Good to go - Multisport in Ecuador

"...und dann fährt die halbe Mannschaft auch noch nach Ecuador! Leute, wenn das so weiter geht, könnt ihr das Ziel Klassenerhalt abhaken!" Die Rüge unseres Trainers traf uns hart, hatten Löön und ich die Reise nach Südamerika bereits im Februar gebucht, wo an einen Aufstieg in die Gruppenliga noch lange nicht zu denken war. "Eine neue Liga ist wie ein neues Leben" - und Urlaube während der laufenden Saison somit gestrichen. Ok verstanden, aber leider zu spät. Eine Stornierung der Reise war absolut ausgeschlossen, hatten wir eine Reiserücktrittsversicherung diesmal aus Kostengründen gar nicht erst abgeschlossen. Außerdem fieberten wir dem Multisport-Trip schon seit Wochen entgegen. Vielleicht war es auch ein Fehler die Teamkolleginnen Kristin und Sissy für die Reise "heiß zu machen", die im Sommer noch nachbuchten und jetzt ein mittelgroßes Loch im defensiven, sowie offensiven Mittelfeld hinterlassen. Dass uns in den letzten Spielen auch noch der gesamte Sturm, sowie die halbe Abwehrkette und zu guter letzt auch noch die Torfrau aufgrund von Verletzungen wegbrach und unsere Mannschaft nur noch einem Invalidentrupp gleicht, hätte man sich in seinen schlimmsten Albträumen nicht ausmalen wollen. Gedankliche Notiz: "Es wird nur noch in den Winterferien verreist!"

Die Reise auf die südamerikanische Halbkugel ist an Abenteuer und Adrenalin kaum zu übertreffen. Auf den Spuren von Alexander Humboldt werden wir die vielfältige Flora und Fauna Ecuadors größtenteils im sportiven Modus erleben, erwarten uns Aktivitäten wie White Water Rafting, Canyoning, Mountainbiking, Zip-Lining, Wandern und vieles mehr. Der relative kurze Trip von 9 Tagen (schönen Gruß an die Umwelt, dass wir dafür ein Flugzeug besteigen!) ist gespickt mit einem Highlight nach dem anderen und wird uns zudem durch ein Land der Extreme führen. Wirt starten in der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt "Quito", die sich in einem 2.850 m hohen Becken der Anden befindet und uns allein deshalb vermutlich schon in die Knie zwingen wird. Weiter geht es in den Dschungel und nach Tena, wo uns Temperaturen von 22° und eine Luftfeuchte von 78% erwarten. Nachdem wir den wilden Fluss Rio Jatunyaku im umliegenden, üppigen Nebelwald erkundet haben, führt der Weg weiter nach Banos. In Banos herrschen laut Google aktuell Temperaturen von 4° und eine Luftfeuchtigkeit von 100%! Eine Vorstellung, die nicht vorstellbar ist. Sissy, lass das Glätteisen doch zu Hause...! Sofern wir in Banos alle Höhen- und Tiefen-Aktivitäten überstanden haben, wird sich im Llanganates Nationalpark zeigen, ob unsere körperliche Fitness, die wir über Wochen und Schweißperlen hinweg unter Beobachtung von Muskel-Martin antrainiert haben, für eine 30 Kilometer lange Wanderung über zwei Tage ausreichen wird. Und sollte das noch nicht genug sein und wir immer noch nicht den Sportrucksack, samt Multifunktionswäsche, Trinkblase und Schweißbändern über den Amazonas geworfen haben, präsentiert sich zum Ende der Tour noch der aktiv brodelnde Vulkan Cotopaxi vor uns, dem wir uns mit einem Mountainbike stellen wollen/dürfen/müssen. "Wenn ich jetzt noch mal genau drüber nachdenke Löön, wo war eigentlich der Teil mit dem Urlaub?" "Hier, Juli." und Löön fährt mit ihrem Zeigefinger auf einen kleinen, kaum lesbaren Paragraphen, der im letzten Teil der Reisebeschreibung in Times New Roman, Schriftgröße 6 zu lesen ist: Thermale Quellen. Zeitfenster: 2 Stunden. "Ach so...gut."

