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#RAUSZEIT in Oberstdorf

 Das Video zum Trip ... 4 Tage in Oberstdorf mit Aufstieg Rubi- und Gaisalphorn.


The masked traveller (Die Corowana zieht weiter)

"Wenn man die Natur wahrhaft liebt,
so findet man es überall schön.“ - Vincent van Gogh

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„Wo ist meine Maske?“

„Mist, ich habe meine Maske vergessen!“

„Mädels, denkt an eure Masken!“


Wir schreiben das Jahr „8 Monate seit Corona“.  Menschen mit Masken sind schon lange kein Sinnbild mehr für asiatische Metropolen, sondern haben Einzug bis in die hinterste, urigste und höchstgelegene Almhütte Bayerns erhalten. Hygiene-, Seifen-, und Desinfektionsspender findet man flächendeckender als den guten D1-Empfang in Oberstdorf und Abstandsregeln beherrscht man heutzutage besser als das Vater Unser.


Die Maske ist der neue Schlüssel/Handy/Geldbeutel geworden. Auf menschenleeren Hostelfluren oder beim kurzen Gang vom Restaurantsitzplatz zum Klo, erwischt man sich meist in letzter Sekunde, das wichtigste Utensil vergessen zu haben. „Juli, du hast schon wieder die Handschuhe vergessen!“ rief mir Löön auf dem Weg zum reichhaltigen Hostel-Buffett zu. Auf halber Strecke kehrte ich um und streifte mir neben der geforderten Maske noch das überdimensionale Folienpräparat über, welches man aus dem Haarfärbegewerbe kennt. Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.


Wie jedes Jahr im August planten wir eine Wanderung in die alpinen Regionen Europas. Im Coronajahr entschieden wir uns für Oberstdorf im Allgäu. Stand August: kein Risikogebiet, im sicheren Deutschland mit guten Gesundheitssystem und strenge Kontrollen der Abstandregeln. Mit 6-köpfiger Truppe starteten wir früh morgens um 6 Uhr in heimischen Gefilden, gut bepackt mit einem Lebensmittelvorrat, der für gefühlte 14 Tagen ausgereicht hätte. Der Bus „Grau-Adventure-Tours“ brachte uns, mit der im frischen „Trüffel-braun“ gefärbten Kristin am Steuer, in nur wenigen Stunden ins Allgäu.


Berge. Grüne, saftige Wiesen. Angenehme Luft. Regen.


Das, was wir so uns so sehnlichst für unser lovely Lahn-Dill-Bergland (auch mittelhessische Wild-West-Prärie genannt) wünschten, trübte am ersten Tag die Stimmung. Das tropfende Nass hielt sich jedoch nach Ankunft in Grenzen, sodass wir eine Wanderung zur Seealpe am Fuße des Nebelhorns, starten konnten. Kristin hatte ihr Alternativtransportmittel „Mountainbike“ mitgeführt, da ihr eine Fußverletzung zu schaffen machte. Mit strammen Gang entlang schönster Wasserfälle, nassem Holzgeruch und subtropischen Temperaturen, erreichten wir die Zwischenstation. In einem Schweinsgalopp stürmten unsere beiden neuen beste Freunde „Piggledy & Fredrick“ zum Zaun und begrüßten uns laut grunzend. „Hallo Hase, hallo Baby!“ erwiderte Sonja das Grunzen der beiden rosa Tierchen. Und ich hielt fest: „Heute Abend gibt es kein Schnitzel!“


„Köstliche Hubertus-Platte - Schweinehals“ offerierte uns die Tagesmenükarte des „Wilden Männle“ in Oberstdorf, wo wir uns nach Abstieg und Abfahrt eingefunden hatten. Mir drehte sich der Magen um, als ich an unsere beiden Schweinefreunde von der Alpe dachte. Als Kompromiss wurde der Economy-Share ausgerufen, indem wir uns Spinatknödel, Alpenmakkaroni und das klassische Wiener Schnitzel (vom Kalb) teilten. Zum Abschluss orderten wir  einen Gemeinschaftskaiserschmarrn. Umweltbewusst behielten wir hierfür unsere benutzten Gabeln am Tisch, welche ich im letzten Moment dem Kellner noch entreißen konnte. „Wir sind doch hier keine Bauernwirtschaft!“ trotzte der Kellner im Scherz und sammelte dann doch unser gebrauchtes Gabelsortiment ein. 


Unser Hostel erwies sich als Hauptgewinn. Sauber, neu, liebevoll eingerichtet, Holzoptik und eine Bar mit Bailey-on-ice. Selis Urlaub war gerettet.


