Im Herzen Afrikas

Tag 4 + 5

Die angebliche Antibiotika Wirkung der Malaria Prophylaxe kann ich bisher nicht bestätigen. Im Gegenteil, der immens steigende Taschentuchverbrauch, sowie übliche Erkältungssymptome sprechen eher für eine Antiwirkung in meinem Fall. Begleitet durch hochkarätige Halsschmerzen, blieb mir auch ein Besuch bei der 'Apoteka' nicht erspart. Zu meiner Erfreunis hat es jedoch die europäische Medikamentation bis nach Südafrika geschafft, so dass man hier auf altbekannte Tablettenlabel trifft. 

Nach unserem Krüger Park Aufenthalt wollten wir uns schon zu früher Stunde in Richtung Swaziland aufmachen. Löön und ich hatten für dieses Unterfangen extra eine Stunde unseres wertvollen Schlafes abgezogen, um zeitnah mit dem Abbau des Zeltes zu beginnen. Trotz aller Bemühungen waren uns die Münchner Reederei Mädels wieder um mehrere Knoten voraus, doch wenigsten wurden wir vor Team Schweiz fertig. In aller Gemütlichkeit genossen wir also ausgiebig unser Frühstück. Sagte ich genießen? Die vermeintlichen Schokoflakes in meiner Schüssel widerten mich bereits nach dem ersten Löffel an. In die Runde schauend erblickte ich jedoch nur zufrieden dreinschauende Mitesser, die dieses Produkt ebenfalls gewählt hatten. Um das Gericht etwas zu versüßen schnippelte ich also noch eine Banane in die Kellogs-Milchmischung. Doch auch hier schien der Erfolg eher mäßig zu verlaufen. Es wurde einfach nicht besser. Als wir schon am Zusammenpacken der Frühstücksutensilien waren und mir kurzzeitig ein Kreislaufkollaps drohte, fiel mein Blick auf die 3 unterschiedlichen Milchkartons. Nach Rücksprache mit löön stellten wir fest, dass ich wohl die einzige gewesen bin, die zu der hellblauen und bereits geöffneten Milchverpackung gegriffen hatte. Ich werde an dieser Stelle nicht weiter beschreiben wie ich mich des angesäuerten Frühstücks entledigen musste. 

Wir durchquerten anschließend die Savannen Südafrikas und überquerten nach mehreren Stunden Fahrt die Grenze in das Königreich Swaziland. Hier begutachteten wir echte afrikanische Wertarbeit in einer Gläserei, wichen jedoch einer Unzahl an Glasprodukten aus, die im nebenliegenden Souvenirshop zu erwerben waren. Auf unserem Weg zur nächtlichen Stätte erblickten wir weiteres Wildlife, saftige grüne Wiesen, fruchtbares Hochgebirge und endlose Weiten. Natur pur! Dies galt auch bei Betreten des Wildlife Resort "Mlilwane Sanctuary". Zebras, Impalayas, sowie eine Herde Pumbas strömten uns freudig entgegen und begrüßten uns als neue Nachbarn. 

Wir upgradeten für die nächsten 2 Tage auf Blockhütten, da hierfür nur ein Aufpreis von 50 Rand (2,50€) zu begleichen war. Auch wenn das Zelt bisher keine schlaflosen Nächte bereitet hatte, so ist der Auf- und Abbau doch enorm körperlicher Anstrengung geschuldet, von der wir gerne einmal pausieren wollten. Auch das Abendessen bezogen wir diesmal direkt vom Resort, um die lokalen Speisen besser in Augenschein nehmen zu können. Das Buffet präsentierte unter anderem Wildfleisch in Form eines Impalayas, der geschmacklich tatsächlich nicht zu verachten ist. Während die anderen sich am Abend am Lagerfeuer noch afrikanischem Tanz und Klang hingaben, begab ich mich ins Lazarett und warf mir einen bunten Mix aus Tabletten ein. Ein Hoch auf die verschleppte Wintergrippe, die sich bei Temperaturen um die 30 Grad sehr gut macht. Meine Mitreisenden können übrigens mittlerweile schon im Chor "Bless you" singen. Da kann man nur hoffen, dass sich die Epidemie nicht weiter auf die Gruppe ausweitet. "Bless you Maren" "Gesundheit Saskia!" Ok, gern geschehen..

