Jordanien empfängt weit mehr Flüchtlinge als Deutschland, doch Proteste
gibt es keine. Wer lernen will, was Menschenliebe bedeutet, schaue sich
den Umgang mit Flüchtlingen dort an.
- Steffen Huck, FAZ
Ich stehe noch weit vor meiner Reise, doch je mehr ich mich einlese, desto verwunderte bin ich. Jordanien ist ein echt armes Land. Vor allem an den Basic scheitert es. Wasser. Der einst von Ägyptern gefürchtete Jordan gleicht nunmehr einem Bach. Doch trotz, dass die Bevölkerung mit diesen Engpässen leben muss, hielt es sie nicht davon ab, Flüchtlinge aus Syrien und dem Libanon aufzunehmen. Das sind jetzt auch nicht gerade ewenige, sondern ca. 10% der Gesamtbevölkerung Jordaniens. Also im Verhältnis gesehen ungefähr 9 Millionen mehr als Deutschland aufgenommen hat. Hm, ein Land was nichts hat kann mehr Flüchtlinge aufnehmen als ein reicher Staat in Europa? Verwunderlich. Oder vielleicht auch nicht. Ist es nicht eigentlich fast immer so, dass die, die viel haben Angst bekommen, sie könnten etwas verlieren? Schließlich lebt man auf einem gewissen Niveau. Wenn ich bedenke ich würde nicht mehr arbeiten und Geld verdienen, sondern müsste jetzt noch mal zur Schule gehen oder studieren - wie sollte ich das denn finanziell überleben?! Die Angst vor etwas Neuem oder etwas zur verlieren, wiegt ihn uns schon sehr. Dabei verliert man nicht immer, wenn man etwas gibt. Und manchmal bereichert es sogar. Und diese "Ausländer", die da kommen, hat die eigentlich schon jemand wirklich kennengelernt? Sind die echt wirklich so gefährlich? Vielleicht bin ich Gutmensch und vielleicht bin ich blauäugig, aber von all dem was man jeden Tag liest und hört und was man eingeredet bekommt, erkenne ich vor allen Dingen eins. In einem Wüstenstaat kämpft seit 5 Jahren die halbe Welt. Der Grund ist fragwürdig bis unbekannt und wer auf welcher Seite steht, das ändert sich gefühlt stündlich. Am Ende ist es die zivile Bevölkerung, die das Leid zu tragen hat und verständlicherweise flieht. Und wenn die halbe Welt für diesen Krieg verantwortlich ist, dann kann sie auch Verantwortung für diese Menschen übernehmen. Man kann nicht in jedem x-belibeigem Land einfallen, es zerbomben und zerstören und dann die Konsequenzen von sich weisen. Obwohl? Warum eigentlich nicht? Der barmherzige Nachbar übernimmt ja..
1,2 Millionen Flüchtlinge aus Syrien. Keine Jobs. Ressourcenengpässe. - Nein, wir sprechen hier nicht von Deutschland, sondern von Jordanien, dem Nachbarstaat Syriens. Jordanien ist eigentlich ein bisschen cool, es hält sich nämlich aus allem raus. Da wird weder für die Syrer, noch für die Dschihadisten, noch für Türken, Kurden, Russen oder Amerikaner gekämpft. Man ist neutral und das soll im Nahen Osten schon was heißen.
Jordanien hat nur ein kleines Problem. Der Jordan trocknet aus. Und hatte man schon Müh und Not die eigene Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen, so wurde es noch ein klein wenig kritischer als 1,2 Millionen Syrer ins Land flüchteten. Denen musste man ja auch Zugang zu Trinkwasser gewähren und mit dem Nötigsten versorgen. Und sollte das noch nicht genug sein, hat Jordanien auch nicht viele nennenswerte Rohstoffe zu bieten. Man lebt also zu einem großen Teil vom Tourismus. Den gibt es aber leider jetzt auch nicht mehr. Ein großes Dankeschön geht hierbei erneut an das Nachbarland Syrien, was mit freundlicher Unterstützung weltlicher Großmächte, ein paar Rebellen, ein paar Dschihadisten und Kurden diesen zunichte gemachte haben. Tourismus im Nahen Osten? Das war einmal.
