Bis an die Grenzen...

So, das wars! Ende, Gelände. Finito! Für diese Saison ist das Kapitel "Hiking" für mich nun endgültig abgeschlossen. Kanadische Mountains sind eine Tortur, wenn ich das mal milde ausdrücken darf! Und das kanadische Volk eine reine Hiking-Hardcore-Outdoor Gesellschaft. "Grousse Mountain? Dafür braucht ihr ne Stunde, vielleicht anderthalb." Aber mit keinem Wort wurde erwähnt, dass der Weg strack geradeaus den Berg hochführt! Bei 1/4 des Weges dachte ich, ich müsse sterben. Die Tour erwies sich als reinste Qual und dass ich überhaupt oben angekommen bin ist ein Wunder der Natur! Selbst der Ausblick auf Vancouver konnte mich zunächst nicht positiv stimmen. Doch eine heiße Schokolade, zwei lumberjacks und TaaDaa: ein Grizzly, haben den Hike letztendlich mehr als lohnenswert gemacht. Zurück gings dann trotzdem mit der 5$-Gondel. Wie deprimierent, wenn man für eine 2 Stunden -"Wander"-Strecke nur 5min runterzugs benötigt...




Thanksgiving in North Vancouver

Wie schön, wenn man Feiertage in fremden Kulturen zelebrieren kann, die es in Europa gar nicht gibt. Erntedank hin oder her, Thanksiving toppt unser Fest um Längen und Montag ist sogar Schulfrei! Zur Feier des Tages wurden Marc und ich freundlicherweise von Fabians Gastfamilie zum großen Essen eingeladen. Gastgeschenk viel leider aus wegen ist nicht - oder aber auch: wir fanden weder Flower- noch Liquore-Store.
Wie feiert man nun eigentlich Thanksgiving in einer typisch, modernen kanadischen Familie? Zunächst einmal werden alle greifbaren Verwandten eingeladen. Sei's drum, dass es sich hierbei um Urgroßcousins inkl. Anhang und deren Familie handelt. Kanada ist groß und da kann man nun mal nicht die nächsten Familienangehören von der East Coast einladen. So kam es, dass neben der "Original-Kanada-Familie", Menschen aus Malaysia, Brasilien, Argentinien und der Schweiz neben uns saßen, die aber alle in Vancouver und Umgebung leben. Vom Baby bis zum Grandpa - alles dabei!
Das Essen wurde in Form eines Buffets aufgebaut. Nicht etwa wie im Film, Truthahn mit Füllung - nein, alles Lüge! Truthahn- und Schweinestückchen, die Füllung als Beilage daneben, Smashed and Sweet Potatoes und Unmengen an Gemüse, füllten unsere Teller. Die Krönung dann zum Nachtisch: Ein Buffet von etwa der selben Größe, aber diesmal gefüllt mit den leckerstens Desserts Kanadas! Der traditionelle Pumpkin-Pie, Donuts, Blueberry-Cake und Brownies. Ein Hochgenuss!! Nachdem wir uns mit allen Familienangehörigen ausgiebig über unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterhalten hatten, wurden wir nach unten in den "Keller" geführt, wo einige Activities anstanden. Air-Hockey, Nintendo Wii auf 42" Monitor, Fußball, Musik und mehr gestalteten das Abendprogramm.
Mein abschließender Kommentar lautet: Wenn wir schon den ganzen Crap aus US+A importieren, warum nicht das schöne Thanksgiving?!





Bless you!

Das Kontrastprogramm 'Mountain - Großstadt' war wohl doch etwas zu krass für mich. Schon in der 3. Nacht suchte mich die Grippe heim und dauert an... Kein Wunder bei den vielen Einwohnern! In Vancouver leben 2,25 Millionen Menschen und meinem Gefühl nach begegne ich jedem Einzelnen morgens in der Straßenbahn. Da heißt es ab 'Brentwood Town Centre' bis Endtstation 'Burrard' Luft anhalten und sich ganz klein machen. Die Lehrer sind schon sehr erstaunt, wenn ich auf die Frage "What was your first impression of Vancouver" mit "HUGE!" antworte. Ich dagegen muss beschämt unter mich schauen, wenn meine Mitschüler von ihrer kleinen Heimatstadt berichten. "How many people live there?" "Oh, just 1 million!" Ähh...ja, das ist dann natürlich schon ne Kleinstadt.
Wie dem auch sei, der Begriff "village" scheint hier doch eher weniger geläufig zu sein. Trotz, dass ich immer wieder erwähne aus einem kleinen Dorf zu kommen, werde ich jedes Mal aufs neue auf meine city, town oder 'suburb of Frankfurt' angesprochen. Dörfer sind hier genauso rar wie günstige Apartments in Down Town of Vancouver während der Olympischen Winterspiele.
Trotz der heftigen Menschenmassen zur Rush Hour in Vancouver, hat das ganze auch einen positiven Nebeneffekt. Wo anders als hier, treffen Sie potenzielle und vor allem sooo viele neue Kunden an, als im Hauptausgangspunkt der Straßenbahn? So gibt es neben der kostenfreien Tageszeitung am Morgen auch täglich neue 'free goodies' mit auf dem Weg. Bonbons, Kaugummis, Popcorn und gestern sogar ein "Coffee Latte 2 go" - find ich spitze!