Am nächsten Morgen raffte ich mich mit letzter Kraft auf, hatten wir uns doch bereits Tage vorher für die Mountainbiketour angemeldet, für die wir selbst die Münchner Matrosen begeistern konnten. Ausgestattet mit der erschütterungsresistenten GoPro-Cam, schwangen wir uns auf die Bikes und durchquerten querfeldein Flora und Fauna Swazilandes. Unterwegs kreuzten Gnus, Zebras und Pumba-Gangs unsere Wege. Auch ein Krokodil zeigte sich von Weitem. Da mir das Videomaterial noch nicht für eine Verfilmung ausreichend genug war, aktivierte ich die GoPro nun auch für offroad geprägte Pfade. Die einhändige Bedienung der Cam schien mir zwar etwas unprofessionell, doch die andere Hand brauchte ich ja noch zum Lenken und Schalten. An einem besonders steilen Hang, erfreute sich besonders mein Regisseurherz und ich konnte die spektakulären Filmaufnahmen schon vor mir sehen. Jedoch nicht die zwei dicht aneinander wachsenden Bäume, die als minimal kalkulierte Durchfahrtsstrecke für alle Biker dienen sollte. Dachte sich löön noch bei der Durchfahrt "Hier wird es doch mindestens einen dahinraffen!" und maß Maren gedanklich noch die Millimeter, die zwischen Fahrrad und Baum zur Verfügung standen durch, haute es mich grandios mit dem erweiterten GoPro-Arm vom Sattel. Nach dem schwerwiegenden Aufschlag griff ich als erstes zur Cam "Puhh! Noch ganz! Und der Sturz müsste auch drauf sein - welch überragende Filmsegmente!" Dass sich mittlerweile meine Gefährten um mich versammelt hatten und nach meinem Wohlbefinden fragten, wurde mir erst dann bewusst. Größere Wunden hatte ich nicht davon getragen, jedoch entwickelten sich mehrere Blutergüsse und blaue Flecken in Sekundenschnelle an Knien und Armen. Jeglichen weiteren Kommentar zu diesem Fauxpas möchte ich mir gerne ersparen.

Nach einer Siesta und überwältigenden Dusche in einem der Badetempel unweit entfernt der Blockhütten, ging ein weiterer Ausflug weiter in eines der lokalen Dörfer Swazilands. Bevor wir dieses betreten durften, wurden wir jedoch noch mit einem flaggenartigem Umhang bedacht, den wir als eine Art Rock um unsere Beine manövrieren sollten. Hintergrund ist, dass man als Frau diese Dörfer nicht mit Hose betreten darf. Nun denn, im neuen Modegewand marschierten wir in das Dorf und wurden zugleich mit viel Brimborium begrüßt. Ca. 25 Kinder und 10 Erwachsene führten vor uns diverse Tänze und Gesänge auf und bewegten uns zur aktiven Mitgestaltung des Musicals unter freiem Himmel. Mit viel Liebe zum Detail und kreativen Einlagen, wurde uns das Leben der Swazibevölkerung näher gebracht. Eine sehr authentische und bewegende Angelegenheit, die uns allesamt in Begeisterung und Staunen versetzte. Als wir später das Dorf verließen, liefen uns die Kinder noch lange hinterher und verabschiedeten uns mit Umarmungen und Abklatschungen. Ergreifend!

Im Lager wieder angekommen, gesellten wir uns zum Abendessen zusammen und ließen den 5. Tourtag mit viel Heiterkeit und Kartenspielen ausklingen. Mittlerweile können wir sogar schon Gespräche bis zu 20 Minuten mit der Holländerin führen und ein reges Diskussionsforum zu Kultur und Kulinarischem in Europa aufbauen. Wer weiß, am Ende werden wir noch best friends mit unserem Erznachbarn. ... Nein, dies wäre dann doch zu viel des Guten! Ohne Holland fährt sich's doch viel schöner zur EM!  





Hakuna Mata!

