Klettersteig und Todesangst


Als Einstimmung auf die kommende Anden-Tour Mitte Juni, wurde heute der steilste Weinberg Europas in Angriff genommen. Das Felsmassiv "Calmont" begrüßte uns mit heiterem aber angenehmen Wander-Wetter und bot uns Klettereinlagen á la Alpen! Warum in den Süden fahren, wenn das benachbarte Rheinland doch sein eigenes Kraxel-Erlebnis für Touristen aus Hessen und Holland bereit hält! In Bremm startete der Klettersteig, der uns entlang von Rebstöcken und Traubenachterbahn führte und ein Panorama-Blick auf die Mosel ermöglichtete. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind optimale Voraussetzungen um den Wanderpfad unterstützt von Handläufen und verzinkten Leitern zu überwinden. Und man staune: seit 2006 sind erst zwei Abstürze mit Todesfolge zu verzeichnen. - Wie beruhigend! Um den ganzen noch eines drauf zu setzen, entschieden wir uns kurz vor Routenende auch noch die Todesangst zu erklimmen. Doch außer einem äußerst steilen Aufstieg und einer deutschen Flagge nahe des Abgrundes hatte man wenig zu fürchten. Am Gipfelkreuz angekommen stießen wir mit einer Riesling Spätlese an und blickten auf die wunderschöne Moselschleife. Just-in-time verlief auch der Abstieg, der uns kurz vor Regeneinbruch zurück zum Auto führte. Zum delikaten Abschluss des Wandertages kehrten wir im Weingut Otto Knaup ein, in dem wir vorzüglich verköstigt wurden. Jägerschnitzel mit frischen Champignons und Bratkartoffeln, dazu einen trockenen Spätburgunder Dornfelder 2008er. Es lebe die rustikale deutsche Küche!

Die Route:


Wanderroute 1386195 - powered by Wandermap 

Eindrücke:
 







Zweiburgentour

Zweiburgentour im Lahn-Dill-Bergland:



Wanderroute 54793 - powered by Wandermap 

Ostfriesische Deichmusikanten

 

„…mit Schneestürmen und Temperaturen am Nullpunkt ist an diesem Wochenende an der Nordseeküste zu rechnen…“ – Wie gut, dass die Wetterprognose genauso präzise ist wie die Quellenangaben des von-und-zu-Guttenbergs und sich die raue Küste durch einen Geniestreich in ein blaues Himmelgewand mit strahlendem Sonnenschein verwandelte. Zur Vormittagszeit erreichten wir Wilhelmshaven, wo wir in echter Ostfriesenmanier freundlichst begrüßt wurden. „Junger Mann, wenn dir dein Führerschein lieb ist, drehst du jetzt mal ganz schnell um!“, schnaubte es aus dem entgegenfahrenden Fahrzeug, während Reiner und ich noch völlig perplex auf das mittlerweile in die Jahre gekommene Navigationssystem starrten, welches uns verkehrt herum in eine Einbahnstraße  geleitet hatte. Ilsegret, die Stimme des Navis, wurde postwendend in den Stummmodus verbannt, da sie bereits in vorhergehenden Situationen, wie Autobahnausfahrten und Stadteinfahrten, Minuspunkte gesammelt hatte. Glücklicherweise ließen uns unsere geografischen Kenntnisse innerorts nicht im Stich, so dass wir den Zielort auch ohne Ilsegret problemlos erreichten. Cousinchen Vally stand schon auf dem Balkon bereit und reichte zur Begrüßung Sandwichs und Schnittchen. Nur wenige Augenblicke später erreichten auch Anne und Gerhard das neue Domizil ihrer Tochter, welches besonders Tommy, dem Vierbeiner der Familie, zu gefallen schien. Während Reiner den Kühlschrank mit Unterleghölzern frisierte um den ungleichen Boden auszugleichen, wirbelte Tommy die ganze Bude mit gekonnten Agility-Einlagen ordentlich auf. Gläser und andere Herrlichkeiten drohten dem Boden gleich zu werden, doch der Super-Gau blieb aus. Nachdem Reiner noch diverse Sägearbeiten auf dem Balkon verrichtete und Vally und ich den Kühlschrank wieder auf Position brachten, machten wir uns wieder auf den Weg um noch vor Nachmittagscafé das endgültiges Ziel unserer Reise zu erreichen. Ilsergret wurde hierfür noch mal reaktiviert und leitete uns fast fehlerfrei durch die ostfriesischen Vorzeigeorte Jever und Carolinensiel, bis wir schlussendlich die Ferienwohnung in Altharlingersiel erreichten. Dort angekommen schlugen mir die guten alten 90er ins Gesicht. Denn nachdem ich zuletzt mit zarten 11 Jahren in dieser Wohnung verweilte, hatte sich seit her nicht viel geändert. Die Wohnung erschien wie eh und je. Selbst der Hochstuhl, in dem Cousin Tobias als Baby saß, hatte noch selbigen buntgesprenkelten Pandabärbezug wie vor 15 Jahren. Lediglich der flimmernde Röhrenmonitor wurde gegen ein neuartiges LCD-Fernsehen mit HD- und USB-Anschlüssen ausgetauscht. Auch hier in Ostfriesland schreckt man offensichtlich nicht vor zukunftsbrechenden Innovationen zurück.
Die darauffolgenden Stunden habe ich mich in den abgesicherten Modus begeben und bin meinem hochverdienten Mittagschlaf nachgegangen, den ich nach einer 3-stündigen Nacht bitter nötig hatte. Erst durch einen Aufschrei aus dem Nebenzimmer „Wir haben keinen Kaffee!!!“, erwachte ich wieder aus dem Tiefschlaf. Da ich wohlweislich ausreichend Tee- und Essensvorräte für die nächsten Tage eingepackt hatte, ignorierte ich zunächst die Sorge um die Kaffeemisere. Doch dann holten mich die Ängste für den darauffolgenden Morgen ein: Die miese Laune eines jeden Kaffeetrinkers, der nach Erwachen auf sein täglich Koffeingut verzichten muss. Diese Katastrophe musste unterbunden werden! Und somit machten wir uns eine halbe Stunde eher auf den Weg nach Wilhelmshaven um an einem Karfreitag an irgendeiner überteuerten Tankstelle Kaffee zu besorgen. Nun kann man sich über die seit Jahren kontinuierlich ansteigenden Benzinpreise streiten wie man will – der Mondpreis für das Kilo Kaffee im Aral-Shop toppt dies noch einmal um Längen. Missmutig und aus Protest griff Reiner ein Regal weiter ins Kühlfach und erwarb mit viel Widerwillen ein Fertigprodukt aus dem Hause Néscafe. Und ich dachte bereits an den Morgen…
Punkt 18:30 Uhr erreichten wir das griechische Lokal, in das wir von Familie Weiner geladen waren. Hier wurde uns noch vor Ablegen der Garderobe der erste Ouzo gereicht –weitere sollten folgen. In 7-köpfiger Runde, denn mittlerweile hatten auch Michael und Basti den hohen Norden erreicht, genossen wir den äußerst delikaten Abend mit herzhaften Oliven, Souvlaki und anderen griechischen Spezialitäten, die uns von den angenehm, freundlichen Kellnern serviert wurden. Besonders erwähnenswert hierbei sei nicht nur die ¼ l Karaffe Ouzo, sondern auch der vom Ober betitelte „griechische Bananenlikör“, welcher in einer weiteren ¼ l Karaffe als Abschlussgetränk unserer Wahl dargeboten wurde. Man stelle fest: Der Grieche an sich versteht was von Gastwirtschaft und Unterhaltung und sollte steht’s einem gut bürgerlichen Möchtegern-Hotel-Restaurant-Betrieb vorgezogen werden. Um an dieser Stelle nur schon mal einer späteren Lokalität vorzugreifen.
Im abgesicherten Modus und mit Ilsegret als Alleinunterhalterin machten wir uns gegen 22 Uhr wieder auf die Rückreise nach Altharlingersiel. Dieser Ort hätte gut und gerne in 30 Minuten angesteuert werden können, wenn uns  Ilsegret nicht mit unwahrhaften Routenkommandos die Küste im Zickzackmodus entlang gejagt hätte, welche uns durch sonderbare Orte wie Middlefair und Türkei führte. In einer völlig unfeierlichen Zeremonie wurde Ilsegret ohne Zapfenstreich und Ehrensold in die hinterste Ecke des Autos verabschiedet und ward seitdem nicht mehr gesehen. – Es lebe der analoge Straßenatlas!

