Posts mit dem Label Italien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Italien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Romulus

(Für Lio)


Rom. Ewige Stadt. Isso, weil voll antik und Weltkulturerbe und so. Affe Romulus war schwer beeindruckt. Er kannte ja auch bis dahin nichts weiter als seinen braunen Plastikkorb, die Bananen, den Plastiktukan und seine einzige Aufgabe Gold zu klauen oder zu verstecken. Niemals zuvor hatte er das verstörende Geräusch von tausend klirrenden Scherben, morgendliches Stimmengewirr zig verschiedener, menschlicher Sprachen, den monotonen, durchdringenden Sound eines italienischen Krankenwagens oder einen Chorgesang hunderter, prozessierender Katholiken in einer riesigen, klangvollen Kathedrale gehört. „Wow, bin schwer beeindruckt.“ sprach er, als er arg erschöpft die ersten 231 Treppenstufen hinter sich brachte und auf der Aussichtsplattform des Petersdom stand. „Warum bauen die Menschen so was krass hohes und schleppen sich die Treppen hier keuchend hoch?“ fragte er, die sich ihm nähernde Möwe. „Wegen Aussicht und so. Und Macht.“ „Ach so Möwe, alles klar. Und was machst du so hier?“ „Genieß die Weite. Echt nice hier oben. Und ich kann das Meer von hier aus fast sehen.“ „Warum bist du nicht am Meer?“ „Kene Fische mehr. Gastronomie ist echt viel besser hier. Wegen Tourismus, verstehste? Ist wie Schlaraffenland hier. Die lassen alles Gute liegen. Gelato, Tiramisu und mega Pizzarand.“ „Nicht schlecht Möwe, versteh ich voll.“ „Isso Affe, aber das Meer fehlt mir schon. Die salzig freshe Brise. Und der Fischgeruch. Oh man, der Fisch.“ „Weiß nicht Möwe, war noch nie am Meer. Aber hört sich echt nice an.“ 


Der Affe marschierte die restlichen 320 Treppenstufen hinauf. „Voll eng hier die letzten Meter, kriegt man ja Platzangst.“ Aber was ne Aussicht. „Ey Möwe, warum stehn die Menschen so lang an für den Vatikan? Hab ma gehört, dass die doch alle austreten aus der Kirche und so. Warum wolln die denn jetzt unbedingt wieder da rein?“ „Das wes ich auch nicht so genau. Glaub die finden das schön. Also, das fette Gebäude hier. Und wegen Kultur und so. Und vielleicht wegen so was wie Erleuchtung.“ Der Affe schaute sich noch die vatikanischen Museen und die Sixtinische Kappelle an und das ganze Gold was da so lag. „Bin echt geflasht. Die Menschen sind schon krass. Bauen und malen wie die Weltmeister.“ 


In Trastevere, abseits des Tiber, war’s am schönsten. Weil das war schon fast wie Heimat. So wie nen altes, schickes Dorf in Rom. Lecker Essen. Prima Bars. Und gutes Frühstück. Im Cambio gabs sogar manchmal Livemusik. Und im Delirium schöne, rosa Elefanten. „Ey Elefant, was hängsten hier so ab?“ „Menschenbeobachtung. Voll interessant.“ „Menschen kann man auch gut am Trevi-Brunnen beobachten.“ erzählte der Affe. „Die machen immer Fotos von sich. Also nicht nur eins. Hunderte. Und dann schimpfen die den anderen Menschen, weil der nicht richtig fotografiert hat. Und dann gibt es viele Diskussionen. Und dann müssen wieder neue Bilder gemacht werden. Immer so weiter. Bis sie dann irgendwann unzufrieden abziehen. Der Brunnen ist ihnen, glaub ich, egal.“ „Kann sein Affe. Aber chill mal. Viele Menschen sind auch gut drauf.“ 


„Mensch Möwe, verfolgst du mich? Hast mich voll erschreckt.“ „Sorry Affe, dachte du wärst Schoki“ Im Kolosseum war’s echt entspannter. Weil die Leute sich besser verteilten und einem nicht so dicht auf dem Fuß standen. Außerdem konnte man einfach über Absperrungen klettern, ohne dass man von einer Trillerpfeife zurückgepfiffen oder von der Schweizer Garde zurechtgewiesen wurde. Und sonnig war’s. Mega. „Möwe, warum ist das denn hier so‘n Weltwunder? Is doch gar nicht so toll wie das ganze Gold im Vatikan oder das leckere Essen in Trastevere?“ „Kein Plan Affe, ist halt so abgestimmt worden. Hab mal gehört, dass das  so das größte Amphitheater im antiken Rom war.“ „Was is ein Amphitheater, Möwe?“ „Na, das ist wie so nen Zirkus. Aber mit Menschen drin. Gladiatoren, die sich bekämpfen.“ „Versteh Möwe. So wie Krieg?“ „Ne, nur so gespielt.“ 


Der Affe marschierte noch die spanischen Treppen herauf, besuchte die Engelsburg, das Forum Romanum und das Pantheon, die vielen antiken Kathedralen, Kirchen, Monumente und Brunnen und war auf einmal ganz voll im Kopf von den vielen Eindrücken und Informationen. Am Largo Di Torre Argentina fand er endlich ein ruhiges Plätzchen und setzte sich auf die Mauer. „Hey Affe, was machst‘n du hier?“ fragte eine anstreunernde Katze. „Kurze Pause. Voll viel los hier in Rom.“ Plötzlich erblickte er eine ganze Katzenkolonie in den Tempelruinen. „Och nö.“ dachte sich der Affe. „Voll anstrengend so Katzen. Erst wolln se was von dir und dann bist du denen piepegal und kratzen dich am Ende noch ganz fürchterlich.“ Einmal hatte der Affe so richtig eine ins Auge bekommen von so ner Katze. Da waren Hunde einfach besser. Entweder sie machten dir direkt den Gar aus oder du warst der beste Kumpel für immer und alle Zeiten. „Affe, jetzt komm mal klar. Wir leben hier. Ist unsre Heimat.“ sprach die Katzenanführerin. „Und wir sind auch voll fame. Weil Julius Cäsar wurde hier ermordet.“ „Wer ist dieser Cäsar?“ wollte der Affe wissen. „Ach so‘n antiker Typ. Der kam, sah und siegte. Hat auch so ägyptisches Zeug hier angeschleppt.“ „Puh Katze, hört sich voll interessant an. Aber ich hab die Ohren voll mit römischen Geschichten. Komm gar nicht mehr klar.“ „Ja, musst mal sacken lassen Affe. Ist schon wild hier.“ 


Nach fünf Tagen flog der Affe Romulus wieder heim. Er hatte ne Menge gesehen und erlebt. Voll schöne Beobachtungen gemacht und die Welt ein bisschen besser verstanden. Trotzdem gabs auch ne Menge, die er nicht kapiert hat. Aber das gehört wohl dazu. Dass das Leben ein Rätsel bleibt. 














Category: , 0 Kommentare

Alta Badia 🇮🇹

[Gasbeitrag von becks]

Sonntagmorgen, Abfahrt Aral Tankstelle Herborn: 'Hä? Wieso fährst du denn links, Kristin? Wir müssen doch nach rechts auf die Autobahn Richtung Gießen, Resi & Jana abholen’ tönte Becks um 5.10 Uhr durch den Bus, der eigentlich schon für 5.20 Uhr in Gießen angesagt war. ‘Wir müssen doch nach Fleisbach Löön einsammeln’ konterte Kristin, ‘die will schließlich auch gern noch mit’. Huch, da hatten wir ja zu Beginn schon fast jemand Wichtiges vergessen.. wer hätte denn sonst auch unsere mitgeschleppten Essensvorräte für zwei Wochen schnabulieren sollen..

Um 6.00 Uhr rollte der Kleinbus inklusive leichtem (Ironie?!) Gepäck und gesamter Crew endlich auf die Autobahn Richtung Süden. Unser Ziel: Südtirol, St. Kassian in Alta Badia. Ein perfekter Ort für Sonne, Schnee, Ski, Boards und Spaß. 🇮🇹⛷🏂🏔☀️

‘Karl Lagerfeld wäre stolz auf uns’ sinnierten Becks und Kristin, die sich trotz der frühen Stunde und der bevorstehenden stundenlangen Autofahrt in eine ordentliche Jeans geworfen hatten, während alle anderen Mitreisenden den Chill-Out-Look bevorzugten. Mit diesem beruhigenden Gedanken und nach einer ereignisreichen Fahrt (Details hierüber nur auf persönliche Nachfrage) erreichten wir nach endlosen zehn Stunden unser Ziel: unsere Ferienwohnung "Residence Costes". Ein schicker und sauberer Zufluchtsort nach langen Skitagen erwartet uns und es fehlte wirklich nichts. Naja außer: Spüllappen, Wasserkocher, Backofen, Pfanne, Klopapier, Salz, Pfeffer, Essig, Öl und Tee (quasi unsere erwartete Grundausstattung der Unterkunft). ‘Ach, das ist doch nicht schlimm Leute, schaut doch mal wie schön es hier ist’ rief Jana, unsere neue Lehrerfreundin, die zum ersten Mal mit uns unterwegs war. Mit ihrer herzlichen Art hatten wir sie sofort ins Herz geschlossen und hätten sie überallhin mitgenommen. ‘Wir haben es soo toll hier, das wird eine schöne Zeit’ freute sie sich und man konnte gar nicht anders als ihr zustimmen. Nach Auspacken und der Essenszubereitung durch Ivana (die uns schon beim letzten Urlaub mit ihren grandiosen Kochkünsten verwöhnte) schmiedeten wir bei selbstgemachten Spaghetti Bolognese Pläne für die nächsten Tage. Ruck Zuck endete der Tag im Boarding-Modus, schließlich hatten wir am nächsten Morgen viel vor. ‘Um 9.00 Uhr am Lift, Leute’ tönte es von Resi noch durch die Wohnung. Da war sie wieder: Die Frau, die diesen Urlaub so perfekt geplant hatte und den Ort und die Umgebung wie ihre Westentasche kannte. ‘Hach, auf die Reiseleitung ist einfach Verlass, wir müssen uns um nichts kümmern’ stellten alle beruhigt fest und gingen mit riesiger Vorfreude schlafen.