Und dabei hat Jordanien doch so viel zu bieten. Allem voran das Tote Meer, die verlassene Felsenstadt Petra, das Wüstengebiet Wadi Rum und jede Menge Active-Outdoor-Erlebnisse, haben dieses Land stets zu einem attraktiven Reiseziel gemacht. Schon seit einer ganzen Weile haderte ich mit mir, nicht doch einen Trip in diesen, noch unentdeckten Kulturkreis, anzutreten. 30 Jahre Frieden und nur ein Terroranschlag im Jahr 2005 sollten Überzeugung genug sein, dass die Schweiz des Nahen Ostens, kein größeres Risiko, als jede andere europäische Großstadt oder Bahnfahrt, ist. Ob mich nun letztlich die Mitleid erregende NDR-Dokumentation "Jordanien: Angst vor Terror vertreibt Touristen" zur Buchung bewogen hat oder ob es doch der blau leuchtende "on Sale"-Button auf der "Jordan Active Tour for 8 days" war, kann ich nicht mehr genau sagen. Fakt ist: Im Oktober werde ich die Reise nach Amman antreten und mir vor-Ort ein tatsächliches Bild der Sachlage verschaffen.
..Palma De Mallorca Leben, Lieben, Träumen auf Mallorca. Palma De Mallorca Insel dort im Wind. Palma De Mallorca wo wir glücklich sind. Palma De Mallorca Lichterglanz beim Wein Palma De Mallorca lädt uns alle ein.
"Leute, gleich gibt's die Fracht!" warnte becks bei Anflug der mallorquinischen Hauptstadt Palma, die bei blendender Nachmittagssonne unter uns erschien. Wenige Stunden vorher bewegten wir uns noch in winterlichen Eisgefilden (kurz: Deutschland) und sollten sogleich einer Wand von 33°C gegenüberstehen. Aufgeregt und voller Vorfreude entwichen wir der guten alten Germanwings Maschine, die uns im BlindBooking-Modus an das Alternativ-Urlaubsziel Mallorca verfrachtete, welches wir zugleich in Augenschein nahmen. Resi und Löön hatten diesen deutschen Außenposten bereits mehrfach besucht, für becks und mich sollte es jedoch Premiere sein. Viel hatte man schon von dieser sagenumwobenen Saison-Abschluss-Insel gehört und auch visuelle Medien dem ein oder anderen Social-Mediabeitrag entnommen. Und nicht zuletzt diverse lyrischen Musikbeiträge zu vergessen, die uns stets durch Siege wie Niederlagen begleitet hatten.
Doch unsere Illusionen sollten just genommen werden. Das automatische Personenleitsystem nach El Arenal war am Flughafen kaum kenntlich gemacht, genau genommen: nicht vorhanden. Auch das erwartete Schlagermedley, mit welchem wir dachten noch am Terminal begrüßt zu werden, blieb aus. Welch eine Enttäuschung! Egal, unser Endziel sollte eh das 20 Kilometer entfernte Santa Ponça werden, was vorzugsweise von Briten und Iren hochfrequentiert wird und zudem Geburtsstätte des Cafés Daniela Katzenberger ist. Mit dem Taxi gelangten wir zu unserem Apartment, welches über eine Küche, einen Balkon und eine fahrbare Schlafcouch verfügte, die sich Löön zugleich unter den Nagel riss. Eigentlich sollte unsere erste Amtshandlung, nach Bezug des Etablissements, der Weg zum Strand sein, doch wie soft fanden wir uns zunächst zwischen Toastbrot, Marmelade und löslichem Kaffee ein, konnte der Fauxpas eines nicht vorhandenen Frühstücks für den folgenden Morgen nicht riskiert werden! 3 Tragetaschen und eine 50er-Packung Zuckersticks später (merke: der Aufenthalt beläuft sich auf 3 1/2 Tage), folgte der Aktionspunkt Abendessen, während unser schöner Sandstrand weiter in die Ferne rückte. Ein leckerer Schwertfisch zierte mein Porzellan, Nudeln, Salat und Pizza vervollständigten den Tisch, dicht gefolgt von einem mallorquinischen Pfirsichschnaps und zwei Espressos, die uns noch lange im Gedächtnis bleiben sollten. "Leute, jetzt wird's aber frisch!" stellten becks und ich etwa zeitgleich fest, als wir um 22 Uhr bei Tiefsttemperaturen von 26°C Richtung Strand marschierten. Der Abend klang im Sonnenuntergang und Lichtermeer an der Strandbucht aus, welcher von minütlichen Hinweisen "Leute, morgen nehmen wir aber die Strickjacke mit zum Strand. Ich hol mir hier ja noch den Tod!" untermalt wurden.