Ich liege unter einer Holzbridge, die Umgebung fühlt sich klamm an. In der Ferne hört man Grillen und das Knacken eines vermorschten Baumes. Ab und zu fällt lautstark eine Mango auf das scheppernde Dach. Ein leichter Windrausch lässt die Tür immer wieder Geräusche von sich geben. Es ist dunkel geworden und nur der schwache Schein einer veralteten Lampe erhält den Raum. Außer mir befindet sich niemand in der Holzbehausung. Die anderen vermute ich im Dorfinneren. Am Lagerfeuer. Zwischen Buschtrommeln und afrikanischen Tänzen. Neben mir liegen diverse Tablettenschachteln. Taschentücher. Medikamente. Die trockene Luft lässt mich kaum atmen und das Nasenspray befindet sich in Dauerbenutzung. Der schwache Anflug einer Erkältung vor zwei Tagen hat mich nun vollends dahingerafft. Ich zähle die Sekunden. 1, 2, 3.. Bis zu den Toiletten sind es mehrere 100 Meter. Draußen flanieren Gnus, Zebras, Impalayas und Warzenschweine. Das Handynetz schlägt weiterhin auf 0 aus. Es hilft alles nichts, ich muss los und den Weg durch die Dunkelheit bestreiten. 
- Swaziland, Tag 4

.. was zuvor geschah. Tag 2 + 3

"Mir doch egal was die Tessa gesagt hat, ich kann mich net 24/7 auf Englisch unterhalten!" markierte löön am nächsten Morgen, nachdem wir am ersten Tourtag bereits eine Rüge erhalten hatten. "Don't speak in your language, this is really rude!" mahnte uns die Holländerin an. Hatse ja grundsätzlich recht, aber erzähl das mal nem Briten oder Ami! Außerdem ist das deutsprachige Volk diesmal in der Überzahl und da muss sich nun mal nach der Mehrheit gerichtet werden :D 

Auf der ellenlangen Fahrt ins Shalati Bush Camp, konnten wir bereits erste Eindrücke von Südafrika gewinnen. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist unverkennbar. Sind die Großstädte geprägt durch europäische Moderne. SPAR-Märkte, DHL Zentren und Luxusvillen überwiegend weißer Gesellschaft, so bestechen die Vororte und ländlichen Gegenden durch Ghettos, Müllhalden und Wellblechfeeling mit fast ausschließlich schwarzen Bewohnern. Auch Gewalt scheint in diesem Land keine unbekannte Vokabel zu sein, traf uns beim Snackstopp der erste Kulturschock in Form eines Werbeplakates an einem öffentlichen Laternenmast. "Abortion 100% guaranteed! Pain free! New doctor in town!" Und darunter in mehrfacher Ausführung die Telefonnummer zum Abreißen. 

Am Spätnachmittag erreichten wir das Bush Camp und zugleich Bleibe für diese Nacht. Auf einem ansehnlichen Arenal errichteten wir unser Lager und nahmen die Installation der Zelte vor. Schweißtreibende Handarbeit und Fingerhornhaut vorprogrammiert! Die Zelte sind zwar deutlich größer als das handelsübliche europäische  Standardformat, jedoch ist die Hering-Konfiguration ein mittelschwerer Kräfteaufwand, der Physik- und Muskelkenntnisse erfordert. 

Nach getaner Arbeit folgte ein grandioses Abendessen, sowie ein Lagerfeuer, welches mit Tanz und Gesang von einem lokalen südafrikanischen Chor- und Theaterverein untermalt wurde. Begeistert folgten wir dem musikalischen Geschehen und ließen uns unterdessen, die erworbenen Szene Getränke "Savanna Cider" und "Windhoek Lager" munden. Gegen 22 Uhr begaben wir uns Richtung Zeltlager und dürfen an dieser Stelle einmal anmerken, dass südafrikanischen Campingplätze zu 95% den schwedischen Standards entsprechen. Hier gibt es kaum etwas anzumängeln. Und die Maus, die wir Feivel tauften, welche wir in der mobilen Campingküche antrafen, sollte auch sicherlich ein Ausnahme bleiben.