Am nächsten Morgen erwartete uns ein grandioses Frühstück mit allem was das Herz begehrte. Löön fand sich im Paradies wieder und legte einen 2 km Lauf zwischen Buffet und Esstisch hin, um alle Köstlichkeiten auszuprobieren. ‘Mensch Löön, wie lange willst du denn noch essen, wir müssen los...’ rügte Resi ihr Gegenüber und starrte auf den Teller, auf dem zu guter Letzt noch vier Muffins, drei Waffelherzen und zwei Croissants Platz gefunden hatten. ‘Wir brauchen doch eine gute Grundlage’ entgegnete Löön und schob sich den letzten Bissen in den Mund. 

Und dann endlich ging es rauf auf den Berg. Vier Skifahrer und zwei Boarder machten sich auf den Weg Richtung Piste. Die ersten Meter auf den Brettern waren wie immer etwas gewöhnungsbedürftig, aber schon nach einer halben Abfahrt waren wir alle zurück im Modus. Leicht bewölkter Himmel, Sonne, Schnee und top Pistenverhältnisse begleiteten uns durch die nächsten Tage und wir alle waren mehr als froh und dankbar hier sein zu dürfen. ‘Wir sind so Glückspilze, Mädels’ freute sich Jana mit ihrer überragend motivierenden Art für uns alle nochmal doppelt und dreifach mit. Wunderschöne Pisten in sämtlichen Schwierigkeitsgraden und wenig Trubel sorgten für entspannte Abfahrten, bei denen jeder auf seine Kosten kam.

An Tag vier hatten wir uns ein besonderes Schmankerl vorgenommen: die "Sella Ronda" auf Ski und Board. ‘Auf gehts Leute, wir müssen uns ranhalten, wir haben 70 Pistenkilometer vor uns’ mahnte Resi zum Aufbruch, während Becks sich nicht zwischen ihren beiden Skianzug-Outfits entscheiden konnte. ‘Leute, so einfach ist das nicht, das Auge fährt schließlich mit’ erörterte Becks und griff gleichzeitig noch zu Kamm und Bürste, um sich eine Flechtfrisur unter den Helm zu zaubern. ‘Ach ja, ich muss mir auch noch die Haare machen’ rief Resi und verschwand ebenfalls nochmal im Bad, während der Rest der Truppe kopfschüttelnd, fix und fertig angezogen im Flur stand. ‘So ist das halt, wenn ihr die zwei Tussis mitnehmt’ entschuldigte sich Resi und Becks versprach sich beim nächsten Mal etwas mehr zu beeilen (Wann genau das war, konnte hinterher niemand mehr sagen).
Endlich konnten wir los und Resi weihte uns in die bevorstehende Route ein. Es war grandios und die Verhältnisse hätten nicht besser sein können. Es hatte die Nacht zuvor geschneit und nun empfing uns wolkenloser Himmel mit purem Sonnenschein. Frischer Pulverschnee und eine malerische Bergkulisse entschädigten für die leicht frischen -13 Grad auf dem Berg und die atemberaubende Umgebung der imposanten Dolomiten waren definitiv jede Anstrengung wert. Resi lotste uns sicher über sämtliche Höhen und durch alle Täler und hatte immer die geographische Oberhand, wenn alle anderen orientierungslos umherirrten. Jeder Lift und jede Gondel waren perfekt getimed und so schafften wir tatsächlich nach acht Stunden auf den Brettern diese großartige Tour. Perfekte Bedingungen und eine Skiführerin à la Carte ermöglichten uns dieses Erlebnis - 
bis auf den letzten Metern dann doch noch etwas schiefging. Wir mussten ja noch zurück auf unsere Heimatpiste und hatten uns naiverweise vorgenommen, zum Abschluss noch über die Pista del Sole (unsere Lieblings-Sonnenpiste) abzufahren. Wir schauten kurz auf die Uhr, es war 15.43 Uhr. Letzte Liftfahrt: 16.30 Uhr. ‘Wir müssen noch zwei Pisten runter, um den letzten Lift Richtung Talabfahrt zu erreichen’ erklärte Resi und erläuterte uns noch kurz die aktuelle geographische Situation. ‘Wir schaffen das’, da waren wir uns alle im Angela Merkel-Stil einig und schlossen gemeinsam das Dreieck. ‘Aber Leute, Sicherheit vor Schnelligkeit’ warf Löön noch in den Raum und alle nickten bedächtig. Nachdem die Gondel uns um 15.58 Uhr auf dem Berg Boé absetzte, hatten wir noch eine Buckelpiste, eine Liftfahrt und eine blaue Piste vor uns, um dann mit dem allerletzten Lift ans Ziel zu kommen. Um 16.11 Uhr kam Resi als erste unten am Lift an, der sich in einer kleinen Talsenke befand, und musste erschrocken und tief deprimiert feststellen, dass dieser Zubringer bereits um 16.10 Uhrseine Tore geschlossen hatte. Da war er hin unser schöner Plan! Während sich nach und nach Kristin, Jana und Ivana ebenfalls an besagtem Lift einfanden, waren Becks und Löön noch auf der Piste zugange und fuhren nichtsahnend von dem eh schon misslungenen Plan in ihr Unglück. Die beiden kamen unten im Tal an und sahen dann vor sich jeweils links und rechts genau eine Liftoption. Weit und breit war niemand sonst zu sehen. ‘Wo sind die anderen denn?’ rief Löön Becks zu, die schon nach links Richtung Sessellift boardete. ‘Hier hab ich eben Kristin reinfahren sehen’ antwortete Becks, ‘ich bin mir aber nicht hundertprozentig sicher’. ‘Ist das nicht die falsche Richtung?’ fragte Löön. ‘Der fährt doch wieder da hoch, wo wir hergekommen sind..’ ‘Aber da war jemand, der sah aus wie Kristin und hat auch mit dem Stock gewunken, dass wir hier rein sollen.’ ‘Wo sind wir denn hingekommen, dass die jetzt schon einfach ohne uns fahren’ wetterte Löön und stieg missmutig mit Becks in den Premium-8er Sessellift ein. Niemand war zu sehen und auch sonst war fast kein Mensch mehr zu finden. Als sich der Bügel schloss kam die Erkenntnis: ‘Ich glaube wir sind falsch’ gab Löön vorsichtig von sich und Becks nickte verwirrt. ‘Scheiße, und jetzt? Die anderen bringen uns um. Wir hatten doch eh schon keine Zeit mehr und jetzt verpassen wir alle Lifte, weil die auf uns warten müssen.’ Angst stieg in uns hoch. ‘Es nützt nix, wir müssen jetzt rauf und dann zusehen dass wir ganz schnell wieder runterkommen’ sagte Becks. In dem Moment klingelte das Handy und Kristin fragte nach dem aktuellen Standort. ‘Wo seid ihr denn, Leute?’ ‘Wie, ihr seid im Sessellift? Das ist falsch, ihr müsst den anderen Lift nehmen!’ Ja, das haben wir selbst gemerkt, aber dann wissen wir ja jetzt Bescheid. 
Oben angekommen fuhren wir ein zweites Mal im Affenzahn die schrecklichste Piste des Jahrhunderts ab, immer mit dem Gefühl im Bauch, gleich vom Rest der Crew gesteinigt zu werden, weil der Plan wegen unseres Denkfehlers dahin war. Zum zweiten Mal unten am Lift angekommen (die Uhr zeigte mittlerweile 16.25 Uhr) stiegen wir in den rechten Sessellift ein. Wohlwissend, dass wir diesmal richtig waren. Auf dem Weg nach oben ein erneutes Telefonat. ‘Wir warten hier auf euch’. ‘Ok, jetzt wird’s’ sprachen Löön und Becks sich gegenseitig Mut zu. Oben auf der anderen Seite des Berges angekommen sprangen die beiden aus dem Lift und dort stand.. niemand. ‘Ich dachte die warten hier auf uns, das kann doch nicht wahr sein’ schimpfte Löön. ‘Wo müssen wir denn jetzt nur hin?’ fragte Becks. Vor uns standen 15 Hinweisschilder in sämtliche Himmelsrichtungen mit Namen, die wir zwar schon mal gehört hatten, aber die keiner von uns beiden geographischen Nieten richtig zuordnen konnte. Die Uhr zeigte 16.40 Uhr an. Die Dämmerung setzte langsam ein und weit und breit waren nur noch vereinzelt andere Skifahrer zu sehen. Ein klein wenig Panik stieg in uns hoch. Dann endlich der erlösende Anruf. Teresa Schmitt, die Koryphäe des Alta Badia Skigebietes fragte am Telefon sachlich und beruhigend nach unserem aktuellen Standort und teilte uns nach fünf Sekunden Überlegung mit, dass uns die rote Piste Nummer 29 sicher zurück zum eigentlichen Treffpunkt führte. Unendlich dankbar schnallten wir unsere Bretter fest und fuhren die angegebene Strecke hinunter. Und endlich war der Rest der Crew zu sehen. Unten, an einem zusätzlichen dritten Lift versammelt, der hinter einer Kurve lag und deshalb von uns nicht geortet werden konnte. ‘Oh man Leute, es tut uns so leid, wir haben’s vermasselt’ gaben Löön und Becks kleinlaut zu und senkten die Köpfe. ‘Wo seid ihr denn auch rumgefahren, ihr Dussels’ fragten die anderen kopfschüttelnd. ‘Wir lassen doch niemand alleine den Lift hochfahren, das haben wir doch noch nie gemacht!’ und lachten dann über unsere Unfähigkeit auch nur den Hauch einer Himmelsrichtung zu erkennen. ‘Jedenfalls kommen wir hier jetzt nicht mehr weiter’ sagte Resi, ‘der Lift hatte schon zu als ich vor einer guten halben Stunde hier unten ankam’. Es dauerte eine Weile bis Löön und Becks begriffen, dass die zwei fatalen Fehlentscheidungen nichts an dem Geschehen geändert hätten. Selbst wenn alle direkt den passenden Lift erreicht hätten, wäre die Tour dort zu Ende gewesen. ‘Das ist die schönste Nachricht des Tages, es lag gar nicht an uns’ freuten sich die beiden Unglücksraben erleichtert. ‘Ach Leute, das ist doch alles nicht schlimm, wir haben die Sella Ronda geschafft, was wollen wir denn mehr? Schaut doch mal was für einen wunderschönen Tag wir hatten! Und wir kommen jetzt auch irgendwie heim’ sprach Jana uns wieder einmal so positiv zu, dass wir alle trotz der nicht ganz perfekten Lage ein kleines Grinsen im Gesicht hatten. Eine halbe Stunde später saßen wir bei einer heißen Schokolade mit Sahne für die Seele im gegenüberliegenden Hotel und warteten auf unseren italienischen Taxifahrer. Mit viel Überredungskunst und einem Paar Ski als Pfand konnten wir ihn davon überzeugen, nach seiner regulären Fahrt zurückzukommen, um uns an Ort und Stelle abzuholen. Zwei Stunden später saßen wir bei einer echten, italienischen Pizza (Belohnung muss sein) in unserem Heimatdorf am Tisch und erörterten die Ereignisse des Tages. ‘Morgen ist schon unser letzter Tag, wie schade’ stellten wir gemeinsam fest. ‘Dann können wir uns ja endlich zum Abschluss nochmal die Weltcup-Abfahrt und fünf schwarze Pisten runterstürzen’ freute sich Kristin begeistert, ‘die roten und blauen sind ja nun mal wirklich nicht steil oder??’ Wir staunten über die anscheinend mehrtägige Unterforderung unserer Kamikaze-Queen und gelobten Besserung. ‘Vielleicht beim nächsten Mal, morgen wollen wir doch nochmal auf die rote Sonnenpiste Mädels oder?’ Alle nickten einstimmig, während Kristin gedanklich ihre morgige Profi-Route studierte. Zurück in der Unterkunft teilten wir unseren Followern noch die Ereignisse des Tages mit, ehe wir unsere Sachen zusammenpackten und anschließend todmüde ins Bett fielen. 