Der nächste Tag stand unter dem Schirm der Entspannung. Aufgrund von anhaltendem, leichten Regen, erkundeten wir das Oytal, wo Tine ihren weltbesten Apfelstrudel im Berggasthof Oytalhaus fand. Zuvor hatten wir den wunderschönen Pfad entlang der Oy, mit kleinen, aber imposanten Wasserfällen, moosbedeckten Holzstämmen und die herzliche, rustikale „Gutenalpe“ zu Fuß erkundet. Immer in Begleitung des Säfeti-Cars (alias Kristin, dem Mountainbike-Sheperd). Ein besonderes Schmankerl bot uns der Berggasthof, der uns Roller ins Tal offerierte. Wie die Coolsten aus der Schule cruisten wir den Weg in hinunter, der von Minute zu Minute nasser wurde. Langsam aber sicher setzte uns der Starkregen zu. Die nahegelegene Therme mit Sauna, heizte uns mit Temperaturen von 85-90°C noch mal richtig ein, sodass wir den Abend im Wellnessmodus beenden konnten.


Auch der nächste Tag zeigte sich bedeckt, ununterbrochener Regen. Unsere Alternativvorschläge Rafting, Canyoning, Tubing oder Escape Room waren leider nicht realisierbar, da sämtliche Touristen den selben Gedanken gefasst hatten wie wir – nur leider früher. So testeten wir im Hostel ein mitgebrachtes Escape-Spiel und konnten erst mit großer Verspätung am Nachmittag zu einem Kaiserschmarren zu Fuß nach Oberstdorf ausbrechen. 


Zu unser aller Glück und kurz bevor der altbekannte Lagerkoller ausbrach, lichteten sich am Mittwoch die Wolken und im Radio spielte man „Ruby“ von den Kaiser Chiefs. Wir warfen unsere Wanderstöcke in den Bus, schnürten unsere Wanderschuhe und nahmen das frühe Frühstück um 7 in Kauf, um den sonnigen Tag voll ausnutzen zu können. Seli hatte bis zum Morgen mit sich gehadert, ob sie nicht doch lieber mit Kristin eine Radtour, anstatt der angesetzten 7-stündigen Wanderung machen sollte. „Aber nur bis zum Rubi und dann geht’s zurück!“ forderte sie und bekam zustimmendes Nicken. Auch ich zeigte mich erleichtert, dass wir aufgrund des Regens, nur bis zum Rubi gehen und nicht den als schwer gekennzeichneten Klettersteig durchführen mussten.


Während Sonja, Tine, Löön, Seli und ich uns auf in Richtung Rubihorn machten, sattelte Kristin ihr MTB für eine Tour mit einer alten Gegenspielerin, die wir zufällig am Tage zuvor getroffen hatten. Ziel: an der Käseralpe das Kriegsbeil begraben. 


Der Weg bergauf schien zunächst machbar und führte erneut vorbei an herrlichen Wasserfällen. Foto- und Filmstopps waren allerdings nach wie vor nicht gern gesehen, wodurch wir den Gaisalpsee bereits in Rekordzeit erreichten. Lediglich ein Biathlon-Verein hatte uns überholen können, der wie ein ICE-Zug an uns vorbeigezogen war. Wir schauten vom Gaisalpsee hinauf zum Rubihorn. Bereits auf dem Weg hatten wir erkannt, dass wohl ganz Oberstdorf auf den Beinen war. Dicht auf dicht stiegen wir den Berg weiter auf. 1,5m Sicherheitsabstand war dabei meist nicht gewährleistet. Nach zwei weiteren, leichten Kletterpassagen erreichten wir den Gipfel. Rubihorn. Superspreader der Alpen. Am Gipfelkreuz tummelten sich die Wanderer wie Sardinen in einer Dose. Und ich blickte besorgt auf meine Corona-Warn-App. Um den Massen zu entweichen, kraxelten wir auf einen gegenüberliegenden Fels und blickten von Weitem auf die Mainstream-Plattform und das Gipfelkreuz. „Ob das da oben an dem Kreuz ein Sendemast ist?“ fragte sich Löön. „Ich habe hier 4G+“. „In zehn Jahren tauschen die den Schriftzug bestimmt noch in Free Wifi aus.“ „Oder in #stayhome - Don’t forget to desinfect.“


„Gehen wir jetzt noch rüber zum Gaisalphorn?“ fragte Sonja, die schon seit frühem Morgengrauen „Warum bin ich so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich war ich nieeee.“ sang. Noch bevor sie den Satz beenden konnte, befanden wir uns bereits auf halber Strecke zum Gipfel. Und Seli fühlte sich verarscht. Ich war zwar einem zweiten Gipfel sehr angetan und erfreute mich auch grundsätzlich, dass wir die Höhe halten und auf dem Grat weiter laufen konnten, doch verdunkelte sich meine Stimmung, als ich den ungesicherten, schmalen Felsgrat zum Gipfel erblickte. Zwei Mädels mit Labrador kehrten um und ein abgerissenes Stahlseil ließ meinen Gemütszustand nicht besser werden. Auch ich fühlte mich verarscht.


