Into deep..

Tag 15 + 16

Bevor wir in Knysna eintrafen, machten wir einen Abstecher zum Wildlife Awareness Center "Tenikwa". In einem 20 minütigen Trailerfilm wurde uns mit schmalztriefend unterlegter Musik das Wildgehege näher gebracht, welches wir im Anschluss mit unserem afrikanischen Guide "Wilfried" durchschritten. Wilfried überzeugte mit tiefem Fachwissen und seiner Passion zu den vorwiegend katzenverwandten Tierarten. Leider verstanden wir Wilfried nur sehr schlecht. Bestenfalls jedes 5. Wort. Aus diesem Grund hagelte es immer mal wieder Rügen, da wir nicht alle Sicherheitshinweise und Anweisungen klar befolgten. So wurde das Schießen eines Selfies mit dem Leoparden angemahnt, sowie das Tragen der Sonnenbrille und der auf Augenhöhe einnehmenden Position mit dem Geparden. Wilfried war nicht amused! Dennoch konnten wir mit dem Besuch, dieses sehr schön hergerichteten Geheges, die Sichtung der Wildkatzengattungen abschließen. 

Gegen Mittag erreichten wir den Campingplatz Knysna, wo wir blitzschnell unsere Zelte errichteten und dann mit Sack und Pack nach Thesen Island weiter reisten. Das einzige Optional war heute almost for free. Free Wifi, free live Music und einen Cappuccino für umgerechnet 40 Cent. Unser Tisch im Quay Four Restaurant schien nahezu zu verstrahlen, musste doch jeder die mobilen Daten von 6 Tagen abarbeiten. Da lief für eine Stunde wenig bis gar nichts über die face-to-face Kommunikation, die wir in den vorherigen Tagen doch sehr zu schätzen gelernt hatten. Als sich ein jeder von uns wieder mit der digitalen Außenwelt auf Stand gebracht hatte und auch die heimischen, weltbewegenden Informationen, wie der Gewinn der Australian Open und der EM-Handballmeisterschaft, sowie der Freisprechung von Kuh Verona, erlesen hatte, begaben wir uns wieder zurück auf den Campingplatz. Wir beendeten den Abend mit einem Hackfleischkäsebohnenauflauf und dem Spiel 'Flunky Ball'. Die analoge Gemeinschaft war somit wieder hergestellt. 

"Das ist hier echt Trainingslager Deluxe!" bemerkte löön abermals, als wir mit gebückter Körperhaltung durch die Cango Caves rotierten. Mittlerweile denken wir nicht mehr über die Optionals nach und melden uns einfach für alles an was nach Abenteuer klingt. Finde den Fehler! Nachdem wir  Knysna verlassen hatten kutschierten wir zu unserem vorerst vorletzten Stopp 'Oudtshoorn'.  Es herrschte hier ca. 38 Grad und wir waren sehr erfreut, dass wir an diesem Tag in die abgekühlten Höhlensysteme der Cango Caves schreiten durften. Was wir selbstverständlich nicht bedachten war, dass uns in diesen Tropfsteinhöhlen eine weitere Sporteinheit von ca. 1200 Stufen bevorstand und die tieferen Regionen, durch hohe Luftfeuchtigkeit und verschachtelte Felsspalten, nur schwerwiegend zu durchdringen waren. Die ersten 600 Meter hakten wir problemlos ab, doch der erweiterte Teil der Adventure Tour wurde zu einer echten Herausforderung. Mit den Worten "everything is possible" wurden wir in die 'Letterbox' geschickt, die wir mit Limbo- bis Kriech- und Yogabewegungen durchdringen mussten. Zwischendurch drohte man einfach in den verengten und kaum ausgeleuchteten Höhlentrakten steckenzubleiben. Hallo Klaustrophobie! Meine größte Angst in den Tunneln einen Krampf zu erhalten, blieb uns zum Glück erspart. Schweiß gebadet und atemlos kämpften wir uns wieder zurück zum Anfang der Höhle. Just did it!

Als vorletztes Abendmahl offerierte uns Wendy einen Straußengulasch mit Reis und Kartoffeln. Lecker, lecker! Da die Außentemperaturen immer noch bei gefühlt 30 Grad lagen, beschlossen Maira, Patrick, Jo, löön und ich in dieser Nacht unter den Sternen zu schlafen. Beste Wahl! Trotz, dass wir am nächsten Morgen um 4:30 Uhr von vorbei joggenden, singenden Gefängnisinsassen kurzzeitig geweckt wurden, hätte der Schlaf bei heruntergekühlten Außentemperaturen nicht besser sein können. Man kann schlussendlich feststellen: es muss viel mehr unter den Sternen geschlafen werden! In diesem Sinne, gute Nacht! 



On the rocks!

Tag 13 + 14

"Da ist der Jakobsweg ja nen Scheißdreck gegen!" bemerkte löön unter Schweißtränen. "Wer oder was ist eigentlich Jakobsweg?!" krächzte ich aus letzter Lunge. Wir hatten uns auf den 3km langen Waterfall Trail begeben, welcher uns mit 3-4 Stunden Wanderung schmackhaft gemacht wurde. Dass wir uns dafür jedoch über Klippen, klitschige Steinformationen, sowie Felswände arbeiten mussten, hatten wir dem Kleingedruckten nicht entnehmen können. Die brechende Sonne schlug erschwerend dazu, mit voller Macht, auf uns ein.

Wir hatten den Abend zuvor den schönsten Campingplatz so far erreicht. Tsitsikamma ist an der Küste lokalisiert und bietet einen atemberaubenden Ausblick auf das Meer, welches durch tosende Wellengewalt besticht. Als wir auf dem Campingplatz ausstiegen und das Wellenspektakel betrachteten, wurde uns ganz schnell klar, dass wir den place-to-be gefunden hatten. Man hätte ewig den meterhohen Wellen, die auf schwarze Felsgebilde direkt vor uns einbrachen, zuschauen können. Der dazugehörige Sonnenuntergang perfektionierte das Gesamtbild und ließ uns einmal mehr wahrhaftige Vollkommenheit spüren.