Nach einem ausgiebigen Frühstücksmahl, belief sich der nächste Tag auf Drehen und Wenden am Sandstrand. Resi und Löön, die in der 33°C wohl temperierten Sonne kaum Luft zum Atmen fanden, konnten sich lediglich an den völlig deplatzierten Kommentaren "Jetzt isses mir aber frisch" "Leute, hier ist mir zu kalt, ich geh wieder ausm Wasser" und "Ich bleib unter Wasser, draußen erfrier ich", erlaben, die wahlweise von becks oder mir eingeworfen wurden. Auch die Strandvertriebler sorgten sporadisch für Stimmung, wenn mal wieder für "Melon, Bananas und Massage" lautstark akquiriert wurde. Am Ende eines anstrengenden Strandtages, fanden wir uns im Sonnenuntergangsambiente eines vorzüglichen spanischen Lokals ein, welches hervorragenden Wein und Tapas zu bieten hatte. Als wir dem Kellner unsere 6 auserwählten Tapasgerichte vortrugen, die wie gemeinsam zu verspeisen gedachten und hierbei schon mal die Anfrage stellten, ob die Auswahl auch ausreichend sei, blickte Fernando schon etwas misstrauisch drein. Er unterschätzte wohl unsere Essenskünste, die an diesem Abend von allen Beteiligten auf Hochtouren liefen. Kaum hatte er die Aioli Produkte, sowie das Scampi Arrangement geliefert, war das feine Geschirr auch leergeputzt. Wir orderten sogleich einen Refill, als der Kellner schon seine Felle davon schwimmen sah. Löön musterte noch einmal die Salatdekoration, als sie diese kurz entschlossen Richtung Mund führte. "Was machen wir eigentlich, wenn wir die Küche leergefegt haben?" stellte sie die berechtigte Frage, während der Kellner nochmals seine Lieferkette prüfte, die nur im Schildkrötenmodus mit der Auslieferung nach sich kam. Mit vollgefülltem Magen planten wir das Programm für den folgenden Tag: "Strand, Shopping, El Arenal!". Buenas noches :)
Im Anblick von Danis Backwarenauslage wurden wir am nächsten Morgen kläglich enttäuscht. Brötchen, Baguette, Croissants, nein,- nicht einmal mal ein gutes altes Bauernbrot konnte die deutsche Y-Prominenz bieten. Lediglich zwei Torten, neonfarbene Kleidungsstücke und eine vergilbte Ballermann Hits Scheibe war in der Auslage anzufinden. "Dani, das üben wir noch mal!" bemerkte becks in Richtung Katzenberger Cafè, als wir uns einem anliegenden, gut sortierten Supermarkt hingaben, der uns eine annehmbare Backwarenauswahl zu bieten hatte. Nach einem weiteren Tag am Strand machten wir uns gegen Spätnachmittag mit dem Bus nach Palma, hatte sich becks doch schon seit Wochen auf die spanische Zara-Modekollektion eingeschossen, die dort vorzufinden sein sollte. Wir erreichten das Zentrum und passierten mit Müh und Not die historische Kathedrale, welche zum neuen Virtual-Mekka der Smartphone-Besitzer aufgestiegen ist, hatten sich hier, allem Anschein nach, eine Pokemon-Arena, sowie anliegende Pokestops etabliert.
