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Lahn Explorer 🏄‍♀️

"Wie, die Lahn fließt durch Gießen und dann erst durch Wetzlar?!" Meine regionalen Geographiekenntnisse erwiesen sich mal wieder als unterirdisch. "MĂŒndet die Lahn eigentlich in den Rhein oder in den Main?" ergĂ€nzte Karin, ebenfalls unwissend. Und ob die Lahn in NRW oder Hessen entspringt, konnte selbst Petra nicht mit Sicherheit beantworten. Grund genug sich dieser BildungslĂŒcke anzunehmen und der Lahn auf die Spur zu gehen. Um fĂŒr komplette Verwirrung zu sorgen starteten wir mit unserem Abenteuer "Lahn-Erkundung" natĂŒrlich mitten drin. In Weilburg. Hatte den Hintergrund, dass wir fĂŒr Etappe 1 unseren Tourguide Christian, alias Petras Bruder, am Start hatten, der die Strecke bereits auf SUP*-Tauglichkeit getestet hatte. *Anm. d. Redaktion: Stand-Up-Paddle

Erste Etappe | Weilburg - FĂŒrfurt | 11,5 Kilometer
Donnerstag, 08.06.2023

Mit dem Auto transportierten wir unsere SUPs bis Weilburg und stiegen hinter einer unscheinbaren BrĂŒcke in das fließende GewĂ€sser ein. Direkt zu Beginn erwartete uns ein dunkler, 200 Meter langer Tunnel, der gleich all unsere koordinativen FĂ€higkeiten abforderte. Darauf folgte unmittelbar die erste Doppelschleuse, welche wir Dank taktischem KalkĂŒl mit der Kanutruppe ĂŒberwinden konnten. Die knapp 11,5 Kilometer lange Etappe fĂŒhrte bis FĂŒrfurt und offerierte zwei weitere, handbetriebene Schleusen auf der Strecke. Da wir relativ gut vorankamen und die Kanus scheinbar hin und wieder Störungen in den Bewegungsablaufen hatten, konnten wir uns jedes Mal rechtzeitig einschleusen und die Arbeitskraft der Kanuten in Anspruch nehmen. Dank geht raus. Die Lahnetappe erwies sich als idyllisch, friedvoll, naturreich und ultimativ meditativ. Auch eine Mittagspause auf einem Kiesbett, mit Snacks, WĂŒrstchen, KĂ€se und frisch GekĂŒhltem, durfte nicht fehlen. Entlang des Flusses lernten wir außerdem viele neue Ort kennen: Odersbach, GrĂ€veneck Falkenbach und schlussendlich FĂŒrfurt. Hier kehrten wir, nach ca. 6 Stunden Wasseraufenthalt, auf ein frisch gezapftes EndgetrĂ€nk ein. Die SUPs, mit denen wir ganz unfallfrei und ohne Wasserabsturz die Etappe meistern konnten, packten wir zum Abschluss in unsere mitgefĂŒhrten Backpacks ein und fuhren mit der Deutschen Bahn, ganz pĂŒnktlich und ohne Verzögerung, zurĂŒck nach Weilburg und zu unseren Autos. Das war ja einfach. 



Zweite Etappe | FĂŒrfurt - Runkel | 12 Kilometer
Sonntag, 16.07.2023

Mit dem Auto und diesmal zu dritt, fĂŒhrte die Reise, navigationsunsicher, in den Kleinort FĂŒrfurt, wo wir auf einem kleinen Parkplatz die SUPs im Schweiße unseres Angesichtes aufpumpten. Die erste Aufregung dann bereits bei Einstieg. Zwei MĂ€nner, mit 4-jĂ€hriger Tochter und Rehpinscher "Roxy" stĂŒrzten mit Kanu kopfĂŒber ins Wasser. Zitternder Hund, kreischendes Kind - ole ole. Nachdem wir seelische und moralische UnterstĂŒtzung geleistet und deren Kanu von Wasser befreit hatten, konnte unsere 12-Kilometer Etappe nach Runkel starten. Eine Wasserreise durch die Schönheit der einheimischen Natur - traumhaft. Nach einer Stunde machten wir Halt an einem abgelegenen Kiesbett und krĂ€ftigten uns mit Brie, Ciabatta, MacadamianĂŒssen und alkoholfreiem Radler. Vorbei an Amenau und kurz vor Villma dann Kilometer 60: Eine Idylle im Naturparadies der Lahn. Spontan legten wir mit den SUPs an Land an und nutzten die Stille und Ruhe fĂŒr eine Badeeinheit mit Picknick. Eine verlassene Paradiesinsel hĂ€tte in dem Moment nicht mehr bieten können. Nach 10 Minuten sollte das Idyll jedoch Geschichte sein, nĂ€herte sich ein Malle-Kanuboot mit 4 Halbstarken, die mit Hits wie "Ich hab ein Delfin in meiner Bauchtasche" und "Ich bin schon wieder blau wie der Ozean" das Lahn-Atoll beschallten und uns als kleines Andenken noch zwei leere Bembel-with-Care-Dosen auf dem SUP hinterließen. Vollpfosten. Mit den Worten "Euch kriegen wir noch!" verließen wir unseren Traumstrand. Unterwegs trafen wir auf ein Wikingerschiff, das uns unauffĂ€llig folgte und fĂŒr mehr Wellenaction und Antrieb sorgte. Kurz vor Villmar hatten wir die 4 Vollpfosten dann eingeholt. Karin handelte souverĂ€n eine volle Äpplerdose bei dem Pack heraus, welche sie sogleich an ihr SUP manövrierte. Hatten wir an der ersten Schleuse bei Runkel bereits unser Lehrgeld bezahlt und waren mit dem SUP um die Sperre herumgegangen, so schleusten wir uns diesmal mit dem Wikingerschiff und einem Schulklassen-Kanu-Team in den nĂ€chsten Bereich ein. Mit einigen technischen Schwierigkeiten öffnete sich die Schleuse dann auch schlussendlich und wir setzten unsere Reise weiter fort. Ein Fels kurz vor Runkel beeindruckte abermals und wir ließen uns fĂŒr ein paar Fotosessions hinreisen. An einem weiteren unscheinbaren Abschnitt hörte ich hinter mir plötzlich nur noch ein "Plumps". Karin hatte ein Wendemanöver bei den Seerosen einleiten wollen und dabei wohl die Balance verloren. Lahntaufe erfolgreich abgeschlossen. Unter Einsatz ihres Lebens konnte sie jedoch die Bembeldose noch retten. What a save! Gegen 17:45 Uhr erreichten wir dann Runkel und mussten nur noch anlegen. Nur noch? Petra war bereits vom SUP abgestiegen und hĂ€tte es nur noch die Rampe hochziehen mĂŒssen. Dabei glitt sie aus und wurde ebenfalls von der Lahn halbseitig getauft. Weitere Kanuten stĂŒrzten reihenweise am selben Abschnitt ins Wasser. Mir blieb dies glĂŒcklicherweise erspart, hatte ich meine SUP-Taufe bereits in Slowenien absolviert. Mit einem leckeren, gekĂŒhlten EndgetrĂ€nk am Bahnhofsrestaurant beendeten wir unsere Tour und steuerten via Bahn wieder zurĂŒck nach FĂŒrfurt. 

NÀchste Etappe: Runkel - Limburg oder Runkel - Diez? 10 oder 18 Kilometer? Juli oder September? Die freien Sommertage sind gezÀhlt...




