mafia-Film durchsuchten die vier unscheinbaren Männer den Typen und setzten ihn in Handschellen auf eines der Mopeds. Irritiert verfolgten wir den vor uns ablaufenden Gangsterfilm und starrten abwechselnd auf die Männer der Mopedgang und dann wieder auf den Parkwächter, der gestikulierend auf die Männer einsprach und seine Felle davon schwimmen sah. „Police“ sprach der Frontman der Mopedgang und zeigte auf seine Pistole. Das Imperium hatte also zurückgeschlagen. Nach der gestrigen Abzocke ein Sieg auf ganzer Linie! Team Deutschland war wieder zurück im Spiel. „Den Guide von gestern schnappen wir uns auch noch!“ sagten wir uns, nach dem wir dem zivilen Polizisten eine genau Personen- und Mopedbeschreibung abgegeben hatte. Wir ließen das Auto stehen und zogen zufrieden und mit einem breiten Erfolgsgrinsen von dannen.

Level III - Gangsterfestnahme wäre somit auch abgehakt. Mir graute schon vor Level IV. Wir marschierten weiter durch die Souks von Marrakesch und entfernten uns von Touristenpfaden. Die Souvenirhändler wurden weniger, dafür fand man nun Gemüse,- Obst,- und Fleischwarenanbieter an jeder Ecke. Wir probierten uns durch die lokale Küche und wagten das Erlebnis ‚Street Food am Straßenrand‘. „Die Oliven bekommst du ja hier hinterhergeworfen!“ stellten wir nach Erwerb eines 100g Beutels für 18 Cents fest, als wir uns die grünen Kugeln einwarfen. Es folgte ein Dessert, in Blätterteig gerollter Kakao und nusshaltige Masse. Sozusagen eine komprimierte Nussecke. Sensationell! Als Hauptgericht wählten wir frittierte Auberginen und frittierten Fisch, welchen wir in eine Teigtasche mit roter, pikanter Soße manövrierten und am Stand genüsslich verspeisten. Andere Touristen beäugten unseren Mut respektvoll. Szenenapplaus. Level IV ging leichter als gedacht.

Am Ende unserer Erkundungstour hatten wir den Ausgang und somit die Stadtmauern von Marrakesch erreicht. In der prallen Mittagssonne zogen wir zurück zu einem großen Platz, auf dem abermals Händler um Händler zu sehen waren. Und eine schwarze Kobra. Ich hatte nur kurz zu ihr rüber geblickt und mich schnell wieder von dem angsteinflößenden Tier abgewandt, da hatte der Schlangenmeister auch schon Michi eines dieser windigen Viecher um den Hals gelegt und wollte ein Bild schießen. „Wieviel kostet das?“ Handeln - können wir. Nochmal lassen wir uns nicht abzocken. Gegen meinen Willen wurde auch mir eine grüne Schlange um den Hals gelegt und ein obligatorisches Bild mit der schwarzen Kobra im Vordergrund erstellt. Kleines Bonusmaterial gab es für Michi auch noch mit oben drauf. „Ihh.. das ist ja Stuhl.“ bemerkte er, als er resigniert an seiner Hose herunterschaute und den senfkornfarbigen Streifen entdeckte. Da hat sich die Schlange vor Angst aber mal ganz schön auf die Hose geschissen. Level V - wir hätten es nicht gebraucht.

Ein Hoch auf Rei in der Tube und Siesta zur Nachmittagszeit. Wir haben uns den lokalen Gegebenheiten angepasst und spazieren nicht mehr dilettantisch durch die starke Nachmittagshitze. Zum Abschluss eines läuferisch anstrengenden Tages Dachterasse, Sternenhimmel, Shisha und zwei Bier. Level VI - ich mag es.