Back to school =)

"You are not allowed to speak any other language than English!" Das ist Regel Nr. 1 bei Tamwood, ansonsten wirst du nach drei Verwarnungen vom Unterricht und der Schule verwiesen. Wie schlecht aber auch, dass wir gleich wieder so viel Deutsche hier antreffen. Wie soll man da vernünftig kommunizieren, wenn doch alles so viel einfacher in der Muttersprache wäre. Aber schon ganz richtig so. Schließlich müssen auch die überwiegend Spanier, Franzosen, Mexikaner und Emirater in den sauren Apfel beißen. Nach einem 100-Fragen Test und Short-Interview, haben wir den ersten Schultag ganz easy mit einer Stunde "Communication" beendet. Und was habe ich da wertvolles gelernt? "Rambler" heißt nicht etwa wie im Dictionary nachzulesen "Wanderfreund", sondern "jmd. der gerne und lang schwafelt". Good to know, no?
Meine Gastfamilie ist ansonsten sehr nett. Typisch temperamentvoll wie richtige Italiener so sind und die Behausung ist auch nicht anzumängeln. Der Weg zur Schule beträgt zwar knapp 45min, dafür ist die Anbindung an SkyTrain nur 10min von meiner derzeitigen Residenz entfernt. Newspaper gibt es morgens sogar umsonst und ich muss nur ein einziges Mal umsteigen! Gestern Nacht habe ich lediglich mein Haus erst nach 15min-Rumsuchen ausfindig machen können. Die sehen hier aber auch alle so geich aus!




Abschied, Windhunde und "Di(e) Lullos"

Nachdem ich heute Nacht um ein Haar meine Bude niedergebrannt hätte (wer legt auch die Newspaper so dicht vor den Ofen???), hieß es dann heute Morgen endgültig Abschied nehmen. Da ein jedem die Bonfire-Night noch sichtlich im Gesicht geschrieben stand, konnte Trauer und Verzweiflung glücklicherweise nicht zu sehr zum Ausdruck gebracht werden. Wenn's am schönsten ist sollte man gehen, oder wie war das? Doch der Weg down-hill sollte keine Kaffefahrt werden. Zunächst einmal sprang der Wagen gar nicht an. Erst im zweiten Anlauf und mit neuem Truck konnte die Rallye beginnen. Stellt euch den Weg 'Beilstein - Merkenbach' bei Eis und Schnee vor und dann bitte in 2000m Höhe und 4mal so heftig. Mein Testament lag schon als Einschreiben bereit und die Briefttaube wartete nur noch auf mein Zeichen. Was eine Erleichterung, dass Tom der alte Hase und Ureinwohner, das Steuer auf seiner Seite hatte und uns mit nur wenig Luft-anhalten den Weg herunterkarrte. Mit Restalkohol und zwei "Frühschoppen 2 go" ist die Strecke ein Kinderspiel!
Unten angekommen überraschten uns die Ex-Volunteers Ashton & Dean mit Hugs und guten Wünschen für die Reise. Und schon war Pumpkintown Keremeos außer Sichtweite. In nur 6 Stunden brachte uns der Greyhoundbus in Richtung neues Kapitel: Homestayfamily in Vancouver.
Was für einen guten Eindruck ich bei den "Di Lullos" hinterlassen haben muss, als ich mit einer Duftwolke von Barbecue, Feuer & Smoke in die Tür eingetreten bin. Und dann ist hier alles so clean und gepflegt. Wie ungewohnt kein Feuer abends anzumachen und mit einer konstanten 3.000 kBit/s - Internetverbindung durch das worldwirdeweb zu surfen!



Leavin' Winter Wonderland

Kaum zu glauben aber wahr: Die vier Wochen Volunteering @ Cathedral Lodges Park sind bereits vorbei und können zu den Akten gelegt werden. Zum Abschied sendet uns Lake View Mountain noch enmal winterliche Grüße und lässt uns in einem Hauch von Schnee den Berg verlassen. Ein Bonfire, mit einer beachtlichen Höhe von ca. 8m, inkl. Barbecue und Fireball, bereitet unser 'Goodbye' nicht gerade easier. Schön wars, das kann man nicht anders sagen. Eine Erfahrung der ganz besonderen Art! Mit ein paar Wienern, Bratwürsten & Schaschlik, beenden wir dieses Kapitel and looking forward to a Greyhound-Bus-Trip 'Keremeos to Vancouver' at 7am tomorrow morning :)






Ice Age

Nee, oder??? Da geht man um 6 Uhr morgens nichts ahnend, noch im Halbschlaf und völlig durchgefroren in Richtung Outhouse-Bathroom, mit dem einzigen Hoffnungsschimmer im Hinterkopf gleich eine heiße Dusche zu nehmen. Wundert sich auf dem Fußweg noch über das komisch kalte Weiß am Boden, öffnet die Tür und reibt sich gleich vier mal die Augen. Denn diese erblicken in diesem Moment nichts anderes als 3cm lange Eiszapfen!!! Schön am Duschkopf herunterhängend, und nicht nur das: Der Hahn lässt sich nicht einmal mehr aufdrehen! An dieser Stelle hätte ich jetzt eigentlich "Vorsicht, Kamera" erwartet. Nein, mir sogar herbei gewünscht, aber der Part blieb leider aus. Oh, happy day!!!
Für den Rest des Tages habe ich mich in die Küche verzogen, da auch die Holzspäne für ein wärmendes Feuer ausgegangen sind. Hier bin ich meiner Liebelingbeschäftigung dem "Scones-nach-allen-Variationen-aber-selten-nach-Originalzept-backen" und "Dishwashing-für-eine-bessere-Welt" nachgegangen. Dazu der folgende Videobeitrag "This is how we do it (Dishes at Cathedral Lodges Park)".