Der Zug hat keine Bremse

 Wenn man die Berge liebt, akzeptiert man auch, dass sie die Bedingungen stellen.
- Jean-Christophe Lafaille

„Victory is a girl.” prangerte es mit großen Lettern auf dem soeben kĂ€uflich erworbenen T-Shirt der Marke Adidas, welches mir becks, mit strahlenden Augen, beim Verlassen des Outletshops, prĂ€sentierte. „Das ist voll meins.“ Gedanklich hatte unser HĂŒttenkĂŒken das T-Shirt bereits fĂŒr die erste große Gipfelbesteigung ĂŒbergestreift und sah sich damit das Gipfelkreuz erklimmen. „Wir mĂŒssen jetzt erst mal in Mittenwald ankommen.“ holte ich sie zurĂŒck auf den Boden. Der ungeplante Outlet-Zwischenstopp hatte zwar die Äuglein unserer Fitnessqueens Sonja & becks zum Leuchten gebracht und die Kassen des Sportgiganten in Herzogenaurach gefĂŒllt, uns jedoch um eine ganze Stunde in Verzug gebracht. Gegen 14 Uhr erreichten wir, bei stabiler Wetterlage, Mittenwald. WiederholungstĂ€terin Lari, HĂŒttenkĂŒken becks und die drei Konstanten Kristin, Sonja und ich starrten dem majestĂ€tischen Karwendelgebirge entgegen. „Gegen 17 Uhr soll es regnen. Und gewittern. Nichts wie los!“


1. Etappe | Kristins Tag

Akribisch und mit jeder Menge Bonusmaterial, sowie Alternativrouten, hatte Kristin die diesjĂ€hrige 5-tĂ€gige HĂŒttenwanderung geplant und mit Komoot digital in Szene gesetzt. Der Rest der Truppe hatte nur abgewinkt, sich aber weder richtig eingelesen, noch die Details der Karte studiert. So war es auch nicht verwunderlich, dass wir uns geschlossen fĂŒr die vermeintliche Luxusoption „Auffahrt mit der Karwendelbahn.“ entschieden, dabei jedoch nicht beachteten, anschließend einige Höhenmeter wieder nach unten zu marschieren, was zum Einlaufen, im Nachgang betrachtet, doch völlig sinnfrei ist. „Ach, das ist also der schöne Panoramaweg.“ beĂ€ugte Kristin die nebelverhangene Route kritisch, die im Prospekt deutlich attraktiver aussah. „Es ist wie immer, bei schönem Wetter sieht alles besser aus.“ Und so arbeiteten wir uns durch die dramatisch, vernebelten Felswende des Gebirges, bis wir den Predigtstuhl auf 1.921 m erreichten. Es nieselte. Die Steine wurden glatt. Schafe blickten uns unglĂ€ubig an. „Und da wollt ihr weitermarschieren?“ schienen sie uns bezweifelnd zu fragen. Das nasse Drahtseil, was am Felsen befestigt war, sollte mehr zur Beunruhigung als zur Sicherheit beitragen. „Das ist hier gar nicht mal so ohne mit den glatten Steinen.“ bemerkte Sonja höchst verunsichert. Kristin und becks ĂŒbernahmen die Vorhut und hangelten sich mit schwerem GepĂ€ck die Felswand hinunter. Lari und ich beĂ€ugten die Situation kritisch. „Wenn selbst unsere zwei Kletterprofis ins Schwitzen kommen, möchte ich mir gar nicht ausmalen wie wir da gleich mittendrin hĂ€ngen.“ „Wo war eigentlich noch mal der Notausgang?!“. Als Sonja gefĂŒhlt minutenlang in einer Passage festhing und der Regen immer stĂ€rker wurde, entschied ich mich zur Not das GepĂ€ck abzuwerfen und gezielt herunterzuspringen. Definitiv besser als abzurutschen. Doch dank guter Moderation von Kristin, die von unten Anweisungen gab, wo der nĂ€chste Schritt hinzusetzen war, gelang, nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit, endlich die Felsbezwingung. Erst spĂ€ter auf der HĂŒtte lasen wir auf der Wanderkarte: „Nur fĂŒr GeĂŒbte. Ausrufezeichen. Ausrufezeichen. Ausrufezeichen.“ Und vermutlich erst gar nicht bei Regen. Wie wir noch viel spĂ€ter von einer Rettungsaktion zwei anderer Wanderer erfuhren.

Die HochlandhĂŒtte war einfach. Nicht befahrbar und daher nur durch Helikopteranlieferung, dreimal im Jahr, versorgt. „Wenn es letzte Woche nicht geregnet hĂ€tte, hĂ€tte ich schließen mĂŒssen.“ teilte uns der HĂŒttenwirt mit. Keine Dusche. Kein Strom fĂŒr GĂ€ste. Aber eine warme Erbsensuppe und ein Heuschnaps. Und dann war da noch Sibylle aus Frankfurt-Bornheim, unsere Zimmermitbewohnerin. Mit einer unvergleichlichen Art unterhielt sie uns an diesem Abend. Humorvoll, trocken und mit viel Wissen2go. „Ihr könnt alle LogopĂ€den vergessen. Die meisten sind zu nichts nĂŒtze. Das was gelehrt wird ist grĂ¶ĂŸtenteils einfach nur Unsinn.“ sprach die ausĂŒbende LogopĂ€din. „Erst als ich mich auf das Thema Schlucken spezialisiert habe, konnte ich den Menschen wirklich helfen. Denn ihr mĂŒsst wissen: Nur der Affe kann gleichzeitig schlucken und essen. Der Mensch kann das nicht. DafĂŒr kann er sprechen. Außerdem befindet sich eure Zunge im Ruhezustand immer am Gaumen. Niemals unten.“ Und mit dieser Weisheit und Erkenntnis des Tages gingen wir zu Bett.

 

2. Etappe | becks Tag

„NatĂŒrlich kommst du mit uns Sibylle.“ Es hatte die ganze Nacht geregnet und der HĂŒttenwirt hatte uns dringlichst davon abgeraten die Route ĂŒber den Berg mit weiteren, schwierigen Kletterpassagen fortzusetzen. Die Alternative war nach Mittenwald abzusteigen, mit dem Bus nach Scharnitz zu fahren und von dort zum Karwendelhaus zu wandern. „Na gut, uns bleibt ja nichts anderes ĂŒbrig.“ Sibylle, die die gleiche Route wie wir geplant hatte, nahmen wir zugleich unter die Fittiche und wanderten ab nun zu sechst weiter. Becks, die sich eigentlich nur wegen des Aufstiegs und der vielen Gipfel fĂŒr diese Tour beworben und angemeldet hatte, wurde nun auf ihre grĂ¶ĂŸte Probe gestellt. Oder sollte man besser sagen: Ihre defekte HĂŒfte und ihr dadurch völlig irreparables rechtes Knie. Unter schwersten Schmerzen stieg sie den Berg hinab. „Am besten lĂ€sst du nicht nur deine HĂŒfte, sondern auch gleich dein Knie richten, wenn du unterm Messer liegst.“ schlug Sonja vor. „Geht nicht, dienstags machen die nur HĂŒfte und mittwochs Knie.“ „Dann buch dir doch einfach ne Nacht-OP um 23:55 Uhr!“

„Ach, dann können wir unseren Bus ja gleich nach Scharnitz umparken. Das ist ja viel praktischer. Wir mĂŒssen ja eh am Ende der Tour noch mit dem Zug zurĂŒck.“ Kristin manövrierte uns, den Bus und Sibylle auf den Wanderparkplatz in Österreich. „Das ist aber doof. Hier kann man ja nur ein Parkticket fĂŒr drei Tage lösen.“ „Na ja, der Wille war da. Wir wollten ja lĂ€nger buchen. Die werden uns schon nicht abschleppen.“