Ecuador - ein Land das kaum in der Nachrichtenpresse behandelt wird oder durch irgendwelche gravierenden Ereignisse in Erscheinung tritt. Trotz alledem uns allen bekannt durch die Galapagos Inseln und der damit einhergehenden Evolutionstheorie, sowie den bekannten und unbekannten Naturforschern Charles Darwin und Alexander Humboldt. Wir werden sehen und erleben was uns dieses Fleckchen Erde am Äquator zu bieten hat und welche Überraschungen uns dort erwarten werden. Entscheidender Faktor wird sicherlich auch die unfassbare Kombination "Viererkette", bestehend aus den Reisenden Löön, Kristin, Sissy und mir sein, bei der unglaubliche Vorkommnisse und absolut abwegige Geschehnisse vorprogrammiert sind. Bereits beim Ausfüllen des Online-Formulars scheiterten wir hilflos am benutzerunfreundlichen Frontend der GAdventure Webseite, wodurch kurzerhand unsere Flugroute nach Florida und ins Hurricane-Krisengebiet verändert wurde. Nur mit Hilfe der amerikanisch sprechenden Hotline, konnte der Fauxpas rückgängig und der Zwischenstopp auf Panama City korrigiert werden. Auch am Check-In Prozess scheiterten wir kläglich, da das gesamte Lufthansa Netzwerk, sowie sämtliche Server zusammengebrochen waren und eine Verbindung mit dem Webinterface über Stunden hinweg fehlschlug. Wo wir tatsächlich landen und ob wir vollzählig, Gepäck-vollständig und unbeschadet ankommen werden, steht somit völlig in den Sternen.

In diesem Sinne, let the journey begin...

// Leser, die sich für diesen Artikel interessierten, lasen auch:
- One way ticket to Vegas (Sissy & Juli on tour)
- Pass-Out in den Anden (4600m, die Luft wird dünner)





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Belgium at its best!

Do you have to get worried when first your best friend and then your travel mate from Belgium drinks you under the table? Well, if you’re still alive then not.

It all started on a spontaneous night out on Thursday when we hit the local Volksfest for "a few beers". After several sparkling drinks, something similar to Altschuss and way too many Klopfers the night ended up not only legendary, but with the worst headache ever. But there was no time for complaining, since I was supposed to travel 400 kilometers by car the other day for visiting my travel mate Chris in Belgium. To be more specific: Gent. With round about 5-6 painkillers, tons of coffee and a disgusting Red Bull I finally made it to Gent after 7 hours of driving, including 2,5 hours traffic jam in good old Brussel.

After an exhausting journey and the internal note on my mind "no more alcohol" I got welcomed by Chris, his dog Nina and a big glass of Belgium beer. And just to tell you this: Belgium beer is not = beer beer, it's THE beer. 8,5 % - Duvel beer, also known as "from the devil". Well, Cheers! After this warm welcome and a look around in Chris really nice guest house, we directly hit the road by bike and cycled to the city center. And to tell you this straight away: Gent is not only another destination on my list, it became one of my favourite cities I've ever been to. It just offers everything you're looking for. Little canals like in Amsterdam, a bike-friendly town, lights everywhere at night, bars, live music and a city panorama like on a film set. Many young and nice people, flowers, good food and the list goes on. We spend the night exploring this unique city, listening to live music and having the best burger in town. - Just perfect!

The transportation in Gent is mostly by bike and so we cycled the other days of course as well, taking the scenic routes along the water, big cathedrals and sheep’s who were eating the grass of Gent. Chris also gave me the opportunity to have local food from Belgium and so I tried the "Gentse Waterzooi" which is basically a chicken soup and also the "Stoverij" that is very similar to Gulasch just without Paprika und Wine, but therefore cooked in beer. Oh beer.
For sure we went out for another pub crawl on Saturday again, since Chris had to offer me round about 300 bars and pubs. We finally decided for a jazz bar with various types of Belgium beer. I went for the "Karmeliet", which is voted for the best beer in the world for all time. I won't tell you anything else.