Die erste Nacht im Schlafsack verlief verhältnismäßig reibungslos. Lediglich der Wecker, der uns bereits um 06:00 Uhr das Ende der Nacht erklärte, hätte getrost aus dem Zelt fliegen können. "Warum sind wir eigentlich im Schildkrötenmodus geboren?" stellten wir auf ein Neues fest, als wir noch mit der Deinstallation des Zeltes zu gegen waren, während sich der Rest der Crew schon zwischen Frühstück und Packmodus befand. "Morgen stehen wir bitte ein Stunde früher auf, damit wir synchron zu den anderen mithalten können und unsere Lunchration nicht spitz auf Knopf zubereiten müssen!"

Der erste Stopp führte uns an diesem Tag zu einer Grundschule, die als soziales Projekt von GAdventure gefördert wird. Die Kinder zwischen 2-4 erfreuten sich sichtlich unserer Anwesenheit und dem von uns aktivierten Spielmodus.  Gerne hätten wir ein paar Fußballnachwuchstalente mitgenommen, doch dies wurde uns untersagt. So ging der Weg weiter Richtung Krüger Nationalpark, der eine unglaublich riesige Fläche mit Freiwild zu bieten hat. Von 9:00 bis 17:00 Uhr pirschten wir über die Asphalt- bis Offroadwege und erspähten so manchen afrikanischen Superstar. Vom Dickhäutern, über Buffalos, Giraffen, Nashörnern, Nilpferden, Gnus bis hin zu Zebras, war so ziemlich jede namhafte Gestalt anzutreffen. Selbst der König der Tiere versteckte sich nicht und ließ sich für ein paar Weitaufnahmen ablichten. Nur der Leopard wollte sich nicht so recht zeigen und ließ uns als letzter der "Big Five" ziemlich lange zappeln. 

"Ich hab noch nie so intensiv einen Baum angesehen!" bemerkte Lisa, als wir bereits seit 45 Minuten einen Phantom-Leoparden im Blätterwald suchten, wegen dem ca. 15 Autos das nähere Gelände einkreisten, welchen angeblich ein Vollpfosten erspäht hatte. Dass der Uhrzeiger mittlerweile auf 14:30 Uhr fortgeschritten war und wir seit der frühen Morgenstunde nichts Essbares zwischen den Beißern hatten, schien niemanden zu interessieren. Nachdem wir irgendwann das Leoparden-Späh-Programm als gescheitert deklariert hatten, kehrten wir auf einem Rastplatz ein, der auch Planet der Affen benamt hätte werden können. Ca. 20 Primaten stürzten sich auf löön und Lisa, die Müh und Not hatten unsere Sandwichs zu verteidigen. 

Die kurze Rast wurde zugleich für die Fortsetzung unserer Pirschfahrt schnell abgehandelt und für weitere Stunden Landschaftserspähung ersetzt. Während wir überglücklich unserem Kindheitshelden "Pumba" entgegen traten, wurden wir außerdem Zeuge eines kannibalischen Vergehens am unscheinbaren Straßenrandes des Parks. Ein Affe machte sich an der noch lebenden Beute eines Löwen zu schaffen und riss dem armen Impalaya Reh die Beine aus, um das rohe Fleisch zu verspeisen. "Oh my God, ich dachte die Viecher seien Vegetarier!" Was ein zerstörender Anblick!
 
Nach diesen traumatisierenden Bildern, aber auch dem Erfolgserlebnis die Big 4 1/2 gesehen zu haben, erreichten wir am Abend das Lager für diese Nacht. Mittlerweile hatte sich die Gesamtlage der Reisenden etwas entspannt und wir bemühten uns stetig im English-Mode zu bleiben. Mehrere Rügen der Holländerin hatten bereits für eine Spaltung der Gruppe gesorgt. Für Team München galt der holländische "Totalausfall" als überhaupt nicht mehr tragbar und auch bei uns schien der Geduldsfaden zu platzen, als jeglicher deutschsprachiger Kommunikationsaustausch mit nicht ausschreibbaren Schimpfwörtern tituliert wurde. 

In solchen Fällen hilft nur eins: Krieg oder Lagerfeuer mit Bier. Wir entschieden uns für letzteres. Hakuna Matata! 

.. und in der nächsten Ausgabe zu lesen: Grippewelle, Lebensmittelvergiftung und Mountainbikesturz! Sofern ein Wifibalken zu finden ist, werdet ihr mehr über unsere aktuelle Lage erfahren. Bis dahin, Glück auf!