Wir marschierten zu sechst Richtung Karwendelhaus los, bis Kristin merkte, dass sie ihre Brille noch aufhatte und diese noch zurĂŒck in den Bus bringen musste. In der Zeit zippte sich Sonja wieder ab, becks dehnte abermals ordentlich ihr Knie, Lari rieb sich noch mal mit Sonnencreme ein und ich suchte vermutlich wieder mal irgendwas. In dieser Zeit verschaffte sich Sibylle einen ordentlichen Vorsprung, hatte sie grĂ¶ĂŸte Bedenken die 5-stĂŒndige Wanderung bis zur HĂŒtte noch bis vor Einbruch der Dunkelheit zu schaffen. Auch wir haderten mit der kalkulierten Zeit, kĂŒndigte die Mickey Maus bereits 13 Uhr und einen „schönen Mittag, Kumpel“, an. „Jetzt aber hurtig, wir mĂŒssen richtig Gas geben.“ An einer Abzweigung wĂ€hlten wir den steileren Weg durch den Wald. „Egal, wir mĂŒssen jetzt richtig Meter machen.“ Sibylle war nicht mehr zu sehen. „Die lĂ€uft wahrscheinlich auf dem 201er Weg.“ wusste ich mitzuteilen. Es war wahrscheinlich das Einzige, was ich mir ĂŒberhaupt so richtig von der Strecke gemerkt hatte. Nach dem steilen Aufstieg zog sich die breite, schottrige Waldautobahn entlang der Isar-Promenade wie Gummi. „Kein Wunder, das ist ja auch ein Mountainbike-Weg.“ „Leute, ich denk als, hier fehlt doch jemand.“ bemerkte becks. „Wo ist denn nur Sibylle. Ich vermisse sie jetzt schon.“ Sibylle war weit und breit nicht zu sehen. „Die ist bestimmt noch auf dem 201er Weg.“ Kein Mensch wusste wo dieser sein sollte. Aber es war definitiv die Nummer die Sybille genannt hatte. Unser Weg wurde stetig monotoner. Keine Abwechslung im Bewegungsablauf. Gift fĂŒr die Beine. Zu allem Überdruss fing es an zu nieseln. Und dann zu schĂŒtten. Becks sprach schon seit einer Ewigkeit kein Wort mehr. Ihr Gesicht, ausdruckslos. Und dennoch lief sie schnurrstracks weiter. „Auf einer Skala von 1 – 10, wie schlimm ist der Schmerz?“ fragte ich vorsichtig. „11.“ Mehr bekam ich nicht zu hören. „Entweder ich lass mich gleich abholen oder ich gehe jetzt ohne Pause einfach bis zum Ende weiter.“ fĂŒgte sie nach einigen Minuten an. Kristin und ich standen unter immenser Bredouille. Von hinten wurde ein Pausenstopp von Sonja fĂŒr Lari eingefordert und vorne wollte der Zug nicht stehen bleiben. WĂ€hrenddessen Starkregen. „Lauf, lauf einfach weiter becks!“ waren meine letzten Worte als ich den ICE auf ihre Reise schickte. Der Rest der Wagons versuchte Lari weiter zu motivieren, deren Beine und Sauerstoffzufuhr ebenfalls streikten. Außerdem hatte Lari in falsches Anti-Regenmaterial investiert, das die Gesamtsituation ebenfalls verschĂ€rfte. Doch auch Lari biss auf die ZĂ€hne und in das Fleisch des diesjĂ€hrigen zĂ€hen Elefanten. Nach 23 widerlichen Kilometern erreichten wir das Karwendelhaus, das mittlerweile in der Sonne erstrahlte. Auch becks hatte einen Hauch von LĂ€cheln wieder im Gesicht und noch nicht das Abreisetaxi bestellt. „Ich zieh das jetzt durch. Komme was wolle!“

Wir fanden Sibylle auch nicht auf der HĂŒtte und erkundigten uns besorgt beim HĂŒttenpersonal. „Sibylle? Ja, die hat heut Mittag schon angerufen, dass sie es nicht schafft. Die ist wohl nach Mittenwald umgekehrt.“ Schade. Aber dafĂŒr hatten wir jetzt Jens auf dem Zimmer. Telekom-Mitarbeiter aus Darmstadt, der 6 Wochen Pause von dem IT-Wahnsinn brauchte. „Alles Überstunden, aber lasst uns nicht von der Arbeit reden. 6 Wochen Berge und das hier ist schon ein Wahnsinns-Anfang.“ Jens war genauso cool wie Sybille. Absolut trockener und sympathischer Humor. Wir berichteten ihm von unserem Umweg und von den Strapazen und auch von becks Durchhaltevermögen, trotz der anstehenden OP. „Wie so’n altes Auto, noch mal so richtig runterfahren.“ lautete sein kurzer Kommentar.  Es wurde ein kurzweiliger Abend. IT-Studenten aus MĂŒnchen und Umgebung gesellten sich zu uns an den Tisch und legten den Studi-Armuts-Dackelblick auf, um am nĂ€chsten Morgen einige Brotscheiben und Tagesproviant von uns abzugreifen. „Die verdienen bestimmt alle doppelt so viel wie wir.“ lachten wir. „Aber egal, die haben sich trotzdem schwer gefreut.“ 

 

Etappe 3 | Sonjas Tag

„Ich möchte heute drei Gipfel machen. Kommt schon, wer kommt mit mir?“ Sonja, hochmotiviert wie immer, blickte in mĂŒde Gesichter. Selbst Jens ließ sich nicht dazu hinreißen, den Hausgipfel an der KarwendelhĂŒtte, mitzuwandern. „Ok, dann haben wir ja noch die zwei Gipfel an unserer nĂ€chsten HĂŒtte, die wir machen können.“ „Ja, da komme ich auf jeden Fall mit“ versprach ich, vermutlich etwas voreilig. Nicht nur Laris, sondern auch meine Waden, waren komplett dicht. Als ob ein schwerer Klotz daran hĂ€ngen wĂŒrde. „Diese ungeplante 23-Kilometer-Umweg-Route hat uns alle zerstört. Becks, die sich so viele Gipfel fĂŒr die Tour vorgenommen hatte war vollends enttĂ€uscht und hatte als einziges Ziel, die Bestehung der Gesamtroute, im Blick. Auch Kristin plagten schwere Fußbeschwerden, die sie schon seit den Julischen Alpen in Slowenien mit sich trug. Nur KĂŒken Sonja trĂ€llerte weiterhin und unbeschwerlich ein „Warum bin ich so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich war ich nie!“ vor sich hin. Wir verabschiedeten uns von Jens, der in eine andere Richtung weiterzog, sich aber fest vorgenommen hatte beim ersten LTE-Signal den Hit „Der Zug hat keine Bremse“ herunterzuladen, welchen wir mehrfach im Zimmer angestimmt hatten, jedoch nicht mit den Gesamt-Lyrics dienen konnten. Ich glaube er wird uns nicht vergessen.

Auch wenn die 3. Etappe nur 3,5 Stunden andauerte, so reichte uns dies vollends aus. „Heute Abend wird Magnesium eingenommen und mit Arnika-Creme eingeschmiert!“ ordnete Sonja an. „Das kann doch wohl nicht sein, dass ihr alle nicht mehr laufen könnt.“ Wie verspochen ließ ich mich zu einem Gipfel an der FalkenhĂŒtte hinreißen, welcher von Sonja jedoch nur die Bezeichnung „Greifensteiner HĂŒgel“ erhielt. „Wer den HĂŒgel nicht ehrt, ist des Gipfels nicht wert.“ verabschiedete ich mich und entschied mich fĂŒr einen Aperol Spritz auf der HĂŒtte mit Lari und becks. Kristin ließ den Schmerz ihrer FĂŒĂŸe hinter sich und begleitete Sonja auf den 2.093 Meter hohen Mahnkopf. WĂ€hrenddessen checkten wir drei Hinterbliebenen in der neu restaurierten und optisch mehr als ansprechenden FalkenhĂŒtte ein. O-Ton becks „Das Bad ist ja schöner als daheim.“ Auch die Dusche konnte mit knapp 3 Minuten Warmwasser ĂŒberzeugen und das 6-Bett Lagerzimmer hatten wir diesmal ganz fĂŒr uns. Als i-TĂŒpfelchen lernten wir an diesem Abend, die mehr als schmackhafte Kaspresssuppe kennen. Ein Zirben-Likör rundete den Abend ab. „Schade, dass ich heute Morgen das Hochalmkreuz nicht machen konnte. Dem trauere ich immer noch ein bisschen nach.“ waren die Worte der immer fitten Sonja, kurz vorm Schlafen gehen.