Die ganze Angelegenheit war nahezu perfekt. Doch wenn irgendetwas zu perfekt ist, lauert meistens eine unsichtbare Gefahr, die man Dank all der positiven Erlebnissen und Eindrücke nicht mehr wahrnimmt. War es Leichtsinn, dass wir unsere Wertsachen nachts mit uns im Zelt aufbewahrten? War es völlig unklug diverses Equipment im zugeschlossenen Bus aufzubewahren? Oder war es Nachlässigkeit, dass wir mit einer gewissen Routine und Selbstverständlichkeit nicht mehr jedes Fenster im Bus nach seiner Verschlossenheit prüften? Fakt ist, dass am nächsten Morgen eine unbekannte Unruhe über den Zeltplatz herfiel, als Chris erstmalig den Bus bestieg und feststellen musste, dass sich sein Rucksack nicht mehr im Vehikel befand. Nach weiterer Durchsicht konnte er zwar den Inhalt des Rucksack größtenteils verteilt auf Sitzplätzen wiederfinden, doch fehlten kriegsentscheidende Objekte wie Kamera und Handy. Patrick hatte sich nun auch in das Gefährt begeben und prüfte, das schlimmste vorausahnend, seine beiden Portmonees. Persönliche Dinge wie Bilder, Notizzettel und Karten waren an anderen Orten verteilt, das Bargeld fehlte gänzlich. Zu allem Überdruss waren seine beiden Handys nicht mehr aufzufinden. Tessa meldete unterdessen Verluste im Bereich Snacks und Zigaretten. Auch mir blieb der Atem weg, hatte ich am Abend zuvor doch meine gesamte GoPro Ausrüstung, sowie das Bungee-Videomaterial zwecks Datenaustausch mit Patrick im Van liegen gelassen. Doch es muss eine glückliche Fügung gewesen sein, dass ich meine Elektronikware auf den Sitzplätzen nahe der Einstiegstür platziert hatte. Es stellte sich nach vielen Nachforschungen und Ermittlungen heraus, dass der oder die Einbrecher über ein nicht geschlossenes Fenster Zugriff bekommen hatten und nach allem griffen was eben in Armlängen Reichweite zu erreichen war. Dabei gingen sie noch so gezielt vor, dass sie nur das mitnahmen was für sie von tatsächlichem Wert schien. Allen in allem eine absolute bescheidene Situation für alle Beteiligten. Würden diese Räuber doch einmal kurz nachdenken und wenigstens die Speicherkarte aus der Kamera entfernen. Alles ist ersetzbar, aber nicht die Erinnerungen die man über mehrere Wochen, oder wie in Chris' Fall, über 5 Monate bildlich festgehalten hat. Es ist für ihn das zweite Mal während seiner großen Reisen durch Neuseeland, Australien, USA und Afrika, dass er beklaut wurde. Er trug es mit Fassung.

Während die Polizisten weitere Aufnahmen betrieben und Chris und Patrick weiter interviewten, machten sich löön, Saskia, Maren und ich auf um die Wanderung entlang des Waterfall Trails zu bestreiten. Dass wir den 3km Weg, der mit 4 Stunden Laufzeit ausgewiesen war, zunächst belächelten, sollte sich schon nach wenigen Minuten sehr schnell rächen. Der zunächst durch dschungelartige Wälder führende Pfad, entpuppte sich schon bald als Kraxelerlebnis der nicht ganz ungefährlichen Art. Als wir uns über die ersten glitschigen Felsbrocken entlang des wellengewaltigen Meeres bewegten, mussten wir uns schon die Frage stellen, ob es so klug war ohne First Aid Kit zu verreisen. Mit viel Geduld, Obacht und Muskelkraft erreichten wir doch schlussendlich den Wasserfall, an dem wir einen Lunchstopp einlegten. Lange viel dieser für löön und mich jedoch nicht aus und wir mussten uns wieder auf die Rückkehr begeben. In unserem neuen Activity-Modus hatten wir uns leichten Sinnes für eine weitere Kayaktour um 14 Uhr am selben Tag angemeldet. Bei prallender Mittagssonne spurteten wir also über Stock und Stein den offroad Weg zurück. Hierbei schlug ich mir mal wieder ein Knie auf, aber auch das ist ja nichts gänzlich Neues. 

Atemlos erreichten wir den Kayakshop und freuten uns auf eine entspannte Schipperfahrt auf offenen Gewässern. Stutzig hätten wir bereits werden müssen als uns spezielle Neoprenschuhe gereicht wurden und der Guide auf hohe Meeresgewässer hinwies. Da wir hierzulande nicht immer alles verstehen, konnten wir daraus auch nicht resultieren, dass uns 1,5 km Treppen Auf- und Abweg bis zum Kayak Einstiegspunkt bevorstanden. Unterwegs standen wir mehrfach vor einem Erschöpfungskollaps, mussten wir ja auch noch Paddel und Equipment mit uns schleppen.

Als wir endlich in unseren Booten saßen und entlang der Fjorde Südafrikas paddelten, kehrte erstmals so etwas wie Entspannung ein. Dies lag jedoch hauptsächlich daran, dass eine japanische Familie mit uns unterwegs war, deren Fortbewegungsmodus noch um ein vielfaches unter unserem lag. Der ununterbrochene, schrille und lautstarke Kommunikationsaustausch zwischen der japanische Flotte, trug nicht wesentlich zu einer angenehmen Bootsfahrt bei. Als wir dann auch noch irgendwann das Kayak gegen eine Art Luftmatratze tauschten, mit der wir uns mit Handruderbewegungen fortbewegten, war der Fauxpas gänzlich perfekt. Der überdimensionierete Japanervater kam überhaupt keinen Meter voran. Während löön, Wendy und ich schon seit gefühlten Stunden am Endpunkt ankamen und auf weitere Instruktionen warteten, erreichte der Japaner unter Keuchzuständen die Nähe das Ufer. Und wie lautete dann die Anweisung? Zurück! Scheinbar hatte uns die ganze Angelegenheit so viel Zeit gekostet, dass eine Fortsetzung des Kayaktrips nicht drinne war. Wir ruderten, paddelten und marschierten also die ganze Schoße wieder zurück. Unsere Oberschenkel bis Waden erzählten uns das entsprechende. "Morgen machen wir aber echt mal nichts oder?" "Nee, vielleicht noch den kleinen Hike zur Suspension Bridge, aber that's it."

