Temple-up your life

Die Epidemie für Übelkeit und Magenverstimmung schlägt größere Kreise. Mittlerweile mussten sich auch Michael und Jonathan ihrem Schicksal ergeben und heute das Bett hüten. Mein Magen leistete bisher guten Widerstand, doch ich schätze, dass auch meine Tage gezählt sind. Abwarten und präventiv Ingwertee trinken lautet weiterhin meine Devise, mit der ich hoffentlich bis Tourende durchhalten werde.

Von Mandalay führte der Weg weiter durchs Landesinnere nach Bagan. Die 5-stündige Busfahrt wurde zu einer holprigen Angelegenheit, lässt die Asphaltierung der Wege zu wünschen übrig. Bananenstauden, Reisfelder, Palmen, Kokosnussbäume, schilfbedeckte Wohnhäuser und Plastikmüllberge zierten die Weiterfahrt. Am liebsten wäre ich ausgestiegen und hätte mal ordentlich aufgeräumt. Besonders verdreckt sahen die angrenzenden Flussbetten aus. Die Armut der Bevölkerung machte sich, je weiter man nach Westen vordrang, deutlich bemerkbar. Kinder rannten an unseren Bus und klopften, um Wasser bettelnd, an die Scheibe. Der Toilettenstopp wurde zudem zu einer Herausforderung, bei der man zunächst einen kleinen Plastikmüllbach überqueren musste, bis man in das notdürftig zusammengeschreinerte Bambushäuschen mit Kloloch vordrang. In Bagan angekommen, mussten wir unseren Status als Westexoten sogleich ablegen. Das Tempel- und Pagodenmekka Südostasiens, hatte es wohl in die letzten Lonely Planet Ausgaben und in das Aldi-Fernwehreisen-Blättchen geschafft. Bei dem hohen Andrang an europäischen Touristen, hatte sich außerdem hörbar das Vokabular der lokalen Händler gewandelt. Mit "Discount, Discount" und "Special price for you", wusste man sogleich wieder mit wem man es hier aufnehmen würde. Hatte ich mich bis zu diesem Zeitpunkt noch tapfer mit Souvenireinkäufen zurückhalten können, wurden mir auf einen Schlag gleich zwei Sangon-Hosen und eine Postkartenreihe "Best-of-Bagan" untergejubelt. Die Bewohner hier haben eine unglaublich penetrante Ader ihren Firlefanz an den Mann zu bringen. Spurt man nicht und schlägt das unschlagbare Angebot aus, wird man zugleich mit bösen Blicken und harten Worten gestraft. Auf dem lokalen Markt verfolgte und stalkte mich eine Händlerin so penetrant, dass ich kurz davor war die Contenance zu verlieren und ihr deutlich die Wacht anzusagen. Anstatt dessen hörte ich jedoch auf meinen inneren Buddha, schaute sie ruhig an, lehnte das Angebot dankend ab und schlug ihr anstatt dessen vor, etwas zu Essen auf dem Markt zu kaufen. Zugleich hatte ich ihren Wocheneinkauf von einem halben Dutzend Eiern und 2 Kilo Reis am Hals. Nun denn, immer noch billiger als ihre Hautpflegeprodukte zu kaufen, für diese sie 20.000 Kyat verlangte.

Der Sonnenuntergang in Bagan entsprach nicht so ganz unseren Erwartungen und ich überlege mir schon wie ich den, sich über das halbe Bild störend liegenden Parkplatz heraus retuschieren kann. Tourismus ist Fluch und Segen zu gleich. In dem Moment wo Selfiesticks und überdimensionale iPads sich vor deinem Gesicht breit machen und extrem schlechte Bilder direkt ins World Wide Netz übertragen, weißt du, dass es nicht mehr weit mit der Menschheit gehen kann.