 

Etappe 4 | Julis Tag

„Wow, was ein Sonnenaufgang. Und das mit Blick aus dem Badezimmer!“ Die ersten Videosequenzen an der wunderbaren FalkenhĂŒtte und dem ersten richtig schönen Sonnenaufgang wĂ€hrend der Tour, stimmten mich fröhlich. Außerdem war, dank Magnesiumtablette, Arnika-Creme und einem Aufdehnprogramm, auch keine Blockade mehr in der Wade zu spĂŒren. Ich fĂŒhlte, dass heute ein Gipfel machbar war, verriet es aber noch nicht. Die Route, bis zum Abstieg auf die Eng-Alm, war vermutlich, auch Dank des tollen Wetters, eine der schönsten bislang. In Eng musste dann eine Entscheidung ĂŒber Weitergehen oder Abbruch der Tour gefĂ€llt werden. „Na toll, auch noch an meinem einzigen Spitzentag.“ bedauerte ich gedanklich. Aber es war vernĂŒnftig darĂŒber nachzudenken ein Gewitter mit Starkregen am Abstiegstag in Kauf zu nehmen. Wir entschieden uns, entgegen der miserablen Prognosen sĂ€mtlicher Wetter-Apps, fĂŒr ein Weitergehen. „Ich brech die Tour doch jetzt nicht mehr ab!“ protestierte selbst becks. Ehrgeiz. Hat se.
„Juli, was ist mit deinem Tempo los? Ich erkenn dich ja kaum wieder?!“ fragte mich Sonja erstaunt. Die Maschinen waren endlich angelaufen. Ich plĂ€diere definitiv fĂŒr mehr Einlaufzeit bei einer zukĂŒnftigen Tour. „Wir haben ja immer noch so viel Proviant.“ bemerkte Kristin an unserem Mittagspausenstopp. Es war bemerkenswert was die einzelnen Teilnehmerinnen immer wieder aus ihren RucksĂ€cken zauberten. Ob Mama Giselas Mirabellen von heimischen BĂ€umen oder Pfirsiche aus Sonjas Elterngarten, SpĂ€tmirabellen von Lari, Trailmixe, MĂŒsliriegel, Äpfel, Brötchen, KĂ€se, Wurst und Pfefferbeißer. Es war jeden Mittag ein Festmahl auf den Bergen. An der LamsenjochhĂŒtte angekommen blickte ich rĂŒber zu Sonja. „Und Sonja, machen wir noch den Gipfel?“ Wir entschieden uns zwar gegen die zu anspruchsvolle Lamsenspitze, dafĂŒr aber fĂŒr den Hahnkampl auf 2.080 Meter, der uns ein wunderbares Panorama bot. Unterdessen wurden die drei anderen Teilnehmerinnen Zeuge eines sehr strengen und diktatorischen HĂŒttenregimes. Beim Einchecken forderte die HĂŒttenwirtin mit strafendem Blick alle GĂ€ste auf das GepĂ€ck nicht mit auf die Zimmer zu nehmen, sondern gefĂ€lligst alles im Trockenraum zu lassen. ALLES. Keiner wagte zu widersprechen. Nur ĂŒber die Schmuggleroute konnten wichtige Dinge nach oben transferiert werden. Lari und becks wagten noch einmal die HĂŒttenwirtin auf Duschmarken anzusprechen. In ihrer bekannten, liebevollen Art und Stimme fragte Lari vorsichtig: „Darf man auch zwei Duschmarken haben? Also wegen meiner Haare und der SpĂŒlung?“ Die HĂŒttenwirtin antwortete mit eisiger Miene: „Man kann zwei Duschmarken haben. Aber man kann auch Wasser sparen.“ und hĂ€ndigte Lari mit strafendem Blick beide Marken aus. Das Karma folgte. Hatten becks und Kristin noch jeweils warmes Wasser, so wendete sich das Blatt fĂŒr Lari direkt. Kalte Dusche. Die zweite Marke war erst gar nicht anzuwenden. „Das hat die doch gesehen, dass du jetzt duschst.“ schimpfte becks. „Die saß bestimmt unten am Mischpult und hat dir das Wasser kalt gedreht.“

Sonja und ich hatten GlĂŒck. Das Wasser war warm. Aber die Dusche, eher gesagt die Duschmatte, unterirdisch eklig. „Lieber eine schlechte warme Dusche, als keine Dusche.“ vollendete Sonja die Weisheit des Tages. WĂ€hrenddessen hatte sich eine junge Berlinerin im Bad eingefunden, die sich lauthals ĂŒber nicht vorhandene Haken in den Zimmern beschwerte. Sie klĂ€rte uns auch gleichzeitig ĂŒber das Handtuchhalterprinzip an den Waschbecken auf. „Das ist eine total schlechte und völlig veraltete Erfindung aus Berlin! Die HandtĂŒcher werden quasi in dieses unhygienische Teil aufgesogen.“ Wir schĂŒttelten unglĂ€ubig mit dem Kopf. Wo waren wir hier gelandet?

Das Abendessen und die freundliche Bedienung sollten uns zum GlĂŒck noch einmal wohlwollend im Gesamturteil umstimmen. „Man darf auch nicht nur meckern. Immerhin sitzen wir im Trockenen.“ Und dann fing es draußen wieder an zu schĂŒtten. „Meine App sagt aktuell 3 Liter fĂŒr morgen und Nieselregen an.“ informierte uns becks, die als O2-Kundin als einzige Empfang und es außerdem gewagt hatte bei der HĂŒttenwirtin nach einem Eisbeutel fĂŒr ihr Knie zu fragen. „Ihr werdet es nicht glauben, sie hat sogar am Ende ein wenig den Mundwinkel zu einem Mini-LĂ€cheln geformt. Ich glaube wir sind jetzt Freunde.“ In der Nacht regnete es. Und am Morgen regnete es. Draußen war nur Nebel zu sehen. „Oh jetzt schreibt die App, dass wir 11 Liter haben. Wie unglĂŒcklich.“

 

5. Etappe | Laris Tag

Als wir es zum ersten Mal wĂ€hrend des ganzen Trips schafften bereits um 7 Uhr zu frĂŒhstĂŒcken, klarte gegen 7:30 Uhr der Himmel auf. „Okay Leute, das Zeitfenster ist angebrochen. Wir mĂŒssen JETZT los.“ kĂŒndigte Kristin an. „4 Stunden Abstieg bis nach Schwaz. Wir haben einen Zug zu kriegen.“ Lari schwing die Hufe und gab das Tempo fortan an. In einer nie dagewesenen Geschwindigkeit petzten wir den Berg hinunter. Die Angst, doch noch in Starkregen oder Gewitter zu geraten war allgegenwĂ€rtig. Lari drehte sich immer wieder verwundert zu Seite und zurĂŒck. „Ich bin heute so fit wie nie. Ich könnte heute wirklich einen Gipfel machen.“ Trotz, dass wir kurzzeitig einen falschen Weg eingeschlagen hatten, erreichten wir Schwaz eine Stunde frĂŒher als geplant. „Das schreit ja nach einer Belohnung.“ und becks lud uns alle zu einem LeberkĂ€sebrötchen und Coffe-to-go ein, bevor wir in den Ă€ußerst modernen Regionalzug der österreichischen Bundesbahn mit free-Wifi stiegen. Eine halbe Stunde bis nach Innsbruck und dann noch mal eine Stunde um bis nach Scharnitz zu gelangen. Als wir ausstiegen, setzte der Regen erneut ein. „Kommt schnell, es sind nur 10 Minuten bis zum Wanderparkplatz“. Noch einmal spurteten wir mit unseren letzten Kraftreserven los. „Was hĂ€ngt denn da vorne in der Windschutzscheibe?“ fragte ich unglĂ€ubig, hatte ich am Abend zuvor noch gegen einen Strafzettel getippt. „Wieviel sind es?“ wollte Kristin wissen, lagen sie und Lari richtig, hatten aber auf unterschiedliche BetrĂ€ge getippt. „25€ - Schnapper!“ -  Man gönnt sich ja sonst nichts.