 


 















The Long and Winding Road

„The road is not for Sissies and requires strong nerves. Only for adrenalin junkies and people with no fear of heights.“ Wer auch immer den Beitrag auf dangerousroads.org verfasst hat, muss entweder ein sehr schwaches Nervenkostüm gehabt haben oder ist Amerikaner und kennt nur meilenbreite US-Highways. Wer die Waldstrecke Ballersbach - Sinn fahren kann, der kann auch einen marokkanischen Gebirgspass überqueren! Einfach ein paar steile Abhänge, möglichen Steinschlag und die Höhe von 2.000 Metern dazu denken und schon passen die Randbedingung. Wir dachten Wunder was uns erwarten würde und gedanklich hatte ich mich bereits von allem verabschiedet. Die beschriebene, einspurige, kurvenreiche und Angst einflößende Strecke im Hohen Atlasgebirge erwies sich jedoch als völlig harmlos und absolut bewältigbar. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Gesamtlänge der Strecke. Benötigt man für die Autobahnroute nach Marrakesch knapp 3 Stunden, sitzt man für die landschaftlich attraktivere und dramatisch, ansprechendere Fahrt unglaubliche 7 Stunden im Auto. Außerdem müssen immer wieder Fotostopps eingelegt werden, denn das marokkanische Outback entspricht tatsächlich der naiven Vorstellung eines altertümlichen Bergvolkes. Mopeds, Esel, Kutschen, Menschen auf verrosteten Klapprädern, verschleierte Frauen, Ziegen, Schafe, und Toiletten wie in Myanmar. Die wenigen Dörfer, die man nach viel Nichts in absoluter Einöde erreicht, sind Durchgangsorte. Menschen sitzen und stehen am Straßenrand und schauen den Autos hinterher. Halb angefangene Häuser oder Bauwerke stehen in der Gegend rum und alles sieht irgendwie ein wenig halbfertig aus. Und doch trifft man immer auf nette Menschen, die einem natürlich das ein oder andere Souvenir unterjubeln möchten und man irgendwann bei „I have kids at home, they need food and medicene.“ nachgibt und bei, wie Michi es ausdrückt, „gebogenem Metall“ aka Silberreif echt made from Morocco, zuschlägt. Es ist aber auch immer die selbe Masche! Zu Mittag dinierten wir bei Berbersalat und Omlett am höchsten Punkt des Passes und kehrten auf dem Weg hinunter noch in diversen Cafés ein um den lokalen Erfrischungsgetränken, frischem Minztee und marokkanischem Kaffee, gerecht zu werden. Auch eine Moscheebesichtigung hakten wir auf unserem Weg nach Marrakesch ab, die in einem muslimischen Land nicht fehlen darf.