PS: Das Mobilfunknetz befindet sich in einem desolaten Zustand. Weder ein Funksignal, noch der Hauch von drahtloser Netzwerkinfrastruktur ist hier vorhanden. Obwohl, ist das eigentlich so schlecht?




Hello Africa!

"Yolo* ist dann net mehr!" stellte löön neben mir fest, als wir die mitreisende Gesellschaft begutachten, die sich allesamt oberhalb der berüchtigten Ü60 Marke befanden. "Mir doch egal, Hauptsache das Essen kommt pünktlich aufn Tisch!" bemerkte ich mit knurrendem Magen und zählte die Minuten bis zur Boarding Time. Nur zwei mickrige Brötchen hatte ich mir den Morgen in den Magen gearbeitet. Da konnten wir von Glück sprechen, dass uns Eva mit ihrem Klassiker "Nutella-Zopfkuchen" bedacht hatte, von dem wir wenigstens bis Check-In zehren konnten. Daniel begleitete uns noch bis Endkontrolle und schickte uns dann in Richtung Abfluggate. Gegen 21:00 Uhr konnten wir endlich die Plätze in der etwas urigen Flugmaschine einnehmen, die seit den 90er Jahren wohl kein Update mehr erhalten hatte. Der nicht mal HD-fähige 8,5" Bildschirm offerierte auf Windows 98 Basis längst vergessene Blockbuster Legenden wie "Free Willy", "Speed" und "In 80 Tagen um die Welt". Kein wirklich ansprechendes Programm, hatten wir uns doch auf aktuelle Oscar-Nominierungen eingestellt, die uns in den Öl-finanzierten-Airlines als absoluter Standard bekannt waren. Da konnte es die knatternde South African Maschine nur noch mit der Bewirtung raushauen, hatte das Entertainment Programm für uns schon auf ganzer Linie versagt. Doch die Enttäuschung sollte schon nach wenigen Minuten in neuen Enthusiasmus umschlagen, sind löön und ich mit ein bisschen Hackbraten, Kartoffelbrei und gekochtem Möhrengemüse wieder ganz schnell zufrieden zu stellen. Wir verabschieden uns an dieser Stelle schon mal von Funk, Film und Fernsehen, Pay-TV, Streamingdiensten und Music on-demand. Es geht back to the roots! Ein Hoch auf Offline Playlisten und analoge Schreibutensilien. Weiß noch jemand wie man ohne digitales Endgerät lebt? - Africa here we come! 

Um 8:00 Uhr morgens erreichten wir den Flughafen von Johannesburg, der uns ein welcome-gift von 30 Minuten Free Wifi bescherte. Doch diese kleine Aufmerksamkeit sollte nur wenige Minuten später ins Gegenteil umschlagen. Noch in der Arrival Zone wurden wir von penetranten Tip-Jägern über den Tisch gezogen. Auf die harmlose Frage wo denn der Shuttle Service für unsere Unterkunft zu finden wäre, wurden wir gleich 1 Euro und 50 Südafrikanische Rand los. Eine Fahrtgelegenheit hatten wir damit immer noch nicht, konnten uns aber durch viel Hin- und Her Telefoniererei schlussendlich zum gewünschten Ziel durchschlagen. Die Airport-Lodge überzeugte zugleich mit einem traumhaft schönem Ambiente. Gartenlauben, Hängematten, Pool und Stahlliegestühle, umgeben von einer zooartigen Behausung mit rehähnlichen Gebilden und frei laufendem Federvieh. Ein Ort der Idylle mit Wohlfühltemperaturen, die sich zwischen weder zu heiß noch zu kalt bewegen. Hier möchten wir gerne bleiben❤️.

Voller Furcht griffen wir nachmittags zu den Sagen umwogenden Malaria Tabletten, von denen wir schon so manche Schaudergeschichte gehört hatten. "Es hilft alles nichts, das Zeug muss runter!" Noch während wir die Prophylaxe über den Halstrakt in unseren Körper beförderten, fiel uns ein, dass wir die Tabletten nicht auf leeren Magen nehmen sollten. "Oh no, Dinner ist doch erst um 19 Uhr?!" Glücklicherweise hatte löön noch zwei Mini Hanutas zu offerieren, die uns vorerst das Leben retteten. Nur wenige Minuten später knockte uns ein 3-stündiger Tiefschlaf völlig aus. Ob dies nun von den Tabletten, dem ersten Sonnenbrand oder vielleicht doch nur von dem 10-stündigen, unsanften und schlaflosen Flug herrührte, können wir bisweilen noch nicht beantworten.