Doch Bagan hat auch jede Menge Gründe für seinen Status als Touristenmetropole. Die 2.100 Tempel, von denen wir lediglich 8 besichtigten, fügten sich in einer grünen, saftigen Busch- und Waldlandschaft wundervoll ein und entwickelten eine mystische und geheimnisvolle Atmosphäre. Ein Best-of-Moment erlebten wir beim Sonnenaufgang, für den wir bereits um 5 Uhr morgens das Hotel verließen. Wir stiegen einen Tempel mitten in der grünen Dschungellandschaft hinauf und blickten auf eine magische Landschaft, die sich vor uns auftat. Der Geruch von frischem Tau, Wald und Kräutern zog an uns vorbei und eine Hülle von Vogelgezwitscher unterlegte die ansonsten großartige Stille um uns herum. Die Kameralinse blieb für diesen Moment geschlossen, denn manche Dinge kann man einfach nicht auf Bildern festhalten. Man muss sie selbst gesehen und erlebt haben.



Road to Mandalay

... da waren's nur noch 12. Unsere ehemals 15-köpfige Truppe ist mittlerweile auf 12 Personen geschrumpft. Eine Deutsche musste aufgrund familiärer Angelegenheiten bereits am zweiten Tag kurzfristig abreisen. 2 weitere Deutsche wählten heute das Hotel, anstatt der Erkundung Mandalays. Marie plagte eine Magenverstimmung und Alena musste wegen einer Augenallergie pausieren. Auch mich hätte es beinahe dahingerafft, streiken mittlerweile meine Fußsohlen über Dauerverschleiß. Dazu ist anzumerken, dass wir die Hälfte des Trips barfuß bestreiten, da die Tempelanlagen nur mit bloßen Füßen betreten werden dürfen. Der aufgeheizte Bodenbelag des Tempelaußenbereichs heizte bei 40 Grad entsprechend ein und vermittelte einem das angenehme Gefühl sich auf Herdplatten zu bewegen. Goodbye Fußhaut, für was brauch ich dich schon? Der Trip (oder der Buddha, da bin ich mir noch nicht so sicher) sendet eine Herausforderung nach der nächsten. Für die heutige Bootsfahrt mussten wir mehrere proprietär befestigte Holzblanken überqueren, bei dem mir um ein Haar meine Kamera in den Fluss gestürzt wäre. Glücklicherweise rettete Ellen das Bildablichtungsgerät in letzter Sekunde. Erwähnte ich eigentlich bereits die öffentlichen sanitären Anlagen? Besser nicht. Ich werfe nur kurz "ein Loch" in den Raum. Desinfektionsmittel und Kopf ausschalten sollten die wichtigsten Reisebegleiter so far sein. Bei der heutigen  Besichtigung mehrerer Tempel, kamen wir außerdem in den Genuss von Zuckerrohrwasser und frittierten Shrimpplätzchen. Ein sensationeller Snack! Des Weiteren stand die Überquerung der längsten Teakholzbrücke der Welt auf dem Programm. Im Sonnenuntergangsmodus marschierte wir die 1,2 Kilometer über den Taunghatman-See und bestaunten das rege Treiben, das sich vor uns auftat. In rote Roben bekleidete Mönche, mit weißer Paste geschminkte Kinder und Jugendlich im Punk- und Emostil sind schon seit Reisebeginn keine Exoten mehr für uns. Auf der Teakholzbrücke kam noch einmal die Best-of-Collection in Horden für uns zusammen und man hatte Mühe und Not sich auf dem Steg zu halten ohne in den See zu stürzen. Zum Abschluss des Tages kehrten wir in das Restaurant "Amazing Food" ein, hatten wir schon seit mindestens zwei Stunden nichts mehr gegessen (kann mich bitte jemand fürs Fitnessstudio anmelden?!). Wie schon am Abend zuvor nutzten wir das Taxi zur Heimreise, welches wahlweise mit zwei vorgespannten Kühen oder als Viehzuchtlieferwagen geordert werden konnte. Mit offenem Wagenrückteil winkten wir den vorbeifahrenden Mopeds und Motorbikes zu, auf denen es sich jeweils 2-5 Personen gemütlich gemacht hatten. Die kurze Imagination über solches Szenenbild in Deutschland, strich ich ganz schnell wieder aus meiner Vorstellung. So etwas ist nur möglich auf den Straßen Mandalays und dem Rest von Südostasien.