Anders als erwartet überzeugte Palma mit einer historischen Altstadt, verwinkelten kleinen Gässchen, Boutiquen und versteckten Keller-Restaurants. Die Suche nach der Zara-Modefiliale entwickelte sich zu einem echten Labyrinthgang, hatte man doch das Gefühl ständig in eine neue Gasse zu gelangen und sich immer weiter der Shoppingmeile zu entfernen. Schlussendlich fanden wir doch noch die Zielgerade zum Ladenlokal, in dem sich becks tatsächlich ein (!) Modeteil zulegte. Das wars. Aus die Maus. Getrieben vom Hunger mussten jegliche weitere Shopping-Adventures zunichte gemacht werden. "Du bist nicht du, wenn du hungrig bist" stand es Löön förmlich im Gesicht geschrieben. Wir fanden uns zu einer Paella-Pfanne auf der Plaza ein und hier wurde ein weiterer Traum zunichte gemacht. Der Weg nach El Arenal sollte sich zu fortgeschrittener Uhrzeit als nicht mehr rentabel zeigen. Noch schlimmer: der Express-Bus nach Santa Poncas hatte bereits Dienstschluss und so musste die Fahrt durch jegliche Kuhkäffer Mallorcas in Kauf genommen werden. Eine furchtbares Gekurve. Und El Arenal in weiter Ferne. "Morgen Leute, morgen fahren wir dort hin."
Nach dem Ausschecken am nächsten Morgen fanden wir uns am Busbahnhof ein. Zu meiner Freude erwies sich die Schlange als dermaßen lang, dass wir zum Taxistand überwechselten. Auch hier reihte sich der Konvoi bis zum Bistro "Der König von Deutschland". Nachdem wir auch telefonisch kein Taxi erreichten, ergab die Nachfrage folgendes: "Ja, das ist hier immer so, wenn es draußen so ausschaut" und die Kellnerin zeigte in Richtung trübes und bewölktes Wetter über Mallorca. "Dann bricht das ganze Verkehrsnetz hier zusammen. Alle wollen nach Palma". In diesem Moment schmiss sich eine Frau mit zwei Koffern vor das einfahrende Taxi, auf welches bereits 50 Personen wartend in der Schlange schielten. "Ich muss zum Flughafen! Airport! Airport!" Unter den zornigen Augen und zähnefletschenden Mundpartien der Wartenden, nahm der Taxifahrer die Kofferbeladene Frau in sein Taxi auf. "Airport and Emergency have priority" entschuldigte er die vordrängelnde Frau und düste im selben Moment von dannen. Schlagartig blickten meine Mitreisenden und ich auf unsere Koffer. Planänderung: Wir fahren erst zum Flughafen. Und dann nach El Arenal.
Es dauerte weitere 1 1/2 Stunden bis wir ein Taxi ergatterden, war unser Plan mit dem Koffer-Aiport-Trick in Gänze gescheitert. Der wutentbrannte Mann auf Position 5 der Warteschlange hatte uns mehrfach beim Einfahren des Taxis zurückgepfiffen und Drohungen ausgesprochen, sollten wir uns es herausnehmen vor ihm einzusteigen. Um einer sich anbahnenden Schlägerei aus dem Weg zu gehen (heutzutage kann sich daraus so einiges entwickeln..), blieben wir also ordnungsgemäß in Reih und Glied stehen und erreichten gegen 14 Uhr den Flughafen. Ein Zeitfenster von einer weiteren halben Stunde verging bis endlich der Linienbus 21 eintrudelte und uns nach El Arenal beförderte. Wir wurden nicht enttäuscht. Es war genauso wie wir es uns immer vorgestellt hatten. Endlich mal ein Cliche was sich bestätigen konnte. Sauftourismus, primitiv, einfache Liedtexte, neonfarbene Kleidung, billiges Bier, 1 Liter Wodka Lemon für 13,50€ + Bierkönig T-Shirt - und das um 14:30 Uhr - Willkommen auf Malle!
"So Leute, gleich gibt's die Fracht!" warnte becks bei Anflug des Düsseldorfer Flughafens um 22:30 Uhr, als Löön ihr Hose bereits angezippt, Resi ihr Leggins übergestreift und ich meinen Sweater und Taschenwärmer zum Vorschein gebracht hatte. Die gute alte deutsche Ordnung hatte uns wieder. Punkt 22:31 Uhr manövrierte uns der Shuttle-Service zum Parkplatz und um Punkt 00:01 Uhr erreichten wir das Lahn-Dill-Bergland. Hier funktioniert noch der öffentliche Nahverkehr, sowie Autobahnstraßennetze! Und dennoch bleibt festzuhalten:
* Mallorca ist nicht gleich Malle und umgekehrt
* Auch bei 33°C kann es ganz schön frisch am Meer werden
* Brot mit Aioli geht über alles! --- auch über fettige Pommes?