The last stop of our pub crawl ended up in in a very small and unique Schnaps-Bar. Clear stuff.  49 percent. I thought this would be my end. But as a German you have at least to accept the challenge before giving up to a Belgium ;-) 4 Schnaps later I acknowledged Chris as the winner.
On Sunday we cycled one more time to the city center for a stroll at the wonderful markets. Nice music everywhere, good atmosphere, sunny weather and Champagne + Oysters for brunch. What a classic Sunday when you live in a city.

At the end I left Gent with the promise to come back. It's a pity that this wonderful town is not very well known. But on the other hand, it's still a secret spot and not a touristic trap. Hope it stays like that :)

 













Münchner Freiheit und 1x Polizeistation Paris, bitte!

"Bienvenue à Paris!" lachte uns die Polizeibeamtin mit rollenden Augen zu, als wir unsere Anzeige wegen Sachbeschädigung am Firmenwagen zu Protokoll und dabei den Ort des Geschehens bekannt gaben. "Avenue de Stalingrad? - Ein heißes Pflaster, haltet euch da zukünftig besser fern." "Aber da ist unsere Hotel?!" "Na, dann mag euch euer Chef wohl nicht so gern."

Ich war froh, dass meine Kollegin den französisch sprechenden Teil übernahm, um alle Einzelheiten zu unserem Fall in Paris zu erläutern. Wir saßen in einem Wartezimmer, im Hochsicherheitstrakt einer Polizeistation, die mehr einem sozialen Brennpunkt für Suchthilfe glich, als einem Ort für Sicherheit und Ordnung. Und das nur, weil irgend so ein Depp einen Stein in unser Beifahrerfenster geworfen und für einen unmöglichen Scherbenhaufen in unserem Auto gesorgt hatte. Der unerwartete Zwischenfall auf unserer Geschäftsreise nach Paris, durchkreuzte meine Pläne für das im Anschluss stattfindende Wochenende in München, so dass ich gezwungen war mein ganzes Zeitmanagement auf den Kopf zu stellen. Die Polizei in Paris nimmt Anzeigen nur auf Termin an und so blieb uns nichts anderes übrig als den Aufenthalt in Frankreich um einige Stunden zu verlängern. Am Donnerstag um 19 Uhr verließen wir endlich Paris, mit einem zusammengeflickten Beifahrerfenster und ein paar restlichen Scherben im Handschuhfach. Nach einer kurzen Nacht auf halber Strecke in Mons (Belgien), kehrten wir auf gute, deutsche Autobahnen zurück. Das Plexiglas und Panzertape, das uns bei 150km/h vor Wind und Wetter schützte, machte nur bis Eschweiler mit und versagte anschließend seine Dienste. Nur durch halbstündliches Nachjustieren des Klebebandes packten wir es überhaupt bis in heimische Gefilde. Ich hatte bis dato schon 2 Stunden für meine geplante Abreise nach München verloren und korrigierte meine Ankunftszeit auf 20 Uhr. Meine Gastgeber in München (Saskia und Maren, auch bekannt als Marinegirls und Campinggefährten aus Südafrika) stellten derweil schon mal den Wein kalt und kalkulierten mit "dem Schlimmsten". Was ich bis dahin nämlich auch nicht auf dem Schirm hatte, war der Schulferienbeginn in Baden-Württemberg und Bayern. Ein kleines Detail am Rande, was für eine Stau-Gesamtlänge von 7.000 Kilometern innerhalb Deutschlands sorgen sollte. Bis zur Grenze Hessens passierte ich ohne Probleme und traf an der Autobahnraststätte "Wertheim-Village" meinen Bruder, der aus der entgegen gesetzten Richtung anreiste. Wir tauschten aktuelle Verkehrsbehinderungen aus und nur wenige Minuten später konnte ich Teilhaberin der Stau-Orgie Süddeutschlands werden. Mit einer Verspätung von 4 Stunden erreichte ich völlig erschöpft München und mein Domizil für die kommenden zwei Nächte. Lediglich 125 Treppenstufen, bis in den allerletzten Stock des Anwesens, trennten mich von einem endgültigen Ziel. Die Münchner Mädels nahmen mich mit einem guten Glas Wein in Empfang, den ich nach den vergangenen 28 Stunden Torturen, bitter nötig hatte und wir erzählten noch bis tief in die Nacht bis ich todmüde in mein Bett fiel.