Am nächsten Morgen machten sich Team Seegarde, Julia, löön und ich um 5 Uhr morgens auf den Weg um mit einer kleinen Wanderung Sonnenaufgang und Suspension Bridge abzuhandeln. Wer hätte denn gedacht, dass wir die 500 Holztreppenstufen durch den Dschungel noch mal marschieren mussten?! Und wer kam eigentlich auf die glorreiche Idee im Anschluss noch hoch zum Lookout Point zu wandern?!? Wir quälten wir uns die steil ausgerichteten Pfade hoch, die und nahezu alles abverlangten. In unseren morgendlichen Wahn, hatte natürlich niemand an etwas zu Trinken gedacht und das vorgelagerte Kiosk hatte selbstverständlich noch längst nicht geöffnet gehabt. Überraschenderweise trafen wir noch nicht mal einen einzigen anderen Wanderer oder Sonnenaufgangsfotografen an. Wer ist denn auch bitteschön so verrückt und kraxelt um 6 Uhr morgens irgendwelche Berge hoch?!? Nachdem wir ein weiteres Schild 500 Meter als 50 Meter identifizierten und auch diese Zusatzmeter überwunden hatten, erreichten wir endlich den Aussichtspunkt. Atemberaubend. Ein bisschen neblig. Aber atemberaubend. 

Völlig dehydriert begaben wir uns auf  den Rückweg und trafen unterwegs noch auf ein paar afrikanische Murmeltiere, die ich euch jedoch als Timons verkaufen werde. Erschöpft erreichten wir gegen 7:30 Uhr das Camp und legten uns wieder. - Nein, das stimmt natürlich nicht, es hielt sich hier nur um einen Wunsch von mir. Tatsächlich änderten wir die Sportart von wandern auf Zeltabbau. Und dann ging es wieder weiter. Auf nach Knysna! 

PS: an die TSV Mädels: auch wir befinden uns in der Vorbereitungsphase. Trainingslager 1.0 abgeschlossen ;)



You only live once

Tag 11-12

"Eine Sache, die ich niemals tun werde ist der Bungee Jump." "Stimmt, das mach ich auch nicht, das geht einfach gar nicht." Nee, also Skydive ist ok, aber von ner Brücke springen? Never ever!" So lautete in etwa die Konversation, die wir auf der erschreckend langen Fahrt von Chintsa zum Addo Elephant mit unseren Fischer-Girls führten. Der Addo Elephant Park weist übrigens eine Vielfalt von Tierarten auf. So sahen wir jede Menge Impalayas, Zebras, Pumbas, Impalayas, Pumbas, Pumbas und .. oh, tatsächlich einen vereinzelten, schon ziemlich verschrumpelten, in die Jahre gekommenen, Elefanten. Er zeigte sich völlig desinteressiert und bewegungslos vor unserer Kamera und im Nachhinein muss ich die berechtigte Frage stellen, ob es sich tatsächlich um ein lebendes Wesen gehandelt hat. 

Die weitere Abendgestaltung belief sich auf Karten, Feuer und unseren ersten Nachbarschaftsstreit. Um sage und schreibe 21:45 Uhr erhielten wir eine deftige Rüge von unserem Wohnmobilnachbarn, ob wir denn nicht die Platzordnung kennen würden und was uns einfiele, um diese unsäglich späte Uhrzeit, noch zu lachen?!?!? Er zückte die Gelbe Karte und drohte mit Platzverweis. Yolo sagt halt eben nicht jedem zu.

Irgendwie mussten wir an diesem Tag noch eine folgenschwere Entscheidung getroffen haben, zumindest hatte ich das am nächsten Morgen so im
Gefühl. Der Tag begann eigentlich recht unspektakulär. Zelte abbauen, Frühstück, Weiterfahrt. Eine kaum spürbare Nervosität durchfuhr den Bus. Das Stimmungsbild der vereinzelten Mitreisenden befand sich im Zustand von völlig aufgedreht bis panisch ruhig. Dabei sollte auch am Mittag noch nichts weiter aufregendes geschehen. Wendy offerierte uns am Zwischenstopp in Jeffrey's Bay einen hervorragenden Nudelsalat mit diversen Soßen. Außerdem gönnten sich löön und ich einen Peanutbutter Milkshake, der auf einer Menükarte in einem wunderschönen, Vintage angehauchten Etablissement namens "Tasty Table" zu finden war. "So, are you guys going for Surfing later on?" fragte uns die liebenswerte Restaurantbesitzerin. "Ehm no, we're going to jump from a bridge." Und damit war es ausgesprochen. Was auch immer uns wieder geritten haben sollte, bzw. welchen Sonneneinstrahlungen wir wohl dem Tage zuvor ausgesetzt waren... aus irgendwelchen, nicht nachvollziehbaren Gründen, mussten wir uns für das Optional 'Bungee Jump' entschieden haben. 