Tag 2
„Bitte keinen Biomüll einwerfen, Entsorgungsmöglichkeiten finden Sie auf Seite 7 des FeWo Handbuches. Gerne helfen wir Ihnen bei Fragen unter bekannter Rufnummer weiter“. –So hätte die Aufforderung auf der Küchenmülltonne lauten können. Stattdessen strahlte uns ein unfreundliches, eddinggeschriebenes „Kein Biomüll!“ entgegen. Nun denn, schmeißen wir die Teebeutel in Nachbars Garten? Der ist sowieso schon seit 8 Uhr mit dem Rasenmäher zu Gange! Setzte aber nur die Soundkulisse fort, welche er von der Nacht im fliegenden Wechsel erhalten hatte. Ich glaubte ja es käme vom Meer, doch tatsächlich verursachten erneuerbare Energien in Form von Windrädern, das Geräusch von Weltuntergangsstimmung. Was man nicht alles auf sich nimmt um die Welt zu retten und einen grünen Planeten für kommende Generationen zu schaffen…!
Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem ach-so-leckerem Néscafe, machten wir uns auf den Weg ans Meer. Mit 3 € schlug das Parkticket am Strandparkplatz zu buche, welches im Nu aus der Parkticketuhr durch die Luft zwirbelte und 200m ins Landesinnere flog, ehe es Reiner fangen konnte. „Leicht windig hier“, stellte ich fest, als ich mich mit Schal und Mütze vermummte und meinen Handschuhen hinter her trauerte, die ich in Altharlingersiel liegen lassen hatte. Doch ansonsten gab es keine Anklagepunkte zum Thema Wetter. Blauer Himmel & Sonnenschein strahlten uns entgegen – ein Traum! Mit einem Krabbenbrötchen in der Hand fläzten wir durch den Neuharlinger Hafen und ließen uns mit einer frischen Nordseebrise berieseln. Im Hafenbecken erspähte Reiner zugleich die Attraktion des Nachmittags: Ein kleiner Seeheuler hatte sich zu den Kuttern verirrt und legte ein paar Showeinlagen für die mittlerweile zunehmenden Touristenmassen ein. Heinz-Rüdiger, wie wir in nannten, warf sich auch für zwei Videoclips in Pose, die Reiner in Kürze im hr-Fernsehen unter „Hessens 50 schönste Urtiere“ veröffentlichen wird.
Nach ausgiebigem Souvenireinkauf im Teekontor, wurde es Zeit den nahegelegen Lebensmittelladen aufzusuchen, in dem noch lebensnotwendige Rohstoffe wie Kaffee und Tee zu besorgen waren. Neben der gigantischsten Zwiebel Ostfrieslands landeten um ein Haar auch die ostfriesischen Deichmusikanten im Einkaufskorb. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte diesem Staubfänger aus der Abteilung „Firlefanz und Allerlei“ noch lange nachgetrauert werden. Doch weiter im Tagesgeschehen. Um die Familienbande zu komplettieren, wurde zugleich am Edeka-Markt Familie Claas zum Treffpunkt gebeten. Von da an ging es gemeinsam wieder zurück nach Hafen-City, wo in waschechter Seemannsmanier Schwarztee mit Milch und Klunker-Kandis zu sich genommen wurde. Die Stärkung tat gut, denn der Wind an der See ist rau und eine Fotosession am offenen Meer nicht ganz so sturmstill wie beim indoor-Fotografen in der ländlichen Heimat. Ohne Absturz vom Riff und Haiangriff begaben wir uns vom Deich wieder in einladende Souvenirläden, wo uns Vally und Basti schon mit Teeservice-Schnäppchen des Tages begrüßten.
Nachdem auch noch mal die naheliegende Käse- und Gourmetfiliale und der Schmuckstückladen (Echt Gold- und Silber!!) begutachtet wurde, begaben sich Reiner und ich wieder zurück ins Ferienhaus in dem der Herd schon nach uns schrie.
Wenige Minuten späte hatte ich bereits das Messer für die Zwiebel in der Hand und Krokodils Tränen in den Augen. – Stets eine sehr traurige Angelegenheit, die sich erst durch das Anbraten des Hackfleischs und Kochen der Nudeln relativierte. Auch wenn die Kochsession ohne größeres Drama verlief, sollte sich das Servieren der Speisen als deutlich schwieriger gestalten. „Wieso das Rad neu erfinden, wenn man doch einen Nudelaufschepper benötigt?“, dachte sich Reiner und erfand das Westerwälder Nudelsieb.
Nach getaner Arbeit kehrte Ruhe in die Wohnung ein und ich versetzte mich in den abgesicherten Modus um einen Nachtmittagsschlaf zu halten. Reiner schaute derweilen „Hessens schönste Schlösser“ und verfluchte das HR, als Platz 1 an irgend so ein Hinterwälderschloss anstatt an das Prachtschloss Beilstein vergeben wurde. „Die sind doch alle geschmiert!“, dachte ich mir noch als wir uns Richtung Osterfeuer im Nachbarort Neufunixsiel begaben und unterwegs schon mal den letzten Segen für Altharlingersiel aussprachen, welches so langsam zu verkohlen drohte.