Wir überquerten den nicht ungefährlichen Part (O-Ton Löön: „Das war nicht ohne!“) und erreichten dankbar den Geisalphorngipfel. Die Sache hatte dann doch einen Vorteil. Ab da an trafen wir kaum noch jemanden. Wir stiegen an steilen und geröllbehafteten Wänden und vorbei an Lawinen-Auffängern ab. Bis wir an einem wunderschönen Aussichtspunkt innehielten, der die perfekte Gelegenheit bot, für jede Wanderin ein neues Profilbild zu erstellen. Auch der Rest des Rundweges erwies sich als deutlich schöner als der Aufstieg zum Rubihorn. Keine Menschen, saftgrünes Gras, ein verlassener, grünblauer See und eine Hütte mit Ziegenbordell. Außerdem kam auch Seli noch auf ihre Kosten, als wir den Allgäuer Zoo auf der Wegstrecke durchqueren durfte. Kuh ‚Elsa‘ und Esel ‚Paris‘ ließen dabei ihr Herz höher schlagen.


Nach 8-stündiger Wanderstrecke erreichten wir fast zeitgleich mit Kristin den Alpen-Gasthof Gaisalpe, die parallel mit ihrem Rad. ca. 1.200 Höhenmeter hingelegt hatte. Hier sollte uns - unseren Erwartungen entsprechend - ein deftiges, bayrisches Wandermenü offeriert werden. Die große Enttäuschung erblickte wir nach Öffnen der Speisekarte, die nur bis 14:30 Uhr warme Spezialitäten bot. Uns blieb die Wahl zwischen einer Allgäuer Käseplatte und einem bayrischen Fladenbrot (Flammkuchen), von dem es jedoch nur noch ein Rohling gab. Trotz der überschaubaren Auswahl wurden wir positiv überrascht. Zu unserer Hauptmahlzeit wurde eine Flädlesuppe und im Anschluss ein Kaiserschmarren serviert. Und auf dem Rückweg, dem Pfad der Erleuchtung (Oberstdorfer Höhenweg), kamen wir zu der Erkenntnis, dass sich ein Leben ohne zu große Erwartungen und Ansprüche viel besser lebt. Nimm’s wie es kommt. Frag nicht warum. Und mach das Beste aus den Karten, die dir gegeben werden.


Wir hätten an diesem Abend eine Runde Karten auslassen sollen, denn die Retourkutsche kam gleich am nächsten Morgen. Körperliche Erschöpfung, Muskelkater und Schlafmangel am letzten Urlaubstag. Zu allem Überdruss: Frühstück um 7 Uhr und Packen für die spätere Abreise. Doch es sollten noch zwei Aktionspunkte abgehandelt werden. Die Breitachklamm erwartete uns um 10 Uhr, zu der wir von unserem Hostel aus wanderten. Auf dem prall gefüllten Parkplatz erspähten wir schon von Weitem, was uns gleich für eine Massenabfertigung erwarten sollte. Superspreader Nummer 2. Doch die 5€ Eintritt, sowie das dichte Gedränge in der Klamm, waren jeden Cent wert. Ein gewaltiges Naturwunder, inmitten der bayrischen Alpen! Die Felsenschlucht hatte sich über Jahrtausende durch fließendes Gewässer, Schmelzwasser und Geröll von Gletschern, das sich in das Gestein eingeschnitten hatte, gebildet. Tosendes Wasser, beengte Schluchten, in einer Höhe, die kaum vorstellbar ist, beeindruckten uns am Vormittag und ließen uns einmal mehr erkennen, welche Gewalt die Natur hervorbringt, die so viel länger als wir Menschen bereits am Werk ist und nach wie vor kontinuierlich arbeitet.


Nach dieser beeindruckenden Vorstellung, wanderte ein Teil unserer Gruppe noch zurück ins Hostel, um den gepackten Bus zu holen und zur „Alpe Dornach“ für ein letztes, gemeinsames Mahl zu fahren. Der schmale Weg auf die Alpe, wurde zu einer größeren Herausforderung, als uns ein Forstauto mit Leverkusener Kennzeichen (finde den Fehler) entgegen kam. Als der Fahrer des Mercedes endlich erkannte, dass er den Rückwärtsgang einlegen musste, wurde uns sehr schnell klar, in welche Lage wir den älteren Herrn - der definitiv eine Auffrischung der Fahrerlaubnis benötigte - gebracht hatten. Im Schnecken-Zick-Zack-Modus, musste wir mitansehen, wie er sich sein Auto mit Grünzweigen verschrabbte, in die er - mehr oder weniger - grundlos rückwärts fuhr. Als er in diesem Modus beinahe noch eine Holzbank und einen kleinen Fels ansteuerte, konnte ihn ein heran eilendes Wanderpärchen gerade noch retten und in die richtige Spur bringen. Eine unangenehme Sache, an der wir zwar keine Schuld hatten, die uns dennoch etwas mitnahm.