Als wir wieder in den Bus stiegen, erreichte die Anspannung einen vorzeitigen Höhepunkt. Mit der neu erstellten Playlist, die Songs wie "Highway to hell", "The final Countdown"und "Closer to the edge" beinhaltete, wurde die Sache nicht besser. Doch ein Zurück gab es nicht mehr. Die Brücke rückte näher und näher. Als Evanescenes mit "..I'm falling forever" den Schlusspunkt der Playlist setzte, hatten wir den Vorbereitungsplatz erreicht. Wir müssen kreidebleich gewesen sein, als uns die Bungee-Crew das Geschirr für den Sprung anlegte. Nachdem wir noch unser Gewicht mitteilen mussten, welches wiederum mit Edding auf unserer Handfläche, mit einer weiteren eindeutigen Kennung notiert wurde, schauten wir mit ungläubigen Augen auf die 216 Meter hohe Autobahnbrücke. Aus der Ferne sahen wir die ersten Springer und bei mir verdrehte sich alles im Magen. 40 Minuten Wartezeit standen und noch bevor. Nervös trommelte ich unabdinglich mit dem GoPro-Selfiestick auf sämtliche Objekte, die mir in die Quere kamen. Maren fragte nun zum gefühlt 5ten Mal, ob wir nicht doch noch mal aufs Klo gehen wollten. Löön schlug mehrmals die Hände über ihrem Kopf zusammen und konnte Aufregung und zugleich Vorfreude nicht fassen. Saskia analysierte unterdessen ausführlich die Sprungtechnik unserer Vortänzer und schmiedete bereits einen Masterplan wie man möglichst grazil in die Tiefen stürzt. Chris und Patrick waren die Ruhe selbst und sogar von unserer Holländerin Tessa war kein einziges Wort mehr zu vernehmen. Der Rest der Gruppe postierte sich derweilen schon mal an der Zuschauerreling, um uns mental über die doch sehr gewaltige Distanz zu unterstützen. 

Ich gab Julia noch mein Handy zur Aufbewahrung und schnallte mir die GoPro an den Arm. Dann schritten wir los. Eine ewig lange Käfigbrücke, die unterhalb der Autobahn installiert war, sollte uns zur Plattform führen. Ich wagte keinen Blick von diesem eisernen Steg nach unten zu werfen, hätte ich ansonsten wahrscheinlich direkt kehrt gemacht. Maren hielt ihre Hand für mich nach oben, welche ich mit meinen Augen fixierte, um ja nicht in die himmelweiten Tiefen zu schauen. Auf der Plattform angekommen, wurden wir mit Disco/Dance Musik begrüßt. Man hätte hier oben gut und gerne eine fette Party steigen lassen können, ja wenn da nicht noch der Abgrund gewesen wäre. Die Reihenfolge wurde anschließend festgelegt. Patrick, Chris, Maren, Saskia, löön, irgendjemand anderes, ich und zum Schluss Tessa. 

Die Anspannung war nun unaushaltbar. Ich installierte Patrick die GoPro am Arm, wollten wir doch soviele Eindrücke wie möglich sammeln. Patrick schritt mit Hilfe der Crew bis zum Abgrund. Noch ein paar Zentimeter. Ein kleiner Schubser. Sprung. Wir haben vermutlich alle zehnmal lauter geschrien als Patrick selbst, doch wir konnten das alles einfach nicht realisieren, was da vor unseren Augen geschah. Während Patrick wieder hochgezogen wurde, sprang bereits Chris in die Tiefen. Trotz seiner Jumping-Erfahrungen aus Neuseeland, schien auch er das Ganze nicht so leicht nehmen. Dann war Maren an der Reihe. Beim Befestigen des Seils grinste sie nochmals in die Kamera, kurz darauf wurde sie zur Kante geführt. In ihrem Gesicht war nur noch die pure Angst zu sehen. Ein U-Turn schien nicht ausgeschlossen zu sein. Zu zweit gaben die Crew-Mitglieder ihr den Schubs und sie sprang. OMG! Saskia stürzte ja beinahe schon tiefenentspannt die Brücke herunter, während die anderen drei völlig Adrenalingepumpt und euphorisch wieder nach oben manövriert wurden. Derweilen schritt löön mit übernatürlichen Herzschlagimpulsen nach vorne. Ich glaube sie ist sogar von sich aus gesprungen, es sah zumindest so danach aus. Ich konnte noch sehen wie sie sich mit Schwimmbewegungen während des Falls nach vorne bewegte, dann war ich an der Reihe. Meinen Zustand kann ich kaum in Worte fassen. Ich hatte mir vorgenommen alles auszublenden und alle Angst- und Warnzentren des Körpers zu deaktivieren. Mein Puls schlug bis zur Unendlichkeit und ich hatte das Gefühl einer Schockstarre nahe zu sein, je näher ich dem Abgrund kam. Ich stand nun an der Kante und schaute entsetzt hinunter. "No, i can't do it." versuchte ich der Crew mitzuteilen. Doch dann brach von hinten eine Euphoriewelle aus "You can do it!" "Juli, spring einfach!" Mit den Anfeuerungsrufen meiner Truppe  schloss ich kurz die Augen, nickte der Crew zu und bekam dann den Schubser. Fall. 

Ich hatte eigentlich erwartet, dass einem in solch einem Fall, nochmal die Bilder des Lebens durchstreifen und man kurzzeitig mit allem abschließt. Aber dem war ganz und gar nicht so. Man fällt und dann schießt einem so viel Luft entgegen, dass man sogar glaubt wieder Auftrieb zu bekommen. Es ist einfach ein Moment, als ob kurz die Zeit stehen bleiben würde. Na ja, bis halt das Seil fertig ist und man wieder hochgeworfen wird. Adrenalin-Kick pur! Unbeschreiblich! Kann man mal gemacht haben..
Als ich wieder nach oben gezogen wurde, standen die anderen bereits jubelnd und über beide Ohren grinsend vor mir. Wir klatschten uns alle wie nach einer gewonnenen Meisterschaft ab und gerieten in einen unaufhörlichen Euphoriestrudel. Ein absolut unfassbar, geiler Moment, der uns vermutlich für immer begleiten wird und der sich tief im Gedächtnis eingebrannt hat. Es müssen viel mehr Kernerinnerungen gemacht werden! Und das ist eine davon. Denn: you only live once! :)

PS: Erst nach dem Sprung betrachte ich noch einmal den Prospektflyer der Brücke. "löön, wir sind ja von der höchsten Bungeebrücke der Welt gesprungen?!" "Ja, klar hat Wendy uns doch gesagt. Hast du das nicht gewusst?" "What? Natürlich nicht!?! Ich wär niemals gesprungen!"



Rain is down in Africa!

Tag 9 + 10

"OMG, is there a Savanna Factory under your seat?!" stellte Wendy fest, als sie unseren soeben erworbenen Cider-Vorrat von 24 Flaschen à 0,33 Liter für die nächsten 2 Tage erblickte. Fairerweise sollte man dazu erwähnen, dass wir uns diese Flaschenbevorratung mit unseren 2 Schifffrachtgirls im Economymodus sharen und somit noch nicht gänzlich dem Alkoholismus verfallen sind.