Am letzten Bauernhof in der Walachei angekommen, strahlte uns die Herberge für diese Nacht und das wenige Meter entfernte flammende Osterfeuer entgegen. Weiter nördlich loderte bereits das Ortseingangsschild von Altharlingersiel – bis Mitternacht würde der Ort wohl nicht durchhalten…
Mit ein, zwei Kisten norddeutschem Haake Beck und echtem Ostfriesen Diesel wurde dann das alljährliche Osterfeuer an der See würdig begangen und in lustiger Runde im Bauwagen gefeiert.
Auch der Morgen danach sollte mit DER Feier starten. Die liebe Anne wurde nämlich 50 und ließ uns alle an diesem denkwürdigem Tag teilhaben. Schon zu früher Stunde hieß es raus aus den Betten und ran an die Deko. Mit Girlanden, Presenten, Torten, Kuchen, Kaffee, Tee, Rührei und Speck liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Denn nur ein kurzes Zeitfenster von 37 Minuten stand den Akteuren zur Verfügung um den 50. zu einer Überraschung der ganz besonderen Art werden zu lassen. Auch wenn die erste Fure Kaffee erst mal ordentlich daneben ging und 6 Eier für 10 Leute einfach viel zu wenig sind, gelang der Überraschungseffekt unterstützt von Siegberts musikalischer Audioeinspielung ganz wunderbar.  Anne ließ sich ordentlich feiern und freute sich über Geschenke wie Fotobuch, ostfriesisches Allerlei und ein mobiles Endgerät.
Da Altharlingersiel durch ein Wunder (vielleicht war es die tägliche Flut?), doch nicht in der Nacht zuvor niederbrannte, machten sich Reiner und ich am frühen Mittag wieder nach Hause. Während ich meinen Schlaf nachholte, ließ sich Reiner von „Hessens 50 leckersten Gerichten“ im HR begeistern, musste aber später vor Verwunderung feststellen, dass es die altbeliebten „Säufüßchen“  nicht in die Top Ten geschafft hatten. Im Anschluss an Handkäs und Musik strahlte das HR noch die Pokal-Partie Frankfurt gegen Duisberg aus, in der die hessischen Frauen in einem ganz unansehnlichem Elfmeterschießen das Weiterkommen für sich entschieden.
Um 18:00 Uhr wurde dann das Highlight des Wochenendes angesteuert: Der Werdumer Hof. Auch bekannt für seine serviceorientierten Mitarbeiter, die stets durch professionelles Auftreten beim Kunden glänzen. „Was darf‘s denn heute sein? Ach, Moment! Ich hole mal schnell Zettel und Stift, bei einer so großen Runde könnte das schwierig mit dem Gedächtnis werden."  So oder so ähnlich der Wortlaut unseres Kellners, welcher uns durch den frühen Abend begleiten sollte. Die Auswahl der Speisen war schnell abgehandelt, als auch schon der nächste Zug mit Gästen anrollte und zur Tür eintrat. „Ach, ich liebe die Feiertage!“, sprach der Kellner mit Hochmotivation und einem Lächeln im Gesicht, als im nächsten Moment Kellnerin 2 die Werdumer Flugplatte den Gang entlang schlittern ließ und weiteres Porzellan und Glas hinterher warf. Nun denn, für Unterhaltung war in jedem Fall gesorgt! Und als Frau Kellnerin 3 nach dem Mahl noch die „Kurzen“ servierte und zum Küstennebel-Schnaps ihr Sprüchchen runter leierte, konnte der Abend nur noch durch die Rechnungsabwicklung getoppt werden. „Ach, seit wann funktioniert das denn?“,  fragte Kellner 1 erstaunt, als er zuvor Anne nicht die Bedienungshinweise der Kasse abgekauft hatte und von seiner Kollegin dann aber doch eines Besseren belehrt wurde.
Mit einem Grinsen im Gesicht verließen wir die Gaststätte, verließen wir Werdum und letztendlich auch den hohen Norden. „Wie, Sie wollen jetzt schon abreisen?“ fragte Frau Drasch als Reiner am Montagmorgen an ihrer Tür klingelte. „Nein, ich wollte nur fragen, ob Sie noch den Karton für den LCD-Fernseher haben. Der lässt sich darin besser nach Hause transportieren.“ Und während ich noch die Kacheln im Bad abschlug und Reiner das Ceranfeld und die Backofeneinheit abmontierte, klingelte auch schon der Wecker zur Abfahrt. Wir beluden noch das Auto mit den Bücherkisten und hievten die Gartengarnitur auf die Rückfahrersitze, bis wir uns dann wieder gen Heimat machten.  Unterwegs begutachteten wir norddeutsche Bauernhöfe und Felder, da uns der Feiertagsrückstau auf die Landstraßen bis Osnabrück verbannte. Verschiedene Lokalitäten und Attraktionen ließen wir dabei passieren und kehrten erst kurz vor Autobahnauffahrt in Friedhelms Truck Stopp ein. Denn lasst euch eins sagen:  Wer in seinem Lebtag noch nicht in Friedhelms Truck Stopp war, der hat auch noch keine Werdumer Flachkatzen gesehen und irrt auch heute noch mit Ilsegret durch Einbahnstraßen und Sackgassen. Ein Hoch auf Deutschlands Norden und seine Bürger und Eigenarten!