Die Alpe Dornach erwies sich als würdige letzte Station im Allgäu. Wir folgten dem Tipp von Sonja hier einzukehren. Leckere Speisen, die auch vegetarische und vegane Optionen boten und zudem liebevoll und kunstvoll angerichtet waren, krönten den letzten Urlaubstag. Wehmütig verließen wir den Süden Deutschlands und begaben uns Richtung Wild-West-Germany. Löön recherchierte auf dem Heimfahrt noch einmal die Entstehung der Alpen und auch hier kamen wir zu einer Erkenntnis: Bei der Verschiebung der Erdplatten, hatte sich über Jahrmillionen die europäische Platte Tief ins Magma der Erde eingegraben. „Sollte also Holland einmal in Not sein, könnten wir Material aus dem Erdarchiv zurückholen.“


Wichtigste Utensilien während der Tour:

  • Gesichtsmaske
  • Schnutenpulli
  • Maultäschle
  • Mund-und Nasenschutz
  • Maulkorb 

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„Die Natur ist die beste
Führerin des Lebens.“ - Cicero















Der Berg ruft!

Der Berg ruft! - Kurzer Videotrailer zu unserer 4-tägigen Hüttenwandertour in den Vorderalpen.


Auf den Spuren von Uropa Karl

"Frischen Mut zu jedem Kampf und Leid
habe ich talwärts von der Höh' getragen"

Es war das Jahr 1933 indem mein Uropa Karl seine ersten Wanderungen in die Schweiz und in die bayrischen Alpen startete. Mit 32 Jahren bereiste er mit seinen Freunden Zermatt, Genf, Chamonix, Bern und den Bodensee, erklomm das Materhorn und Nebelhorn und landete schließlich im Allgäu, wo er den Heilbronner Weg überquerte. 85 Jahre später wollen auch wir diesen Klettersteig bestreiten.

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„Welches Stück ist jetzt dran?“ fragte Tine, als wir den nächsten, schier unendlich und strack bergauf verlaufenden Höhenabschnitt in Augenschein nahmen. „Das müsste der Rüssel sein.“ antworte ich und Selis Fitnessuhr pendelte sich bei 450% ein. Ist ein Hindernis auch noch so groß, so gilt wie immer: ein Elefant muss in Scheiben gegessen werden. Stück für Stück.
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Am frühen Montagmorgen begaben sich Sonja, Kristin, Tine, Seli und ich auf den Weg nach Oberstdorf. Dank freier Autobahnen und Kristins flottem, jedoch sicheren Fahrstil erreichten wir zeitig den Wanderer Parkplatz, sowie die Fellhornbahn, die uns und unser Gepäck die ersten Höhenmeter nach oben chauffierte. Uns stand ab da an eine 4-tägige Wanderung mit Hüttenübernachtung bevor oder anders ausgedrückt: enorme Oberschenkel- sowie Wadenbelastung, wenig Schlaf und eingeschränkter Komfort. Mit je 10 Kilo Gepäck auf dem Rücken, welches nicht mal einen Reiseföhn beinhaltete, marschierten wir die ersten Meter Richtung Fiderepasshütte, die unser erstes Etappenziel werden sollte. „Eine kleine Einstiegsroute für den ersten Tag.“ - „Nichts Wildes.“ So lauteten die Katalogangaben, vorgetragen von Sonja und Tine. Die erste Stunde Wanderung sollte diese Angaben auch noch beherzigen, sodass sich Seli zu einer flachsen Bemerkung „Ich glaube mir macht Wandern Spaß.“ hinreißen ließ. Nach einer Mittagspause, die wir neben einer Kuhherde vollzogen, traf uns dann der Schlag. Eine Bergwand auf halb 12. Keuchend, fluchend und nach Luft ringend, arbeiteten sich Seli und ich den Berg nach oben, während sich Kristin-the-Machine und Work-out-Girl Sonja bereits am Gipfel winkend und freudestrahlend befanden und sich bis zu unserer Ankunft mit Liegestützen und Sit-Ups beschäftigen (so schien es zumindest von unten auszusehen). Tine bewegte sich im Mittelfeld, spürte jedoch ebenfalls die Nachwirkungen des Trainingslagers, sowie Gerüstarbeiten in den Knochen. Als wir endlich die Bergwand erklommen hatten, führte der Weg weiter bergauf, bis wir nach 2,5 Stunden die Fiderepasshütte erreichten. Seli hatte bis dato bereits beschlossen, dass Wandern nicht ihr neues Hobby wird und ich hatte gedanklich die Extraroute „Gipfelbesteigung“ gestrichen, nach der sich die beiden Maschinen Kristin und Sonja direkt nach Ankunft erkundigten. Wir erkundeten derweil die Hütte, welche ein hochmodernes Matratzenlager offerierte, sowie einen Trockenraum aufweisen konnte, in dem wir unsere mit Rei-in-der-Tube gewaschenen Kleidungsstücke fachgerecht aufhängen konnten. Während Kristin-the-Machine und Sonja also die Extraroute Gipfelerklimmung anvisierten und dabei den dezenten Hinweis von Tine „Es handelt sich dabei um einen Klettersteig, das wisst ihr?!“ überhörten, lernte der Rest von uns wie man mit einer Minute Warmwasserdusche zurechtkommt, in der der Einseifeprozess bereits mit eingerechnet ist. Grenzerfahrungen.