Nach einer fast schlaflosen Nacht bei luftfeuchten Begebenheiten, erwachten wir im Hostel des Grauens auf und packten zügig unser Hab und Gut. "Nichts wie raus aus diesem Saftladen!" Zuvor verabschiedeten wir während des Frühstücks noch unsere beiden Mädels Lisa und Camilla, deren Wege sich an dieser Stelle von uns trennten. Eine traurige Angelegenheit, doch wir hielten einmal mehr fest "It's not a goodbye, it's a see you later!" 

Mit neuer Besatzung starteten wir unseren 10 Stunden Trip nach Chintsa. Wie mittlerweile jeden Morgen aktivierten DJ Hecker & Bornhütter die Bus-Playlist mit dem Opener "Africa" und die textsicheren Mitreisenden stimmten zugleich ein. Wer hätten denn gedacht, dass sich die Zeile "the rain is down in Africa" zugleich bewahrheiten sollte. Glaubten wir zwar zunächst noch "Ach prima, dass das jetzt während unserer Busfahrt passiert!" so rechnete sich so mancher schon mal den Aufpreis für eine feste Behausung kurz vor Erreichen des Camps aus.

"Nur die Harten kommen in Garten! Wir können jetzt net bei jedem kleinen Regentropfen upgraden." sprach löön mutig aus, während es in Strömen auf unser Busdach einprasselte. "Das gibt doch so ein kleines Schweden Déjà-vu so wie ich das sehe!" bemerkte ich. Doch wir hatten noch einmal Glück. Der Campingplatz war zwar mehr als durchnässt, jedoch hatte der strömende Regen abrupt aufgehört. Wir installierten Stangen, sowie Planen und begaben uns anschließend zu einer ersten Erkundungsrunde Richtung Strand. Der gräulich bedeckte Himmel sprach zwar nicht für sich, doch konnte man dem endlos langen Sandstreifen entlang des Meeres ansonsten einfach nichts negatives abgewinnen. Mit der neu definierten afrikanischen Weisheit "An apple a day keeps the rain away" stieg unser Apfelverbrauch an diesen Tagen extrem an, erhofften wir dich unseren Teil zu besserem Wetter beizutragen.

Nach einer feuchtfröhlichen Nacht, Kartenspielen und Billardsessions, wurden wir am nächsten Morgen Zeuge einem der sonnenaktivsten und herrlichsten Tage überhaupt. Löön, ich, Selina, die Fischer-Girls und sogar Busfahrer Mike hatten uns für den nächsten Adrenalin-Kick "Quad-Bike" angemeldet. Je ein Offroad Gefährt stand jedem von uns für die weitere Fortbewegung zur Verfügung, mit der wie die nächsten 2 Stunden beschäftigt sein sollten. Über Stock und Stein, entlang von Abhängen, Felsbrocken, versteinerten Unebenheiten und kleinen Canyons schossen wir über die Piste. Zebras, Giraffen und Büffel standen grasend am Wegesrand und schauten neugierig, mal völlig desinteressiert unserem motorisierten Treiben zu. Das ein oder andere Ausweichmanöver blieb ebenfalls nicht aus, als mal wieder eine Herde Impalayas kreuzte oder sich Verästlungen, sowie tiefe Gruben uns in den Weg gelegt hatten. All diese unfassbaren und abenteuerlichen Eindrücke dokumentierteren wir bestmöglich mit der guten alten GoPro, die wir diesmal am Arm, bzw. später am Quad selbst installierten. Doch trotz der videotechnischen Aufzeichnungen konnten wir das, was uns bei einem kurzen Zwischenstopp aufgezeigt wurde, in keinster Weise als digitales Element wiedergeben. Eine unglaublich atemberaubende Aussichtsplattform, die den Blick frei gab auf das weite fruchtbare Land, welches ein Fluss durchzog. Absolut geflasht standen wir auf dem Rand des Plateaus und ließen die fantastische Aussicht auf uns einwirken. Magisch!

Die Strecke wurde abermals felsiger und wies gewisse Herausforderungen auf. Waren löön und ich diesmal an vorderster Front zugegen, mussten wir doch ein paar mal den Atem anhalten, als wir die Felsgewalten überquerten. So manche Schieflage ließ mich schon das letzte Gebet aussprechen. Doch diesmal blieb ich tatsächlich unbeschadet und musste keinerlei Ausfälle verbuchen. Dafür traf es Maren um ein Haar in endlose Tiefen. löön und ich hörten nur einen lauten Schrei hinter uns, konnten aber niemanden erblicken. Der Tourguide machte blitzschnell einen U-Turn und raste Richtung Unglücksstelle. Bei einer verunglückten Lenkung nach rechts hatte sich Maren nahe des Abgrundes begeben und konnte sich nur mit einem beherzten Griff zur Bremse auf dem Quad halten. Puh! Durchatmen. Quad wieder in Position bringen. Weiterfahren. 

Als wir schon den Zündschlüssel des  Quads gezogen hatten und uns Richtung Bus gegeben wollten, plötzlich ein Aufschrei! "There is a turtle!!" Löön und ich drehten uns ruckartig um und konnten unseren Augen nicht trauen. Vor uns bewegte sich ein 40cm großes, gepanzertes Wesen in einem Affenzahn über die Wiese. Wir konnten gar nicht so schnell realisieren und reagieren welchem Getier wir hier gegenüberstanden. Ein Moment voller Vollkommenheit. We finally found our soulmate :) 

Unendliche Schildkröten-Fotosessions später, wanderten wir an den sonnenbestrahlten Strand, der uns ein Gefühl von Urlaub gab. Menschenleere Sandweiten, blauer Himmel, brechend klare Wellen und ein Cider in Hand. Auch wenn die Wellengewalt widerwärtig stark auf uns einbrach, genossen wir die kühle Erfrischung und das einmalige Gefühl von Freiheit. 