Resi Adventure Tours nach...HAMBURG

Getreu des Mottos „BGI – Billiger geht’s immer“, einer völlig durchstrukturierten Checkliste und eines äußerst straffen Zeitplans, sollte die Reise in die Hansestadt Hamburg am Freitag um 5.30 Uhr planmäßig beginnen. Doch  trotz diversen Meetings und akkuratem Plan, mussten bereits im Vorfeld einige „Missverständnisse“ aus dem Weg geräumt werden. „Nein Sabine, die Reise geht nicht nach Berlin“ und „Nein Becks, wir haben keinen Platz für 5 Koffer + Beauty Case und Medizinbeutel“, um nur einige Beispiele aufzuführen…

Das Timeshifttable besagte eine Abfahrt zu einer unsäglichen Uhrzeit, an welche sich alle Reiseteilnehmer strikt zu halten hatten. Doch auch Resi Adventure Tours konnte nicht verhindern, dass der Reisebus „Dufke“ mit 10 Minuten Verspätung startete und so bereits zu Beginn der Reise für Durcheinander und Verwirrung bei allen Beteiligten sorgte. Um ein Haar wurde dadurch Hauptteilnehmerin Rebecca Dittmar, ehemals Fromm oder vielleicht doch bald Wernicke, von Reiseleiterin Teresa Schmitt vergessen. In letzter Sekunde konnte dieser Fauxpas durch Einspruch der Mitreisenden verhindert werden.

Mit einer vollständig abgehakten Teilnehmerliste und eines völlig überladenen Sharans (Danke, Becks!!), konnte um 6.15 Uhr endlich die Reise Richtung Autobahn beginnen. Nach Verlassen des Lahn-Dill Berglandes und Überqueren der Landesgrenze wurde dann auch direkt Punkt 1 der Checkliste abgehakt: Ein feudales Frühstückmenü - sponsered by „Resi Adventure Tours & Catering Service GmbH“.

Während unsere jüngste Teilnehmerin (Sabine Sacha) bereits 5min nach Abfahrt die Augen schloss und auch erst 5min vor Ankunft wieder öffnete, konnte sich der restliche Teil der Reisebelegschaft gerade so mit der der Sonderausgabe „Joy – 101 Sex Secrets“ bei Laune halten. Zitat Becks: „Jetzt kann der Sonntagabend ja kommen!“ Als im nachfolgenden Moment selbige Person damit anfing sämtliche Pröbchen der Klatschzeitung zu öffnen und nasentechnisch zu analysieren, sorgte der harmlose Nachkommentar „Da riecht man sich auch ganz schnell nen Wolf dran“ bei Reiseteilnehmerin Julia Hecker für einen 15-minütgen Lachflash.
Dies hielt aber Fahrerin Jessica Dufke nicht vom gewohnten Fahrtempo ab, wodurch der Stadtstaat Hamburg bereits um 11 Uhr erreicht werden konnte.

Hierbei bleibt zu erwähnen, dass ein Müllauto und Abschleppwagen den Weg innerhalb des Stadtkerns blockierte und eine Weiterfahrt erst nach diversen Wendemanövern und Umkehrungen  ermöglichen ließ. Gegen 12 Uhr konnte der Hostel-Parkplatz endlich angefahren und die Reisegruppe in die Freiheit entlassen werden. Nach einer kurzen Toiletten-Session im „Marmelicious“, nahm Reiseleiterin Resi mit Gefährten den ersten Punkt der Checkliste in Angriff: Abholung und Bezahlung der fehlenden Tarzan-Tickets. – Gut, das wäre schon mal abgehakt!

Ab da an hieß es Laufen. U-Bahn. Laufen. U-Bahn. Scherenlauf. Ankunft am Jungfernsteig. Dort erlebten wir das erste Highlight des Tages: Essen im/am Alex bei sommerlichen Temperaturen, Sonnenschein und Zusatzwärme vom Heizstrahler. Tine Nadler äußert an dieser Stelle ihren Unmut beim Kellner, doch dieser dreht nur missmutig die Temperatur des Strahlers herunter. Nach Verzehr der äußerst delikaten Speisen (Burger, Ofenkartoffel und alles was sonst noch besonders viele Kalorien hat…), begutachteten wir Hafencity, den Überseehafen und die Speicherstadt zu Fuß. Die Konditionsreiche erste Traningseinheit endete mit einem 4km-walk zum Strand Pauli. Dort konnten wir allerdings im Jamaika-Style chillen und uns ausgiebig bräunen. Hierbei durfte selbstverständlich ein Astra-Bierchen und eine Fotosession nicht fehlen.
  
Um exakt 16.30 Uhr wurde dieser  Punkt der Checkliste abgehakt und sich einer weiteren Trainingseinheit zugewandt: Treppensprints zur U-Bahn, runter UND hoch!- Bis letztendlich die Sternschnanze erreicht und sich dem Hostel genähert wurde. Mit kritischem und hochskeptischem Blick musterte Becks die Außenfassade der 18€-Absteige „Instant Sleep“ und fragte sich, auf was sie sich hier eingelassen hatte. Auch der durchdringende miefende Geruch bei Betreten der Eingangstür, sollte die Sache zunächst nicht besser machen. Doch nachdem wir uns mit dem 5-Sterne Zimmer à la Jugendherbergestyle vertraut machen konnten und auch die Badeinrichtung auf dem Flur ausgiebig inspiziert und auf möglichen Schimmel untersucht wurde, legte sich die erste Skepsis bei allen Beteiligten. Viel Zeit für Reklamationen gab es eh nicht, da nur ein kurzes Zeitfenster von 2 Stunden für die Abendgarderobe vorgehsehen war. Hierbei sollte erwähnt werden, dass die erste Haar-Session von Tine ebenfalls in den 120min mit inbegriffen war. Der spätere Kommentar einer Facebook-Userin zum neuen Look der Nadler lautete:  „Tine sieht tatsächlich wie ein Mädchen aus!“.
  