Am Abreisetag nahmen wir nochmal das Standardprogramm der letzten Tage mit: grandioses Frühstück, purer Sonnenschein, perfekt präparierte Pisten, reichlich Spaß, leckeres Hüttenessen und die legendäre Bergkulisse bei der allerletzten Talabfahrt erfüllten nochmal alle Erwartungen an einen ereignisreichen Trip. Als wir uns im Tal mit einem dicken Grinsen im Gesicht und mit den Worten ‘verletzungsfrei check’ abklatschten, waren wir mehr als dankbar über die Erlebnisse der letzten Tage. 
Glücklich und zufrieden packten wir unsere restlichen Sachen in den Bus und machten uns auf den Weg Richtung Heimat. Ein unvergesslicher Urlaub und tolle Erinnerungen an die gemeinsame Zeit werden uns die nächsten Tage und Wochen noch begleiten. Und wir sind alle echt dankbar, dass diese Reise trotz der aktuell schwierigen Zeit überhaupt möglich war.

In diesem Sinne: Mille Grazie Alta Badia, wir kommen definitiv zurück🇮🇹❤️☀️🏔🏂⛷








Cover me in sunshine.

4-tägige Hüttenwanderung in der Geislergruppe. Campil - Schlüterhütte - Regensburgerhütte - Puezhütte. Großer + Kleiner Peitlerkofe, Piz Duleda und östliche Puezspitze. Sellaronda mit dem Mountainbike.

Bella ciao!

"Die Normalität ist eine große gepflasterte Straße;
man kann gut darauf gehen - doch es wachsen keine Blumen auf ihr." - Vincent van Gogh

"Es ist 5:37 Uhr, guten Morgen Kumpel!"- Es war schier unglaublich. Trotz, dass wir immer die Ersten beim Aufstehen waren und mit als die Ersten am Frühstückstisch saßen, waren wir trotzdem jedes Mal die Letzten, die von der Hütte wegkamen. Auch am letzten Wandertag sollte sich das nicht ändern und ich fragte mich, ob dies an der, künstlich in die Länge gezogenen, Frühstückszeremonie, dem ständigen Suchprogramm von Sachen oder der Tatsache, dass wir einfach von Frauen waren, lag.
Wir hatten uns am Tag zuvor entschlossen unsere Wanderroute zu ändern und den dritten Gipfel am letzten Tag zu besteigen, damit wir nicht nur Abstiegspassagen hatten. Wir setzten noch mal alle verfügbaren Reserven der Lokomotive Mittelhessen in Gang und tuckerten die östliche Puezspitze, auf 2.913 Meter, hinauf. Der Gipfel war völlig verwaist und so konnten wir das ganze dolomitische Bergpanaroma genüsslich aufsaugen. Die Stille genießen. Natur pur spüren. Und das plötzlich verfügbare, mobile Datennetz zum Glühen bringen. Selbst Löön ließ sich zu einem Selfie auf der Gipfelspitze hinreißen. Ich glaubte meinen Augen kaum, dass sie ihr Endgerät überhaupt in greifbarer Nähe hatte und in in diesem Moment telefonisch erreichbar gewesen wäre!


Wir kehrten pünktlich zur Mittgaspause noch einmal in unserer lieb gewonnene Puezhütte ein und nahmen, neben einem kleinen Mittagssnack, noch einen letzten Absacker in Heuschnapsform ein. Dieser war auch bitter nötig, denn was anschließend als Abstieg folgte, forderte abermals Höchstkonzentration und Schwindelfreiheit. Die alles andere als Knie-schonende Passage, durch einen lang gezogenen, steilen Felsen, wurde abermals zu einer kleinen Herausforderung. "Leaving comfort zone" wurde Laris Lieblingsspruch und ich gab nur noch Anweisungen an die beiden Go-Pro Trägerinnen für ordentliches Bildmaterial zu sorgen, da ich selbst, mental nicht mehr dazu in der Lage war. 


Ohne Stürze und Verletzungen gelangten wir in gemäßigtere Gefilde und erreichten langsam, aber sicher die Baumgrenze. Ab da an zog sich der Rückweg wie Gummi. Kristin spürte ihren Zehen nicht mehr, Lari und Sonja klagten über Knieschmerzen und ich kämpfte gegen den enormen Sonneneinfluss an. Nur Löön schien noch wohlauf und allseits bereit. Aufgrund einer Wegsperrung, mussten wir auf den letzten Metern noch einen Asphalt lastigen Umweg einnehmen, erreichten schlussendlich jedoch unser Ziel, an dem unser Fahrzeug 4 Tage auf uns gewartet hatte. Kurvenreich gelangten wir gegen 18 Uhr nach Corvara, unserem Beherbergungsort für die nächsten Tage und verspeisten dort die köstlichste Pizza Italiens. Eccezionale!


Am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege. Sonja und Lari hatten sich, in weiser Voraussicht, gegen den Moubtainbikekurs und die anschließende Tour entlang der Sellaronda entschieden. Anstattdessen wurde gewandert und Jimmy's Hütte aufgesucht, die einen Alleinunterhalter für die musikalische Untermalung zu bieten hatte, von dem die beiden Ladys noch Tage später schwärmten. Währenddessen erlernten Kristin, Löön und ich auf einem "Spielplatz" die Disziplinen "sicheres Bremsen auf Schotter", "Gleichgewicht halten" und "Staffelübergabe auf dem Rad". Tourguide "Alex" war das Beste, das uns passieren konnte. Er gab nicht nur hilfreiche Tipps und Anweisungen, die selbst Löön und Kristin neu waren, sondern blieb auch mit mir sehr geduldig, da ich nicht unbegründet als unsicherste Fahrerin galt. Wir waren noch nicht richtig losgefahren, da legte sich Kristin schon im weichen Schotterbett, verletzungsfrei, hin. "Gut, dass dir das hier unten passiert, morgen werden wir sehr viele dieser Passagen haben." Uff, das war schon mal eine Ansage und uns wurde klar, dass Sonja spätestens hier ausgestiegen wäre. Als wir zum Training den ersten Berg hinter Alex hinterher hechteten und die erste Testpassage erreichten, wussten wir warum Lari eine sehr weise Entscheidung getroffen hatte, als sie die Wanderung am Morgen gewählt hatte. Lediglich mir war nicht klar, warum ich nicht so schlau gehandelt und mich den beiden angeschlossen hatte, denn schon bei der ersten Hürde kapitulierte ich nach 3 Anläufen. "Du siehst Dinge, die nicht da sind", versuchte mir Alex zu erklären. "Aber da ist doch ein Fels und da hinter noch zwei Felssteine und Wurzeln und Schotter. Und ein Abhang." dachte ich mir. "Lass den Kopf die Linie zeichnen, entscheide dich für einen Weg und ändere ihn dann keinesfalls mehr um". Ok, das klang für mich sehr plausibel, aber was, wenn der Weg mir schrieb "Warum willst du das überhaupt fahren?!?"


Die Testphase lief ansonsten gut und nur der Rückweg ging Kristin und mir an die Substanz, kamen wir dem Tempo von Alex und Löön nicht annähernd bei. Zur Erholung und Entspannung ließen wir uns nachmittags an einem Biotop nieder. Herrliches Wasser. Blick auf die Dolomiten. Sonne. Der Tag endete für mich allerdings in einer Apotheke, hatte ich mich in dem nadelichen Gefilde wohl einem allergischen Schock ausgesetzt, der mein linkes Auge in einen kompletten Systemausfall versetzte. Kein Affengriff und auch kein Reset möglich. Augentropfen. Ruhe. Schlaf. 


Das linke Auge erwachte wieder zum Leben und somit fand ich mich am folgenden Tag in Fahrradmontur, Ellenbogen- und Schienbeinschonern, sowie einem neu erworbenen Helm, mit Kristin, Löön und Alex vor der ersten Gondel wieder. Die Achterbahnfahrt an der Sellaronda sollte beginnen. Es gab kein Zurück mehr. Schottergeröll. Steile Abfahrten. Wurzeln. Steine. Felsen. Kurven. Enge Passagen. Sessellift. Und das Ganze wieder von vorne. Lööns Augen strahlten und das Grinsen war nicht mehr aus ihrem Gesicht zu bekommen. Willkommen im Biker-Paradies. Ein bisschen Höhenmeter, ein bisschen schwitzen und dann wieder bergab. Downhill. Volle Konzentration. Auf den Weg. Auf das Fahrrad. Und auf die passierenden Wanderer. Unsere Fingerspitzen wurden wund vom Bremsen. Den rechten Zeigefinger spürte ich kaum noch. Immer in Affenhaltung auf dem Bike, Arme so weit wie es geht nach Außen und niemals die Contenance verlieren. Alex führte uns hervorragend, wies auf Schlüsselstellen hin und fuhr mit mir zwei Skiabfahrten separat, während die anderen beiden den schwarzen Waldtrail nahmen. Wir wurden sicherer. Ich fuhr "Wege" auf denen ich niemals gefahren wäre. Wurzelstufen, Steinvorsprünge, steile Abhänge. Der augewirbelte Staub flog uns um die Ohren, wir wurden schneller, schmetternden die Abfahrten hinunter.