Pünktlich zum Briefing und Vorstellung der Tour + Mitreisenden, erwachten wir wieder zum Leben und ließen uns auf die nächsten Tage einstimmen. Die Kurzzusammenfassung: 17-tägige Mitmach-Tour (Zeltaufbau, Küchenarbeiten und Gepäcktetris) mit Team Germany & Neighbours! Unsere Truppe besteht aus der Tourleaderin Wendy, Busfahrer Mike, 2 Holländern, einer Dänin, einer Schweizerin und 7 Deutschen. Warmwasserduschen sind bestätigt, Wifi eher weniger. Wir kündigen somit schon mal eine unregelmäßige Blogaktualisierung an, die vermutlich alle 2-3 Tage stattfinden wird. Morgen früh geht es schon um 7 Uhr los in Richtung Krüger Nationalpark. Ca. 490 Kilometer und 7-8 Stunden Fahrt liegen vor uns. Was auch immer uns ab dann erwartet - wir sind bereit! Die Safari kann beginnen!

"Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!" bestätigte löön. "Auch kein Komma?" fragte ich nach letzter Korrekturabnahme noch einmal nach, hatte ich die mahnenden Worte von Melanie zu meiner katastrophalen Kommasetzung noch im Ohr. "Auch diese sollten vollständig sein." Juchee!

* you only live once



Ab in den Süden!

Südafrika. Da klingeln Vokabeln wie "Big Five", "Kap der guten Hoffnung", "Apartheid", "Nelson Mandela", "Vuvuzela" und "Der Bachelor". Ein Land zwischen Armut und Reichtum, endloser Weite, Rassismus, Freiheit und multikultureller Vielfalt. Klingt irgendwie wie Deutschland, wenn man mal die endlose Weite ausspart und dafür mit Bürokratie ersetzt. Aber das ist ein ganz anderes Thema und während alles in den nördlichen Teil der Welt strömt, setzen wir uns lieber in den Süden ab. Winter? Brauch man das wirklich? So einen mit richtig Schnee vielleicht, aber alles andere dazwischen kann man sich beruhigenden Gewissens ersparen. Anstatt Windschutzscheiben zu kratzen, ziehen wir es dieses Quartal vor, unsere Zelte bei Plusgraden und Sonnenschein in der Wildnis aufzuschlagen. Ein Trip durch die Kultur und Tierwelt Südafrikas, entlang von Küsten und Pirschfahrten in Nationalparks ist geplant. 17 Tage Camping - von Johannesburg bis Kaptstadt. Wenn wir dadurch nicht bis zum Ende der Reise die MacGyer-Survival-Zertifikation erhalten, weiß ich es auch nicht! Von warmen Duschen und fließend Strom ist eher wenig bis gar nichts zu lesen. Auch die Frage, ob ein Free-Wifi-Hot-Spot auf den Campingplätzen der Safari-Route installiert ist, konnte noch nicht in Gänze geklärt werden. Wir werden sehen und uns überraschen lassen, was uns dieses Afrika-Abenteuer zu bieten hat. Fakt ist: Wir werden wie immer alles mitnehmen was geht (vielleicht auch ein Erdmännchen..juhuu :D) und vor keiner exotischen Mahlzeit, sowie traditionellem Ritual zurückschrecken. Sofern es die südafrikanische Highspeed-Internet-Infrastruktur zulässt, werdet ihr hierzu in Kürze mehr erfahren und in Bild und Wort unseren Trip miterleben.

An all euch Skirulaubgenießer, Winterreifenfahrer und Kaminofenbeheizer, an all euch Eiskratzer, Schneschipper, Schal- und Handschuhvermumte, an alle Heizungsaufdreher, Teetrinker und Fließdeckenliebhaber, - macht erst mal ohne uns weiter - wir sind im Süden!


Know your enemy!

Oft sind es die Wesen von denen man es am wenigsten erwartet, die uns mit Fakten überraschen, die wir besser nie gelesen hätten.