„Alles richtig gemacht.“ stellten Tine, Seli und ich fest, als wir frisch geduscht mit einem 0,5 Liter Radler anstießen und das Bergpanorama auf uns einwirken ließen. „Wann wollten die eigentlich wieder kommen?“ „Kann man die schon am Gipfel sehen?“ fragten wir uns als der Uhrzeiger weiter voran schritt, von den beiden Maschinen jedoch noch nichts zu sehen war. Nach knapp 3 Stunden traten die beiden endlich wieder in die Hütte ein und warfen aufgeregt aufgewühlte Sätze in den Raum: „Wir haben überlebt!“ „Ich hatte noch nie so Angst um mein Leben!“ Offensichtlich hatte es sich tatsächlich um einen ungesicherten Klettersteig gehandelt, anstatt jedoch umzukehren hatten sich die beiden bis es nicht mehr ging eine Felswand ungesichert hinaufgehangelt und erst durch einen hinunterstürzenden Felsbrocken, der Sonjas Knopf nur knapp verfehlte, zur Rückkehr bewogen. Man darf die beiden einfach nicht alleine lassen.

Am Abend stärkten wir uns zu deftigen Hüttenpreisen mit einer Maultaschensuppe, Spaghetti Bolognese und einem Apfelstrudel zum Nachtisch und kehrten nach Verarbeitung aller Gesprächsthemen und einer Partie "Wizzard" (fast wie Metho-Skat) in unsere Katakomben alias Matratzenlager ein.

Die Nacht war unruhig. Rascheln, Geflüster, ständige Bewegung im Raum. Wenn es hoch kommt, kam ich vielleicht auf 2 Stunden Schlaf. Den anderen erging es nicht besser. Und um 6 Uhr klingelte bereits der Wecker.

Frühstück für 8€. Zwei harte Scheiben Brot, Wurst, Käse, Marmelade und ein Kaffee. Um 8 Uhr dann wieder auf die Piste.

Die von Kristin als „Hiking-Barbie“ titulierte Seli, musste bereits um 9:30 Uhr feststellen, dass ihre Fitnessuhr auf 100% ausschlug, da hatten wir nicht einmal 1/4 der Strecke bewältigt. Wir befanden uns zu dem Zeitpunkt auf dem Krumbacher Höhenweg und auf 2.200 Meter Höhe, mussten jedoch auf einen Berg auf der gegenüberliegenden Seite überwechseln. Der einzige Weg hierfür führte durchs Tal. 1.000 Höhenmeter nach unten. Wir kamen uns vor wie im südamerikanischen Dschungel, als wir uns den steilen Weg nach unten durch subtropisches Gefilde, entlang grüner Sumpfpflanzen, - vielleicht war es auch Rhabarber -, bewegten und uns starke Knieschmerzen, trotz unterstützender Wanderstöcke, plagten. Erste Blasen machten sich bei Tine und mir im Zehbereich bemerkbar, während Kristin ihre Zehen gar nicht mehr spürte. Auch Fitness-Girl Sonja machte der Weg nach unten sehr zu schaffen, nur Seli hatte ihre neue Disziplin entdeckt und schritt im Stechschritt voran.

Nach einem unendlich erscheinenden Weg nach unten kehrten wir in der „Schwarzen Hütte“ ein, die uns eine Brotzeit und ein erfrischendes Kaltgetränk bot. Zwischen Schmalzbrot und Wurstel referierte Sonja über Elektrolythaushalte, während wir allesamt notdürftig unsere Fußwunden versorgten. Uns stand ein Aufstieg von weiteren 1.200 Höhenmetern bevor und wenn das nicht genug sein sollte führte der Weg auch noch treppenstufenartig nach oben. Keine geschlängelten Serpentinen. Einfach strack nuff! Kristin-the-Machine galoppierte wie eine Bergziege mit Leichtigkeit voran, dicht gefolgt von Sonja. Wir anderen schnauften hinterher und konnten uns lediglich mit dem Motto „Sicherheit vor Schnelligkeit“ bei der Stange halten. Der Elefant war zäh und das Ohr schmeckte widerlich. Seli strich derweilen das Wort „Wandern“ gänzlich aus ihrem Vokabular und fragte sich wie man diese Aktivität überhaupt als Urlaub bezeichnen konnte. Erst das Läuten vieler scheppernder Glocken versetzte uns wieder in einen annehmbaren Zustand. Eine Kuhweide eröffnete sich vor uns, die es zu durchschreiten galt. Während die Power-up-Girls schon weit über alle Berge waren, machten Seli und ich die Entdeckung des Tages: einen, - nein, zwei Esel. Die beiden trabten auf uns zu und ließen sich für ein Selfie mit uns hinreißen. Der Tag war gerettet! Mit neuer Motivation schritten wir wieder voran und arbeiteten unser weiter nach oben. Auf unserem Weg begegneten uns Murmeltiere und eine weitere Wandergruppe, die mindestens genauso erschöpft aussah wie wir, jedoch einen dynamischen Tourguide namens Lukas mit sich führten, der uns ein baldiges Erreichen der Hütte versprach. "Warum er einen Eispickel mit sich trug?", wollten wir wissen. "Na, man weiß ja nie, ihr werdets morgen schon sehen." Und wir alle überlegten bei schweißtreibenden 26 Grad und knallendem Sonnenschein, ob wir den Teil mit der Skiausrüstung für Juli wohl überlesen hatten. Kurz erinnerte ich mich auch an ein sepiagefärbtes Foto aus Uropa Karls Fotoalbum, wo er einen Schneeabhang herunterschlitterte. Nein, das musste eine Fotomontage sein.