"So, Juli, jetzt filme ich aber dich mal." Kristin wollte mir gut, hatte sie bisher nur Solo-Filmmaterial von Löön gesammelt. Ich legte mich ins Zeug und fuhr als mittlerweile „Schottermasterin“ über die Piste. Dann kam ein höherer Felssprung und ich unter die Räder. Ich schlug mit dem rechten Knie auf, das Fahrrad flog auf mich. Schmerz. Adrenalin. "Alles ist gut." Nach der Flugeinlage machten wir erst einmal Mittagspause. Ich warf mir eine Ibu ein, säuberte die Wundstellen und dann ging es weiter. Es gibt immer nur zwei Optionen: Aufgeben oder Staub abwischen und weitermachen.


Ich weiß nicht mehr wie viele Gondeln und Lifte wir hochgefahren und dann wieder runtergebrettert sind. Wir waren so hoch und dann in Windeseile wieder unten. Das hatte rein gar nichts mit dem Image-Video auf Youtube zu tun, welches mir noch vor 2 Monaten als Trailer für diese Tour präsentiert wurde (ansonsten hätte ich nämlich nicht gebucht ;-)). Die Achterbahnfahrt nahm kein Ende. Ich konnte nicht mehr, ein ganzer Tag war mir zu viel. Zum Glück hatte uns Alex mit dem vorletzten "Family Trail" noch ein Filetstück serviert. "Ein Trail für die Seele!", bedankte ich mich bei ihm, nachdem wir das 4-Kilometer lange Stück, mit vielen Kurven ohne Wurzeln und Steinen beendet hatten. Die letzte Abfahrt verlangte noch einmal alle Reservekräfte und Konzentrationsbatterien ab und Kristin legte sich an einer Stelle noch mal in die einzige Pfütze Südtirols, aber ansonsten blieben wir unbeschadet. Für alle Mountainbike-Fans ist dieses Adrenalin- und Achterbahnerlebnis nur zu empfehlen. - Am besten mit Guide und am besten mit Alex ;-)!

Ein letztes Mal kehrten wir in unsere Lieblings-Pizzeria "Fornella" ein, in der wir es uns mit hauchdünner Pizza, beträufelt mit Chili-Olivenöl, einem Zitronen-Sorbe und Abschlussschnaps noch einmal gut gehen ließen. Am nächsten Morgen verließen wir Corvara, vollgepackt und zwei große Heusäcken im geräumigen Kofferraum, die Sonja einem Bauern noch für ihre Hasen abschwatzte. Der Rückweg gestaltete sich nicht weniger kurz und wir benötigten abermals 12 Stunde Fahrzeit um nach Hause zu gelangen. Mein Knie pochte und schwoll an und freute sich schon auf den nächsten Tag, an dem ein Freundschaftsspiel zu bestreiten war. Doch Dank Ibu und einer wunderbaren Gesellschaft lässt sich vieles aushalten und bestreiten. Ein Hoch auf so eine bereichernde Konstellation an Menschen. 

Und was eine Tour! Aktiv+ und trotzdem erholt. Die Berge und besonders die Dolomiten, sind unvergleichlich. Balsam für die Seele. Eine kleine Tankstelle des Glücks bei all dem Chaos auf dieser Welt. Mille Grazie Dolomitis! :)

Erkämpfte Meter:

61,65 Bike-Kilometer
50,48 Wander-Kilometer
3.700 Höhen-Wander-Kilometer

 Top 3: unnütze Mitnahmen:
 1. "Green Pass"
 2. lange Jeans
 3. Corona Schnelltest

Top 3: wichtigste Mitnahmen:
 1. "Gitti" - Handdesinfektion mit Bergamot-Aroma
 2. Trinkflaschensystem
 3. Ibuprofen

"Gli occhi sono lo specchio dell'anima" - Die Augen sind der Spiegel der Seele.













Save your tears for another day.

„Schnaufi, schnaufi, ich schnaufe bis zum Schluss, ich bin ein Schnaufapparat.“ - Dolomitischer Chorgesang bei sämtlichen Aufstiegen.


Corona hatte - ohne Frage - auch Spuren bei uns hinterlassen. Wo sich Kristin in 2020 noch „unterdrückt“ gefühlt hatte, so bemerkte Sonja dieses Jahr, dass sie völlig unterwandert war. Die Höhenmeter machten nicht nur unseren ehrgeizigen, zwei Maschinen zu schaffen. Löön und ich bekannten uns schon nach wenigen Stunden zum Fan von Laris Wandertempo, die als Neueinsteigerin in unsere Wandertruppe gefunden hatte und Selis Platz nahtlos einnahm. „Ich mag ja wandern, aber DIESE BERGE!“


Wir waren am Samstag, nach 12 anstatt 8 Stunden Fahrt, in Südtirol angekommen. Wichtige Innenstädte, wie die von Stuttgart und Ulm, mussten auf der Bildungsreise mit erkundet werden, während uns unsere Navigationssprecherin mehrfach und hochmotivierend darauf hinwies, dass wir uns immer noch auf der schnellsten Route befanden. Zum Glück hatten wir die 25 Kilo Proviant an Board, die wir während der endlos vielen Staus, zu einem gefühlten Drittel bereits aufbrauchen konnten. 


In Stefansdorf angekommen, erstrahlte das neugebaute und schick eingerichtete Ferienwohnhaus, in der Abendsonne vor uns. „Letzter Luxus vor Hüttenleben.“ In einem riesengroßen Topf richteten Löön und Kristin im One-Pot-Verfahren ein vegetarisches Pastagericht an, während Lari den Aperol-Aperitif arrangierte und ich den Vorspeisenteller dekorierte. Gegessen hatten wir schließlich noch lange nicht genug! Sonja untermalte währenddessen die Kochsession mit einer Deutsch-Rap Playlist, da wir uns zum Ziel gesetzt hatten, bis zum Tourende alle Musikgenres einmal durchgehört zu haben. 


„Es ist 5:33 Uhr, guten Morgen Kumpel!“ richtete Mickey Mouse hochmotiviert die Worte an uns. Zerknirscht und verschlafen servierten wir das Frühstück und machten uns im Halbdunkeln auf nach Campil, unserem Startpunkt für die 4-tägige Wanderung. Wir hatten noch keine 50 Meter zurückgelegt, da hörte man schon die jährlich bekannten Reklamationen. „Boah, ist das heiß, ich muss erst mal abzippen!“ „Der Rucksack sitzt nicht richtig!“ „Wo ist eigentlich die Mülltüte?“ „Ich finde es ist jetzt mal Zeit für ein Image-Foto.“ und „Mist, ich habe meine Stöcke stehen gelassen.“ 


Nachdem die üblichen Startschwierigkeiten überwunden waren, führte uns der Weg, bei bestem Kaiserwetter, entlang von alten, hölzernen Mühlen, vorbei an der Baumgrenze bis hin zu einer Windows-XP Wiesen-Landschaft, die ein kleines Dorf mit Holzhütten, inmitten eines saftig-grünen, hügeligen Gras-Terrain offerierte. Die Höhenmeter machten sich bei allen Beteiligten im Atmungsbereich bemerkbar und Lari forderte eine zweite, externe Lunge. „So eine Cloudlösung für ein weiteres Sauerstofforgan wäre gar nicht so verkehrt.“ Bis zur Scharte und Halbzeit des 8-stündigen Aufstiegs, führten undankbare Stufen, die auch unsere zwei Maschinen an ihrer Grenzen trieben. Danach wurde es kantig bis schottig. Der lose Untergrund forderte höchste Konzentration und Trittsicherheit. Lari musste die Operation „Hüttenwanderung“ mehrfach, still fluchend, in Frage gestellt haben und auch ich rief bei jeder Gelegenheit den „Maschinenstopp“ aus, damit Lokomotive Mittelhessen nicht gänzlich auseinander driftete. Unsere erste Gipfelspitze, den kleinen Peitlerkofel, auf 2.813 Metern, erreichten wir gegen 14:00 Uhr. „Ja prima, dann können wir ja noch deh großen Kofel machen.“ grinste Löön und ich schaute ungläubig auf den unwegsamen Klettersteig, der steil in die Höhe führte. „Meint ihr wir schaffen das vor dem angekündigten Gewitter?“ fragte Sonja, die zwar vor Motivationshoch kaum zu stoppen war, die Gefahr der Berge jedoch nicht unterschätzte. Dank hervorragendem 4G-Empfang in italienischen Hoheitsgebieten, checkten Kristin und Löön postwendend das Wettergeschehen auf bergfex.com und gaben grünes Licht „Kein Wölkchen weit und breit.“ Wir näherten uns dem Einstiegspunkt und ich starrte zweifelnd zum Gipfel. Beim ersten Windstoß wand sich Lari an mich „Zeit für Kapitulation?“ Dankbar nahm ich die gedankliche weiße Fahne in die Hand. Während sich Lari und ich im immer stärker kalt werdendem Wartebereich des Gipfeleingangs aufhielten, marschierten Sonja, Kristin und Löön in einem Affenspeed den Klettersteig nach oben. Je mehr die drei sich dem Gipfel näherten, desto schlimmer zog sich die Suppe zu. Nach einer gefühlten Ewigkeit sahen wir unser Bergziegen-Trio von der Spitze wieder herunter galoppieren. Mittlerweile hatten Lari und ich sämtliche verfügbaren Kleiderstücke übergestreift, peitschte uns der gnadenlose Wind auf 2.500 Metern nur so um die Ohren. Kaum hatten die drei uns erreicht und wir unseren gemeinsamen Weg Richtung Schlüterhütte fortgesetzt, perlten die ersten Regentropfen an uns herunter. Sonja lauschte mit spitzen Ohren in die Ferne. Grollen. Leichtes Donnergeräusch. Und der Regen wurde stärker. Panisch warfen wir die Regencapes über unsere Rucksäcke, als ich feststellen musste, dass ich das falsche Objekt eingepackt hatte und nur ein Drittel des Backpacks bedeckt war. Gedanklich spielte ich die Konsequenzen im Kopf durch. Nasse Klamotten, nasser Schlafsack. Es war zum Heulen. In diesem Moment setzte der Hagel ein und schoss scharf von der Seite in unseren Laufweg. Es nützte alles nichts, wie spurteten den losen Untergrund weiter hinunter und hielten die Luft an, in der Hoffnung, dass sich das Gewitter eine Alternativroute suchen würde.