Eine weitere, wundervolle HĂŒttenwanderung geht zu Ende. Es war mal wieder ein Highlight und wie immer ein unvergessliches Erlebnis in den Bergen. Jeder Meter, jede Anstrengung, jeder Schweißtropfen und jeder Schmerz war diese Wanderung wert. Da oben ist die Welt ein bisschen anders. Einfacher. Befreiter. Sorglos.

Erst wenn ich wieder absteige, spĂŒre ich das Gewicht der Welt auf mir.
- Anatoli Bukrejew.



















Gut, dass wir verglichen haben.

Es ist nun fast 13 Jahre her, dass ich die wundervolle Erfahrung eines QuarantĂ€ne-Aufenthaltes machen durfte. In diesen Tage denke ich gerne zurĂŒck und schwelge in Erinnerungen. Ich befand mich damals in der  kanadischen Metropole Vancouver und hatte von einer Pandemie keine Ahnung. HĂ€tte man mich morgens nicht tĂ€glich mit der kostenfreien Bahnhofszeitschrift versorgt, hĂ€tte ich von öffentlichen Impfungen und dem stĂ€ndigen Aufruf „Get your vaccination!“ nie etwas gehört. NatĂŒrlich war die Schweinegrippe auch DER SommerlochfĂŒller in Deutschlands Presse. Aber war davon ĂŒberhaupt jemand wirklich betroffen? Das war eine Krankheit aus Übersee, weit weg. Und warum sollten wir AuslĂ€nder in Kanada damit in BerĂŒhrung kommen? Meine Denkweise Ă€nderte sich drastisch, als ich in den dauerhaften Genuss von „Öffis“ gelangte, musste ich als Kurzzeit-Studi eine recht lange Strecke von meiner Gastfamilie bis zur Schule, die sich im Zentrum Vancouvers befand, zurĂŒcklegen. Solche Menschenmassen war man als Dorfmensch rein gar nicht gewöhnt. Recht schnell durfte ich aber feststellen, dass das Verbindungsnetz in GroßstĂ€dten und ohne Aufschrift „DB“ 1A funktionierte. „Was fĂŒr eine Errungenschaft der Menschheit! Damit wĂ€ren Autos ja quasi ĂŒberflĂŒssig. Und der Monatsticketpreis? - Ein Witz!“ Da es in Vancouver und generell in Kanada sehr viel Wasser gibt, durfte man sogar die FĂ€hre nach North-Vancouver nutzen. Mein Kanada-Buddy Fabian fuhr auf diese Weise jeden Tag mit dem Schiff zur Schule. 


Doch back-to-topic: Nach 3 Wochen Schulzeit und der Erkenntnis, dass GroßstĂ€dte extrem cool, vielseitig und interessant sein können, machte sich eines Montagsmorgens die Kehrseite einer metropolisch, pulsierenden Stadt bemerkbar. Ich hatte mal wieder den wunderbare Skytrain in die Stadt genutzt, fĂŒr den man morgens, um viertel vor sieben, nur 3-4 AnlĂ€ufe brauchte, um in ein pressvolles Abteil einzusteigen, in dem sich jeder dicht an dicht gedrĂ€ngt hineinzwĂ€ngte und sich nur aus reiner Gewohnheit irgendwo festhielt, um nicht umzufallen, was aber bei der Dichte auch gar nicht möglich gewesen wĂ€re. Im Nachhinein stelle ich mir die Frage, ob in den nordamerikanischen Medien auch Themen wie Mindestabstand, Maskenpflicht und Desinfektion diskutiert und an öffentlichen PlĂ€tzen darauf hingewiesen wurde. Eine wirkliche Erinnerung habe ich daran nicht.


Genau eine Schulstunde dauerte es, bis mich ein unbeschreibliches KrankheitsgefĂŒhl ĂŒberrollte und ich mich komplett ausgeknockt fĂŒhlte. Meine Lehrerin erkannte die Zeichen sofort und sandte mich on-demand nach Hause. Der Weg zurĂŒck war mir kaum noch möglich, war ich quasi nicht mehr in der Lage zu gehen, so schwach waren meine Beine. NatĂŒrlich schleppte ich das Virus von der Schule noch mal durch 8-9 Haltestationen in ĂŒberfĂŒllte Bahnabteile. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mich in meinem Leben noch nie so krank gefĂŒhlt habe und auch bis heute keinen vergleichbaren Krankheitsverlauf erleben musste. Das Resultat war eine 1-wöchige QuarantĂ€ne und die Diagnose: Schweinegrippe. Nun muss man dazu sagen, dass ich damals in einem Zimmer von ca. 20 Quadratmetern untergebracht war. Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl. Das gegenĂŒberliegende Bad durfte ich nur nach Desinfektion des ganzen Raumes betreten und wieder verlassen. Essen wurde mir vor die TĂŒr gestellt. Damals gab es noch kein WhatsApp, nicht mal Instagram oder Netflix. DafĂŒr gab es eine 9-stĂŒndige Zeitverschiebung nach Deutschland und extrem schlechtes Internet, das eine Skypeverbindung so stabil machte wie ein schlecht gebauter Jengaturm. 


Heute, ein Jahrzehnt, zwei Ausnahme-Jahre und eine Zeitenwende spĂ€ter, in denen wir alle zu Pandemie-Experten:innen und Virenforscher:innen gereift sind und das 1x1 des AHA+L-Alphabetes im Schlaf aufsagen können, katapultiert mich, das mittlerweile weltbekannte und legendĂ€re C-Virus, erneut in die Isolation. „Ich dachte Blutgruppe 0 sei unverwundbar.“ textete ich becks in ihre QuarantĂ€ne. „Papperlapapp, das waren auch wieder nur Fake-News. - Egal, jetzt können wir die Sache hier auch endlich abhaken.“ 


Die post-moderne-jedermanns-QuarantĂ€ne ist jedoch anders. Obwohl man sehr viel mehr Bewegungsfreiheit und Umsorgung hat, zieht sie auch einen gewissen Stressfaktor mit sich. Denn im Vergleich fĂ€llt die Krankheit ja glĂŒcklicherweise und in den meisten FĂ€llen deutlich schwĂ€cher aus, wodurch man sich „nur“ ĂŒber eine starke ErkĂ€ltung beschweren darf. Und weil man ja nun Zeit hat, liegt die lang vorbereitete To-Do-List fĂŒr den Ernstfall eines einwöchigen Home-Aufenthaltes schon bereit. Vorbei sind die Tage an denen man einfach krank sein durfte und auf Heilung wartete. Denn wer in der heutigen QuarantĂ€ne nicht mindestens seinen FrĂŒhjahrsputz schafft, den Garten umgrĂ€bt oder ein anderes, vielsprechendes Bauprojekt umsetzt (hallo Sissy :)) und dazu wenigstens zwei BĂŒcher liest, 3 vegane Gerichte ausprobiert, eine neue Sprache lernt und seinen 8-Stunden Arbeitstag bewĂ€ltigt, der war, in den Augen der Gesellschaft, vermutlich einfach nur faul. Denn „so ein bisschen“ Corona hatte ja jetzt - ernsthaft -, schon mal jeder. 