* In Mallorca gibt es noch einiges zu erkunden (den Norden, die geheimen Buchten, 2 noch unentdeckte Zara Boutiquen)
* Gallopa hätte man fangen können
* Palma *clap*clap*clap* Palma, Palma der Mallorca..
Es ist nun 7 Jahre her, als ich das erste mal hier auf diesem Blog einen Eintrag verfasst habe. Ich erinnere mich noch wie heute, denn es war ein furchtbarer Moment. Mein Gepäck hatte es zunächst nicht nach Vancouver geschafft und als es dann endlich eintrudelte, war ein mittelgroßes Behältnis von Balea Hautcreme flächendeckend auf dem Backpack ausgelaufen, was mich am ersten Tag meines 6-monatigem Work & Travel Aufenthaltes zu einer Grundreinigung des Gepäckstückes sowie Inhaltes zwang. Es war auch der Tag an dem ich Marc und Fabian kennenlernte, mit denen ich 2 Monate in Kanada lebte, arbeitete und zur Schule ging. Und mit denen ich meinen ersten Pitcher trank.
7 Jahre später war es nun endlich Zeit für ein Wiedersehen. Ich folgte der Einladung von Fabian, ihn und seine kleine Familie, in seiner Wahlheimat Hannover zu besuchen. Hannover, eine Stadt bei der mir drei Sachen einfallen: Expo, CeBit und 96. Doch mehr als Messegelände und mittlerweile zweitklassigem Bundesligakick konnte mir diese Stadt doch nicht bieten? Wer will eigentlich freiwillig nach Hannover?!
Es ist wie immer und überall. Man kennt die Vorurteile und die Klischees. Doch bei genauerer Betrachtung ist doch alles etwas anders. So leitete mich das gute alte Navi bei Ortseinfahrt durch Felder, Wiesen und Wälder und ich musste kurz überlegen, ob ich tatsächlich das richtige Hannover im digitalen Endgerät ausgewählt hatte. Als mich Fabi dann durch die Stadt führte und mir das schlossartige, imposante Rathaus mit angeschlossenem Teich und Park präsentierte, wurde mir sogleich schon etwas klarer weshalb Gerhard Schröder seine Heimat als "Hannover ist mein New York" beschrieb. Der 2,4 Kilometer lange Maschsee und das viele Grün geben der Stadt einen lebenswerten Hauch und auch das Stadion integriert sich mitten ins Stadtbild. Zwar kann Hannover keine Sehenswürdigkeiten wie München oder Berlin aufweisen, doch steht es shoppingtechnisch, sowie kulinarisch keiner Großstadt etwas nach. Und spätestens nach dem 20. JGA-Trupp weiß man, dass man auch in Hannover feiern gehen kann.
Als kleines Revival führte mich Fabi in das Pub "Jack the Ripper", wo wir mit einem Pitcher auf alte Zeiten anstießen. Später trafen wir uns mit seiner Freundin Katrin und ein paar anderen Freunden auf dem hiesigen Schützenfest ein, welches mit Jahrmarktflair, erstklassiger Live-Musik und eigen gebrautem Bier zu überzeugen wusste. Eine besondere Spezialität wurde mir sogleich von den Hannoveranern präsentiert und als absolute Köstlichkeit vorgestellt "Lüttje Lage". Ein Mischgetränk aus Alt und Korn, das mit einer gut trainierten Fingerfertigkeit aus zwei Gefäßen und unter physikalischer Höchstleistung zu sich genommen wird. Ich scheiterte mehrfach und trank später klassisch: eins nach dem anderen.