Was uns in Marrakesch erwartete entsprach allem, nur nicht dem was ich mir vorgestellt hatte. Ich hatte mich offensichtlich rein gar nicht auf diesen labyrinthartigen Irrgarten vorbereitet. Bei Buchung des Hotels interessierte mich lediglich Sauberkeit und Entfernung bis zum Stadtzentrum. Dass man das Hotel mit dem Auto überhaupt nicht erreichen, geschweige denn zu Fuß auffinden konnte, hätte man sicherlich im Vorfeld recherchieren können. Doch das Lehrgeld bezahlt man immer hinterher. Während Michi und ich noch mit dem Auto durch verwinkelte Gassen navigierten und vergeblich einen Weg zu dem Hotel suchten, hielt uns ein Mopedfahrer an um uns mitzuteilen, dass der Googlekartendienst in Marrakesch so gar nicht funktioniert. Er könne uns jedoch den Weg zeigen, indem wir ihm einfach folgten. Gesagt,- gefahren, arbeiteten wir uns mit dem Auto durch verwinkelte Gassen, in denen wir nur um Haaresbreite von anderen Automobilen, Mopeds und Viehwgem gestreift wurden, bis uns der Typ zu einem Hinterhofparkplatz brachte und uns mit einer Parkgebühr von 10€ am Tag erleichterte. Wer nun glaubte das Ziel sei erreicht, hatte weit gefehlt. Mit Koffer, Rucksack und Handgepäck folgten wir dem Typ zu Fuß weiter durch die marrokanische Altstadt. Vorbei an Souvenirläden, Wechselbüros, Schuhpflegern, Essensbuden und Bettlern. Nach einer gefühlten Ewigkeit bogen wir in eine Nebengasse und anschließend und zu meinem Entsetzen in einen winzigen, verdunkelten und menschenleeren Winkel ab. „Jetzt sind wir verratzt!“ schoss es mir durch Kopf. „Der Typ führt uns irgendwo hin und raubt uns aus. Hier findet es uns doch kein Mensch!“ Ich kam mir vor wie in einem nicht enden wollendem Labyrinth, auf einen Winkel folgte der nächste und von Menschenstimmen kein Laut mehr zu vernehmen. „Unser letztes Stündlein hat geschlagen.“ Es konnte nicht anders sein. „Hier finden wir doch nie wieder raus!“ Und dann erreichten wir eine nichts aussagende braune Kellertür mit der Nummer 30. „Bitteschön, das ist euer Hotel. 40€ bitte für die Führung.“ Michi ließ sich nicht darauf ein und versuchte zu handeln, während der Typ ungeduldig und ausfallend wurde. Mir wurde alles zuviel und ich drückte dem Kerl das Geld in die Hand, Hauptsache er würde verschwinden. Er nahm das Geld lachend in die Hand, verschwand und in dem Moment öffnete sich die Kellertür. In Gedanken sah ich schon das Ende vor mir, denn das konnte ja unmöglich das Hotel sein, entsprach es in keiner Weise dem Imagefoto von urlaubspiraten.de
Zu unser aller Erstaunen eröffnete sich jedoch ein Hauch von Ali Baba und 1001 Nacht. Es war das richtige Hotel, jedoch in den tiefsten Tiefen Marrakeschs versteckt, das selbst GoogleMaps Dienste und wohl auch die NSA niemals orten werden können. „Haben wir dem Typ jetzt ernsthaft 40€ für ne 20-minütige Hotelauskunftsführung gegeben?!?“ fragte Michi. „Ja.“ bestätige ich erleichtert und entsetzt zur selben Zeit. Froh dass wir noch am leben waren, aber dumm sich so über den Tisch ziehen zu lassen!

Stand Marokko - Solarium 1:1 (dank Dopingmittel Karottensaft ;-))
@Resi: das gibt es bestimmt auch in Neuseeland ;)

Fakt ist, der Tizi n’ Pass ist ein absolutes Hightlight und sollte unbedingt gefahren werden. Endlose Weite und unberührte Landschaft. Keine dicht auffahrenden Drängler hinter einem, kein Stau in Front und meilenweite leere Straßen! Auch für Motorrad und E-Mountainbikebesitzer sicherlich ein echtes Erlebnis!












Warm, wärmer.. Marokko!

„Huch..da habe ich wohl versehentlich die Premium-Suite gebucht.“ stellte ich mit ungläubigen Augen fest, als wir das großzügige Foyer, den Wohnzimmerbereich, Balkon mit Ausblick und die beiden Badezimmer unseres Hotelzimmers in Augenschein nahmen. Ein Hoch auf die marokkanische Nebensaison! Da ist der Euro noch jeden Cent wert! Wir waren zuvor am frühen Vormittag in Agadir gelandet und hatten unseren Mietwagen ohne größere Zwischenfälle in Empfang genommen. Michi übertrug mir zugleich die ehrenwerte Aufgabe das Hyundai Kleinwagengefährt mit Vintage-Schaltgetriebe bis zum Hotel zu steuern. Im Mario-Kart-Stil wich ich auf nordafrikanischem Boden Mopeds, Fahrrädern, Kutschen und Fußgängerobjekten aus, die zu jeder Zeit, aber niemals am Zebrastreifen, die Straße querfeldein überquerten. Trotz einiger haarsträubender Kreiselmanöver erreichten wir, dank Michis Offlinekartennavigation, crash- und unfallfrei das Ziel.