Am nächsten Morgen wurde ich mit einem bayerischen Frühstück, in Form von Weißwürsten und Brezen, geweckt. Auch Kaffee und Orangensaft begrüßten mich freundlich am gedeckten Tisch. Dankenswerterweise übersprangen Saskia und Maren die Touri-Tour durch München mit mir und wir setzten uns direkt in die S-Bahn um 45 Kilometer hinaus zum Ammersee zu kutschieren. Erinnerungen zu Südafrika wurden ausgetauscht, bis wir unser erstes Hacker-Pschorr Radler entgegen und an der Promenade des Ammersees einnahmen. Die Sonne brutzelte auf uns in hinab und der kilometerweite Ausblick auf den drittgrößten Sees Bayerns ließ mit einem Mal alle Strapazen vergessen. Mit einem Gösser to-go setzten wir uns in ein solarbetriebenes Boot und tuckerten eine Stunde und nicht Sonnencreme-eingeschmiert über den ansehnlichen See. Den Teil mit der Sonnencreme sollte ich zu einem späteren Zeitpunkt ausgezahlt bekommen. Nach der Wellness-Phase auf dem Wasser folgte ein Activity Punkt. Hinauf zum Kloster Andechs! Im strammen Marsch durch idyllische Waldwege, entlang eines Wasserfalls und bergauf mehrerer Treppen, erreichten wir die katholische Einrichtung und belohnten unsere sportliche Leistung mit einem Andechs-Radler. Für den Rückweg wollten wir Fuchs sein und wählten den Bus, erhielten unsere Retourkutsche jedoch bereits nach wenigen Minuten. Eine zehnköpfige Berliner Wandertruppe, schallte stimmgewaltig und mit bestem Akzent durch das Transportmobil und beschallte nicht nur die Insassen, sondern sicherlich auch alles außerhalb der Fensterscheiben. Die ohrenbetäubende Anstrengung trieb den Busfahrer wiederrum zu einem rasanten Fahrstil und denkwürdigen Fahrmanövern, sodass wir das Gefährt drei Stationen vor eigentlichem Ziel sicherheitshalber verließen. An der Strandpromenade des Ammersees wurde uns neben einer gut geschärften Vulkan-Bratwurst ein "Seekampf" geboten, bei dem sich jeweils zwei Personen auf einem Boot mit Blanke platzieren und mit einer Stange versuchen gegenseitig hinunterzuwerfen. Klingt komisch. Ist auch so.

Gegen 18 Uhr erreichten wir wieder den Münchner Stadtkern und kehrten nach einer kurzen Erfrischungsphase in einer nahe gelegenen Bar ein, die mit Happy Hour Cocktails warb. Die fruchtigen Endgetränke schlugen im Schein der untergehenden Sonne zwar voll rein, doch ließ die Bedienung in diesem Etablissement zu wünschen übrig. Eine Frau mit Zähnen auf den Haaren beachtete uns zunächst gar nicht und warf uns dann patzig die Cocktailkarten vor die Füße. Ihre eigenwilligen Kommentare und Anmerkungen zu unser Bestellung, sowie das nie präsent sein an unserem Tischbereich, forderte ihr Trinkgeld und eine Nichtweiterempfehlung des Lokals. Was ein ungewöhnlich unfreundlicher Schuppen im eigentlich so herzlichen Bayern! Wir setzten unsere Reise in die Innenstadt fort, wo uns in der Residenz und drum herum das Münchner Weinfest mit Livemusik und einem Diamant dunkelblau, schimmerten Himmel geboten wurde. Der trockene Weißburgunder, in Verbindung mit einem klassischen Flammkuchen, setzte das Krönchen für den gelungenen Tag auf. Im Klang von Weingläsern und Fröhlichkeit machten wir uns zum Ende des Abends auf den Heimweg, verfluchten noch einmal die 125 Treppenstufen und lachten über mein Mr. Crab-Erscheinungsbild, welches ich der nicht eingesetzten Sonnencreme zu verdanken hatte.