So fordert das Nilpferd (auch bekannt als Happy Hippo aus dem Ü-Ei) fast zehnmal mehr Todesopfer als der ach-so gefährliche weiße Hai. Dieser kann in seiner jährlichen Statistik gerade Mal 15 tödliche Opfer aufweisen und befindet sich somit weit abgeschlagen auf Platz 10 hinter dem ostasiatischen Tiger (50 Menschenopfer) und dem Flusspferd, was es auf beachtliche 100 Menschenleben bringt. Mithalten kann hierbei nur die gute alte Kokosnuss, die sich unscheinbar zwischen Mango, Physalis und Papaya im exotische-Welt-Regal aufhält. Dass sie bis zu ihrem Deutschland-Import 150 Todesopfer auf dem Gewissen hat, wird selbst im beiliegenden Kleingedruckten nicht mit einer Silbe erwähnt.

Nach den üblichen Verdächtigen, wie Elefant, Krokodil, Skorpion und Schlange, die es zusammen gerechnet jährlich auf über 100.000 Todesopfer bringen, sind es wir Menschen selbst, die sich mit etwa 1,2 Millionen Verkehrsunfällen eliminieren. Doch auch hier schaffen wir es nur auf Platz 2. Angeführt wird die Liste, der gefährlichsten Killer der Natur, vom Kleinsten aller Übel. Fast unsichtbar und nur durch das nerventötende, nächtliche Summen zu vernehmen, arbeitet sich die 6 Millimeter große Gefahr auf Platz 1 der fragwürdigen Liste. Die Anpheles-Mücke ist für 2,7 Millionen tödlich endende Infektions-Übertragungen verantwortlich. Malaria,  eine Tropenkrankheit, die durch grippeartige Symptome begleitet wird. Da sag ich nur: Willkommen in Afrika und der Heimat dieses tödlichen Killers!

Wie gut, dass uns unsere Fachberatung Rebecca Dittmar mit Prophylaxen ausgestattet und die Gefährlichkeit dieser Erkrankung noch einmal  eingeschärft hat.  Viel zu leichtfertig hatte ich wohl erwähnt, dass die Nebenwirkungen dieses Produktes, wie Alpträume, Koordinationsprobleme, Depressionen und Psychosen, auch nicht zur verachten sind.

Am Ende gilt wie immer nur eins: No risk, no fun! Das Beste was man vom Reisen nach Hause bringen kann, ist immer noch die heile Haut!



Bildequelle: dailygreen.de

Leichtes Gepäck

"Du willst doch wohl nicht in Flip Flops abends weggehen?!" entgegnete mir Resi, als ich ihr einen Auszug der empfohlenen Pack-Checkliste für unseren Camping-Trip in Südafrika präsentierte.

1 kurze Hose
4 T-Shirts
1 Fleece-Top
2 Paar Schuhe
..

Schon beim Überfliegen dieses Dokumentes, sah ich vor mir mehrere Personen meines Freundes- und Bekanntenkreises die Segel streichen und gedanklich den Cluburlaub in der Türkei buchen.
Übersichtlich. Wenn nicht zu sagen: Minimalistisch. Und in knappen Worten der beigefügte Tipp des Reiseveranstalters: "Ihr werdet viel unterwegs sein, daher empfehlen wir leichtes Gepäck."
Auf der anderen Seite: Brauche ich auf einem Camping-Trip durch die Wüsten und Nationalparks Afrikas tatsächlich Weggehschuhe? Keine Ahnung wie die Infrastruktur und das Nachtleben im gefühlten Nirgendwo zwischen Johannesburg und Kapstadt aussieht. Zeit zum Einlesen in dieses Land hatten wir diesmal überhaupt nicht. Ständig kamen uns Events wie Silvester, Weihnachten, Weihnachtsfeiern, Geburtstage, Meetings, Greetings, Projekte und andere organisatorische Unliebsamkeiten dazwischen. Das ganze komplettiert durch den normalen Arbeits- und Feiertagsstress, Einkäufe und die ständige Frage "Was ziehe ich heute an?"
Der Gedanke nur 4 Kostüme zur Auswahl zu haben, hätte sicherlich so manche stundenlange Kopfzerbrecherei eingespart und womöglich dafür gesorgt, dass man sich wieder mal aufs Wesentliche konzentriert.