Ein weiterer, steil bergauf führender Hügel eröffnete sich vor uns und wir bissen uns durch den Elefanten. Drei Schritte vor, verschnaufen und wieder weiter. Immer, immer weiter. Voller Erschöpfung schmissen sich Tine und Seli ins Gras - es ging nichts mehr. Die zwei Hardcore-Mountain-Girls waren völlig außer Reichweite geraten und man konnte mit dem Handyzoom nur noch konturenhafte Silhouetten von Sonja und Kristin erkennen. "Es hilft alles nicht, wir müssen weiter!" rief ich Seli und Tine zu und lief Richtung Hügelrand. Was danach kam, konnten meine Augen kaum glauben "Seli, schnell! Hier ist das schönste was du je gesehen hast!!" Seli, völlig motiviert und in Erwartung einer wunderschönen Landschaft oder alternativ einer Eselherde, setzte noch einmal zum letzten Turbospurt an. Ich präsentierte ihr das Gebäude vor uns. Die Rappenseehütte. Endstation für die heutige Etappe. "Leute, wollten wir noch zum See über die drei Hügel da hinten?" rief uns Sonja, aufgeregt wie ein Kind zu. "Nein." stimmten Seli, Tine und ich im Chor ein.

Die hiesige Dusche offerierte uns 3 Minuten Warmwasser am Stück, mit der Möglichkeit den Pause-Button zu betätigen. Wir waren unendlich dankbar. Die Haarwäsche war heute gesichert. Sonja und Seli schlugen einem Hüttengefährten sogar noch einen Föhn aus den Rippen, sodass auch die Trocknung der Haare ermöglicht wurde. Die Rappenseehütte war deutlich größer, was jedoch nicht die Bedienzeit beeinträchtigte. In Windes Eile erhielten wir unser Kaltgetränk, sowie ein Schnitzel Wiener Art mit Pommes Frites. Die Organisation in diesen Hütten ist einfach unschlagbar gut.
In dieser Nacht wurde unserer 5er-Trupp zwar räumlich getrennt, da wir in zwei unterschiedlichen Hochbettenlagern unterkamen, jedoch teilten wir alle dieselbe Erfahrung. Schnarcher. Zwei Kreissägen in unserem Raum und eine Turbomaschine, die noch durch drei weitere Wände zu hören war, bei Sonja und Kristin. Schlaf? Eher weniger. Kopfschmerzen? Oh ja.

Am darauffolgenden Morgen wurden zwei Brotscheiben, Wurst, Käse, Marmelade und Tee zu 7,50 € gereicht. Abfahrt um 8:00 Uhr. Ein Frischetief hatte uns zu angezippter Kleidung, Jacke und Buff gezwungen. Um 8:15 Uhr zippten wir wieder ab. Schweißperlen kullerten hinunter. Eine Felswand hatte sich uns erneut in den Weg gestellt.

Die vorletzte Etappe, sollte gleichzeitig die attraktivste werden. Der Heilbronner Höhenweg. "Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Bergerfahrung sind unerlässlich." so stand es im Kleingedruckten. Wie gut, dass wir davon so viel aufzuweisen hatten. Doch zunächst galt es erst einmal hinaufzukommen. Dies sollte zunächst an einer ganz banalen Sache scheitern. Ein Teil der Truppe forderte weniger Selfies und eine schnellere Gehzeit, während ein anderer Teil unseres Trupps eine gezügelte Gangart und mehr Landschaftsgenuss einforderte. Nach einer kurzen, aber deutlichen Aussprache fand man einen Kompromiss und unser Team bewegte sich von nun an geschlossen im Gleichschritt, jedoch mit weniger Bildmaterial, voran. An stahlseilgesicherten Feldwänden erklommen wir den Berg und durchschritten die Helbronner Törle, das Tor zum Klettersteig. Durch unsere einheitlichen, blauen Fleisbach Pullis, die wir zu jedem Abendessen, sowie Frühstück auf der Hütte trugen, hatten wir uns mittlerweile einen Namen gemacht und marschierten nicht mehr unerkannt durch die Berge. "Macht den alpinen-erfahrenen Mädels mal Platz, die sind schneller." Wir drehten uns alle um, suchten wir nach einer durchtrainierten Frauenbergwandertruppe- doch da war niemand. "Was, wir? Wir kennen nur Hügel im Mittelgebirge und spielen Fußball". "Egal, ihr seht sportlich aus und könnt 90 Minuten auf dem Platz stehen. Geht voran!" Es galt mal wieder "Hauptsache gut aussehen!" - bei völliger alpinen Unerfahrenheit.