Am nächsten Morgen noch einmal Brezen und Weißwürste zum Abschied. Die Zeit in München war kurz, doch dank der hervorragenden Wetterbedingungen und einem vielfältigen Programm, sowie der Freude des Wiedersehens, ein gelungenes und schönes Wochenende, das sich trotz der vorhergehenden Strapazen gelohnt hat. München ist immer eine Reise wert! Vielen Dank meine lieben Marine-Girls, Saskia und Maren :)







Myanmar Tempel Tour

14 Tage #TempledOut in Myanmar...





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Once you go, you know

It takes some silence to make sound
And it takes a loss before you found it
And it takes a road to go nowhere
It takes a toll to make you care
It takes a hole to see a mountain
 
- Jason Mrasz


Noch einmal bewegten wir uns schwitzend durch die trockene, stehende Luft Yangons. 40 Grad, hupende Autos, Abflussgerüche, Marktgeschrei, der Duft von frisch gebratenem Hühnchen, bettelnde Kinder, kleine veranzte Gassen und mitten drin ein klimatisiertes, 4-stöckiges Einkaufszentrum. Myanmar befindet sich im Umbruch, noch ein paar Jahre und es wird vielleicht dem großen Backpackerparadies Thailand eine echte Konkurrenz sein. Wenn erst einmal die Strände touristisch erschlossen sind und eine Toilettenrevolution stattgefunden hat, wird es vermutlich ein Selbstläufer werden. Bis dahin überzeugte das bisher unbekannte Land mit altertümlicher Kultur und Tempelvielfalt, die heutzutage vielleicht einzigartig ist. Allen voran sind es jedoch die Menschen, die Myanmar zu einem wundervollen und reisewerten Land machen. Schon immer habe ich die Freundlichkeit meiner bereisten Länder hervorgehoben, Myanmar ist die Pikspitze. Und so war es auch unser Tourguide, der erst 25-jährige Chit, der uns weit mehr als Tempelgeschichten und Essensempfehlungen offerierte. Vielmehr vermittelte er uns was Respekt und Warmherzigkeit bedeutet und dass es sich lohnt in allem etwas Positives zu sehen. Jahrelang wurden die Menschen Myanmars von einem harten Militärregime unterdrückt, doch nie haben sie ihre Hoffnung auf eine Besserung aufgegeben. 15 Jahre verharrte ihre jetzige Parteivorsitzende, Friedensnobelpreisträgerin und gewaltlose Kämpferin für Demokratisierung "Aung San Suu Kyi" unter Hausarrest, aus dem sie erst 2010 entlassen wurde. Mit ihrer Entlassung begann auch die Veränderung und die Öffnung des Landes. Eine Veränderung, für die manche Länder gerade eine umgekehrte Richtung einschlagen.

Ich verlasse Myanmar mit einem Lächeln und freue mich über die vielen schönen Momente und Augenblicke, die mir diese Reise wieder einmal geschenkt hat. Besonderer Dank gilt außerdem meinem resistenten Magen, der bis zum bitteren Ende durchgehalten und mich nie im Stich gelassen hat. Zudem ziehe ich Bilanz über sämtlich verbrauchte Taschentücher, Feuchtigkeitstücher und Pflaster, die während dieser Reise zwingend notwendig waren. Mosquitostiche und Spinnenbisse sind die einzigen visuellen Souvenire, die ich davon tragen musste, ansonsten blieb ich während meines Trips weitestgehend unverletzt. Ein weiterer Dank geht an meinen Travelkompagnon Jonathan. 7 Jahre hatten wir uns nicht gesehen, doch es gibt Freundschaften, die trennen weder Zeit, Entfernung noch Zwischenerlebnisse. Man knüpft da an wo man aufgehört hat, so als wäre nie etwas anderes gewesen.