Morgen geht es nach Bagan. Heimat von 2.100 Tempeln. Halleluja!

Meine Buddha-Weisheit für heute:

"Sieh alles mit deinen eigenen Augen. Wenn du zögerst verpasst du dein Leben."



Alles in Buddha?

Am Ende des Trips bin ich entweder zum Buddhismus konvertiert oder ich werde an einem Buddha-Burn-Out behandelt werden müssen. Hier gibt es nicht nur Buddhas überall, sondern auch in solchen Übergrößen, dass man sich fragen muss, ob man sich noch in der Realität befindet. Das ein oder andere Mal hatte ich den dezenten Eindruck, an einem Anime-Filmset oder in einem Pokemonspiel gelandet zu sein.

Mittlerweile waren wir wieder in Yangon angelangt und hatten auf dem Weg dorthin so ziemlich jede Buddha-Statue und Tempelanlage abgegrast, die das Land hervorbringen konnte. Selbst als wir mit der Propellermaschine nach Mandalay weiterreisten, fluteten auf uns weitere Tempeleindrücke und Buddhaformationen ein. Ob liegend, sitzend oder schlafend, der Buddha zeigte all seine Facetten. Die 100 Meter Gesamtlänge beeindruckte dabei sehr und ohne die gute alte Panoramafunktion wäre man völlig aufgeschmissen gewesen. Noch beeindruckender waren jedoch die asiatischen Menschenmassen, die sich kniend und betend vor den Buddha warfen. Familien, Mönche, Pilger, alle reisten sie zu den großen Buddhas. Doch bei all der Buddhaobsession, waren wir auch dieses Mal wieder der Eycatcher des Tages. Die Myanmanesen bekamen Fotos von uns, dafür posierten wir mit den unzähligen Mönchen für das ein oder andere Selfie. Eine Win-Win-Situation sozusagen.

Neben der fast unheimlichen Kulturflut, die auf uns einströmte, gab es auch unwahrscheinlich viel zu essen. Ich habe den Eindruck permanent vor einer Restaurantkarte zu sitzen und das nächste Menü auszuwählen, während ich mich sportlich quasi Null betätige. Die kulinarischen Verköstigungen sind jedoch so herausragend, dass man einfach nicht Nein sagen kann und alle Empfehlungen unseres Tourguides "Chiet" probieren muss. Currys in sämtlichen Schärfevariationen, Koreanisches Barbecue, Suppen, Reis und vieles mehr gelangten auf den Teller und erfreuten unsere Gaumen. Im Übrigen hat das Thermometer mittlerweile seine versprochenen 38 Grad erreicht und offeriert eine mosquitoreiche Flora und Fauna in Mandalay. Rote kleine Flecken präsentieren sich bereits Fußgelenkbereich. Ob es dabei bleibt, oder sich auf weitere Körperflächen ausweitet, werden wir wissen, wenn wir morgen von einer Bootsfahrt in wässrigen und subtropischen Gefilden heimkehren. Volle Fahrt voraus ;)



Happy Water-Festival!

Sie sagten es würden 40 Grad werden. Sie sagten es wäre wunderschön. Sie sagten du wirst von diesem Land verzaubert. Doch alles was wir wurden war nass, nass, nass.