Ob ich meine Liste komplett abgearbeitet bekomme, bezweifle ich mittlerweile. Die Zeit,  bis man wieder der Freiheit und Öffentlichkeit ausgesetzt ist, fliegt quasi an einem vorbei. 

Ich frage mich aber nun natĂŒrlich wie das so weiter geht. Können wir uns jetzt einmal im Jahr auf solch einen QuarantĂ€ne-Aufenthalt einrichten? Kann man den fest im Jahreskalender einplanen? Also Ende April wĂŒrde mir gut passen, da mĂŒssen die Fenster eh geputzt werden und es ist ja auch irgendwie eh noch total durchwachsen. Außerdem ist dann Ostern vorbei und der nĂ€chste Urlaub auch noch ein bisschen hin, man will ja nicht dass Corona irgendwelche langen PlĂ€ne durchkreuzt. Wenn wir dann alle gleichzeitig in QuarantĂ€ne sind, wĂ€re das doch bestimmt gut fĂŒrs Klima, Krieg wĂ€re dann auch keiner und ĂŒberhaupt ginge es der Welt, ohne unsere Dauerbeschallung und Eingreifen in Dinge von denen wir keinen Plan haben, auch irgendwie total und voll viel besser. (merkt man eigentlich, dass ich in den letzten Tagen zu viele Podcasts gehört habe?). 


Wie es auch immer kommen mag, ich wĂŒnsche euch allen, dass ihr gut durchkommt, liebevoll versorgt werdet, mit keinen Langzeitwirkungen kĂ€mpfen mĂŒsst und besser noch: verschont bleibt. Es soll ja immer noch ein paar Exoten geben, die bislang immun geblieben sind. 


In dem Sinne, stay safe and take care! Und vergesst nicht: So eine QuarantĂ€ne kann mal gemacht haben. Gehört auf die Bucket-List ;). 





#RAUSZEIT in Oberstdorf

 Das Video zum Trip ... 4 Tage in Oberstdorf mit Aufstieg Rubi- und Gaisalphorn.


The masked traveller (Die Corowana zieht weiter)

"Wenn man die Natur wahrhaft liebt,
so findet man es ĂŒberall schön.“ - Vincent van Gogh

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„Wo ist meine Maske?“

„Mist, ich habe meine Maske vergessen!“

„MĂ€dels, denkt an eure Masken!“


Wir schreiben das Jahr „8 Monate seit Corona“.  Menschen mit Masken sind schon lange kein Sinnbild mehr fĂŒr asiatische Metropolen, sondern haben Einzug bis in die hinterste, urigste und höchstgelegene AlmhĂŒtte Bayerns erhalten. Hygiene-, Seifen-, und Desinfektionsspender findet man flĂ€chendeckender als den guten D1-Empfang in Oberstdorf und Abstandsregeln beherrscht man heutzutage besser als das Vater Unser.


Die Maske ist der neue SchlĂŒssel/Handy/Geldbeutel geworden. Auf menschenleeren Hostelfluren oder beim kurzen Gang vom Restaurantsitzplatz zum Klo, erwischt man sich meist in letzter Sekunde, das wichtigste Utensil vergessen zu haben. „Juli, du hast schon wieder die Handschuhe vergessen!“ rief mir Löön auf dem Weg zum reichhaltigen Hostel-Buffett zu. Auf halber Strecke kehrte ich um und streifte mir neben der geforderten Maske noch das ĂŒberdimensionale FolienprĂ€parat ĂŒber, welches man aus dem HaarfĂ€rbegewerbe kennt. Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.


Wie jedes Jahr im August planten wir eine Wanderung in die alpinen Regionen Europas. Im Coronajahr entschieden wir uns fĂŒr Oberstdorf im AllgĂ€u. Stand August: kein Risikogebiet, im sicheren Deutschland mit guten Gesundheitssystem und strenge Kontrollen der Abstandregeln. Mit 6-köpfiger Truppe starteten wir frĂŒh morgens um 6 Uhr in heimischen Gefilden, gut bepackt mit einem Lebensmittelvorrat, der fĂŒr gefĂŒhlte 14 Tagen ausgereicht hĂ€tte. Der Bus „Grau-Adventure-Tours“ brachte uns, mit der im frischen „TrĂŒffel-braun“ gefĂ€rbten Kristin am Steuer, in nur wenigen Stunden ins AllgĂ€u.


Berge. GrĂŒne, saftige Wiesen. Angenehme Luft. Regen.


Das, was wir so uns so sehnlichst fĂŒr unser lovely Lahn-Dill-Bergland (auch mittelhessische Wild-West-PrĂ€rie genannt) wĂŒnschten, trĂŒbte am ersten Tag die Stimmung. Das tropfende Nass hielt sich jedoch nach Ankunft in Grenzen, sodass wir eine Wanderung zur Seealpe am Fuße des Nebelhorns, starten konnten. Kristin hatte ihr Alternativtransportmittel „Mountainbike“ mitgefĂŒhrt, da ihr eine Fußverletzung zu schaffen machte. Mit strammen Gang entlang schönster WasserfĂ€lle, nassem Holzgeruch und subtropischen Temperaturen, erreichten wir die Zwischenstation. In einem Schweinsgalopp stĂŒrmten unsere beiden neuen beste Freunde „Piggledy & Fredrick“ zum Zaun und begrĂŒĂŸten uns laut grunzend. „Hallo Hase, hallo Baby!“ erwiderte Sonja das Grunzen der beiden rosa Tierchen. Und ich hielt fest: „Heute Abend gibt es kein Schnitzel!“


„Köstliche Hubertus-Platte - Schweinehals“ offerierte uns die TagesmenĂŒkarte des „Wilden MĂ€nnle“ in Oberstdorf, wo wir uns nach Abstieg und Abfahrt eingefunden hatten. Mir drehte sich der Magen um, als ich an unsere beiden Schweinefreunde von der Alpe dachte. Als Kompromiss wurde der Economy-Share ausgerufen, indem wir uns Spinatknödel, Alpenmakkaroni und das klassische Wiener Schnitzel (vom Kalb) teilten. Zum Abschluss orderten wir  einen Gemeinschaftskaiserschmarrn. Umweltbewusst behielten wir hierfĂŒr unsere benutzten Gabeln am Tisch, welche ich im letzten Moment dem Kellner noch entreißen konnte. „Wir sind doch hier keine Bauernwirtschaft!“ trotzte der Kellner im Scherz und sammelte dann doch unser gebrauchtes Gabelsortiment ein. 


Unser Hostel erwies sich als Hauptgewinn. Sauber, neu, liebevoll eingerichtet, Holzoptik und eine Bar mit Bailey-on-ice. Selis Urlaub war gerettet.


Der nĂ€chste Tag stand unter dem Schirm der Entspannung. Aufgrund von anhaltendem, leichten Regen, erkundeten wir das Oytal, wo Tine ihren weltbesten Apfelstrudel im Berggasthof Oytalhaus fand. Zuvor hatten wir den wunderschönen Pfad entlang der Oy, mit kleinen, aber imposanten WasserfĂ€llen, moosbedeckten HolzstĂ€mmen und die herzliche, rustikale „Gutenalpe“ zu Fuß erkundet. Immer in Begleitung des SĂ€feti-Cars (alias Kristin, dem Mountainbike-Sheperd). Ein besonderes Schmankerl bot uns der Berggasthof, der uns Roller ins Tal offerierte. Wie die Coolsten aus der Schule cruisten wir den Weg in hinunter, der von Minute zu Minute nasser wurde. Langsam aber sicher setzte uns der Starkregen zu. Die nahegelegene Therme mit Sauna, heizte uns mit Temperaturen von 85-90°C noch mal richtig ein, sodass wir den Abend im Wellnessmodus beenden konnten.