In diesem Sinne, ich freue mich auf eine grobe, gebratene Bratwurst, sanitäre Anlagen nach deutscher DIN-Norm und natürlich auf die Menschen, die Heimkommen leicht machen lassen :) :*

Ein kleiner Punkt am rechten Rand,
der Galaxie die Welt genannt.
Das schönste blau, wie ein Saphir
und auf dem Punkt da leben wir.
Wenn man den Blick aufs ganze lenkt
ist jeder Tag wie ein Geschenk.
Denn aus dem Nichts das vor uns war
wurde mit uns ein Wunder war.

- Alexa Feser






How to save a Life

"Are they crazy or what?!" Um 5:30 Uhr morgens schepperten burmanesische, heulende Klänge aus krächzenden Lautsprechern und beschallten damit, in einer unerträglichen Lautstärke, die gesamte Hotelanlage für den restlichen Vormittag. Den Ursprung der ohrenbetäubenden Musik fanden wir in einem Tempel, der direkt neben unserem Hotel lokalisiert werden konnte. Das kann doch kein Zufall sein...?!

Am vorletzten Tag unserer Reise erkundeten wir mit einem 4-Mann Boot das Venedig Myanmars: Den Inle-See. Das 116 km2 große Gewässer ist nicht nur ein See, - nein, es ist auch Lebensraum und Arbeitsstätte eines ganzen Volkes. Mitten auf dem See erheben sich schwimmende Dörfer und Reisfelder aus dem Wasser und laden mit einem freundlichen "Welcome to Inle-Lake" ein. Beeindruckt von den auf Teakholzpfählern errichteten Wohngebäuden, schipperten wir entlang der Wassergassen- und gärten und ließen uns von Einbeinruderern eine besondere Form der Fortbewegung aufzeigen. Unser ersten Stopp in "Waterworld" machten wir bei einem Seidenhersteller, der uns workshopmäßig die Herstellung des Stoffes erklärte. Es wäre sehr schön geworden, wäre nicht zur gleichen Zeit eine Horde Italiener heuschreckenartig auf uns eingefallen. Mindestens 20 Boote legten nur Sekunden nach uns an und stürmten auf das Seidenhaus ein. Dass die hölzernen Pfähle bei der Überbelastung nicht unter uns zusammenkrachten, grenzte an ein Wunder. Schnell machten wir uns wieder aus dem Staub und besuchten weitere tragende Hot-Spots des Wasserdorfes. Ein Kloster, ein Zigarrenhandel, eine Silberfabrik und natürlich eine Pagode wurden Ziel unserer Bootsfahrt. Bei der Pagode sollte es sich auch zeitgleich um den letzten Tempel für diese Tour handeln, was mich und auch alle anderen etwas sentimental stimmte. Zur Mittagszeit kehrten wir auf einen delikatösen Lemon-Butterfisch in ein schwimmendes Restaurant ein und schauten zum Abschluss noch bei der bekannten Langshalsvolkspezies vorbei, die mit zentnerschweren goldenen Ringen, ihren Hals erweitern und damit ihre uralte Tradition fortsetzen.