Da wir allesamt Glückspilze sind, wie wir wieder einmal feststellen mussten, stellte sich nicht nur das Grollen nach einer Weile ein. Nein, auch die Sonne kroch wieder vor den Wolken hervor und trocknete, auf der letzten Stunde Wanderweg, all unsere Klamotten, sowie meinen Backpack. Dem Himmel sei Dank! In der Schlüterhütte erwartete uns ein kleines Bettenlager, 3-Minuten Duschfreude, sowie warme Suppe, leckere Hauptgerichte und ein selbstgebrannter Hüttenschnaps mit dem Aroma Fichtennadelholz. Lecker. Schmecker.


„Es ist 22:00 Uhr, gute Nacht Kumpel.“ Die Mickey Mouse verabschiedete uns in die Hüttenruhe, die von manchen Gästen in der oberen Etage eher als Hüttengaudi verstanden wurde. Eine unruhige Nacht mit wenig Tiefschlafphase begleitete uns in den Morgen und ließ uns den nächsten Tag nur mit einer deutlichen Überdosis Kaffee überstehen. 


Starterfoto. „Muss noch mal auf‘s Klo“. „Hab meine Stöcke liegen gelassen.“ „Ach, ich zipp doch schon ab.“ - Die üblichen Umstände ließen uns mal wieder erst um 9 Uhr, statt um geplant 8 Uhr starten. 


„Du hast schon 150 Stockwerke hinter dir, gut gemacht Kumpel!“ Auch die gut gemeinten und motivierenden Worte Mickeys, sowie das grandiose Wetter und das unfassbare Bergpanorama, ließen die Anstrengung des erneuten Aufstiegs nicht ganz in den Hintergrund rücken. „Blood, sweat and tears.“ zitierte Lari Winston Churchill, als der nächste Anstieg folgte. Tourführerin Kristin hatte eine ausgeklügelte Route erarbeitet, die uns über Alternativwege zur Regensburger Hütte führen sollte. Fernab des Wandermainstreams, arbeiteten wir uns eine achtlos liegen gelassene Scharte hinauf, auf der weit und breit kein Wanderer zu sehen war. Einmal mehr gab der lose Untergrund unter jedem Schritt ein paar Steinchen frei, mit der man mühelos eine kleine Gerölllawine lostreten hätte können. „Konzentration Leute, nicht nachlassen.“ Die Fußballfloskeln ließen sich auch problemlos beim Wandern einwerfen, wie ich feststellen konnte. Der enge Schacht forderte uns mal wieder einiges ab, doch wir erreichten sicher das Ende mit Ausblick, an dem wir auch unsere Mittagspause einlegten. 


Während sich Löön Kortings Pefferbeißer zwischen die Zähne schob, Lari ihr zweites Brötchen verspeiste und Kristin genüsslich in den Apfel biss, wurde Sonja plötzlich hellhörig. Steingeröll. Scheppern. Abrutschgeräusche. Ihre Adleraugen wandten sich die Scharte hinab und sie erspähte einen einzelnen Wanderer, der uns wohl gefolgt war, dort unten aber weder vor noch zurück kam. Alarmierend rückte das Bergretter-Duo Sonja und Kristin aus, die sich den gefährlichen Weg wieder hinunter wagten, um den, in der Klemme sitzenden, Wanderer zu retten. Mit viel moralischer und mentaler Unterstützung gelang die Rettungsaktion und der Slowake wurde gesichert nach oben geführt. „Da waren’s plötzlich sechs. Na besser so als anders herum.“ Es stellte sich heraus, dass „Patrick“ ursprünglichen mit seinen Freunden unterwegs war, sich aber unten, aufgrund des besseren Bildmaterials, von seiner Truppe getrennt hatte und den Alternativweg unserer Scharte wählte. Fototourismus. Der neue unnatürliche Feind des Menschen. 


Gemeinsam stiegen wir mit Patrick den restlichen Weg bergab, der nicht weniger gefährlich und konzenrationswürdig war, bis sich unsere Wege an einer Kreuzung zu der jeweiligen anderen Hütte trennten. Da wir recht früh die Regensburger Hütte erreichten, entschieden wir erst mal ein Kaltgetränk einzunehmen und die Sonnenstrahlen genüsslich aufzunehmen, ehe wir den Duschvorgang vollziehen wollten. Ein grober Schnitzer von uns, der sich später rächen sollte. Trotz, dass wir diesmal gemeinsam in einem Fünfer-Zimmer untergebracht waren, gab es pro Etage nur eine Dusche. Die Duschzeit war zudem nicht vorgeschrieben, - eigentlich also - der Jackpot schlechthin. Wäre da nicht die 14-köpfige Wandertruppe vor uns gewesen, geschweige denn von dem französische Pharmazie-Quartett, mit denen wir uns gefühlte stundenlang im Flur in der Schlange unterhielten, bis wir endlich die subtropische Badvorrichtung erreichten, um endlich in den Duschgenuss zu gelangen. „Da hat uns doch jemand hinter die Fichte geführt.“ sprach Löön, die sich das dolomitische Tageblatt zu Gemüte geführt hatte und ihre neu gelernte Floskel zum Besten geben wollte. Bei Heidelbeerlikör und frisch Gezapftem beendeten wir mit einer Runde Wizard (das ist übrigens so ähnlich wie Metho-Skat) den Abend und begaben uns in eine erneute unruhige Nacht. 


„Kristin, wir sind die Tolpatschinen, aber du bist unser Häuptling.“ bemerkte Sonja, als sie Kristins abgebrochenen Zehnagel am kleinen Onkel betrachtete, der am Abend zuvor eine Begegnung mit der Duschwand hatte. Trotz Pflaster und Kenesio-Tape schienen die Schmerzen kein Weiterlaufen zu ermöglichen. Als letzte Konsequenz, vor Gondelabseilung, entfernte Kristin die Sohlen aus ihren Wanderschuhen und biss, wie einst Reinhold Messner, die Zähne zusammen, um die Reise weiter fortsetzen zu können. „Es ist 8:47 Uhr, auf geht‘s Kumpel“ eröffnete Mickey die dritte Etappe, die wir wieder einmal nicht pünktlich um 8 Uhr starten konnten. Bergidylle. Sonne. Wolkenlos. „Die letzten zwei Wochen war hier alles bedeckt. Regen, Nebel, Gewitter.“ Wir mussten mal wieder feststellen, dass wir einfach Glückspilze waren.


Nach weiteren Höhenmetern, Gepuste, Gekeuche und Atemlosigkeit, erreichten wir die Abenteuerpassage Klettersteig. „Kurz und knackig!“ sagte Kristin an. Und nun merkt euch einfach, dass kurz und knackig, ins Deutsche übersetzt, „Lang, diffizil und schwindelfrei“ bedeutet. Nach dieser adrenalinreichen Kletterpartie, warfen wir die 8-Kilo schweren Rucksäcke auf das Plateau, von dem man einen einzigartigen 360 Grad Panoramablick auf die Dolomiten hat und begaben uns in Richtung Gipfel Nummer 2: Duleda, 2.909 Meter. „Grenzerfahrungen. Das hier sind einfach nur Grenzerfahrungen.“ Lari hatte ihr persönliches Fazit schon lange gefasst. „Kranke Sachen, die ihr hier macht. Aber ich zieh das jetzt durch.“ Und wir zogen alle vor ihr unseren nicht vorhandenen Hut für diesen Löwenwillen. 


Nach einer Mittagspause, bei der wir unsere Mülltüte versehentlich am Plateau stehen gelassen hatten (Müllkarma ade), nutzten wir mal wieder unbewusst eine Alternativroute, die uns durchs Murmelieland führte. Die kleinen Wesen versüßten uns diesen Umweg, der uns mindestens 45 Minuten Verzug im Off-road Geröll bescherte. „Mag noch jemand Gitti?“ Lari führte, trotz der immensen Anstrengung, diverse Verkaufsgespräche und offerierte uns an jedem Pausenstopp diverse Produkte aus „Die Höhle der Löwen.“ Erfolgreich. Gedanklich packten wir bereits unseren Amazon-Warenkorb mit Handdesinfektion inkl. Bergamot-Aroma und Trinkflaschen im New-Hipster-Holzoptik Style. 


Nach einer weiteren schier unendlichen Auf-und Abtour, erreichten wir endlich die Puezhütte, die schon von Weitem mit italienischer Flagge winkte. Bettenlager 3-stöckig, 4-minütige Subtropen-Dusche und eine Steckdose für 20 Gäste. Willkommen im Hüttenleben. Bei so einer Anstrengung mussten wir uns nicht weiter überlegen, ob wir uns das 4-Gänge Menü am Abend gönnen sollten. „Was kostet die Welt!“ Und so wurde uns erst eine köstliche Bohnen-Gemüsesuppe, ein anschließender Bowl-Salat, sowie eine gegrillte Gemüseplatte mit gebackenem Käsesandwich und abschließend ein vorzüglicher Kaiserschmarren gereicht. Um den Abend, wie immer geschmackvoll und gebührend zu beenden, gönnten wir uns außerdem den selbstgebrannten Hüttenschnaps. Im Abgang Heu-ig. 


Vor 22 Uhr erklommen wir dann den vorletzten Gipfel unserer Wanderung. Unser 3-Stock Bett, das die Form einer Bienenwabe hatte. Sonja, die an oberster Stelle lokalisiert war, fiel erst oben auf, dass sich ihre Ohropax in 5 Meter Tiefe befanden. „Ach egal, das stehe ich heute Nacht auch so durch.“, sollte sich nach dem ersten gestarteten Sägewerk als Fehler bemerkbar machen. Tiefschlaf? - Wer braucht den schon?!


.. to be continued ..