„Ihr kommt genau richtig.“ erwähnte später die Kellnerin, die uns ein Couscous Royal zum Abendessen servierte, von dem eine halbe Fußballmannschaft satt geworden wäre. „Letzte Woche haben die Leute noch wegen des durchwachsenen Wetters gejammert, heute ist der erste schöne Tag.“ Das mochten wir gerne glauben, erzählte unsere rot-verbrannte Haut von einem halben Tag Sonne-tanken am Strand schon ihre eigene Geschichte. Und wenn ich mich nicht schon während des Setzens des Autoblinkers und durch das Bremsen vor Zebrastreifen als mitteleuropäischer Tourist identifiziert hatte, dann spätestens beim abendlichen Flanieren auf Agadirs Straßen. In Hot-Pants, Flip-Flops und Sonnenbrille begegneten wir in dickes Winterfell gepackten Marokkanern, die unsere Wege kreuzten. Na denen wünsche ich keinen Urlaub in Europa, von der Polarexpedition werden die sich niemals erholen!

Morgen geht es über den Tizi n‘ Test Pass nach Marrakesch. Details zur Route erspare ich euch und mir, denn ich werde für diesen Weg ganz bestimmt nicht am Steuer und wohl eher mit verbundenen Augen im Auto sitzen.

Zitate des Tages: „Mir brennt der Kittel!“ - Michi
„Aga-Mir, Aga-Dir“

Marokko - Solarium 0:1 (denn rot angebrannt zählt vermutlich nicht 🙄🙈)

Und an Ozeankind lööni: Das wachsame Müllauge muss auch hier einige Missstände zählen..👆🏻










Winter adé!

"Dieses Jahr nur Europa!" Was sich Anfang Januar noch nach einem realisierbaren, guten Vorsatz anhörte, musste spätestens nach zweieinhalb Monaten Dauertriste, Nieselregen, Frost und Schneefall wieder über Bord geworfen werden. „Lieber Frühling, ich wäre dann soweit.“ lächelte ich beim Betätigen des Buchungsbuttons für 25 Grad, Sonne, Strand und mehr, aka Agadir, Badeort in Marokko. Ein eher untypisches und geradezu gewöhnliches Reiseziel, das so ganz und gar nicht in meine bisherige Travel-Agenda zu passen schien. Doch die ersten Feedbacks trübten den Schein. „Lass dich nicht entführen.“, „Achtung! Opium-Mekka!“ und „Nutzt öffentliche Verkehrsmittel, das Straßennetz ist ein desaströses Chaos!“. Das klang doch gleich viel eher nach einem Land meiner Wahl. Den Hinweis mit dem Straßennetz wollte Michi dann auch gleich ganz überhört haben und überredete mich zu einem Mietwagen. „Ich hab Roadtrips durch Rumänien und den halben Ostblock  gemacht, da werden wir auch Marokko meisten.“ Ich stimmte ohne weitere Einwände zu und navigierte erst nach Buchung und Abschluss aller Auto-Versicherungspolicen auf verkehrslage-in-marokko.de. Ein leicht blasser Schimmer überzog mein Gesicht, als ich mich eingelesen hatte. Hier nur ein paar, jedoch prägnante Auszüge aus dem Informationsblatt:

  • Überholt wird, wo sich die Gelegenheit dazu bietet, egal ob von rechts oder von links. Auch Abbiegemanöver werden meist spontan vollzogen.
  • Rote Ampeln werden oft überfahren: seltener tagsüber, in der Nacht dafür fast immer.
  • Kaum ein Fahrzeug verfügt über eine ordnungsgemäße Beleuchtung, so dass es nachts keine Seltenheit ist, völlig unbeleuchteten Objekten zu begegnen.

Nun denn, wir haben es nicht anders gewollt. Der Roadtrip wird von Agadir durch das Argana Tal nach Marrakesch führen. Und wenn wir es tatsächlich bis dorthin geschafft haben, sehen wir weiter. Vielleicht ein bisschen Atlasgebirge mit Wanderung oder doch lieber Küste und Surferstrand? Ganz egal, Hauptsache raus aus der arktischen Kälte und hin zu Wohlfühltemperaturen, so wie man sie hier einmal kannte…!

In diesem Sinne, die Battle „Marokko vs. Solarium“ läuft. Challenge accepted @becks ;-))



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