Wir starteten den Tag mit der Besichtigung der Pagode in Yangon, einem goldenen Palastgebilde umringt von jeder Menge Buddhas in allen Größen und Variationen. Noch während der 2-stündigen Besichtigung zogen sich über uns die Wolken dramatisch zusammen und überraschten uns mit einem platzüberschwemmenden Monsunregen. Selbstverständlich hatten wir weder eine Regenjacke noch einen Regenschirm griffbereit. Und sollte ich erwähnen, dass wir die Besichtigung barfuß bestritten, da Schuhe, FlipFlops und Socken auf diesem heiligen Boden verboten sind? So wurde der Rest des Weges zu einer sliprigen Angelegenheit, bei dem sich der ein oder andere böse auf den Boden legte (ich ausnahmsweise mal nicht :D). Als wir uns endlich in den Bus gerettet hatten, führte die Reise entlang des Wasserfestivals in Richtung Kyaiktiyo (Goldener Fels). Unterwegs konnten wir die ganzen Ausmaße des Festival hinter Scheiben erleben. Eine trashige Pop-Techno unterlegte Veranstaltung, bei dem von Trucks und Lastern literweise Wasser mit Eimern und Schläuchen in die Massen manövriert wird. Hintergrund ist das burmanesische Neujahr, bei dem alle Sünden von einem gewaschen werden sollen. Die Realität gleicht einer Loveparade oder aber auch dem belgischen "Tomorrowland" . Auch wenn wir bis dato im geschützten Bus untergebracht waren, sollten wir uns nicht der Hoffnung hingeben unbeschadet aus der Angelegenheit hinauszukommen. Am Fuße des Golden Rock angekommen (immer noch Dauerregen), wechselten wir in ein Army-Truckgefährt mit offenen Wagenseiten, in dem wir wie Legehennen zusammengepfercht wurden und auf den Berg transportiert werden sollten. Vorausschauend hatte sich jeder von uns einen Plastikponcho, auch Müllsack genannt, zugelegt, der zumindest für unsere Elektronikgerätschaften lebensrettend werden sollte. Wir rasten mit einem Affenzahn über die Piste und in Richtung Berg. Doch das myanesische Neujahr nimmt auch keine Rücksicht auf die Sünden der Touristen. Von allen Seiten fluteten eimerweise Wasser auf uns ein und ich fühlte mich wie der Teufel persönlich. Klatschnass und wassertriefend jagte der Truck weiter den Berg hinauf. Kalter Wind und Regen strömte und entgegen, während der Transport zu einer Achterbahnfahrt wurde. Zeitweise fühlten wir uns wie in einem Freizeitpark in dem man Wasserfälle hinunterstürzt. Völlig durchgenässt (erwähnte ich, dass wir nur einen Daypack inkl. einem extra T-Shirt dabei hatten) erreichten wir den Gipfel. Jedoch war der Berg dermaßen in Nebel eingehüllt, dass wir den Golden Rock nicht zu Gesicht bekamen und aus diesem Grund den direkten Weg ins Hotel wählten. Die klatschnassen Textilien hing ich triefend und notdürftig auf, während mir sehr schnell klar wurde, dass ohne entsprechendem Heizungsgerät keine wirkliche Blitztrocknung bis zum nächsten Tag eintreten sollte. Zu allem Überdruss musste ich auch feststellen, dass ich meinen kleinen Geldbeutel mit ca. 40.000 Kyats verloren hatte. Es blieb also nur eins: Den Abend lachend, mit den Geschehnissen des Tages, einem Bier und dem geteilten Schicksal mit den anderen ausklingen zu lassen.

In der Nacht gewitterte, blitzte und stürmte es unerbitterlich und dichter Nebel hüllte den Berg mystisch ein. Ein Zyklon war zugange, wie man es den Nachrichten entnehmen konnte. Ach immer diese unverhofften Naturereignisse!

Der Nebelvorgang öffnete sich auch am nächstens Morgen nicht und so streifte ich meine klamme Hose und den Regenponcho über und wir machten uns trotz Wind und Regen auf in Richtung goldener Fels. "Da muss ich mindestens 2 Filter drüber legen." bemerkte Ich trocken, als wir den "Golden Rock" in den Kamerafokus nahmen. Der ganze Glanz des Steines wurde durch einen Realitäts-Nebelfilter getrübt und entschärfte so seinen ganzen Mythos, für den mindestens 1.000 Pilger angereist waren. Doch etwas besonderes hatte die religiöse Stätte schon. Zwar bekamen wir kein Instagramwürdiges Foto, dafür aber jede Menge lächelnder und glücklicher Gesichter geschenkt. Denn was uns bis dato noch gar nicht aufgefallen war, war die Tatsache, dass wir unter diesen ganzen vielen Pilgern, die einzigen "Weißen" waren. Der Aufmerksamkeitsbonus weitete sich in Fotos und Videos mit den Myanmanesen und Thailändern aus, die es scheinbar ziemlich toll fanden, dass wir dort oben waren. Beglückt, trotzt der ganzen Strapazen und Wetterwidrigkeiten, kehrten wir vom goldenen Fels zurück und fuhren den steilen Berg per Army-Truck wieder hinunter. Unten im Tal erwartete uns eine ganz besondere Überraschung. Zur Feier des Tages, dass endlich mal wieder westliche Touristen im Land waren, hatte man das Water-Festival um einen Tag erweitert. Die entsprechende Dusche war nur für uns vorgesehen und das halbe Dorf feierte dies. Gefeierter Held zu sein, heißt Abstriche zu machen. Wer braucht schon trockene Klamotten und eine sitzende Frisur? Happy Waterfestival :)