Viva le Dolomitis

Wir hatten noch nicht das erste Fahrrad eingeladen, da schepperte es auch schon durch den Bus und Kristin hielt ein 100%-Plastik-Verkleidungsobjekt der Innenbeleuchtung des Sprinters in der Hand. Sachbeschädigung Nummer 1 an Tag -1. Ihr Bruder und Besitzer des geräumigen Vehikels wird es ihr hoffentlich verzeihen. Wir sagen an dieser Stelle >DANKE< an Familie und Autohaus Grau, die uns die Basis für unseren 7-tägigen Trip in die Dolomiten verschaffen hat. Denn wo sonst hätten wir die 25 Kilo Proviant verstauen können, die sich im Laufe der Woche in der WhatsApp Gruppe exponentiell nach oben geschraubt hatte. Noch immer ist mir nicht ganz klar, ob wir den Dolce-Vita-Kochworkshop „Eat.Pray.Love“ in Norditalien gebucht haben oder unserem eigentlichen Ziel „Aktivurlaub – aber bitte streicht das Wort Urlaub“ nachgehen werden. Laut Travel Sheet stehen uns 4 Tage Hüttenwanderung und 2 Tage Fahrrad (ohne das E-wie Elektro) in den Dolomiten bevor. Bestes Trainingslager für die kommende Fußballsaison 2021/22. Kurzer Spoiler: Die Wertigkeit des Damenfußballs in der Kreisklasse wird in diesem Kalenderjahr noch mal in ein ganz besonderes Statistenlicht gerückt.

Doch nicht nur Fußballerinnen sind beim diesjährigen Hüttentrip an Board. Fraktion „Lehrerschaft“ schafft es einmal mehr aufs Podest, sodass wir um ein Haar einen Bildungsurlaub hätten anmelden dürfen. Meinen Mathehefter und die Vokabelkarten werde ich dennoch zu Hause lassen, da sich der 45-Liter umfassende Backpack gerade so noch schließen lässt. Immer diese minimalistischen Reisen, bei denen man sich aufs Wesentliche konzentrieren muss und ja kein Top zu viel mitnehmen darf. Aber wehe denn man denkt nicht an OP- und FFP2-Masken, Desinfektionsmittel, Impfnachweise und den European Digital Passenger Locator, für den man mindestens studiert, aber wenigstens einen Englisch-Leistungskurs besucht haben muss. Und – ach ja - da haben wir ja auch noch die eine Bazille an Board, die einen extra Rucksack mit Covid-Schnelltests mit sich führen wird, da just in diesem Moment wieder ein negatives Testergebnis, bei nicht vollständiger Impfung, in sämtlichen Restaurants und Hotels Italiens vorliegen muss.

Was sind schon 3.000 Höhenmeter, alpine Klettersteige, steile Abhänge, felsige Trails und unbequeme Matratzenlager gegen das eigentlich größte Abenteuer am Ende unseres Trips: Werden wir ohne Quarantäne und ohne Corona-Zwischenfälle jemals wieder in das geliebte ‚Good old Germany‘ zurückkehren dürfen?!?

In diesem Sinne – Dolomiten wir kommen!




TSV Fleisbach goes Rimini Teil 2

Nur um Haaresbreite verpassten wir die Qualifikation, in das auf Sonntag terminierte Finale, welches im Stadion von Gatto da Mare vor renommierten Publikum ausgetragen werden sollte. Der Pokal schien schon in greifbarer Nähe, als wir das erste Spiel auf internationalem Parkett und bei sportfreundlichen Temperaturen von 40 Grad austrugen. Gleich zwei Treffer markierte das Team aus dem Lahn-Dill-Bergland im Eröffnungsspiel gegen die Azuris, welche jedoch mit 3 Scores dagegen hielten und die Partie knapp für sich entschieden. Nach einer einstündigen Pause folgte Spiel Nummer 2 und schon hier stand die Sonne auf ihrem dauerhaften Höchststand. Während wir uns also im Dauerwechselmodus und mit 5 Eimern Wasser am Rand durch die Partie kämpften, spielten die Sonnen verwöhnten Italianos die 24-minütige Angelegenheit 'mal eben so runter'. Hatten wir am Abend zuvor den Referee, welcher im selben Etablissement wie wir untergebracht war, bereits entsprechend gebrieft und mindestens 5 Penaltys ausgehandelt, schien dieser im entscheidenden Moment dieses verdrängt zu haben. So endete dieses Spiel auch wieder knapp mit einer Niederlage. 

Die nachfolgenden 4 Stunden sollten der anstrengendste Teil des Turniers werden. Denn auch im Tournament-Modus wird in Italien Siesta gehalten. Jedoch ist die italienische Siesta keinerlei Pendant zur guten alten deutschen Mittagspause, versteht man unter dem Wort 'Ruhe' doch eher weniger. Das liegt zum einen an dem sehr ausgeprägten Sprachorgan, als auch an der erweiterten Lautstärkefunktion der Italienerinnen. Das Gedudel aus dem qualitativ minderwertigen Soundanlagensystem und die lieblos zusammen gestellte Playlist mit ausschließlich italienischem Liedgut der Techno- und Ghettoszene, trug dem Gesamtbefinden auch nicht weiter bei. So mussten auch leider die nachfolgenden zwei Spiele knapp aus der Hand gegeben werden, da leichte Seh- und Höreinschreinkungen im deutschen Kader zu vermelden waren. 

Im letzten Spiel schmiss der TSV Fleisbach jedoch noch mal alles was ging in die Partie. Aufopfernd, kämpferisch und niemals-aufgebend konnten wir zu später Stunde noch 3 Punkte und somit den 9. Platz einnehmen. Manch andere Teams schienen da mit 0 Punkten und 0 Toren weitaus abgeschlagener. Auch unsere Hotelfreunde aus Bergamo erreichten nicht den Qualifikationsstatus und setzten sich fast zeitgleich mit uns ab. Nur unsere   Trilingualtalente aus Luxemburg erreichten das große Finale, ohne die wir übrigens weder das Reglement, noch die Speisekarte, noch sonstige Turnierhinweise, die ausschließlich in italienisch verfügbar waren, verstanden hätten. Umso mehr freute uns der spätere Turniersieg von Team "Multikulti". 

Für den TSV Fleisbach endete am Samstag daher die weitere Turnierteilnahme, auch wenn wir uns diese Information mal wieder selbst ableiten mussten. Dies hielt uns jedoch nicht davon ab den letzten Abend in gemeinsamer Runde noch einmal gebührend ausklingen zu lassen. Man nimmt somit einiges mit aus Rimini: Erfahrung, Stiche am ganzen Körper, rote Hautfilter, das ein oder andere modische Accessoire und die Erkenntnis weitere Turnierteilnahmen auf den nord- bis westlichen Teil Europas zu beschränken. 

Unnützeste Mitnahme bei diesem Trip ist dieses Mal das gute alte Glätteisen gewesen, welches weder Steckerkonform, noch in der Anwendung dauerhaft nützlich war. Dafür erwiesen sich Tübchenvielfalt von Sonnencreme bis Fenistil als Dauerrenner und immer griffbereit. Ein weiterer Trugschluss in Italien sollte die Nutzbarkeit von Besteck sein. Zu Bedenken gilt, das dieses Werkzeug bei Benutzung mit satten 1,50€ zu Buche schlägt. Dafür hält man besser Abstand von Zusatzbrötchen, welche als Beilage zu Salat und Pasta serviert werden. Diese gleichen Konsistenztechnisch eher einem Golfball und zeichnen sich nicht unbedingt als Delikatesse aus. 

"Thank you for nothing!" präsentierte sich Co-Trainer und Steuercaptain Carsten vor versammelter Mannschaft, als sich die Busreisenden bereits am Sonntag morgen von Rimini verabschiedeten. Mit Pokal im Gepäck machte sich der Vortrupp also wieder auf die Reise, während die Flieger noch einen Tag am Strand verleben durften. Nebst Sonne, Strand und Meer, wurden uns im 15-Minuten Takt nützliche bis brauchbare Warengüter hochwertiger Qualität offeriert und präsentiert. Diesmal waren es Carla und löön, die beim Sonderverkauf "Augenschutz" zuschlugen und je drei Sonnenbrillen erwarben. Besonders das Modell "Fichtenholz" fand viel zu Zuspruch, was mich schlussendlich ebenfalls zum Kauf bewog. 

"Ich bin eine einzige Schweißperle." gab becks in dehydrierten Worten von sich, als wir uns schlussendlich im nicht klimatisierten Zug nach Bologna einfanden, von wo aus es per Flugzeug zurück in die Heimat geht. Arriverderci bella Italia! - noch bemängeln wir deine unerträgliche Hitze, doch schon in wenigen Stunden werden wir das kalt-regnerische Wetter in good old Germany verfluchen! Bravissimo! 





Fleisbach goes Rimini! Teil 1

"Was isn' das für en sonderbares Schlauchsystem?" rief ich über die eingebaute Telefonanlage im Bad meinen Mitreisenden zu, als ich das Föhngerät begutachtete. "Damit werden wir keinen Krieg gewinnen." stellten wir trocken fest und kalkulierten eine Föhn-Nettozeit von 45 Minuten ein. Das Airport Hotel überzeugte mit einem reichhaltigen Frühstücksbüffet, welches jedoch Minuspunkte bei Industrie-Rührei zu verbuchen hatte. Auch die Distanzangaben entpuppten sich als trügerisch. Hatte der Hotelportier noch vor wenigen Tagen per Mail vermeldet, dass es nur ein "short walk" von 500 Metern vom Hotel zum Busbahnhof sei, so korrigierte das Personal vor-Ort die Angabe auf 3,5 Kilometer Fußmarsch und die Frage "Do you like to book a taxi?" Als wir uns die nicht begehbare Strecke Richtung Busstopp anschauten, bejahten wir die Frage zugleich und orderten mit einem Unkostenbeitrag von "Maximum 20€" die personalisierte Fahrvariante. Am Hauptbahnhof Bolognas angekommen, sollte die Reise weiter nach Rimini gehen. Unsere Reiseleitung löön hatte dafür alles akkurat und mit spitzen Bleistift ausgearbeitet. Zu unseren besonderen Überraschung sollte auch das Unterhaltungsprogramm während der Fahrt zu keinem Zeitpunkt zu kurz kommen. Nach nur wenigen Minuten Zugreise, gesellte sich eine einbeinige italienische Musikkünstlerin in unser Abteil, die mit einem äußerst ausgeprägten Sprachorgan und dezent extravaganten Kleidungsstil alle Blick auf sich zog. Ihr brandneues Keyboardgerät, sowie die überdimensionalen Kopfhörer, gigantische Sonnenbrille und spitzlackierten Fingernägel vervollständigten das Gesamtbild. Mit ihrer Police-Office Hutbekleidung und einer abgefranzten Krawatte schlug die bis ins Detail geschminkte, italienische Lady Gaga in die Tasten und schmetterte avatarische Lyriken durch das Zugabteil. Mit absoluter Selbstüberzeugung und einem Hang zum Überschwänglichen berichtete uns der selbst ernannte Star, nach ihrem grandiosen Auftritt, von ihrer unglaublich erfolgreichen Karriere und ihrem 60-jährigen Produzenten, der sich derzeit in Südamerika befindet. "Bye Bye Girls from Germania!" rief uns die, mit bürgerlichem Namen bezeichnete 'Marika Bianchi' zu, als sie uns noch eine Visitenkarte zur Eventbuchung hinterließ. 