Nach einem langen, aber sonnigen und erfolgreichen, Tag auf dem See, führte unser Weg am Abend zu dem täglich stattfindenden Nightmarket. Bei Klängen von "What doesn't kill you makes you stronger" gaben wir es unserem Magen noch mal richtig und stellten in einer kleinen Challenge noch mal alle Häppchen zusammen, die der Street Food Market herzugeben hatte. Hühnchenleber, Frosch,  Krebs und andere nicht identifizierbaren Herrlichkeiten wurden auf dem gemeinsamen Teller präsentiert und im gewohnten Sharing-is-Caring-Modus verspeist. Während unserer Verköstigung näherte sich uns ein junger Hund, der schwanzwedelnd und erwartungsvoll zu uns blickte. Nicht ahnend, welche Konsequenzen folgen würden, versorgten wir den Hund mit Hühnchen, Würstchen und Broccoli. Dem Hund gefiel es so gut, dass er es sich unter unserem Tisch gemütlich machte und bei und verweilte. Zuvor hatten wir beobachtet wie das arme Kerlchen in den ein oder anderen Disput mit anderen Straßenköter geraten war und so waren wir uns ziemlich sicher, dass er einfach nur etwas Ruhe brauchte. Nachdem wir den letzten Schluck Myanmar Bier zu uns genommen hatten, machten wir uns wieder auf Richtung Hotel, stand uns noch ein 30-minütiger Fußweg durch die Dunkelheit bevor. Kaum hatten wir uns erhoben, machte sich auch der Hund startklar und tappte schwanzwedelnd hinter uns her. Auch auf vieles gut zureden, ließ er sich nicht davon abbringen uns zu folgen. Wir dachten "Ok, wenn er die Grenze seines Territorium erreicht hat, wird er schon wieder umkehren." Doch Pustekuchen, auch drei Blocks weiter hielt das goldbraune Hündchen noch Fuß. Dann geschah etwas Unerwartetes. Von drei Ecken strömerten Hunde auf uns zu und erklärte dem Kleinen, dass er sich auf fremden Land befindet. Unbeeindruckt,

im Schutze unserer Gruppe und weiterhin schwanzwedelnd marschierte unser neuer Weggefährte weiter. Doch an jeder Ecke vermehrte sich die Straßenköteranzahl, die knurrend und bellend ihr Territorium bewachten. An einer Kreuzung geschah es dann. Eine Gang von sechs Kötern umzingelte unseren Freund und drängten ihn in eine Ecke. Der arme kleine Kerl zog seinen Schwanz ein und verteidige sich so gut wie es ging, aber wir erahnten kein Happy End. Also blieb nur eins: wir mussten den Hund retten. Kara und ich stellten uns vor die angreifenden Hunde, stampften auf den Boden und vertrieben das Gesindel. Auch die lokalen Anwohner, die uns erst ein wenig belächelt hatten, griffen ein und stellten sich verteitigend vor die böse Hundegang um den Weg zu versperren. Selbst ein LKW und Motorräder hielten für uns mitten auf der schwach beleuchteten Straße an und so konnten wir Schlimmeres verhindern. Der Versuch den Kleinen wieder zurück zum Nightmarket zu begleiten, scheiterte leider auf ganzer Linie, wollte er unbedingt mit uns weiter reisen. Also nahmen wir ihn mit in unser Hotelresort, wo die Wachhunde ihn knurrend passieren ließen, sodass er uns bis zur Veranda folgen konnte. Kara reichte ihm 4 Gläser Wasser, die er dankbar ausschlürfte und sich dann völlig entspannt und glückselig auf den Verandaboden legte. Erst jetzt sahen wir die Narben, den Dreck und die Furchen und dass es sich um eine Hundedame handelte. Die Hündin war bestimmt noch keine zwei Jahre alt und ist sicherlich schon mehrfach in Kämpfe und Vergewaltigungen geraten. Vielleicht war diese Nacht die erste, die sie ungestört und friedlich einschlafen konnte. Und vielleicht war es auch das erste Mal, dass sich jemand um sie kümmerte. Kara googelte die Nacht noch, wie sie den Hund nach Kanada einführen könnte und ich träumte mir einen Weg sie mit nach Hause zu nehmen. Als wir am nächsten Tag vor die Tür traten, war der Verandaboden leer. Chiquita, so hatten wir sie getauft, war wieder verschwunden. Und alles was wir hoffen konnten war, dass es ihr gut erging, wo auch immer sie nun war.