Im neuen Hamburger-City-Look begaben wir uns pünktlich auf den Weg zum Musical „Tarzan“, für welches Reiseleiterin Schmitt einen perfekt ausgeklügelten Plan zur „Top-Sitzplätze-Verteilung“ schon seit Wochen ausgearbeitet hatte. Wir sollten nicht enttäuscht werden! Neben den Spitzenplätzen, boten uns Alex & Co. eine fantastische Vorstellung, die wir sicherlich alle nicht so schnell vergessen werden. Schon allein deshalb, weil Sacha und Hecker bereits zu Beginn des Musicals nur knapp einem Herzinfarkt entgingen und Juli glaubte die Elektrik würde zusammenbrechen… Nach der Wahnsinns-Vorstellung (Tränen inclusive!), sollten wir noch ein weiteres Highlight der Musical-Szene erleben: Stage Door – meet up your stars live and in person.  Außer den ungeschminkten Affen, konnten wir auch die Tarzan-Groupies erspähen, welche sich besonders durch ihren durchdachten Kleidungsstil in den Vordergrund drängten. Ein Blick auf Alex blieb uns nur durch die Fensterscheibe vergönnt, doch die medizinische Erstversorgerin Dittmar warnte vor möglichen Erfrierungen am ersten Tag, womit wir uns wieder auf den Rückweg begaben.

Am Hostel angekommen wurden zunächst die angeschlagenen Reiseteilnehmer Jessie und Becks ins  Bett geschickt, die von dort aus das weitere Nachtgeschehen auf Hamburgs Straßen hinter den Zimmerfenstern analysierten. Der Rest der Gruppe fand sich in der nahegelegen Bar „Nouar“ ein, Kostenpunkt: 29 €. Unser Motto des Trips wurde somit schon am ersten Abend hinfällig! Mit 3 Tequila Sunrise und einer Flasche Becks wurde die Nacht trotz alledem zu einem tanzbaren Erlebnis und ließ uns gegen 2 Uhr den letzten Haken für diesen Tag auf der Checkliste setzen.

TAG 2

Das Ertönen des Weckers um 9.30 Uhr bedeutete nicht nur das Aufstehen für alle Reiseteilnehmer, sondern sollte auch gleichzeitig der Hinweiston für die allgemeine Tablettenausgabe bei Apothekerin  Dittmar sein. Heute im Angebot: IBU 200 – 800, welche im Hamsterkauf von Tine (Knie), Sabine (Knie) entgegen genommen wurden. Resi griff bei der Sonderpackung Wick zu und Jessie ließ sich eine Thomapyrin aufschwatzen. Die Ausgeberin selbst griff in ihrem Tabletten-Reservoir zu einer Schlaftablette. Lediglich Mitreisende Juli begutachtete das morgendliche Geschehen mit denkwürdigem Blick und zog das gedankliche Schild „Dagegen“.

Nach den üblichen hygienischen Maßnahmen wurde das nahegelegene „Marmelicious“ für ein äußerst schmackhaftes, amerikanisches Frühstück aufgesucht. Pancakes, Ahornsirup, scrambled eggs und Bagel versüßten uns den Morgen und ließen uns die erste Traningseinheit Richtung U-Bahn durchstehen. Hier wurde die langersehnte erste Rüge für Becks und Tine fällig. Mit den Worten „Es nächste Mal denkste noch mal drüber nach und machst es besser“ wurde der vorhergegangene Vandalismus by Becks von Sabine kommentiert, nachdem die Polizistentochter Resi bereits die erste Anzeige auf ihrem Klemmbrett notierte. Es sollten weitere folgen…
  
Die zwischenzeitlich missmutige Stimmung unter den Reiseteilnehmern konnte erst durch den nächsten Checklistenpunkt „Shopping“ wieder aufgebessert werden. Mit fünf Adidas-Stutzen, einer brandneuen Kapitänsbinde und gefühlten 25 Taschen im Besitze von Shopping-Queen Becks, wurde die Reise Richtung Hafen fortgesetzt. Hier stiegen wir in den Kutter „Iris“, welcher uns mit einem Affenzahn über wellenreiche Gewässer schipperte. Gut und gerne hätten wir hier noch ein paar weitere Stunden drauf verbracht, hätte es nicht so sehr an Action gefehlt, für welche Frau Dittmar gut und gerne am liebsten selbst gesorgt hätte. Ohne Kaffeespende verließen wir gut und gerne das Boot und fanden uns auf einen Fischimbiss am Hafen wieder. Resi aß einen Hot Dog.
  
Im Anschluss durchquerten wir das überteuerte portugiesische Viertel und setzten unseren Weg in Richtung Michel fort. Man bemerke: An Lauftraining hat es uns zu keiner Zeit gefehlt. Im Michel erörterten wir die weitere Abendplanung verbliebenen mit einem Erinnerungsfoto neben dem guten alten Martin Luther, welches von der kath. getauften Sacha geschossen wurde.

Zurück im Hostel wurde eine Ruhepause von exakt 32min genehmigt. Danach hieß es wieder stylen, glätten, locken und schminken. Unser Beauty-Team Bine & Resi stellten hierbei wieder all ihr Können nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei den Reiseteilnehmerinnen Tine und Juli, unter Beweis. Mit neuer Fashion und Style präsentierten wir uns vor dem Hostel und schritten schnellen Fußes Richtung St. Katharinenkirche fort. Sagte ich schritten? Wir hetzten und rannten als ginge es um unser Leben!! Dies wirkte sich besonders negativ auf die Füße der Hecker aus, die zwangsweiße mit Stiefeln über das Kopfsteinpflaster torkelte und dabei ihr Leben riskierte!