Am Ende bleibt zu sagen, dass man von großem Glück sprechen kann, wenn man Menschen kennen darf, die in Orten wohnen, die man sonst vermutlich nie angesteuert hätte. Ein noch größeres Glück ist es jedoch, wenn man nach 7 Jahren einen Freund wieder trifft und alles wieder so ist, als hätte man sich gestern erst gesehen. Die sozialen Netzwerken ermöglichen einem zwar das Leben des anderen ein wenig mit zu verfolgen, doch wenn man sich wieder gegenübersteht und alles so ist wie früher, dann weiß man, dass keine Entfernung zu groß und keine Zeit zu lang ist, um sich fremd zu sein. Lieber Fabi, liebe Katrin und Hannah, - vielen Dank für eine schöne Zeit :)
"Ihr wisst schon, dass ihr mit dem 'Handgepäck' hier nicht durchkommt?!" die beiden Check-In Verwaltungsbeamten schauten abwechselnd ungläubig auf uns und das Gepäckstück. "Aber es sind doch nur 8 Kilo, genau wie im Internet beschrieben." entgegneten wir. "Das mag vielleicht sein", er schien uns das nicht abkaufen zu wollen, "aber die Maße des Gepäckstücks stimmen bei Weitem nicht mit dem der Norm überein!" "Ach was, in good Old Germany haben die uns das doch auch durchgehen lassen!" Besser noch, man hätte sich sogar bedankt, dass wir nachgefragt hatten. "Hier nicht!" Und er wies abermals auf ein Metallgestell, welches als Formreferenz für Handgepäckstücke dienen sollte. Wir machten erst gar keine Anstalten unsere Koffer in die Nähe zu bringen, konnte man bereits aus 10 Meter Entfernung erkennen, dass unsere Gepäckstücke nicht mal zur Hälfte hineinpassen würden.
30 Euronen Aufschlag je Gepäckstück kostete uns der Spaß! "Nie wieder fliege ich nur mit Handgepäck! Das ist ja wohl die Höhe!" Wutentbrannt ließen wir auch die 5, zuvor am Markt erworbenen, Peperoni in Michis Besitz, befürchteten wir auch diese entwendet zu bekommen. Frank-Ludwig nannte sich unser Pilot bis München, den wir am liebsten noch mal im Vier-Augen-Gespräch über die Gepäckpolitik der Lufthansa konsultiert hätten. Doch nachdem wir beide gut saßen und ein Salami-Käse-Schnittchen gereicht bekommen hatten, beruhigten sich die Gemüter und wir ließen uns zurück in heimische Gefilde fliegen.
Am letzten Tag in Sibiu glühte noch einmal die Kreditkarte, die uns Michi gedankenlos am Morgen überreicht hatte, als er zur Arbeit fuhr. Das ein oder andere Kleidungsstück ging über die Theke und Valentina wagte sich zudem an rumänischer Schuhmode, welche um keinen Absatz verlegen ist. Zu Mittag kehrten wir ins "Kulinarium" ein, dass mit internationaler Küche (Schafskäsesalat, Penne de Mare und Pananas) zu überzeugen wusste. Der Verdauungsspaziergang führte uns entlang der kontrastreichen Straßen Rumäniens. Verwinkelte bunte Gässchen, schäbige Außenfassaden, prunkvolle Kirchen, bettelnde Zigeuner, Marktreiben mit frischer Gemüsevielfalt direkt vom Land, leerstehende verrostete Fabrikhallen, historische und gut erhaltene Bauwerke.
Ein Besuch in Rumänien lohnt sich, wenn man gutes und vor allem frisches Essen favorisiert, interessiert an Geschichte ist, Outdoorsport liebt und dem Massentourismus aus dem Weg gehen möchte. Das Land, bzw. die Gegend um Sibiu herum, scheint noch in den Kinderschuhen eines Reisemekkas zu stecken, doch eben das macht es so attraktiv. In Zeiten von Nachhaltigkeit, Bio-Bewegung und authentischem Reisen, könnte Rumänien schon sehr bald Profit schlagen und sich in der Tourismusbranche etablieren. Bis dahin darf es aber gerne noch ein Geheimtipp bleiben, findet man doch nicht alle Tage einen Flughafen mit lediglich 3 Gates und einer Autobahn, die wegen gähnender Leere sogar von Kutschen befahren wird.