Ohne musikalische Untermalung stiegen wir in Raverne um und setzten die Reise bis zum Endziel "Torre Pedrera" fort. Ganz ohne bürgerliche Mithilfe und Ortskenntnisse erreichten wir schlussendlich das 3-Sterne Hotel mit Blick auf Strand. Der nächste Aktionspunkt lautete 'Sprung ins brühwarme Meer" und Réunion des Teams TSV Fleisbach. Im Chill- und Bademodus gestalteten wir die weiteren Stunden, bis wir uns zum Gala- und Eröffnungsabend des Turniers nach Gatteo de Mare begaben. Mit großen Erwartungen und einem einheitlichem Dress betraten wir die Kunstrasenfläche, die uns zwischen Staunen und ernüchternder Erkenntnis, vorerst den Atem nahm. Höchst improvisiert eröffnete sich zwischen Bierzeltgarnitur, italienischem Fingerfood, Plastikbechern, Campinggefilden und ausländischem Vokabular das Event vor uns. Denkwürdig, seltsam, surreal und nicht-von-dieser-Galaxie, lässt sich das Abendprogramm was irgendwas zwischen Mini-Playback, Transvestiten und Spice-Girls-Comeback - Show hatte, wohl annähernd beschreibend. "Ich dachte wir wären hier auf ner renommierten Veranstaltung angemeldet." ließ löön noch verlauten, als wir uns mit fragwürdigen Blicken dem anders-als-gedacht-Event hingaben. So blicken wir gespannt dem morgigen Turnierverlauf und weiteren Ereignissen entgegen. Der Provinzverein TSV Fleisbach meldet sich hiermit in den Schlafmodus um die internationalen Randbedingungen zu verarbeiten und sich Neuem zu öffnen. Salute und Buon notte! 





Avanti, avanti!

"Jetzt aber schnell!" rief uns die Zollbeamtin noch hinterher als wir im Spurtmodus und mit 0,003 Promille Richtung Gate A68 spurteten. Als letzte Einheit des Rimini-Komplotts traten löön, Carla und ich die Reise ins ferne Italien an und machten unserem Status "slow motion but hungry as hell" alle Ehre. 3 Pfefferbeißer, 2 Lattenkracher und diverse Kaltgetränke konnten nur halbwegs unsere Aufenthaltszeit vor Boarding Time überbrücken. Was dazwischen und danach passierte weiß der Himmel. "Leute wie sind hier eigentlich hier her gekommen?" fragte ich meine Gefolgschaft, als wir mit viel Glück und Verstand in Reihe 15 D-F Platz nahmen. "Ich bin froh, wenn ich mein Auto einparken kann, wie schaffen die das denn mit diesen Fluggeräten?"stellte Carla im Genuss von "Knuspers Honig & Senf Brocken" fest. - Die einzige nicht-Sondermahlzeit während des 1,5 stündigen Flugs. Diesmal war es im übrigen das DM-Markenprodukt "Handcreme flavour Flower Power" was mich (juli) gefühlte Stunden im Durchsuchungsmodus fest stecken ließ, während auch Carla einem Sonderkommando durchzogen wurde. Die neu hinzugefügte Fleisbach-Brosche wollte einfach nicht als Normal-Merkmal gescannt werden. Nur löön erlangte mal wieder den Status "akkurat wie immer", was uns schlussendlich zum richtigen Gate und korrekten Flugmaschine brachte. Mit Quietschtönen und sonderbaren Soundklängen startete das Flugobjekt Richtung Bologna und hob holpernd ab. "See u soon my friends!" hätten wir gerne noch gepostet, jedoch gab dies der Offline-Modus nicht her. Noch auf der Rollbahn verschränkte Carla die Hände über ihrem Kopf und inspizierte im Blickwinkel die vorperforierte Papiertüte, welche sich zwischen safety-cunstrictions und Lufthansa Miles&More World Shop Soecial befand. Mit einem Warsteiner Gold-Edition-Drink legten wir jedoch jeden Hauch von aufkommender Flugangst nieder und stimmten uns auf die bevorstehenden 1,5 Stunden Flugfahrt ein. "Enorm zu kurz" kommentierte juli, als wir schon wieder den Landeflug aufnahmen und ich den Druckausgleichsmoment verpasste. Im rechten Ohr taub und mit 43 Kilo Transfergepäck in Summe schnappten wir uns unsere Gepäckstücke und marschierten um 0:05 Uhr Richtung Airport Hotel. Mit 14,50 € Taxiebühr erreichen wir unser 5 Kilometer entferntes, jedoch mit 4 Sternen ausgezeichnetes, Hotel. "Alles richtig gemacht!" kommentierten wir das luxuriös ausgestattete Bad Etablissement, sowie den vornehm eingerichteten Schlafbereich. Wer hätte noch um 19:45 Uhr solch Extravaganz und punktgenaues Eintreffen erahnt, als uns der Frankforter Fluglotse mit Hauptschulgewinn entgegnete "Jetzt müsst ihr erst mal die ganze Scheisse zurück und dann Richtung Kelsterbach zu Terminal 1!" In diesem Sinne: Auf eine kurze Nacht! - um 5:00 Uhr ist diese vorbei!

Finished!



Die Verkäuferin für Tabakwaren schleuderte mir ein kurz angebundenes "Finished" entgegen, als ich nach einer vereinzelten internationalen Briefmarke fragte.

Somit lautet das Resume der vergangenen Tage folgendermaßen:

Fakt ist, dass...

1. ...drei Tage Mailand völlig ausgereicht hätten, wir aber nun mal 4 gebucht hatten.

2. ...es in Mailand keine italienischen Kräuter zu kaufen gibt.

3. ...die Wasserqualität zu wünschen übrig lässt. (wie man es an den Haaren merkt!)

4. ...die Postangestellten genauso lahm und unfreundlich sind wie in Deutschland.

5. ...wir unsere Fließjacke hätten zu Hause liegen lassen können.

6. ...Becks so gut gegessen hat wie schon lange nicht mehr.

7. ... ich von oben bis unten von Mosquitos verstochen bin und wie das Sams aussehe!

8. ...wir schon nach dem ersten Tag nicht mehr auf den Verkehr beim Überqueren der Kreuzungen geachtet haben und uns bis heute die Funktion der Zebrastreifen in Italien unklar bleibt.

9. ...man in Mailand auch viel Schrott kaufen kann.

10. ...6 Stunden Aufenthalt am Flughafen defintiv zu lang sind.


Als Abschiedsgeschenk servierte uns Mailand ein Blitzgewitter von ganz unglamouröser Art.
Wir schauten aus dem Hostelfenster und erblickten 4 gestreifte Marktbuden. In der Hoffnung dort nun endlich die italienischen Kräuter & Olivenöl zu erwerben, stürmten wir in kurzen Hosen und Flip Flops in diese Richtung. Doch wieder nichts! Außer 2 Weintrauben konnten wir keinen Erfolg verbuchen. - Schlimmer noch: Auf dem Weg zurück ins Hostel schlitterte Becks über nasse Treppenstufen ins Ungewisse. Wie gut, dass wir doch einigermaßen fit sind. Bevor wir die Reise zum Flughafen fortsetzen konnten, blieb uns nur eine Zwangspause auf Pflastersteinen übrig, da wir wohlweißlich den Regenschirm zu Hause haben liegen lassen.

Nachdem sich die Wetterlage von Sturmregen zu diesig gewendet hatte, traten wir den letzten Weg an. Noch einmal ließen uns unsere geographischen Kenntnisse zwischen Piazza Fontana und San Babila im Stich, bis wir schlussendlich im Express Bus Richtung Airport "Linate" saßen. Zügig ließen wir die Stadt hinter uns. - Nein, hier müssen wir nicht noch mal hin."
"Was hälst du davon nächstes Jahr im Schlussverkauf noch mal nach Mailand zu jetten?" - "Gute Idee, das machen wir!"

Nach unserem 6-stündigem Flughafen-Aufenthalt erwartete uns dann auch noch ein Flug durch Gewitter mit Turbulenzen vom Allerfeinsten. Doch Thomas hatte alles im Griff. Er landete wie auf Butter am Frankfurter Heimatflughafen. Und die deutsche Ordnung schlug uns entgegen.
Menschen mit Warnwesten auf dem Rollfeld, saubere & gepflegte Toiletten, sowie die guten alten Villeroy&Boch Badamaturen. Daheim weiß man doch was man hat!

Ein Hoch auf die deutsche Ordnung!

see you soon,
juli & becks :o)

Bella Italia!

Ein neuer Tag in Mailand: Heute ist Shop...aehhh Sightseeing angesagt.
Auch der wuetende Platzregen konnte uns nicht von kultureller Weiterbildung abhalten. Lediglich die Diskussion ueber das geeignete Schuhwerk warf uns in unserem Zeitpan etwas zurueck. Fazit: Mailand wird auch durch Regen nicht sauberer - also: geschlossene Schuhe!

Mit Bus und Bahn (ein Hoch auf das italienische Ticketsystem!) hiess der erste Stopp Castello Milano. Enttaeuschend blickten wir auf den mit Gras bewachsenen Burggraben "Wo ist denn hier das Wasser??" - "Das ist ja langweilig!". "Schau mal - da drueben gibt's Handtaschen!" Nachdem wir das Schloss in windes Eile abgehandelt hatten, konnten wir uns wieder DEN Dingen in Milan zuwenden. Feilschen am Firlefanzstand.

Zwischendrin doch noch ein wenig Kultur. Schlendern durch den nahegelegenen Park (Parco Sempione) bis hin zum "Arco della Pace". Vergleichbar mit dem Brandenburger Tor...nur ein wenig chilliger und super geeignet fuer Fotosessions.