Als sich der Klettersteig näherte und immer wieder die "Leiter" eingeworfen wurde, schlug mein Puls höher. Der Abgrund war tief, jedoch schräg geröllhaltig. Würde ich es schaffen? Tine hatte vorsichtshalber ein Seil mitgenommen, was sie schon seit Fellhornbahn mit sich am Rucksack trug. "Wir seilen dich an, wenn du nicht drüber kommst." Wie beruhigend. Einige Gedenktafeln erfahrener Bergsteiger weiter, erreichten wir die Leiterpassage. Aufgrund erhöhten Stauaufkommens an dieser prägnanten Stelle, blieb mir gar nichts übrig als schnellst möglich über die Lamellen zu spurten. Höhenangst war gestern,- vielmehr beunruhigte uns die Tatsache, dass andere Wanderer Helme mit sich und später auch auf dem Kopf trugen. Als wir den Kamm des Berges überquerten und das schier unendliche Bergpanorama erblickten, dass sich zur linken auf Deutschlands Seite und rechten auf Österreichs Seite eröffnete, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. "Das ist so schön." wiederholte sich Tine mehrmals. "So schön." stimmten wir alle im Chor ein. Nachdem wir die höchste Stelle des Höhenweges von 2.600 Metern überquert hatten, legten wir eine Mittagspause auf dem Kamm ein und ließen die pralle Sonne auf uns scheinen. Großer Fehler. Trotz Apothekensonnencreme und Kappe sollte ich später eine Retourkutsche erhalten. Diese wurde außerdem durch eine leichte Gehirnerschütterung, die ich mir bereits beim Aufstieg zugezogen hatte, als ich mit Stirn und Nase gegen eine Felsplatte donnerte, gefördert.

"Seli, den brauchst du net!" entgegnete Tine, als Seli den Apfelrest im Müllbeutel entsorgen wollte, Tine ihr diesen aber entriss und in 2.500 Meter Tiefe warf. Und dadurch womöglich einen Butterfly Effect auslöste, wir werden es nie erfahren. Merke: Es wird nichts runtergeworfen, man könnte womöglich eine Lawine auslösen. Wir arbeiteten uns die serpentinenförmigen Geröllpfade weiter hinunter und hangelten uns entlang stahlseilgesicherter Felswände, bis wir ein meterlanges Schneefeld vor uns erblickten. Mitte Juli, in kurzen Hosen und Top durstreiften wir vorsichtig und Schritt für Schritt die Altschneefelder, die kein Ende zu nehmen schienen. "Wenn am Ende eine Eisbude steht, bin ich schwer zufrieden!" Doch es folgte keine Eisdiele, sondern weitere weiße Passagen, die zu Rutschpartien wurden und sich einer nach dem anderen auf den Hintern legte. "Schade, dass wir die Langlaufski im Tal gelassen haben!"

Nachdem sich der Boden wieder unter unseren Boden festigte und wir nach dem Schnee entlang einer wunderschönen grünen, saftigen Blumenwiese schritten, eröffnete sich vor uns ein kleiner See. "Dürfen wir da hin?" bettelten Sonja und ich, bis Kristin endlich nachgab. Wir hatten uns zuvor bei Wanderführer Nummer zwei "Hans" versichert, ob das Zeitfenster noch groß genug war einen Abstecher zum See zu vollziehen. Den Tourguide „Hans“ hatten wir mit seiner Stimmungstruppe am Kamm kennengelernt und er hatte uns mit dem Hinweis entlassen, dass wir uns beim Hüttenwart auf ihn berufen sollten, wenn wir einen Föhn benötigen würden.

Der See erwies sich als sehr erfrischend und bot eine gelungene Abkühlung und Erholung für die Druckstellen und Blasen behafteten Füße.

Die letzte Etappe führte entlang von Schiefergestein und Hobbitwiesen, man konnte sich kaum satt sehen. Als uns beim Abstieg zur Kemptner Hütte eine, lediglich in Bikini bekleidete, Frau mit Mountainbike auf den Schultern begegnete, fragten wir verwundert: "Sie wollen jetzt nicht ernsthaft, diesen felsig, abschüssigen Weg, den wir kaum zu Fuß und mit Wanderstöcken bewältigen können, herunterfahren?!" "Doch, genau das habe ich vor. Wir suchen uns die schwierigsten Passagen raus und steuern diese dann mit gezielter Technik an." "Nur noch Verrückte hier." bemerkte Seli, als die Frau außer Reichweite war. Zuvor waren uns bereits einige Trailrunner begegnet, die an uns vorbeidüsten, während wir unter dem Motto "Sicherheit vor Schnelligkeit" den Berg zu bewältigten versuchten.