Man muss an dieser Stelle fairerweise erwähnen, dass sich der Marathon zu „Nacht der Kirchen“ wirklich gelohnt hatte und wir mit schönem, tiefgründigem Gesang von Johannes Falk belohnt wurden. Den haben wir bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen ;-)

Ein weiterer Scherenlauf stand zum italienischen Restaurant im Portugiesen Viertel an. Allein diese Ironie hätte Warnung genug sein sollen, doch wir ließen uns mal wieder von der schönen Außenfassade und dem gemütlichen Ambiente blenden. Für Sabine bedeutete dies: verbrannte Lippen und einen Anmachspruch vom Allerfeinsten. Sabine: Die Penne Aribiata sind ziemlich scharf, zu scharf.“ Kellner (lacht): „Ich glaube DU bist zu scharf“ und nimmt den Teller mit. In der nachfolgenden Szene wurden mehrere Straßenmülltonnen durch das gesamte Restaurant, entlang der feineingekleideten Gäste gezogen. – Nein, dieses Etablissement kommt nicht auf Resis Hamburg-Stadtführer!
  
Nachdem sich alle Teilnehmer noch mal ordentlich mit Tabletten und Espresso für den weiteren Abendverlauf aufputschten, nahm die Trainingseinheit „Sitesteps vorwärts“ und „Sprints upstairs“ auch schon wieder ihren Lauf. In Gedanken sah Juli schon den Krankenwagen für gebrochene Fußgelenke und Fersen vor sich stehen, doch durch ein Wunder erreichten wir den Kiez dann doch ganz unversehrt.

Das Bild mit dem wir hier konfrontiert wurden, erschütterte insbesondere den eher konservativ und wohlbehütet aufgewachsenen Teil der Reisegruppe. Die Lusthäuser reiten sich nur so vor uns auf. Wir durchschritten das Reeperbahnviertel raschen Fußes und ließen uns trotz alledem an jeder Ecke mit Free-Drinks, Free-Entries und Free-Garderobe immer wieder aufs Neue beschwatzen. Schlussendlich landeten wir in der Bar ohne Namen. Wir möchten sie an dieser Stelle einfach mit „Sabines Bar“ betiteln. Mit einem Erdbeerlimes und einem Heineken in der Hand sollte der Abend beginnen. Gleich zu Beginn wurden wir schon mit Beats aus den 90ern und einem „Give me everything tonight“ beschallt. Auch wenn sich Becks erst mal adjustieren musste und den Rest der Gruppe alleine tanzen ließ, stellte ihr gleichnamiges Tattoo wohl die größte Attraktion des Abends dar. So wurde Reiseteilnehmerin Dittmar zur Fotoattraktion, während sich die Nadler einen Typen vom Hals zu halten versuchte, der sich mit einem „ich  habe schon einen Freund“, einfach nicht zufrieden gab. Juli beendete diese Session mit ein paar knappen aber erfolgversprechenden Worten und stellte wieder klare Verhältnisse dar. Lediglich Reiseleiterin Schmitt hatte mit einem hartnäckigen Fan bis zu letzt zu kämpfen, den sie dann aber auch ohne Herausgeben ihrer Nummer in der Bar stehen ließ.
 
Wir verließen den angesagten Club gegen – ich habe keine Ahnung mehr - wie viel Uhr und suchten die in Resis-Reiseführer stehende „Barbarabar“ auf. Keine 5min dauerte unser Gastauftritt in diesem subtropischen Gefilde, in dem die Luft regelrecht stand. Draußen angekommen erinnerten wir uns an die anfangs umworbene „Passion“ – Lounge, für die wir noch immer meterweise Bons hatten. Und um noch einmal das Motto „BGI“ aufzugreifen, machten wir uns auch sogleich auf den Weg dorthin. Am meisten erfreuten sich die Reiseteilnehmer Dufke, Dittmar und Hecker über die annehmlichen Sitzplätze, welche eine Wohlfahrt für die blessierten Füße darstellten. Sekt wurde auch noch gereicht, doch schon nach wenigen Augenblicken war klar, dass dieser Schuppen das Ende unseres Reeperbahnbesuches sein sollte. Der Uhrzeiger schritt bereits auf 3 Uhr voran, was Fahrerin Jessie dazu alarmierte den Heimweg einzuläuten. Die lädierte Belegschaft schloss sich an, wobei der Programmpunkt „Fischmarkt“ beinahe zu scheitern drohte.

Am Hostel angekommen wurden sogleich wieder einmal Grüppchen gebildet. Team D begab sich in die Horizontale, während sich der Rest der Group noch mal auf die Couch im Nouar fläzte. Hier ergab es eine weitere Splittung. Team Jung & Alt machte sich noch einmal auf den Weg Richtung U-Bahn um der Checkliste gerecht zu werden und Programmpunkt „Fischmarkt“ abzuhaken. Währenddessen begab sich Team Mittelfeld auf die Suche nach dem 13. Stockwerk wo noch Halligalli zu erwarten war. Doch die Expedition endete wegen fehlendem Stempel!

Somit ist festzuhalten, dass die Sacha und die Nadler am längsten durchhielten und somit in die Geschichte der Resi Adventure Tours eingegangen wären. Vorausgesetzt sie hätten den 15€-teuren Aal vom Fischmarkt als Beweismittel mitgebracht und hätten beim Eintreffen ins Hostelzimmer nicht 80% der Mitreisenden aus dem Tiefschlaf geweckt.

TAG 3

Nach einem 1 ½ - stündigem Packmanöver, bei dem Jessie eine Bierflasche mit Inhalt auf dem Boden verteilte, Becks ihre 2 ½ Tage alte Bierflasche auf dem Spind stehen ließ und Juli mal wieder die Letzte war, checkten wir aus dem Hostel aus und spurteten im Scherenlauf zum letzten Programmpunkt: Stadtrundfahrt.
Die höchst informative 1½–stündige, bilinguale Tour, wurde noch einmal gespickt durch Ermahnungen und Rügen der Reiseführerin und einem „Juli, -du -hast -dich -schon -wieder -falsch –abgemeldet“ –Ruf –durch –den –Bus –der Nadlerin.