Dann ging es ausnahmsweise einmal ohne Unterbrechung zum naechsten Kulturhighlight: Der Mailaender Dom. Was uns hier erwartete, damit haetten wir nicht gerechnet. Die Einlasskriterien sind rigoroser als in jedem Szene-Club. Die aufgefuehrten Verbote wurden von uns zu 90% erfuellt: Kurze Hose, kurzer Rock, aermelloses Top, Kamera, Handy, Gepaeck und Sprechverbot. Zum Glueck hatten wir die Flip Flops daheim gelassen und wurden nur wegen Becks Oberteil anbelangt. Dieses konnten wir jedoch schnell mit dem noch umzutauschenden T-Shirt uebertuenschen. - Ist doch egal, ob da en Preisschild dran haengt!

Perfekte Ueberleitung "One thing is for sure, you can change without a Kassenbon" :o) Das waere in good old Germany niemals moeglich gewesen. Ohne Vorlage eines Kaufbeleges haetten unsere akribischen deutschen Geschaeftsleute unter keinen Umstaenden mit uns verhandelt. - Bella Italia!

Nun aber zum Showdown:
Nachdem wir uns wieder einmal von einem 8-stoeckigen Kaufhaus haben blenden lassen, beschlossen wir, dass so ein Eis in Italien doch am besten schmeckt.
Waehrend ich (juli) meine Bestellung aufgab, lernte Becks Ali aus Indien kennen. Er schlug ihr ein schleimiges "You are beautiful" an den Kopf und Becks konterte knueppelhart mit "I know!". Im folgenden Gespraechsabschnitt versuchte er um die weitere Abendplanung zu feilschen. Nachdem ich endlich mein 2,50 € Eis in den Haenden hielt, gesellte ich mich zu der lustigen Runde. Ohne zu zoegern beendete ich die Diskussion mit einem knappen "We have other plans. Ciao!"
Hastig stuermten wir davon, denn merke: Mit den Indern ist nicht gut Kirschen essen.

Da wir aus finanziellen Gruenden auch diesen Abend mit Reste von Spaghetti Bolognese ausklingen lassen mussten...aeh...wollten, fuehrte unser Weg noch einmal zu unserem lieb gewonnenen BILLA-Supermarkt. Aber auch hier wurden wir heute enttaeuscht. Ausnahmsweise hatten heute mal 3 Cassas geoeffnet, wo sich gestern noch die Schlange bis zum Frischfleisch tuermte. Aber man muss im Leben Abstriche machen. Schnippig und ohne Worte  pfefferte uns die neue Angestellte "Stefanie" unser Rueckgeld auf den Frontdesk. Auf die vorsichtige Frage nach einer duennen gelben Plastiktuete, flog uns ein grimmiges "20-Cent" entgegen. - Komisch, gestern gab's die noch fuer lau.

Fakt des Tages: Es ist wie ueberall. Aussen hui - innen pfui!

Cassa, Cassa!

Heute morgen kam die direkte Retourkutsche von unserem gestrigen Spaeteinfall ins Hostelzimmer. Dass wir gestern die letzten im Bett waren, liessen uns unsere Zimmergenossinen deutlich spueren. Am eindringlichsten war das 2-stuendige Rumgeraeusel der Japanerin. Mit Ringen untern den Augen und voellig zerstochenen Beinen (wie immer nur ich, juli) erblickten wir das Tageslicht.
Nein, geschlafen hatten wir wahrhaftig nicht gut. Gedankliche Notiz: Heut Abend Ventilator uffroppen!

Nichts desto trotz war unser Plan fuer den heutigen Tag klar: Shoppen!
Im neuen mailaendischen Look begaben wir uns unters Volk um die Modeszene mit unserem nicht vorhandenem Geld zu begluecken. Ein aeusserst schwieriges Unterfangen bei dem Hindernisparcoure und Stolperfallen die Sache deutlich erschwerten. Hier ein kurzer Dank an die Touristeninformation, die uns mit einem Plakatgrossen Stadtplan ausruestete und wertvolle Informationen mit auf den Weg gab.

So lernten wir auch endlich oeffentliche Verkehrsmittel kennen. Kommentar Becks "Warum sind wir eigentlich bisher immer gelaufen?" und schaut mitfuehlend auf meine mit Druckstellenpflaster uebersaehten Fuesse.

Und dann erreichten wir Buenos Aires - eine 2km lange Einkaufsstrasse, die auch von Strassenhaendlern bevoelkert wurde. "Was verkaeft ies do hinne dann?", als Becks den neonleuchtenden Stand mit viel Bling Bling erspaehte. Doch wir liessen uns nicht beirren - zu oft wurden wir in den 2 Tagen schon ueber den Tisch gezogen. Hier bleibt jedoch zu erwaehnen , dass Juli es am ersten Tag bereits schaffte ein Armband (echt Leder natuerlich!) von 8 auf 5 Euro runter zu handeln.
Postwendend wurden wir dafuer heute bestraft. Ehe wir uns versahen hatten uns zwei dunkelhaeutige Mitbuerger ein Baendchen um den Arm manoevriert (angeblich for free), letzendlich hatten wir jeder noch ein Ersatzbaendchen fuer unseren Boyfriend und 6 Euro am Bein. Man goennt sich ja sonst nichts!

Eigentlich hatten wir ja aus dem guten Marco Polo Reisefuehrer gelernt: Wenn irgendwo was trinken, dann nur als Take-away. Doch da es in Mailand an von-Volksbank-gesponserten-Sitzbaenken mangelt, bleibt einem manchmal nichts anderes uebrig, als in ein Cafe einzukehren. Die zwei Cola schlugen mit 9 Euro zu Buche, was mal wieder ein riesiges Loch in unsere Portokasse riss. Keine Angst Leute, wir werden unser Geld schon los!

Mit gefuehlten 150-Kilo Gepaeck (12 Einkaufstaschen aus unterschiedlichen Laeden), begaben wir uns zurueck Richtung Hostel. Vom schlechten Gewissen gepraegt, beschlossen wir uns heute Abend selbst zu verpflegen. Mit Spaghetti Bolognese und Hasenfutter-Salat liessen wir den Tag ausklingen. - Wie gut, dass es wenigstens noch geschmolzene Kinderschokolade gibt!

Fakt des Tages: Morgen werden die Shopping-Plazas umgangen und sich auf Sightseeing-Tour begeben. Nachkommentar Becks: "Ich muss aber noch das Teil hier umtauschen," "Ah ja, dann kann ich doch auch noch mal kurz bei den schoenen T-Shirts da unten gucken" - juli

Scusi?

"Was isn' das fuer ne laeppische Butterstulle?" bemerkte Becks neben mir, als wir unseren Snack fuer den Flug gereicht bekamen.

Kaum hatten wir das Malzkornbrot mit Gruenlaender Kaese verspeist, steuerten wir auch schon die Landebahn Mailands ("Linate") an. Keine 50min dauerte der Flug mit der guten alten Lufthansa. Als special effect wurde uns dafuer noch ein Aufschlag vom Allerfeinsten geboten. Ne ne, Andreas, das war ne ueble Bruchlandung von der ganz besonderen Sorte.

Nachdem wir den Bus - oh Wunder - sofort gefunden hatten und direkt ohne Umweg mit 1x Umsteigen unser Hostel erreichten, wurden wir erst mal vor die Tuer gesetzt. SIESTA heisst es von 12:00 bis 14:30 Uhr! Da wird die deutsche Tugend namens Puenktlichkeit auch noch bestraft. Becks und ich wissen doch genau warum wir davon nichts halten...

Na dann erst mal Lage checken. Mit langen Jeans (Erinnerung: es sind 31 C°) durchstreiften wir geschlossene Geschaeftsstrassen und Taubenbevoelkerte Parks um die Stunde zu erschlagen. Dann endlich Einchecken: Das Hostel ist sauber, wir haben ein ordentliches Bad und auf unserem Zimmer befindet sich eine weitere Deutsche, die gerade roemische Architektur studiert. Spannend...!

"Es wird kein Schrott gekauft!"
Mit diesem guten Vorsatz machten wir uns auf in Richtung Innenstadt. Natuerlich zu Fuss, denn wir sind ja schliesslich sportlich Aktive ;-) Nicht all zu lange spaeter konnten wir uns auf der Plaza wiederfinden. Wahnsinn! Neben 3 Millionen Tauben praesentierte sich auch noch der Mailaender Dom. Wat ein Werk! Vielleicht gehen wir da mal rein...

Doch erst mal in die Shoppingmalls! Leute hier ist "SALDI" (ich liebe dieses Wort!). Uberall die schoenen roten Schilder "SALDI, SALDI". Ja, hier sind wir richtig :)
Einige Stunden spaeter wurde es dann Zeit fuer eine Abkuehling. "Lass uns da vorne zu dem Eiswagen gehen!" Becks spurtet schnurr stracks auf die Leckereien zu und konfrontiert den Eisverkaeufer mit einem knallharten "Vanille mit Erdbeer". (Erinnerung: wir sprechen hier Italienisch, bestenfalls Englisch ;-))

Zurueck in den Designerschuppen werden wir nur so mit Markennamen erschlagen: Lacoste, Prada, Versace, Polo Jeans, Tommy Hilfiger und AJ.
"AJ, das scheint ne gute Marke zu sein, die gibt's auch im OTTO-Katalog" rufe ich Becks zu. "Nee Juli, Armani Jeans gibt's net bei OTTO." - "Ach so, dann muss es AJC gewesen sein...;-)"

Zum Schluss wollten wir noch schnell in einen Supermarkt um fuer die Verkoestigung der naechsten Tage zu sorgen. Man schickte uns von Pontius zu Pilatus und erreichten voellig ausgetrocknet "BILLA" - das italienische Gegenstueck zu Edeka. - Voll die Touri-Falle! Im oberen Stockwerk wurden Billig-Broetchen und zerfletterter Salat verkauft. Erst durch ein Hintertreppchen konnten wir uns den Weg zu preiswerten Lebensmitteln bahnen. Nicht mit uns Freunde!

Und merkt euch eins: Flip Flops sind fuer Shopping-Touren ungeeignet. "Ich zieh die jetzt aus!" gab ich heulend von mir und Becks zog aus Solidaritaet nach. "Auf den Platten laeufts sich eigentlich ganz gut."
Nachdem wir unsere Fuesse vom Schmutze Mailands befreit hatten (denn hier ist es echt nicht sauber!), liessen wir den Abend mit einer super leckeren Pizza Calabrese ausklingen.

Fakt des Tages: Wir haben viel zu wenig Geld eingepackt und haetten im Prinzip heute schon mit vollgepackten Taschen abreisen koennen!
Ein Hoch auf den SALDI :)