Wie dem auch sei, das Live-Experiment, mit einer Handvoll Garderobe über 3 Wochen auf Safari auszukommen, werden wir in einer Woche starten und spätestens nach wenigen Tagen feststellen können, ob Steffi mit ihrer lyrischen Zeile "Es reist sich besser, soviel besser, mit leichtem Gepäck." recht hatte.

In diesem Sinne, weniger ist mehr. (gedanklicher Nachtrag: Weniger ist eigentlich so gut wie leer!)



 

Bildquelle:  99traveltips.com

Hoffnungslos Hoffnungsvoll

In Tagen des Terrors und der allgemeinen Verunsicherung, stellt sich für viele die Frage, wie, wo und ob man überhaupt noch reisen sollte. "Wir haben versucht Ägypten im Dezember zu stornieren, doch unser Reiseanbieter stuft das Urlaubsgebiet als nicht terrorgefährdet ein."  "Wir wollten über Silvester nach Paris, aber unter den Umständen canceln wir den Trip." "Mein Mann muss geschäftlich nach Mailand, ich habe Angst um ihn." Auch der, für sonst viele, fest eingeplante Traditionsausflug auf deutsche Großstadtweihnachtsmärkte, der gerne mit dem Zug und dem stets beliebten Glühweinstandaufenthalt kombiniert wird, steht plötzlich in Frage. Massenevents wie Konzerte und Sportveranstaltungen sind augenblicklich gleichzusetzen mit einem Trip in Kriegsbestimmtes Land. Die Bilder und Nachrichten der letzten Wochen bestimmen unser Denken und Handeln und haben uns in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Und selbst wenn überhaupt keine Gefahr bestehen sollte, so könnte in diesen Tagen schon der kleinste Verdacht für eine Massenpanik sorgen.

Ob diese Ängste und Bedenken nun tatsächlich gerechtfertigt sind oder ob wir uns nun völlig verunsichern lassen, das kann vermutlich niemand so genau beantworten. Fakt ist: Gefahr lauert immer und überall. Das was in Paris passiert ist, steht in anderen Ländern auf der Tagesordnung. Es gehört zu den Risiken des Lebens, genauso wie ein Erdbeben, eine Überschwemmung, ein Hausbrand, eine schlimme Krankheit oder ein Autounfall. Wir sind vor nichts sicher und können allesamt dankbar sein, dass wir es unserem Leben schon bis hierher geschafft haben. Bei den ganzen Dingen, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind, eigentlich ein absolutes Wunder. Umso mehr sollten wir dem Leben furchtlos begegnen und uns nicht einschüchtern lassen.

In diesem Sinne scrollten löön und ich Abend für Abend durch das vielfältige Tripangebot einer Reisegesellschaft, die unsere Herzen mit specials offers wie "YOLO"- und "Active and Adventure"-Deals höher schlugen ließ. Auch wenn wir Jordanien und den Nahen Osten erst mal kategorisch ausschlossen, so befanden sich in der Endauswahl noch hochkarätige Vertreter wie Kanada, Patagonien, Ecuador und Südafrika. Keine leichte Entscheidung, die bei diesem Aufgebot zu fällen war und so schoben wir die Aufgabe gekonnt an unsere Reiseexperten "STA Travels" weiter, die wir mit Angebotsanfragen und einer schier unendlichen Liste an Zusatzfragen konfrontierten. Mit viel Geduld und ausführlicher Recherchearbeit nahm sich unsere Kundenbetreuerin "Steffi" unserem Anliegen an. Trotz zwischenzeitlichem Bedenken, dass wir sie mit unseren ständig neuen Ideen in den Burn-Out getrieben hatten, bestätigte sich dies glücklicherweise nicht. So verglichen löön und ich akribisch die Für und Wieders, rechneten Terminkollisionen mit unserem Kreisoberliga-Saisonkalender aus, aktivierten die Googlebildergalerie für Anschauungsmaterial und lasen uns in die Landesgeschichte, Flora und Fauna, sowie Tripadvisor-Rezessionen ein.

Am Ende fanden wir unser Land. Eines das für Hoffnung steht. SÜDAFRIKA.