Punkt 14.15 Uhr zündete Jessie den Motor des Reisebusses „Dufke“ und brachte uns durch gefühlte 25 Staus sicher und präzise in die Heimat. Für die 7-stündige Fahrt bleibt als Statistik zu erwähnen:

-    5 Anzeigen + Beweismittel, notiert und protokolliert by Teresa Schmitt
-    Die Stadt Bielefeld gibt es gar nicht
-    Paderborn hätte mit einem kurzen Zwischenstopp erreicht werden können
-    Ehen können auf Autobahnen zerbrechen
-    Die Kaution für T.Nadler aus M. wegen Benutzung der falschen Toilette, konnte noch einmal unterbunden werden
-    Alle Weberlies wurden verspeist

Abschließend bleibt zu sagen „Ahoi und Tschüss“! - Bei Resi Adventure Tours wird Ihnen gezeigt wo’s lang geht. Im Zweifelsfall: „Denk noch mal drüber nach und machs besser!“

Finished!



Die Verkäuferin für Tabakwaren schleuderte mir ein kurz angebundenes "Finished" entgegen, als ich nach einer vereinzelten internationalen Briefmarke fragte.

Somit lautet das Resume der vergangenen Tage folgendermaßen:

Fakt ist, dass...

1. ...drei Tage Mailand völlig ausgereicht hätten, wir aber nun mal 4 gebucht hatten.

2. ...es in Mailand keine italienischen Kräuter zu kaufen gibt.

3. ...die Wasserqualität zu wünschen übrig lässt. (wie man es an den Haaren merkt!)

4. ...die Postangestellten genauso lahm und unfreundlich sind wie in Deutschland.

5. ...wir unsere Fließjacke hätten zu Hause liegen lassen können.

6. ...Becks so gut gegessen hat wie schon lange nicht mehr.

7. ... ich von oben bis unten von Mosquitos verstochen bin und wie das Sams aussehe!

8. ...wir schon nach dem ersten Tag nicht mehr auf den Verkehr beim Überqueren der Kreuzungen geachtet haben und uns bis heute die Funktion der Zebrastreifen in Italien unklar bleibt.

9. ...man in Mailand auch viel Schrott kaufen kann.

10. ...6 Stunden Aufenthalt am Flughafen defintiv zu lang sind.


Als Abschiedsgeschenk servierte uns Mailand ein Blitzgewitter von ganz unglamouröser Art.
Wir schauten aus dem Hostelfenster und erblickten 4 gestreifte Marktbuden. In der Hoffnung dort nun endlich die italienischen Kräuter & Olivenöl zu erwerben, stürmten wir in kurzen Hosen und Flip Flops in diese Richtung. Doch wieder nichts! Außer 2 Weintrauben konnten wir keinen Erfolg verbuchen. - Schlimmer noch: Auf dem Weg zurück ins Hostel schlitterte Becks über nasse Treppenstufen ins Ungewisse. Wie gut, dass wir doch einigermaßen fit sind. Bevor wir die Reise zum Flughafen fortsetzen konnten, blieb uns nur eine Zwangspause auf Pflastersteinen übrig, da wir wohlweißlich den Regenschirm zu Hause haben liegen lassen.

Nachdem sich die Wetterlage von Sturmregen zu diesig gewendet hatte, traten wir den letzten Weg an. Noch einmal ließen uns unsere geographischen Kenntnisse zwischen Piazza Fontana und San Babila im Stich, bis wir schlussendlich im Express Bus Richtung Airport "Linate" saßen. Zügig ließen wir die Stadt hinter uns. - Nein, hier müssen wir nicht noch mal hin."
"Was hälst du davon nächstes Jahr im Schlussverkauf noch mal nach Mailand zu jetten?" - "Gute Idee, das machen wir!"

Nach unserem 6-stündigem Flughafen-Aufenthalt erwartete uns dann auch noch ein Flug durch Gewitter mit Turbulenzen vom Allerfeinsten. Doch Thomas hatte alles im Griff. Er landete wie auf Butter am Frankfurter Heimatflughafen. Und die deutsche Ordnung schlug uns entgegen.
Menschen mit Warnwesten auf dem Rollfeld, saubere & gepflegte Toiletten, sowie die guten alten Villeroy&Boch Badamaturen. Daheim weiß man doch was man hat!

Ein Hoch auf die deutsche Ordnung!

see you soon,
juli & becks :o)

Bella Italia!

Ein neuer Tag in Mailand: Heute ist Shop...aehhh Sightseeing angesagt.
Auch der wuetende Platzregen konnte uns nicht von kultureller Weiterbildung abhalten. Lediglich die Diskussion ueber das geeignete Schuhwerk warf uns in unserem Zeitpan etwas zurueck. Fazit: Mailand wird auch durch Regen nicht sauberer - also: geschlossene Schuhe!

Mit Bus und Bahn (ein Hoch auf das italienische Ticketsystem!) hiess der erste Stopp Castello Milano. Enttaeuschend blickten wir auf den mit Gras bewachsenen Burggraben "Wo ist denn hier das Wasser??" - "Das ist ja langweilig!". "Schau mal - da drueben gibt's Handtaschen!" Nachdem wir das Schloss in windes Eile abgehandelt hatten, konnten wir uns wieder DEN Dingen in Milan zuwenden. Feilschen am Firlefanzstand.

Zwischendrin doch noch ein wenig Kultur. Schlendern durch den nahegelegenen Park (Parco Sempione) bis hin zum "Arco della Pace". Vergleichbar mit dem Brandenburger Tor...nur ein wenig chilliger und super geeignet fuer Fotosessions.

Dann ging es ausnahmsweise einmal ohne Unterbrechung zum naechsten Kulturhighlight: Der Mailaender Dom. Was uns hier erwartete, damit haetten wir nicht gerechnet. Die Einlasskriterien sind rigoroser als in jedem Szene-Club. Die aufgefuehrten Verbote wurden von uns zu 90% erfuellt: Kurze Hose, kurzer Rock, aermelloses Top, Kamera, Handy, Gepaeck und Sprechverbot. Zum Glueck hatten wir die Flip Flops daheim gelassen und wurden nur wegen Becks Oberteil anbelangt. Dieses konnten wir jedoch schnell mit dem noch umzutauschenden T-Shirt uebertuenschen. - Ist doch egal, ob da en Preisschild dran haengt!