Auch der nĂ€chste Tag zeigte sich bedeckt, ununterbrochener Regen. Unsere AlternativvorschlĂ€ge Rafting, Canyoning, Tubing oder Escape Room waren leider nicht realisierbar, da sĂ€mtliche Touristen den selben Gedanken gefasst hatten wie wir – nur leider frĂŒher. So testeten wir im Hostel ein mitgebrachtes Escape-Spiel und konnten erst mit großer VerspĂ€tung am Nachmittag zu einem Kaiserschmarren zu Fuß nach Oberstdorf ausbrechen. 


Zu unser aller GlĂŒck und kurz bevor der altbekannte Lagerkoller ausbrach, lichteten sich am Mittwoch die Wolken und im Radio spielte man „Ruby“ von den Kaiser Chiefs. Wir warfen unsere Wanderstöcke in den Bus, schnĂŒrten unsere Wanderschuhe und nahmen das frĂŒhe FrĂŒhstĂŒck um 7 in Kauf, um den sonnigen Tag voll ausnutzen zu können. Seli hatte bis zum Morgen mit sich gehadert, ob sie nicht doch lieber mit Kristin eine Radtour, anstatt der angesetzten 7-stĂŒndigen Wanderung machen sollte. „Aber nur bis zum Rubi und dann geht’s zurĂŒck!“ forderte sie und bekam zustimmendes Nicken. Auch ich zeigte mich erleichtert, dass wir aufgrund des Regens, nur bis zum Rubi gehen und nicht den als schwer gekennzeichneten Klettersteig durchfĂŒhren mussten.


WĂ€hrend Sonja, Tine, Löön, Seli und ich uns auf in Richtung Rubihorn machten, sattelte Kristin ihr MTB fĂŒr eine Tour mit einer alten Gegenspielerin, die wir zufĂ€llig am Tage zuvor getroffen hatten. Ziel: an der KĂ€seralpe das Kriegsbeil begraben. 


Der Weg bergauf schien zunĂ€chst machbar und fĂŒhrte erneut vorbei an herrlichen WasserfĂ€llen. Foto- und Filmstopps waren allerdings nach wie vor nicht gern gesehen, wodurch wir den Gaisalpsee bereits in Rekordzeit erreichten. Lediglich ein Biathlon-Verein hatte uns ĂŒberholen können, der wie ein ICE-Zug an uns vorbeigezogen war. Wir schauten vom Gaisalpsee hinauf zum Rubihorn. Bereits auf dem Weg hatten wir erkannt, dass wohl ganz Oberstdorf auf den Beinen war. Dicht auf dicht stiegen wir den Berg weiter auf. 1,5m Sicherheitsabstand war dabei meist nicht gewĂ€hrleistet. Nach zwei weiteren, leichten Kletterpassagen erreichten wir den Gipfel. Rubihorn. Superspreader der Alpen. Am Gipfelkreuz tummelten sich die Wanderer wie Sardinen in einer Dose. Und ich blickte besorgt auf meine Corona-Warn-App. Um den Massen zu entweichen, kraxelten wir auf einen gegenĂŒberliegenden Fels und blickten von Weitem auf die Mainstream-Plattform und das Gipfelkreuz. „Ob das da oben an dem Kreuz ein Sendemast ist?“ fragte sich Löön. „Ich habe hier 4G+“. „In zehn Jahren tauschen die den Schriftzug bestimmt noch in Free Wifi aus.“ „Oder in #stayhome - Don’t forget to desinfect.“


„Gehen wir jetzt noch rĂŒber zum Gaisalphorn?“ fragte Sonja, die schon seit frĂŒhem Morgengrauen „Warum bin ich so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich war ich nieeee.“ sang. Noch bevor sie den Satz beenden konnte, befanden wir uns bereits auf halber Strecke zum Gipfel. Und Seli fĂŒhlte sich verarscht. Ich war zwar einem zweiten Gipfel sehr angetan und erfreute mich auch grundsĂ€tzlich, dass wir die Höhe halten und auf dem Grat weiter laufen konnten, doch verdunkelte sich meine Stimmung, als ich den ungesicherten, schmalen Felsgrat zum Gipfel erblickte. Zwei MĂ€dels mit Labrador kehrten um und ein abgerissenes Stahlseil ließ meinen GemĂŒtszustand nicht besser werden. Auch ich fĂŒhlte mich verarscht.


Wir ĂŒberquerten den nicht ungefĂ€hrlichen Part (O-Ton Löön: „Das war nicht ohne!“) und erreichten dankbar den Geisalphorngipfel. Die Sache hatte dann doch einen Vorteil. Ab da an trafen wir kaum noch jemanden. Wir stiegen an steilen und geröllbehafteten WĂ€nden und vorbei an Lawinen-AuffĂ€ngern ab. Bis wir an einem wunderschönen Aussichtspunkt innehielten, der die perfekte Gelegenheit bot, fĂŒr jede Wanderin ein neues Profilbild zu erstellen. Auch der Rest des Rundweges erwies sich als deutlich schöner als der Aufstieg zum Rubihorn. Keine Menschen, saftgrĂŒnes Gras, ein verlassener, grĂŒnblauer See und eine HĂŒtte mit Ziegenbordell. Außerdem kam auch Seli noch auf ihre Kosten, als wir den AllgĂ€uer Zoo auf der Wegstrecke durchqueren durfte. Kuh ‚Elsa‘ und Esel ‚Paris‘ ließen dabei ihr Herz höher schlagen.


Nach 8-stĂŒndiger Wanderstrecke erreichten wir fast zeitgleich mit Kristin den Alpen-Gasthof Gaisalpe, die parallel mit ihrem Rad. ca. 1.200 Höhenmeter hingelegt hatte. Hier sollte uns - unseren Erwartungen entsprechend - ein deftiges, bayrisches WandermenĂŒ offeriert werden. Die große EnttĂ€uschung erblickte wir nach Öffnen der Speisekarte, die nur bis 14:30 Uhr warme SpezialitĂ€ten bot. Uns blieb die Wahl zwischen einer AllgĂ€uer KĂ€seplatte und einem bayrischen Fladenbrot (Flammkuchen), von dem es jedoch nur noch ein Rohling gab. Trotz der ĂŒberschaubaren Auswahl wurden wir positiv ĂŒberrascht. Zu unserer Hauptmahlzeit wurde eine FlĂ€dlesuppe und im Anschluss ein Kaiserschmarren serviert. Und auf dem RĂŒckweg, dem Pfad der Erleuchtung (Oberstdorfer Höhenweg), kamen wir zu der Erkenntnis, dass sich ein Leben ohne zu große Erwartungen und AnsprĂŒche viel besser lebt. Nimm’s wie es kommt. Frag nicht warum. Und mach das Beste aus den Karten, die dir gegeben werden.


Wir hĂ€tten an diesem Abend eine Runde Karten auslassen sollen, denn die Retourkutsche kam gleich am nĂ€chsten Morgen. Körperliche Erschöpfung, Muskelkater und Schlafmangel am letzten Urlaubstag. Zu allem Überdruss: FrĂŒhstĂŒck um 7 Uhr und Packen fĂŒr die spĂ€tere Abreise. Doch es sollten noch zwei Aktionspunkte abgehandelt werden. Die Breitachklamm erwartete uns um 10 Uhr, zu der wir von unserem Hostel aus wanderten. Auf dem prall gefĂŒllten Parkplatz erspĂ€hten wir schon von Weitem, was uns gleich fĂŒr eine Massenabfertigung erwarten sollte. Superspreader Nummer 2. Doch die 5€ Eintritt, sowie das dichte GedrĂ€nge in der Klamm, waren jeden Cent wert. Ein gewaltiges Naturwunder, inmitten der bayrischen Alpen! Die Felsenschlucht hatte sich ĂŒber Jahrtausende durch fließendes GewĂ€sser, Schmelzwasser und Geröll von Gletschern, das sich in das Gestein eingeschnitten hatte, gebildet. Tosendes Wasser, beengte Schluchten, in einer Höhe, die kaum vorstellbar ist, beeindruckten uns am Vormittag und ließen uns einmal mehr erkennen, welche Gewalt die Natur hervorbringt, die so viel lĂ€nger als wir Menschen bereits am Werk ist und nach wie vor kontinuierlich arbeitet.