Völlig versandet verließen wir den place-to-be und begaben uns einmal mehr in den Modus 'Reorganisation des Backpacks'. Wieviel wertvolle Zeit uns dieser Arbeitsgang schon gekostet hat möchten wir gar nicht ausrechnen! Wendy klingelte um 19:00 Uhr zum Dinner und verwöhnte uns mal wieder mit einem Festmahl. Karamellisierte Süßkartoffel mit einer Chakalakka Füllung, Hühnchen und Kartoffelbrei.  Yummy! Zu späteren Stunden begaben wir uns unserem täglichen Ritual Kartenspielen, Musik & Cider hin. Man muss mal kurz festhalten, dass wir eine verdammt coole Truppe sind und mit Peace and Harmony die Abende füllen. Selbst unsere holländische Kollegin ist mittlerweile fast vollkompatibel, so dass der Trip ohne sie eigentlich unvollständig wäre. Ein Hoch auf Völkerverständigung und die gute alte Harmonie!



One night in Durban (.. und keine Nacht länger!)

Tag 8

Ein Sonnenaufgang ganz glamouröser Art ließ uns noch vor dem 6:00 Uhr Wecker aufwachen, welchen wir zugleich in Augenschein nahmen. Im Angesicht dieser leuchtenden Offenbarung entschieden löön und ich diesmal aber wirklich die ersten zu sein und begannen mit dem Packen, als sich die Seemannsgarde nebenan noch im Snoozing-Mode befand. Wir legten ein spitzen Tempo hin und konnten bereits erste Heringe aus den widerwärtigen Verhakungen des Zeltes entfernen. Ein kurzer Blick nach rechts ließ uns jedoch wissen, dass sich nun auch unsere Mitbewerber an den Abbau begeben hatten. Während wir in Windes Eile weitere Stangen und Haken verstauten und uns an das Zusammenlegen des Zeltes begaben, mussten wir bereits feststellen, dass nebenan nur noch zerdrücktes Gras zu sehen war. Und als wir fluchend die Plane in die dafür vorgesehene Ummantelung mit zweifachen Anlauf manövrierten, hatten unsere Fisherman Friends bereits ihr Frühstück verspeist und sich zur Spülregion begeben. Wir schauten uns wie immer ungläubig an und konnten einfach nur anerkennend feststellen: "Sind sie zu stark, bist du zu schwach." End of story.

Uns stand eine weitere 2 1/2 stundenlange Fahrt bis Durban bevor. Wie freuten uns riesig auf diesen Ort und auch auf die feste Behausung, die uns zu erwarten hatte. Einziger Wehmutstropfen bei der ganzen Angelegenheit war, dass wir 4 unserer Mitreisenden an diesem Ort verlieren sollten. Für Lisa, Camilla und die Schweizer Schwestern war die Tour mit diesem Tag beendet. Dafür sollten neue Gefährten auf den Zug aufspringen. 

So erreichten wir bereits vormittags Durban, welches uns als Stadt voller Missverständnisse, Enttäuschungen und Abschiede in Erinnerung bleiben sollte. Und dabei begann doch alles so verheißungsvoll, als wir mittags in ein Restaurant mit Wohlfühlambiente einkehrten. Hier wurden erstmalig echte afrikanische Speisen offeriert. So entschied sich löön für ein vegetarisches Kürbissandwichbrot, während ich einen Straußensalat mit Fetakäse und Avocados orderte. Der Himmel auf Erden!

Alles danach war eher eine abgeschwächte Form der Vorhölle auf Erden. Ok, das klingt jetzt ein bisschen krass, aber Durban ist nun mal echt alles andere als schön. Der Strand erwies sich mit seinen 70er Jahre Bauten im Klotzsystem, als absolut unattraktiv und erinnerte an ein überlaufenes, versifftes Touristenmekka. Das versprochene Hostel mit Strandblick entpuppte sich ebenfalls als Luftschloss. Wir endeten in einem Etablissement, inmitten einer Ghettogegend, die man weder nachts- noch tagsüber betreten sollte. Das Hostel an sich hatte nun auch nicht direkt den höchsten Sauberkeitsstand. Lisa lies kurzzeitig die Bemerkung "lebende Sofas" fallen und die Badezimmer durchzog ein Hauch von Rost. Getoppt wurden diese ersten Eindrücke durch die Zimmeraufteilung. Ob man überhaupt von einer Aufteilung sprechen kann, wenn sich 10 Mädels 20qm2 teilen müssen, ist die andere Frage. Zusammengepfercht bei luftfeuchten Temperaturen im Triple Hochbettstyle. Clap your hands! 

Wie immer blieb uns nichts anderes übrig als das Beste aus dieser Situation zu machen. Nach unserem sogenannten zweiten Vorstellungsgespräch, in dem wir uns nochmalig bekannt machten um die Neuen an Board zu begrüßen (2 Briten, 1 Australierin, 2 Deutsche, 1 Schweizerin), zelebrierten wir den Abend als Welcome & Goodbye Event. Zwischenzeitlich hatte uns außerdem das altbekannte Wifi-Netz wieder erreicht, mit welchem wir uns mit dem Codewort 'H@rm0ny#' connecteten. Die Bits & Bytes, welche uns anschließend über das WWW erreichten, waren einer bunter Datenpaketstrom aus Bild- und Tonmitschnitten von Mama Ellens zerbrochenem Esszimmertisch, Maries Empörtheit zur Gesamtsituation der Eintracht und Mama Giselas Bildergalerie 'Hund im Schnee'. Daniel steuerte weitere Bild- und Sprachpakete zur Eisregenkatastrophe in good old Herborn hinzu, mit der wir jedoch bei Hitzetemperaturen von +30 Grad kaum umzugehen wussten. 

Um 23:30 Uhr betraten löön und ich schlussendlich das Zimmer, in dem sich bereits 8 mehr oder wenige schlafende Gestalten befanden. Wir versuchten so leise wie möglich in Richtung Horizontale zu schreiten, mussten jedoch durch mehrere undefinierbare Lachflashs immer wieder inne halten. Je schlechter die Bedingungen, desto besser die Stimmung. Wie langweilig wäre doch eine Reise bei der alles nach Plan laufen würde. In diesem Sinne, ein Hoch auf die Planlosigkeit! 