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Min-Ga-La-Ba Myanmar!

Mit Air China fliege ich nicht mehr, so viel ist sicher. Schon das Aufrufen der Webseite für den Online Check-In hätte mich stutzig machen sollen, baute sich die, in den 90ern programmierte, Homepage in Modem-Geschwindigkeit vor mir auf. Eine halbe Stunde navigierte ich mich durch den Check-In-Prozess um am Ende das Ticket in analoger Form ausdrucken zu müssen. Eine bittere Enttäuschung, hatte ich die Wallet-App zur Verwaltung meiner E-Tickets mittlerweile doch sehr lieb gewonnen. Am Flughafenschalter präsentierte ich mein selbstausgedrucktes Dokument, was mir zugleich entwendet wurde. "Das schmeißen wir gleich mal in den Müll! Ich erstelle Ihnen ein neues Ticket." Verwundert blickte ich die Schalterdame an, die mir anschließend ein auf Lufthansapapier gedrucktes Ticket überreichte. Verstehen muss das keiner, meine Hoffnung nun doch in einer Lufthansamaschine zu sitzen, bewahrheiteten sich leider nicht. Schlimmer noch, bei Einnahme meines Sitzplatzes stellte ich entsetzt fest, dass jegliches Boardprogramm nicht verfügbar war. Ein LCD-Bildschirm fehlte gänzlich, was für einen 10-Stunden Flug nicht unerheblich ist. Auch mein letzter Hoffnungsschimmer, ein Printmedium in Form einer Tageszeitung als Alternativprogramm zu wählen, blieb mir aufgrund fehlender chinesischer Sprachkenntnisse verwehrt. So beschränkte sich mein Unterhaltungsprogramm auf das gute alte Fenster und einem Gespräch mit meinem Sitznachbarn, der sich als Volkswagen-Projektleiter vorstellte. Und dabei glaubte ich doch der VW-Konzern hätte durch Abgasskandale, Massenklagen und Milliardenverluste den Laden schon längst dicht gemacht... Nun denn, für ein Business Class Ticket reichte es auf jeden Fall nicht mehr. Während ich also detailliert die Prozesskette zur Herstellung einer Karosserie lernte, trudelte zwischenzeitlich das Essen ein. Zum Lunch reichte man chinesischen Wildreis mit Hühnchen, Gemüse und einer Schwarzwälder Torte on top. Zum Frühstück, um 5 Uhr morgens, folgten Nudeln, Schwein und Broccoli in einer braunen Sojasoße gebraten (Rebecca Dittmar ich sehe gerade deine Gesichtszüge entgleisen :D). Auch mir war dieses deftige Mahl eine Nummer zu hoch und so hielt ich mich an kalten Kartoffelsalat und eine Früchteauswahl. Nach 10 Stunden erreichten wir den chinesischen Flughafen "Chengdu", der nur als Stopover dienen sollte. Verwirrt irrte ich durch den Transit um meinen Anschlussflug nach Yangon zu finden. Dafür musste ich durch den Zoll und zurück an den Hauptschalter, wo mir und meinem Backpack ein neues Ticket überreicht und ich zudem mit einem roten Sticker am T-Shirt bestückt wurde. "Wofür auch immer der nun gut ist!?" fragte ich mich, nahm aber zugleich 5 weitere Personen wahr, die dieses Objekt ebenfalls auf ihrer Kleidung trugen. Wir boardeten sogleich und die Maschine mit den 6 Stickerbeklebten Personen, sowie 80 weiteren Passagieren hob planmäßig Richtung Yangon ab, um aber dann nur eine Stunde später wieder zu landen. "Huch, sind wir etwa schon da?" Das chinesische Handynetz, welches sich auf meinem Display präsentierte, ließ nicht darauf schließen. Dennoch wurden wir aufgefordert allesamt die Maschine zu verlassen. Verwundert sprach ich mit zwei stickerbeklebten Personen, die schon seit Frankfurt mit mir reisten, aber auch sie wussten sich keinen Rat. Immer noch rätselnd fing uns eine Dame im Empfangsbereich des chinesischen Flughafens ab und überreichte uns erneut Tickets mit der Aufforderung ihr zu folgen. Also marschierten wir 6 bestickerten Personen über den kompletten Flughafen hinter ihr her, um nach mehreren Kontrollen wieder an unserem Ursprungsgate und Maschine anzukommen. Und mit dieser 100-Passagiere fassenden Maschine hoben dann lediglich wir 6 Auserwählten wieder ab. Wirklich nachhaltiges Reisen kann man das wahrhaftig nicht mehr nennen! Und was das ganze verwirrende Prozedere im Vorfeld sollte, erschloss sich uns auch nicht. Zumal kein einziger Hinweis über einen weiteren Zwischenstopp in China auf unserem Reisepapieren dokumentiert war.