Wenn man dem "Sohn des Teufels" begegnen möchte, so reise man nach Schäßburg, eine Stadt rund 90 Kilometer nordöstlich von Sibiu. Neben dem UNESCO-Weltkulturerbestatus, wird dieser Ort auch als mögliche Geburtsstätte Draculas gehandelt, was diese Stadt unter Umständen zu ein wenig Bekanntheit gebracht hat. Auffällig viele, in Metal-Hoodie gekleidete und mit tiefschwarzen Kajal untermalte, Jungtouristen begegneten uns, als wir die mystischen Stätte erkundeten. Ein alter, moosbedeckter Friedhof, schlecht erhaltene Gräber und aufsteigender weißgrauer Rauch einer dezent lodernden Feuerstelle boten sich vor uns, als wir das Ende von weiteren 35 Holztreppenstufen erreichten. Bemerkenswert viele urdeutsche Namen waren auf den Grabsteinen zu lesen (z.b. Karl Knall), die offensichtlich aus der Zeit der Siebenbürger Sachsen stammten. Graf Dracula himself begegnete uns jedoch nur in Form von billig produziertem Merchandise, welcher sich Stand and Stand reihte. "Wo isser denn nun?" wollten wir wissen, hatten wir schon kein Glück die hiesigen kirchlichen Gebäude und Türme von Innen zu begutachten, da diese scheinbar wegen Reichtums geschlossen hatten. Auf einer Plaza im historischen Ortskern, entdeckten wir dann endlich das sagenumwobene Geburtsthaus Draculas.
Über ein verwinkeltes Treppenhaus betraten wir das altertümliche Gebäude, welches sich als Gaststätte entpuppte. Neben dem Tresen entdeckten wir einen schmalen Treppenaufgang und einen Pfeil der uns den Weg in Richtung "Camera Dracula" wies. Aha! Hier nun sollte er also zu finden sein. Für stolze 20 Lei gewährte uns ein in die Jahre gekommener Rumäne (sichtlich gelangweilt von seinem Job als Türsteher) Einlass. Wir erklommen den steilen Aufgang dessen Wände mit pseudo-Halloween Accessoires geschmückt war.
"Horch!", Schaurige Klänge erreichten unsere Ohren und wir betraten voller Staunen die dunkle und mystische Kammer. Der Atem stockte und das Blut in unseren Adern drohte zu gefrieren, voller Erwartung dessen was uns bevorstand...
-1, 2, 3, ...-
"Was soll denn das hier sein?!" Etwas ungläubig schauten wir uns an und der ein oder andere Lacher huschte über die verdutzten Mienen. Der vermeintlich schaurige Ort entpuppte sich als total Reinfall. Ein alter CD-Player dudelte in Dauerschleife ein und das selbe Lied, die Wände und Decken waren mit schwarz-roten billig Stoffbahnen verkleidet, was den Raum zwar dunkel, aber völlig schäbig aussehen lies. In der Mitte ein halb geöffneter Sarg mit Hut und Bibel bestückt. Auch im zweiten Raum kein aufwändiges Arrangement, lediglich ein Tisch mit Stühlen, ein paar Kommoden in der Ecke und zwei Büsten des ursprünglichen Hausbewohners (Draco).... Alles so ein bisschen auf antik gemacht.
Entrüstet verließen wir das Dracula Kabuff! Was ein Reinfall! Um euch gänzliche Illusion von Dracula zu nehmen: Er heißt gar nicht mal so. Noch nicht mal Graf durfte er sich schimpfen. Ein einfallsloses Vlad III. Und Menschen hat er auch nicht verspeist, sondern brutal gepfählt. Tausende gepfählte Opfer zierten seinen Kreuzzug gegen das Osmanische Reich. Die Türken konnte er nämlich gar nicht leiden, hatte ihn sein Vater (Vlad II.) zur Jugendzeit als Pfand - für was auch immer - einige Zeit in Osmanische Gefangenschaft abliefern müssen. Vermutlich traumatisierte ihn dieser Aufenthalt so immens, dass er während seiner Regierungs- und Schlachtfeldzeit nur Schutt, Asche und Brutalität seinem Land Rumänien hinterließ.