"Es gibt kein warmes Wasser mehr!" eröffnete uns der Angestellte der Kemptner Hütte und händigte uns lediglich die Zimmerschlüssel aus. "Na bravo! 8 Stunden Wanderung und dann keine Dusche. Es döff net wahr sein." Wir begruben unseren Missmut mit einem reichhaltigen Menü, bevor auch noch die Küche um 19:30 Uhr schloss. 4 Mordspellkartoffeln mit Kräuterquark und eine Flädlesuppe machten einiges wieder wett. Jedoch kamen wir nicht drum rum uns mit eisigem Quellwasser einer intensiven Wäsche zu unterziehen. Zum Glück hatte Seli die 12er-Packung Duschhandschuhe eingepackt, die sie nun großzügig verteilte. Derweilen hatte sich mein Zustand von "Juhuu,-wir-sind-endlich-in-der-Hütte-angekommen!" zu "Ich-will-sofort-in-mein-Bett-und-morgen-von-der-Materialseilbahn-angeholt-werden" verschlechtert. Schüttelfrost, Schwindel und Übelkeit - vermutlich ein klassischer Sonnenstich mit leichter Gehirnerschütterung. Ich legte mich also frühzeitig in mein Bett und versuchte zu schlafen, während sich der Rest noch mal an den Tisch gesellte. Wir alle erlebten die beste Nacht auf unserer letzten Hütte, hatten wir endlich ein Zimmer zu fünft und ohne Schnarcher, - ja sogar die Stimmen von draußen hörten wir nicht mehr.

Es ging mir am nächsten Morgen überraschend gut und so entschied ich mit den Maschinen Kristin und Sonja noch dem Mutlerkopf zu besteigen, bevor wir uns gemeinsam an den Abstieg begaben. Wenn ich nun im Nachhinein darüber nachdenke, muss ich wohl doch noch Kopf-lädiert gewesen sein, mich für eine weitere Gipfelerklimmung mit diesen beiden Work-out-Girls entschieden zu haben. Zum Glück benötigten wir nur eine gute Stunde bis ans Gipfelkreuz und erblickten aus 2366m Höhe die überwältigende Landschaft. Auch uns konnte man wunderbar von unten betrachten, wie mir später Tine berichtete, da ich mit meinem T-Shirt wohl wie ein pinker Textmarker am Horizont leuchtete. Ein letztes Mal trafen wir auf Lukas und seine Wandertruppe, die sich zugleich nach den fehlenden Teilnehmerinnen Seli und Tine erkundigten. "Die trainieren unten für die dritte Halbzeit. Und die organisieren auf der Hütte noch ne Kirmes." Das Wort 'Kirmes' schallte in diesem Monat hinab runter ins Tal nach Oberstdorf, wo sich Menschenmassen auf den Weg begaben. Als wir uns schlussendlich gegen 12 Uhr zu fünft auf den panoramahaften Abstiegsweg Richtung Oberstdorf/Spielmannsau begaben, kamen uns die ersten Wandertruppen entgegen. Die Sonne prallte bei bestem Badewetter von 27 Grad auf den steil, bergrunter verlaufenden Trail und zwang uns selbst für den Abstieg in die Knie. Dies hielt weitere Truppen aus Köln und Hamburg nicht davon ab in Massen nach oben zu stürmen. Wir standen immer wieder Spalier, als schnaufende und erschöpfte Menschen hochzugs an uns vorbeizogen und wir inständig hofften, dass sie nicht zu sehr enttäuscht waren, dass oben weder eine Kirmes noch Freibier anzutreffen war.

Um die nachmittags Zeit erreichten wir Spielmannsau, ein Ort fast so groß wie Ahrdt, in dem wir unsere hochmoderne Pension bezogen, die uns vorzüglichen Komfort bescherte. Eine heiße Dusche, trockene Handtücher, einen Mülleimer und ein feudales Frühstückmenü mit frisch gebackenen Rühreiern. Man wird wieder so dankbar für die selbstverständlichen Dinge im Leben, die Uropa Karl zu diesem Zeitpunkt sicherlich noch lange nicht kannte.

Der Heilbronner Höhenweg, sowie die Zusatzwege unserer Hüttenwanderung waren eine absolut bereichernde Erfahrung, bei der man mit einem Bergpanorama nicht sondergleichen belohnt wurde. Wir sind begeistert und traurig zu gleich, dass es schon vorbei ist. In diesem Moment zückten die Hüttenwander-Organisatoren Tine und Sonja das Bergweltenprospekt hervor und planten noch während der Rückfahrt die nächste Route. Alpenüberquerung. E5. Von Oberstdorf bis Meran.

Liebe Berge, wir sehen uns wieder!

Die 3 unnützesten Mitnahmen:
- zweites Paar Schuhe (Seli)
- Selfiestick (Juli)
- Baguette (wurde im Auto vergessen)

Die 3 wertvollsten Mitnahmen:
- Blasenpflaster und Magnesiumtabletten
- Rei in der Tube und Feuchttücher
- Armlinge, Beinlinge und Weste

Die 3 großen Lügen der Hüttenwanderung:

1. Gleich geht's nur noch geradeaus!
2. Hier schnarcht schon niemand.
3. Die letzten werden die ersten sein.