Nach dieser beeindruckenden Vorstellung, wanderte ein Teil unserer Gruppe noch zurĂŒck ins Hostel, um den gepackten Bus zu holen und zur „Alpe Dornach“ fĂŒr ein letztes, gemeinsames Mahl zu fahren. Der schmale Weg auf die Alpe, wurde zu einer grĂ¶ĂŸeren Herausforderung, als uns ein Forstauto mit Leverkusener Kennzeichen (finde den Fehler) entgegen kam. Als der Fahrer des Mercedes endlich erkannte, dass er den RĂŒckwĂ€rtsgang einlegen musste, wurde uns sehr schnell klar, in welche Lage wir den Ă€lteren Herrn - der definitiv eine Auffrischung der Fahrerlaubnis benötigte - gebracht hatten. Im Schnecken-Zick-Zack-Modus, musste wir mitansehen, wie er sich sein Auto mit GrĂŒnzweigen verschrabbte, in die er - mehr oder weniger - grundlos rĂŒckwĂ€rts fuhr. Als er in diesem Modus beinahe noch eine Holzbank und einen kleinen Fels ansteuerte, konnte ihn ein heran eilendes WanderpĂ€rchen gerade noch retten und in die richtige Spur bringen. Eine unangenehme Sache, an der wir zwar keine Schuld hatten, die uns dennoch etwas mitnahm.


Die Alpe Dornach erwies sich als wĂŒrdige letzte Station im AllgĂ€u. Wir folgten dem Tipp von Sonja hier einzukehren. Leckere Speisen, die auch vegetarische und vegane Optionen boten und zudem liebevoll und kunstvoll angerichtet waren, krönten den letzten Urlaubstag. WehmĂŒtig verließen wir den SĂŒden Deutschlands und begaben uns Richtung Wild-West-Germany. Löön recherchierte auf dem Heimfahrt noch einmal die Entstehung der Alpen und auch hier kamen wir zu einer Erkenntnis: Bei der Verschiebung der Erdplatten, hatte sich ĂŒber Jahrmillionen die europĂ€ische Platte Tief ins Magma der Erde eingegraben. „Sollte also Holland einmal in Not sein, könnten wir Material aus dem Erdarchiv zurĂŒckholen.“


Wichtigste Utensilien wÀhrend der Tour:

  • Gesichtsmaske
  • Schnutenpulli
  • MaultĂ€schle
  • Mund-und Nasenschutz
  • Maulkorb 

*** 

„Die Natur ist die beste
FĂŒhrerin des Lebens.“ - Cicero















Heimische Naturtalente

"Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das GlĂŒck ergreifen,
Denn das GlĂŒck ist immer da." - Goethe

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Nie im Leben wĂ€re ich darauf gekommen "Weltenburger Enge" zu googeln. Geschweige denn, dass ich jemals davon gehört hĂ€tte. Manchmal frage ich mich, ob der deutsche Tourismus absichtlich unter den Teppich gekehrt oder als so langweilig dargestellt wird, dass man ĂŒberhaupt keine Lust hat sich damit zu befassen. 

Ich traute meinen Augen nicht, als wir den Donaudruchbruch in Augenschein nahmen und bizarre Felsformationen durchquerten. Noch mehr ĂŒberraschte mich, welch einen natĂŒrlichen Weg die Donau durch ein Land wie Deutschland einlegen durfte. In diesem Naturschutzgebiet gab es keine Normen, keine Vorschriften, - ja, noch nicht mal Absicherungen oder Warnhinweisschilder. 

Naturbelassen. Idyllisch. Schattiger Mischwald. Flowige Trails. Wohltuende Ruhe. Frischluft. Und ein einzigartiger, atemberaubender Ausblick am Ende des Wanderweges.

Man kann diesen Teil der Donau und dieses Naturmonument "Weltenburger Enge" auf so vielfĂ€ltige Weise erkunden und bei warmen Wetter noch bis in die Abendstunden genießen, dass man zwischendurch vergisst in der Heimat zu sein. Ist das wirklich ein Teil von Deutschland?

Meine Mama hatte mir den Trip noch vor Corona zu Weihnachten geschenkt. Eigentlich wollten wir uns ein musikalisches Highlight bei den sommerlichen Schlossfestspielen im Innenhof des Thurn-und Taxes Schlosses ansehen, welches aufgrund der aktuellen Sonder-Situation jedoch ausfiel. 

Umso mehr beeindruckte uns die Stadt Regensburg, die ich bislang mit viel Regen in Verbindung gebracht hatte. Regen, das ist jedoch nur ein Zufluss der Donau, die sich mit mehreren Armen durch die Stadt und unter der markanten, steinernen BrĂŒcke durchschlĂ€ngelt. Eine BrĂŒcke, die wie ein Magnet wirkt und an lauen Sommerabenden fĂŒr ein GlĂ€schen Wein mit Sonnenuntergang einlĂ€dt. Mehr braucht man wirklich nicht. Momentaufnahme.

Regensburg, das war einmal eine Handelshochburg. Bettler, Arme und Gaukler hatten es aufgrund des Wohlstandes nicht ganz so schwer, doch blieb auch diese Stadt nicht vor fragwĂŒrdigen Foltermethoden und dem Nationasozialismus verschont. Der markanteste Platz ist vermutlich das Judische Viertel und jetziger Neupfarrplatz. Wo heute eine evangelische Kirche steht, befand sich im Mittelalter eine Synagoge. Nach Vertreibung der Juden im 15. Jahrhundert, wurde der Platz der katholischen Wallfahrtskirche gewidmet und zwischenzeitlich fĂŒr historische Ereignisse, wie die Soldatenrevolte, Ausruf der RĂ€terepublik und als Schauplatz der BĂŒcherverbrennung genutzt. 

Heute hat sich die Stadt zu einem Geheimtipp im deutschen Tourismus entwickelt. Schöne, gute erhaltene, historische Bauwerke vereinen sich mit ĂŒberwiegend nachhaltiger Gastronomie, die mit dem Zahn der Zeit geht und großen Wert auf regionale und hochwertige Lebensmittel, sowie ein optisch ansprechendes Endprodukt legt. Nicht zu vergessen ist bei einem Besuch die "Historische Wurstlkuchl", eine Wurstbraterei, die schon seit 850 Jahren im Familienbesitz betrieben wird und quasi der Ă€lteste Fast-Food-Stand der Welt ist.

Regensburg, das kann mich nicht nur, sondern muss man weiter empfehlen. Ein StĂŒck Deutschland auf das man, was Natur, Kultur, FusionskĂŒche und heutige Weltoffenheit angeht, wirklich stolz sein kan.

Empfehlenswerte Gastronomie:

  • The Gardener's Nosh (Greenhouse Concept)
  • ANNA liebt Brot und Kaffee (Deutsch)
  • BODEGA vinos y tapas (Spanisch)
  • KeltenstĂŒberl (Thai)

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"Und alles zusammen, alle Stimmen, alle Ziele, alles Sehnen,

alles Leiden, alle Lust, alles Gute, alles Böse, alles zusammen

war die Welt. Alles zusammen war der Fluss des Geschehens,

war die Musik des Lebens." - Hermann Hesse