Nachdem wir den Rest der Schässburg erkundet hatten und es zu regnen begonnen hatte, setzten wir zur Rückfahrt an. Nach einer ruckeligen Fahrt durchs Hinterland kamen wir in Sibiu an und fielen im Restaurant "Hermania" ein. Die Spannung des Tages verlangte nach einer adäquaten Mahlzeit: Rinderfilet vom hiesigen Angus-Rindertier. Zuvor gab es deliziöses Tartar aus der Forelle gehackt (mit das Hackbeil) und zum krönenden Abschluss ein Stück Quetschekuche. Im Anschluss an die üppige Abendspeise ließen wir den Abend beim Kartenspiel, unterlegt mit sanften 20er Jahre Klängen und gepflegtem Scotch aus Michaels Privatvorrat, ausklingen.
"Na, das ist ja mal ein Ausblick, den ich nicht beherrschen wollte! Da muss dem König doch jeden Morgen die Laune an seinem Königreich vergangen sein." Wir blickten von dem Verteidigungsturm im 360° Panoramamodus auf die verkommene, Fabrikruinenlastige Gegend, welche sich vor uns und der Burg erstreckte. Am späten Vormittag hatten wir uns nach Hunedoara aufgemacht um das hiesige historische Felsobjekt zu begutachten. Beeindruckend, dramatisch und gut erhalten präsentierte sich vor uns die Burganlage "Corvinus", welche ansehnliche Gemächer, aber auch sagenumwobene Schauergeschichten beinhaltete. Ein 28 Meter tiefer Brunnen, von 3 gefangenen Türken gegraben, mit dem Versprechen auf Freiheit, wenn sie Wasser fünden. Und der Inschrift eines Insassen "Ihr habt vielleicht Wasser, aber keine Gefühle.", nachdem das Versprechen nach 15 Jahren Gegrabe nicht gehalten wurde.
Auch Gefängnis und Folterkammer ließen verstörende Bilder im Gedächtnis. Stichwort "Pfählung", eine grausame und qualvolle Hinrichtungsmethode, bei der sich der Pfahl langsam durch den ganzen Körper bohrt. Alternativ könnte man noch in eine Bärengrube geworfen werden. Wie gut, dass solche Vorgänge längst Geschichte sind und Menschen aus der Neuzeit solch grausame Methoden niemals mehr anwenden würden.
Um den Tag zu retten und nicht solche Horrorszenen im Kopf zu behalten, reisten wir weiter in die Stadt "Alba Iulia". Das schon fast perfektionistische Stadtbild, welches von der siebeneckigen, sternförmigen Festung geprägt ist und dessen Muster und Geradlinigkeit sich durch alle Anlagen und Bauten zieht, erwies sich als absoluter Gegenkontrast zu dem was wir zuvor gesehen hatten. Viele Kirchen, Torbauten und gepflegte Parkanlagen zeigten ein durch und durch stimmiges Gesamtbild, welches zu späterer Abendstunde durch die Klänge eines kirchlichen Männerchores unterlegt wurde.
"Da bleibt einem ja der Gurktaler im Hals stecken!" schrieen wir auf, als wir uns entlang des Sternambientes der Burgmauer näherten und über die Zugbrücke in das "Pub 13" einkehrten. Wir fühlten uns zurück versetzt in mittelalterliche Zeiten und nahmen an der Tafelrunde Platz. Ein ritterlicher Gaumenschmaus vom Allerfeinsten wurde serviert. Deftige Wurst,- Käse,- Gurkenplatte als Vorspeise, Bohnenspecksuppe im Brotmantel, sowie gebratenes Gemüse und Hühnchen zum Hauptgang und "Papanas" (eine Art Quarkknödel) als Desert. Besser hätte es König Arthur nicht haben können!
Um uns diesmal nicht ganz leger in der Clubszene präsentieren zu müssen, forderten Valentina und ich noch einen Besuch bei H&M ein. In einem 30-Minuten Sprint, spurteten wir durch Abendgarderobe, Schmuckabteil und Ankleideräumlichkeiten um dem weiteren Abendgeschehen gerecht zu werden. "Ursus Cotton Pub" wurde zu später Stunde place-to-be, welcher mit Beats von Elektronik bis Hip Hop seine Gäste zu unterhalten wusste. Mit deliziösem cuba libre tanzten wir in die Nacht und ließen die Ereignisse des Tages Revue passieren, bis die Müdigkeit ihren Platz einforderte und wir erschöpft in unsere Federbetten und einen tiefen Schlaf fielen.