Open Waters

Tag 7

Der zweite Tag in St. Lucia begann nicht sehr vielversprechend. Als wir die sanitären Anlagen des Campingresorts betraten, mussten wir feststellen, dass uns kein fließend Wasser zur Verfügung stand. Weder in der Dusche, noch an der Klospülung und erst recht nicht am Waschbecken. Auch mit der Stromversorgung in der Damentoilette sah es desolat aus. So mussten wir einen wertvollen Trinkwasserkanister opfern, um Arbeitsgänge wie Zähne putzen und Gesichtswäsche abzuhandeln. Zudem stellten löön und ich wenige Minuten später eine Unstimmigkeit in der Magenregion fest. Übelkeit und Kreislaufprobleme knockten uns kurzzeitig aus. Wir erörterten, dass wohl die Einnahme der Malariatabletten nicht zu unserem Wohlbefinden beigetragen hatte und hoffen, dass wir diese Medikation, nach Rücksprache mit der Fachärztin unseres Vertrauen, absetzen dürfen. Auch mein erkältungsbedingter Zustand befand sich an diesem Morgen auf dem absoluten Tiefpunkt. Die Nasennebenhöhlenregion rebellierte völligst! 

Trotz all dieser Widrigkeiten gingen wir einmal mehr gegen uns und machten uns auf zum nächsten Activity-Event: Kayaking. Nun muss man dazu erwähnen, dass Kayaking in St. Lucia anders ist als anderswo. So hievt man zunächst das Kayak durch einen tiefgründigen Matschpfad, verunreinigt sämtliche Bekleidung und kann sich im besten Fall noch irgendwie von dem versumpften Ufer abstoßen. Bis zu diesem Zeitpunkt gleicht und schwitzt man bereits wie ein Schwein. Dass man sich anschließend über Gewässer bewegt, die zu 90% aus Nilpferdkot bestehen, macht die Sache nicht viel attraktiver. Äußerst beunruhigend wird es aber eigentlich erst dann, wenn wenige Meter vor dir ein Krokodil auftaucht oder ein Hai entlang des Kanus cruist. Ich fühlte mich nur deshalb sicher, weil ich neben meinem Paddel noch die Go-Pro, befestigt am Selfiestab, mit mir trug, den ich notfalls als Schlagstock einsetzen konnte. 

2 Stunden hielten wir uns mit unserem Tourguide Crocodile-Dundee, der Dänin Camilla und Team Maritim auf dem braun gefärbten Gewässer auf, ohne von einem der Killertiere gefressen zu werden. Ein erster Erfolg war somit diesem Tag abzugewinnen und wir belohnten uns anschließend mit einem Shopping-Trip durch St. Lucia. Hier kamen wir auch wieder in den Genuss, uns in eines der rar verfügbaren Wifis einzuloggen. Die Kunst hierbei war es, sich möglichst nahe eines verästelten Baumes mit viel Blattwerk aufzuhalten. Die Verbindung schien offensichtlich von der Bewegung eben dieser Blätter abhängig zu sein. Ein absurdes Bild mussten wir 4 handybedienenden Personen zwischen den grünen Zweigen abgeben haben. Vermutlich ging es in den vorbeifahrenden Bussen so "Look, there is hippo. And there to the right is a monkey. Oh and look, there is Wifi!" 

Nachdem wir uns im Camp einer ausgiebigen Dusche (Wasser geht wieder!) hingeben hatten um die braune Matschmasse von uns zu entfernen und auch erstmalig die Tube "Rei" aktivierten, gönnten wir uns im Anschluss ein ausgiebiges Mittagsmahl im nahegelegenen Maritim-Restaurant. Saskia orderte altbewährtes Schnitzel afrikanischer Art, während löön die knusprig gebratenen Tintenfische kostete und Maren und ich versuchten uns an dem Pineapple-Chicken-Burger. Ein Gourmettraum! 

Mit vollem Magen entschieden wir uns einen Verdauungsspaziergang an den Strand zu wagen. Dies sollte die beste Entscheidung für diesen Tag bedeuten und zugleich zu einem der besten Tourdays überhaupt werden. Schon auf dem Weg erspähten wir einige Hippos, die sich im Wasser fläzten. Doch der Beach itself war das absolute Highlight. Gelbgoldener Sand erstreckte sich vor unseren Füßen, endlose Weiten entlang der blauen Wellengewalt und naturgeformten Dünen bildeten ein Postkartenmotiv wie man es kaum kaufen kann. Der feine Sand-Salzwind, der uns durchs Gesicht blies, sorgte für neue Frische und ließ uns die Vielfältigkeit und Freiheit Südafrikas spüren. Und sollte das nicht genügen, konnte ich schon wenige Stunden später eine Art Wunderheilung spüren. Fühlte ich mich noch am Morgen des gelben Hausarztscheins würdig, konnte ich mittlerweile von einer Blitzheilung sprechen. Der von uns als Kurort gekürte Ort St. Lucia, schien durch die Phänomenkombination Meer - Wind - Salz - Sand tatsächlich heilende Kräfte zu besitzen. Ein Hoch auf die Naturmedikamentation! 

Am Abend versammelten wir uns dann alle wieder im Camp. Mittlerweile kann man wirklich von einem Gefühl wie heimkommen sprechen. Mama Wendy kocht für uns Lasagne auf Holzkohlen, Papa Mike richtet das Lager her und wir tauschen Geschichten von unsrem Erlebten des Tages aus. Dazu 1,2,3 Bierchen, Chips, Lagerfeuer und Gitarrenmusik. Was kann diese Vollkommenheit noch toppen?
Nun denn, vielleicht eine Nacht-Hippo-Wanderung. Mit Taschenlampen ausgestattet machten wir uns noch einmal auf den Weg um der Legende marschierender Nilpferde auf St. Lucias Asphaltstraßen nachzugehen. Die strickte Anweisung von Wendy, dass diese überdimensionierten Säugetiere verdammt gefährlich sind und wir einfach nur rennen sollten, sofern eines dieser Kreaturen auf uns zukommen sollte, nahmen wir gewissenhaft an. Wir bahnten uns Wege über Brücken und Trampelpfade, schauten nach links, rechts, oben, unten und in die Diagonale. Doch trotz aller Mutig- und Abenteurigkeit gelang es uns nicht die sagenhafte Geschichte der nachtwandelnden Hippos zu bestätigen. Schade, doch wir werden nicht aufgeben uns weiterhin den Abenteuern dieses Trips zu stellen! In diesem Sinne, stay safe and take care! 