Im Anblick eines Platzregens erreichten wir Myanmar und somit Yangon. Jonathan und ich fanden uns über Umwege am Flughafen wieder und mussten dafür nur ca. 15-Mal durchgescannt werden. Die hohen Sicherheitsmaßnahmen, die im Transitbereich noch an den Tag gelegt wurden, sollte sich bereits wenige Meter später in Luft aufgelöst haben. Unser Taxifahrer verlor während der Fahrt und des andauernden Regens seinen Scheibenwischer, was ihn zum Stehen, mitten auf dem burmesischen Highway, zwang. Er sprang mit dem Schirm aus dem Auto und suchte zwischen vorbeifahrenden Automobilen das verlorene Wischblatt. Fand es natürlich nicht und fuhr uns weiter Richtung Hotel. Schon unterwegs passierten uns Karosserien mit Ladefläche, auf denen feiernde Myanmarnesen ihr eigenes Neujahr zelebrierten. Es nennt sich auch Wasserfest und wird von gefüllten Wassereimern begleitet. Für einen Erstanklömming im Land fühlte sich Myanmar dadurch erst mal so an: Die schwülen Temperaturen legen sich klebrig auf die Haut, während man den Geruch von Abfluss, der teilweise unbedeckten Kanäle, in sich aufsaugt und den umliegenden Dreckflächen versucht auszuweichen. Das drängt einen wiederum nahe genug an den Straßenrand, an dem man im Stile von einer Ice-Bucket-Challenge nicht unverschont bleibt und von vorbeifahrenden Fahrzeugen mit Wassereimern befeuert wird. Ein erster Kulturschock, der am Abend mit einem myanesischem Bier überwunden werde musste. Mittlerweile konnten wir den Rest der Gruppe kennenlernen, der sich vorwiegend aus Deutschen, Schweizern, Kanadiern und Briten zusammensetzt. Eine altersmäßig bunt gemixte Truppe, die nach dem ersten gemeinsamen Essen und Kennenlernen, Spaß verspricht. Heute morgen geht es bereits um 7:30 Uhr zum Golden Rock. Ausschlafen ist wie immer nicht und das Wasserfest wird heute seinen eigentlichen Höhepunkte erreichen. Ich mache mich auf alles gefasst und verabschiede mich schon mal von der Vorstellung den Tag unbeschadet zu überstehen. Andere Länder, andere Sitten.. Willkommen in Myanmar!