Perfekte Ueberleitung "One thing is for sure, you can change without a Kassenbon" :o) Das waere in good old Germany niemals moeglich gewesen. Ohne Vorlage eines Kaufbeleges haetten unsere akribischen deutschen Geschaeftsleute unter keinen Umstaenden mit uns verhandelt. - Bella Italia!

Nun aber zum Showdown:
Nachdem wir uns wieder einmal von einem 8-stoeckigen Kaufhaus haben blenden lassen, beschlossen wir, dass so ein Eis in Italien doch am besten schmeckt.
Waehrend ich (juli) meine Bestellung aufgab, lernte Becks Ali aus Indien kennen. Er schlug ihr ein schleimiges "You are beautiful" an den Kopf und Becks konterte knueppelhart mit "I know!". Im folgenden Gespraechsabschnitt versuchte er um die weitere Abendplanung zu feilschen. Nachdem ich endlich mein 2,50 € Eis in den Haenden hielt, gesellte ich mich zu der lustigen Runde. Ohne zu zoegern beendete ich die Diskussion mit einem knappen "We have other plans. Ciao!"
Hastig stuermten wir davon, denn merke: Mit den Indern ist nicht gut Kirschen essen.

Da wir aus finanziellen Gruenden auch diesen Abend mit Reste von Spaghetti Bolognese ausklingen lassen mussten...aeh...wollten, fuehrte unser Weg noch einmal zu unserem lieb gewonnenen BILLA-Supermarkt. Aber auch hier wurden wir heute enttaeuscht. Ausnahmsweise hatten heute mal 3 Cassas geoeffnet, wo sich gestern noch die Schlange bis zum Frischfleisch tuermte. Aber man muss im Leben Abstriche machen. Schnippig und ohne Worte  pfefferte uns die neue Angestellte "Stefanie" unser Rueckgeld auf den Frontdesk. Auf die vorsichtige Frage nach einer duennen gelben Plastiktuete, flog uns ein grimmiges "20-Cent" entgegen. - Komisch, gestern gab's die noch fuer lau.

Fakt des Tages: Es ist wie ueberall. Aussen hui - innen pfui!

Cassa, Cassa!

Heute morgen kam die direkte Retourkutsche von unserem gestrigen Spaeteinfall ins Hostelzimmer. Dass wir gestern die letzten im Bett waren, liessen uns unsere Zimmergenossinen deutlich spueren. Am eindringlichsten war das 2-stuendige Rumgeraeusel der Japanerin. Mit Ringen untern den Augen und voellig zerstochenen Beinen (wie immer nur ich, juli) erblickten wir das Tageslicht.
Nein, geschlafen hatten wir wahrhaftig nicht gut. Gedankliche Notiz: Heut Abend Ventilator uffroppen!

Nichts desto trotz war unser Plan fuer den heutigen Tag klar: Shoppen!
Im neuen mailaendischen Look begaben wir uns unters Volk um die Modeszene mit unserem nicht vorhandenem Geld zu begluecken. Ein aeusserst schwieriges Unterfangen bei dem Hindernisparcoure und Stolperfallen die Sache deutlich erschwerten. Hier ein kurzer Dank an die Touristeninformation, die uns mit einem Plakatgrossen Stadtplan ausruestete und wertvolle Informationen mit auf den Weg gab.

So lernten wir auch endlich oeffentliche Verkehrsmittel kennen. Kommentar Becks "Warum sind wir eigentlich bisher immer gelaufen?" und schaut mitfuehlend auf meine mit Druckstellenpflaster uebersaehten Fuesse.

Und dann erreichten wir Buenos Aires - eine 2km lange Einkaufsstrasse, die auch von Strassenhaendlern bevoelkert wurde. "Was verkaeft ies do hinne dann?", als Becks den neonleuchtenden Stand mit viel Bling Bling erspaehte. Doch wir liessen uns nicht beirren - zu oft wurden wir in den 2 Tagen schon ueber den Tisch gezogen. Hier bleibt jedoch zu erwaehnen , dass Juli es am ersten Tag bereits schaffte ein Armband (echt Leder natuerlich!) von 8 auf 5 Euro runter zu handeln.
Postwendend wurden wir dafuer heute bestraft. Ehe wir uns versahen hatten uns zwei dunkelhaeutige Mitbuerger ein Baendchen um den Arm manoevriert (angeblich for free), letzendlich hatten wir jeder noch ein Ersatzbaendchen fuer unseren Boyfriend und 6 Euro am Bein. Man goennt sich ja sonst nichts!

Eigentlich hatten wir ja aus dem guten Marco Polo Reisefuehrer gelernt: Wenn irgendwo was trinken, dann nur als Take-away. Doch da es in Mailand an von-Volksbank-gesponserten-Sitzbaenken mangelt, bleibt einem manchmal nichts anderes uebrig, als in ein Cafe einzukehren. Die zwei Cola schlugen mit 9 Euro zu Buche, was mal wieder ein riesiges Loch in unsere Portokasse riss. Keine Angst Leute, wir werden unser Geld schon los!

Mit gefuehlten 150-Kilo Gepaeck (12 Einkaufstaschen aus unterschiedlichen Laeden), begaben wir uns zurueck Richtung Hostel. Vom schlechten Gewissen gepraegt, beschlossen wir uns heute Abend selbst zu verpflegen. Mit Spaghetti Bolognese und Hasenfutter-Salat liessen wir den Tag ausklingen. - Wie gut, dass es wenigstens noch geschmolzene Kinderschokolade gibt!

Fakt des Tages: Morgen werden die Shopping-Plazas umgangen und sich auf Sightseeing-Tour begeben. Nachkommentar Becks: "Ich muss aber noch das Teil hier umtauschen," "Ah ja, dann kann ich doch auch noch mal kurz bei den schoenen T-Shirts da unten gucken" - juli