A Buddha per Day keeps the Doctor away

An Tag 11 durfte endlich die bisher unbeachtete Eitzenhöfer-Tüte aktiviert werden, in der sich Wanderschuhe und Hikingequipment befanden. Ich hatte es ja kaum noch für möglich gehalten, dass wir uns für diesen Trip überhaupt mal weiter als vom Tempel bis zum nächsten Restaurantsitzplatz bewegen. Doch in Kalaw sollte sich alles ändern. Im Hochgebirge Myanmars führte unsere knapp 5-stündige Wandertour entlang kleiner Dörfer, saftiger Wiesen, riesiger Blumenkohlfelder, hochgewachsener Banenstauden und allerlei weiterer Gemüse- und Früchteplantagen. Ingwer, Zitronengras, Chili, Mandarinen, Wasserkresse, Kaffee, Tee - ein wahres Rewe-feine-Welt-Sortiment eröffnete sich vor unseren Füßen. Besonders nachhaltig beeindruckend wahren jedoch die vielen kleinen, süßen Kinder, die uns entgegen strömten und verzauberten. Kein Tempel, kein noch so großartiges Bauwerk oder Landschaft kann das fröhliche Lachen eines Kindes übertreffen. Erst recht nicht wenn sich niedliche Haustiere wie Hunde und Katzen in das Bild einfügen. So hielten wir uns knapp eine halbe Stunde damit auf einen fast verhungerteren Hund zu füttern und zu betätscheln, anstatt uns weiter mit der Berglandschaft Kelowas zu beschäftigen. Und anstatt in einen weiteren prächtigen Tempel auf einem Hügel einzukehren, ließen wir uns von drei kleinen Geschwistern und deren Katze unterhalten. Es sind die einfachen Dinge im Leben, die einem das Herz erwärmen.

Auf dem Rückweg passierten wir eine Baustelle zur Errichtung eines neuen Tempelkonstruktes. Sie haben schon recht die Burmanesen, es gibt einfach zu wenig der Gebilde in diesem Land. Da muss dringend nachgerüstet werden! Die Küche Myanmars überzeugte auch in Kalaw. Frisch aus dem Garten wurde uns gekochtes Gemüse, Hühnersuppe, frittierter Tofu, Reis und die herausragende Wasserkresse inkl. gerösteter Nüsse serviert. Hiermit erkläre ich zugleich dieses Spinat-ähnliche Gewächs zu meinem burmesischen Lieblingsgericht. Ich könnte mich quasi darin wälzen. Unterdessen gab es neue Entwicklungen in Sachen Epidemie. Der Status Quo ist nahezu erreicht. Kara und Puja klinkten sich in die Invalidenreihe ein und Marie ist seit gestern komplett außer Gefecht gesetzt. Eine erneute Lebensmittelvergiftung zwang sie dazu das nächste Hotel direkt mit dem Taxi anzusteuern, anstatt mit uns im Bus weiterzureisen. So langsam wünsche ich mir das Tourende doch herbei...

"I see something that you don't see and that starts with an 'B'" Vor unseren Augen reihten sich 8.723 goldglänzende Buddhas auf und mir wurde leicht schwindelig. Auf dem Weg zum Inle-See hielten wir in Pindaya an, um uns die Pindaya-Cave anzuschauen. Was uns dort erwartete ist vermutlich der Höhepunkt jeder Buddha-Tournee, vielleicht sogar das Buddha-Paradies schlechthin. Tausende Buddhas in nun wirklich allen Formen, Variationen, Größen, Materialien und Positionen präsentierten sich vor uns und schauten erhaben auf uns herab. Wir hatten eine Stunde um die Höhle zu erkunden, was Zeit genug sein sollte, doch verirrte ich mich schon nach wenigen Augenblicken in dem verzwickten Buddha-Labyrinth. Ich irrte ängstlich und orientierungslos durch eine Buddhagasse nach der anderen, immer dicht gefolgt, von den gefühlt auf mir liegenden Blicken, der überlebensgroßen Buddhastatuen. Eine unwirkliche Stätte, die mich auf der einen Seite zutiefst beeindruckte, auf der andern Seite aber auch zutiefst verwunderte. Bei der vielen Energie, die in diesen Buddhafanatismus hineingebuddhat wird, da kann man nur hoffen, dass diese Religion eine friedliche bleibt. Ansonsten stehen uns sehr viele Tempelkämpfer gegenüber.

In diesem Sinne, meine Buddha-Weisheit für heute:

Alles Glück dieser Welt
entsteht aus dem Wunsch,
dass andere glücklich sein mögen.