Ein Ticket nach Südost...Myanmar

Kurz vor Take-Off überfliege ich noch einmal die letzten Nachrichtenschnipsel Myanmars: "Auswärtiges Amt besorgt über Lage in Myanmar", "Tödliche Bootsunglücke kommen in Myanmar häufig vor" und "Halbes Dorf in Myanmar wird nach kostenlosem Mittagessen krank". Es sind immer und überall die negativen Schlagzeilen, die es auf die Titelseiten der Medienwelt schaffen. Doch wie ist die Lage wirklich in dem ehemaligen Militärregime, das heute Mode-Hochburg ist und uns mit Tageslöhnen von 2,50 € preiswerte Markenqualität der Textilgiganten H&M, Adidas & Co. garantiert? Erst seit wenigen Jahren hat sich das Land hinter dem "Bambusvorhang" für den Tourismus geöffnet und präsentiert nun seine geheimnisvolle und buddhistisch geprägte Welt. Auf der 14-tägigen Rundreise erwarten mich antike Tempel, goldene Felsen, schwimmende Dörfer, grüne Reisfelder und bunte Märkte. Zu viel mehr habe ich mich bisher nicht einlesen können - es wird also wie immer - einer kleiner Überraschungstrip, auf dem jeden Tag etwas Neues entdeckt werden darf. Also packe ich meine H&M-Kollektion in meinen Jack Wolfskin Backpack und freue mich schon, auch meiner Bekleidung und Travelausrüstung die Möglichkeit zu geben, ihr Ursprungsland wiederzusehen. Attraktive 40 Grad eröffnen sich auf der kleinen Wetterkarte vor mir, eine Temperatur, bei der ich Fernweh bekomme und für kurze Zeit meine Gänsehaut bei aufgedrehter Heizung und 4-Textilschichten mitten im April vergesse. Ob sich die Wettervorhersagen bewahrheiten oder erst vor-Ort zu einem Monsunregen entpuppen, wird sich zeigen. Zeuge eines ähnlichen Klimaschicksals durfte ich bereits 2009 an der australischen Ostküste werden, als die Hochtemperaturen für einen kurzzeitigen Zyklon sorgten und alles unter Wasser setzten. Auf einer Insel namens "Long Island" festsitzend, erkundete ich damals mit dem Belgier "Jono" und 20 anderen Contiki-Reisenden 3 Tage lang die Insel, bis wir ins trockene Outback gerettet wurden. Jono lebt seitdem in Sydney, wagt es aber dennoch noch einmal mit mir auf Erkundungstour durch Myanmar zu gehen. Alles weitere zu unseren Erlebnissen und Entdeckungen wird es selbstverständlich wieder hier zu lesen geben. Bis dahin steht mir nun aber erst mal eine ca. 13 -Stündige Flugreise mit Air China und Zwischenstopp in Chengdu bevor, bis ich am Samstag zur Ortszeit um 11:15 Uhr in Yangon lande. Ich hoffe, dass sich vor meiner Landung keine Zwischenfälle zur Beeinflussung der Weltgeschichte ereignet haben und die oberen Herrschaften während der Osterzeit Gas,- Atom,- und andere Waffeninstrumente ruhen lassen. Mir wäre es sogar egal, wenn sie nach den Feiertagen ganz vergessen haben, solche besessen zu haben. 

In diesem Sinne, an all euch Ostereierbemaler, Grillsaisonstarter und Frühjahrsputzer, an all euch Mountainbiker, Sport-Invaliden und Gartenumgraber, an euch Hundebetreuer, Mali-Beschützer und 6x6-Berechner - frohe Ostern und friedvolle Feiertage! Und bis ganz bald :)


Wenn sich alles in Kreisen bewegt
dann gehst du links dann geh ich rechts
und irgentwann kreuzt sich der Weg
wenn wir uns wieder sehn
wenn sich alles in Kreisen bewegt
dann gehst du links dann geh ich rechts
doch wir beide bleiben nicht stehen
bis wir uns wieder sehn. 