PS: ab morgen sind wir wieder abseits der Zivilisation und im Offline-Modus zu finden. Entsprechende Blogeinträge werden bei Netzverfügbarkeit nachgereicht :)


Happy Hippo Time

Tag 6

Durchquert man die Verkehrsstrecken Südafrikas, sollte man sich so mancher Grundregeln des Straßennetzes bewusst werden. Linksverkehr wird auch in diesem Land, durch die Kolonisierung der Briten, aktiv gelebt, Straßen entsprechen nicht immer dem Asphaltstandard, welchen wir aus heimischen Gefilden gewohnt sind und an Tankstellen steht nicht immer der Rohstoff zur Verfügung, den man für sein Vehikel vorgesehen hat. So unterscheidet man hier zwischen einem Diesel "50" und "500", was übersetzt "dreckiges" und "sauberes" Diesel bedeutet. Vorteil an dieser ganzen Tankangelegenheit ist, dass man gar nicht selbst den Prozess durchführen muss, sondern dem Tankwart lediglich Betrag und Produkt nennen muss und dieser Arbeitsgang anschließend von einer Tankservicekraft durchgeführt wird. Die wiederum gewonnene Zeit kann man entweder zum Zuschauen der Vehikelbefüllung nutzen oder aber beim Window-Shopping (wahrscheinlich eine Ur-Form des Teleshoppings) aufbringen. Meist wird diese Vertriebstätigkeit von Kindern durchgeführt, die gewöhnlich eine Palette an Schmuckherrlickeiten und ein besonders mitleiderregendes Gesicht mit sich tragen. Einen besonders umsatzstarken Tag können eben solche Junior-Salesmänner verzeichnen, wenn sie auf einen, mit europäischen Bevölkerungsgruppen besetzten Bus treffen, deren Insassen mit ganz wenig Überzeugungskraft zum Portmonee greifen und die Kassen klingeln lassen. Ist es nun tatsächlich das aufrichtige Mitgefühl oder aber das eigene Gewissen, das man beruhigen möchte? Fakt ist, dass dieser Vertriebsweg seit Anbeginn der Tage noch immer der erfolgreichste ist und sich daran in Zukunft vermutlich auch nie etwas ändern wird. Was mach ich eigentlich mit den ganzen Ketten und Armbändern, wenn ich wieder zu Hause bin?!

An Tag 5 verließen wir das lieb gewonnene Swaziland und rollten weiter nach St. Lucia, welches sich an der Ostküste Südafrikas befindet. Unterwegs verloren wir trotz Navi kurzzeitig die Orientierung und mussten ein paar mal drehen und wenden um wieder das richtige Ziel vor Augen zu haben. löön und ich hatten an diesem Tag die Ehre in der Frontreihe Platz nehmen zu dürfen und uns der DJ-Tätigkeit anzunehmen. Toto's 'Africa' wurde hierfür aus der Archiv-Playlist aktiviert und auch so manch anderer On-The-Road-Klassiker durfte wieder hervorgeholt werden. 

Am Spätnachmittag erreichten wir die Hippo-Stadt St. Lucia und meldeten uns zunächst für einige Activities für die kommenden Tage an. Bevor wir uns auf den Nilpferdcruise begaben, galt es jedoch erst einmal die Zelte wieder aufzubauen. Ein Upgrade stand dieses Mal leider nicht zur Verfügung, was im Allgemeinen als äußerst bedauerlich befunden wurde. Die anschließende Bootfahrt erwies sich als absolutes Touristenmassenevent und man musste kurzzeitig das Event gänzlich in Frage stellen. "There is a yellow bird to your right side!" Kaum ausgesprochen rannte eine Herde Ü60 Kamerafetischisten zur Reling, so dass das Boot schon zu kippen drohte. Die vorwiegend deutschen und holländischen Rentner wiesen ein unvorstellbares Technikequipment vor, was mich kurz fragen ließ, ob wir vielleicht in eine Filmproduktion geraten waren. Startet das ZDF womöglich eine neue TerraX-Reihe in Afrika? Uns wurde das ganze Spektakel etwas zu absurd und so genossen wir einfach die Bootsfahrt bei untergehender Sonne, wobei wir zu jeder Zeit mit einer kaffeefahrtähnlichen Verkaufsveranstaltung rechneten. Die blieb uns jedoch erspart. Ein paar Hippos konnten wir tatsächlich auch erspähen, hoffen allerdings auf unserer morgigen Kayaktour auf ein wenig mehr Glück.

Zum Abschluss des Tages trat dann das schon fast unwirkliche Ereignis ein. Ein Moment voller Ergebenheit und Ehrfurcht. Es muss gewesen sein so wie damals, als Kolumbus das erste Mal Land sah oder James Cook australischen Boden betrat. Wir konnten unseren Augen nicht glauben, als wir die Buchstabenkette 'braza180' im Zeitlupenmodus eintippten und uns zwei weiße Balken visuell zu verstehen gaben, dass wir verbunden waren. Connected mit der Außenwelt! Wir mussten einen Moment innehalten um zu verstehen was da passierte. Doch viel Zeit blieb uns nicht. In 5 Minuten handelten wir alle Kommunikationstätigkeiten in Windes Eile ab um dann wieder in den Flugmodus zu gehen.

Wie muss es wohl Menschen gehen, die tagelang kein Essen gesehen haben, kein warmes Wasser kennen oder denen ein richtiges Dach über den Kopf fehlt? Und wie weit muss es gekommen sein, dass uns dieser Gefühlszustand schon beim Hinweis "Kein Netz" erreicht?