- Johannes Oerding




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The One That Got Away

Mein Bruder reist bald nach Mali. Beruflich. Mali, das ist so ein Land mit Bürgerkrieg. Man liest von Anschlägen. Terrorgruppierungen. Flüchtlinge kommen von dort. Man könnte sicherlich viel darüber schreiben. Doch reise ich zur gleichen Zeit in eine ganz andere Richtung. Auch ein Land mit M. Myanmar. Myanmar liegt irgendwo bei Indien und China, außerdem grenzt es an Thailand. Ich weiß quasi nichts über diesen Staat. Außer, dass der ursprüngliche Name Burma ist. Und dann hört es auch schon auf. In meinen oberflächlichen Recherchen lese ich vom goldenen Dreieck, Schlafmohn und Opium. "Ein Land im Drogenrausch" titelt ein schweizer Online-Fernsehmagazin. Na prima. Neben Afghanistan ist Myanmar Opium-Exporteur Nummer 1. Das Auswärtige Amt informiert außerdem über gelegentliche Erdbeben. Die Regierung ist wohl auch nicht ganz sauber und wird stark vom Militär beeinflusst. Warum reise ich also in ein Land über das ich nichts weiß und das mich nie weiter interessiert hat?

Der Grund ist ein alter Reisebekannter. Ein Belgier, der heute in Sydney lebt. Als wir uns kennenlernten (auf einer Reise durchs Outback und entlang der Ostküste Australiens), war er enttäuscht und wütend auf sein Land. Belgien brachte zu diesem Zeitpunkt keine Regierung zustande und der flämisch-wallonische Konflikt erreichte einen erneuten Höhepunkt seiner 150-jährigen Geschichte. Ein Land zwischen Spaltung und Stillstand. Ein Land, das zu zerbrechen drohte. Selbst Milow singt davon (Where I'm from they're divided between the North and the South, Where I'm from it's like a long night that never turns to day, Where I'm from the kingdom's trembling Where I'm from they've lost the way). Im Gegensatz zu Milow blieb Jonathan nicht dort. Er packte seine Sachen, verließ Land, Familie und Freunde und reiste zurück nach Australien. Diesmal sollte es für immer sein. Trotz seines Status als edler EU-Bürger, musste er jedoch feststellen, dass einem die Staatsbürgerschaft in Australien nicht geschenkt wird. Er studierte, arbeitete hart, absolvierte sämtliche Aufnahmetests - und doch blieb ihm das notwendige Stück Papier zur Genehmigung seines permanenten Aufenthaltes verwehrt. Nur durch wohlwollende Arbeitgeber wurde sein Aufenthalt immer wieder um einige Monate verlängert. Nichts worauf man sich dauerhaft verlassen konnte.

Jetzt, 7 Jahre später, ist es endlich soweit. Wenn alles seinen ordnungsgemäßen Weg geht, wird er in wenigen Monaten die australische Staatsbürgerschaft erhalten und den Traum von Sydney, ohne die permanente Angst abgeschoben zu werden, leben dürfen. 7 Jahre. Immigrant. Flüchtling, gehobener Klasse. Doch er war mutig genug, hat für seinen Traum gekämpft und hat es endlich geschafft.

Nach 7 Jahren treffen wir uns nun wieder. In der Mitte. Myanmar.


Where I'm from there are no mountains
And time is standing still
Where I'm from there's barely space left
Still they're running up a hill
Where I'm from they don't like changes
Even if alarm bells ring
Where I'm from they have a princess
Where I'm from they have a king

Where I'm from they don't like dreamers
They are told to shut their mouth
Where I'm from they're divided
Between the North and the South
Where I'm from it's like a long night
That never turns to day
Where I'm from the kingdom's trembling
Where I'm from they've lost the way

Sing it loud today
Sing it loud today
I'm singing it loud today
I am the one that got away

Where I'm from they just keep rooted
Heads are always hanging low
Where I'm from the Congo River
Never got nowhere to go
Where I'm from words are repeated
But they never really rhyme
Where I'm from the kingdom's trembling
Where I'm from they're losing time

Where I'm from there's a lack of heroes
Both in politics and song
Where I'm from the more they fix it
The faster everything goes wrong
Where I'm from I still remember
So I will sing it every day
That this kingdom is still my kingdom
It's encoded in my DNA


- Milow





Quellen zu Belgien, Mali und Myanmar:
https://www.youtube.com/watch?v=Q_wWIRTG3so
https://www.youtube.com/watch?v=ZelxscP52_E
http://www.srf.ch/news/international/burma-ein-land-im-drogenrausch 

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